Nazi-Mordserie : Haftbefehle gegen mutmaßliche NSU-Helfer aufgehoben

Die Vorwürfe gegen Carsten S. und Matthias D. reichen laut Bundesanwaltschaft nicht für eine längere Haftdauer. Eine Anklage wegen NSU-Unterstützung droht ihnen dennoch.

Die Bundesanwaltschaft hat zwei mutmaßlichen Unterstützer der Neonazi-Zelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) aus der Untersuchungshaft entlassen. Die Haftbefehle gegen Carsten S. und Matthias D. seien aufgehoben, teilte die Anklagebehörde in Karlsruhe mit.

Bereits in der vergangenen Woche hatte die Bundesanwaltschaft Holger G. freigelassen . Alle drei Unterstützer müssen jedoch mit einer Anklage rechnen. Wann sie eingereicht wird, will die Bundesanwaltschaft nach Abschluss der Ermittlungen entscheiden.

Laut Bundesanwaltschaft ist Carsten S. weiter dringend verdächtig, den mutmaßlichen NSU-Mitgliedern Ende 1999 oder Anfang 2000 gemeinsam mit dem Beschuldigten Ralf W. die Tatwaffe zu Morden an neun Migranten beschafft und sich damit der Beihilfe zum Mord schuldig gemacht zu haben.

Carsten S. habe umfassend gestanden. Zudem habe sich S. glaubhaft von rechtsradikalem Gedankengut abgewandt. Aufgrund seiner "festen sozialen Bindungen" bestehe deshalb keine Fluchtgefahr mehr. Matthias D. soll zwei Wohnungen für den NSU gemietet haben. Laut Bundesstaatsanwaltschaft reichten aber die Vorwürfe gegen ihn nicht für eine längere Untersuchungshaft.

Dem bereits vor einer Woche freigelassenen Holger G. wird vorgeworfen, der Terrorgruppe eine Pistole besorgt zu haben. Diese hätten die Täter aber nicht als Tatwaffe bei den Morden benutzt. Deshalb sah die Bundesanwaltschaft bei Holger G. keinen Anhaltspunkt für einen dringenden Tatverdacht der NSU-Unterstützung.

Der jahrelang unentdeckt gebliebenen Neonazigruppe werden neben den neun Morden an Migranten auch ein Mord an einer Polizistin sowie zwei Sprengstoffanschläge in Köln zur Last gelegt.

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Kommentare

17 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Das ist doch inkonsistent

Natürlich erfolgte die Freilassung aus formaljuristiscen Gründen! Aus welchen den sonst? Das ist das Wesen aller juristischen Entscheidungen.

Der interessante Punkt ist doch das offensichtlich (wie schon von Kommentatoren angemerkt) keine Verdunkelungsgefahr mehr zu bestehen scheint. Da es sich hier hauptsächlich um Fluchtgefahr handeln wird, wirft das ein interessantes Licht auf das zu erwartende Strafmaß.

Offensichtlich ist es für die Angeklagten unproblematischer den Prozess abzuwarten als sich einfach abzusetzen. Und das bei einer Beteiligung an 10 Morden und zwei Bombenanschlägen???
Kann es sein das die Staatsanwaltschaft doch keinen so lückenlosen Fall hat wie es in den Medien dargestellt wird?