Occupy FrankfurtDas Ende von Deutschlands berühmtestem Zeltplatz

Sieben Monate und ein Tag: Das Occupy-Camp in Frankfurt ist seit Mittwoch erst einmal Geschichte. Politisch hatte es schon lange kaum noch etwas bewegt. von 

"Hallo", sagt der nette Polizist. "Hallo", sagt der nette Blockierer. "Wenn Sie nicht verletzt sind, würden wir sie dann jetzt wegtragen, ja?" – "Ok!" Beide lächeln sich noch einmal an, dann packen der Beamte und eine Kollegin den jungen Mann unter den Armen und in den Kniekehlen und tragen ihn vom Rasen vor der Europäischen Zentralbank, setzen ihn ab und kehren zurück zu den Blockierern, um den nächsten zu holen.

Es herrscht beste Stimmung an diesem Morgen im Frankfurter Camp der Occupy-Aktivisten , das hier gerade geräumt wird. Die Sonne scheint und im Hintergrund trommelt eine kleine Band den Begleit-Soundtrack zum Spiel von Polizisten und Protestlern. "Danke, dass ihr nicht aggressiv seid", sagt ein Sprecher des Camps freundlich ins Mikro. "Schön, dass die allermeisten von Ihnen friedlich bleiben", gibt der Polizist mit der blauen "Communicator"-Weste ein paar Meter weiter drüben zurück.

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Es ist ein Ende, wie es zu diesem Camp passt. Sieben Monate und ein Tag, seit der großen Auftaktdemo am 15. Oktober letzten Jahres, war die kleine Zeltstadt rund um das riesige Euro-Zeichen vor der Europäischen Zentralbank das deutsche Symbol des Occupy-Protestes. Sieben Monate lang stand sie für eine weit verbreitete Wut auf die Banken und das Finanzsystem. Am Anfang schauten viele wohlwollend und voller Hoffnung auf diese so neue, unideologische Bewegung – doch in den letzten Wochen und Monaten schaute kaum noch jemand hin. Weil Occupy in Deutschland nie zur Massenbewegung wurde, weil die Aktivisten sich bald mehr mit dem Ordnungsamt stritten als mit Bankern und Politikern. Doch friedlich, das waren sie wirklich immer.

Fast alle "Blockupy"-Veranstaltungenwurdenverboten

Nun ist es vorbei, erst einmal. Weil ab dem heutigen Mittwoch bis Samstag zu den "Blockupy"-Aktionstagen auch viele gewaltbereite Linksradikale aus ganz Europa erwartet werden, will die Stadt eine Sicherheitszone rund um die EZB errichten. Und weil das Camp genau in dieser Zone liegt, müssen die Bewohner nun raus. Von Mittwochmorgen bis Sonntagnachmittag gilt das Campverbot.

Aus Angst vor Ausschreitungen hat die Stadt fast alle Veranstaltungen der "Blockupy"-Tage verboten, neben Großdemonstrationen auch vermeintlich eher harmloses, wie ein Konzert des Liedermachers Konstantin Wecker . Es geht den Behörden dabei weniger um die Veranstaltungen oder ihre Organisatoren selbst, darunter die Grüne Jugend und Attac . Sie fürchten vielmehr, dass linksradikale Randalierer die einzelnen Events als Bühne für ihre Gewalt nutzen könnten.

So ist nun ausgerechnet das beschauliche Occupy-Camp mit seinem Infostand und seiner kleinen Gartenkräuterzucht das erste Opfer der anstehenden Großgefahrenlage in Frankfurt. Die Einschränkungen für die friedlichen Systemkritiker sind quasi ein Kollateralschaden der staatlichen Sorge vor gewaltbereiten Systemkritikern.

Leserkommentare
    • scg
    • 16. Mai 2012 18:09 Uhr

    Ja nee is klar...

  1. kommen, denn es wird Anlass geben.

    Der Sommer wird heiß.

    Beste Grüße.
    FSonntag

  2. "Man kann es nicht oft genug allen vor Augen führen: Die Menschen zahlen mit harter Münze für das Finanzsystem und haben in den vergangenen vier Jahren fast nichts dafür zurück bekommen – keine Transparenz, wer die Milliarden wohin schiebt; keine Besteuerung großer, international verteilter Vermögen; keine Trennung der spekulativen Geldinsitute vom Rest; keine Haftung der Verantwortlichen. Wir haben die Macht über unser Geld nicht wieder bekommen. Die Banker verdienen trotz allem wie vorher und halten sich immer noch für schlauer als der Rest der Welt.

    Hier liegt die eigentliche Gefahr. Diese Fakten zerstören nicht nur viele Arbeitsplätze, sie zerstören die Gesellschaft, den Glauben an die Demokratie."
    http://taz.de/Kommentar-B...

    Mal wieder ein hervorragender Artikel in der taz, der den Nagel auf den Kopf trifft!

    Bis Samstag, in Frankfurt!

  3. der EU gehört habe, darf man davon ausgehen, dass das nicht friedlich bleibt.

    Es hat Konsequenzen Völker ausbluten zuu lassen!

  4. Naiver und alberner Protest. Mehr nicht.

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    Anhöhren würde, würde ich wohl ähnlich denken, sofern ich abgehoben und egoistisch bin.

    Albern ist nicht der Protest sondern das Bankensystem mit all seinen realen Auswirkungen auf Menschen, die nichtmal wissen, wie es funktioniert und was genau es ist. Ein System, dass die, die es schützen und nähren frisst, sobald es in Not gerät. Ein System, von dem in Krisenzeiten Reiche profitieren und Arme noch ärmer werden, hungern, Familie verlieren und sich im schlimmsten Fall selbst ermorden, wie wir an der steigenden Selbstmordrate in Griechenland sehen können.

    Wenn Sie das alles albern finden bitte sehr. In Wirklichkeit ist albern, dass Politiker glauben, es gibt keine Alternative zu diesem Monopoly des Grauens.

    Das hat dieser selbsternannte Bürgerrechtler und Freiheitsliebhaber wohl vergessen. Falls er es überhaupt jemals zur Kenntnis genommen hat.

  5. Demonstrationen so pauschal und prophylaktisch zu verbieten?

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    weil es sich um linke, antikapitalistische demonstrationen handelt.

    demos von rechtsextremistischen gruppierungen wie pro nrw oder solche von neonazis, werden immer genehmigt und mit einem riesigen polizeiaufgebot durchgesetzt, wegen der meinungsfreiheit.

    • Karl63
    • 16. Mai 2012 18:46 Uhr

    >>Das Ganze sei schon länger "kein politischer Aktivismus mehr, sondern, wenn man es böse sagen will, eher ein Auffanglager für Obdachlose und Junkies"<<
    Ein Satz in dem eigentlich alles gesagt wird.
    Leider wurde der absolut legitime politische Protest am dem bewussten 31.März von Leuten "okkupiert", für die das Ausüben von Gewalt offensichtlich ganz selbstverständlich ist. Wenn Brandsätze fliegen, dann endet aber jedigliche Legitimation, egal welche Ziele ursprünglich verfolgt wurden.
    Bleibt nur zu hoffen, es bleibt friedlich am Wochenende, alles Andere wäre schlicht das "Aus" für Occupy Frankfurt.

  6. 8. Wandel

    Fast alle in meinem Umfeld waren einst pro Occupy-Bewegung (und mein Umfeld ist nicht gerade links, sondern eher liberal). Das hat sich im Laufe der Zeit aber geändert, und speziell zum Occupy-Camp hat sich die Meinung um 180° gedreht, aus bereits genannten Gründen.

    Mit Blockupy hat die Bewegeung sich aber vollends von vielen ehemaligen Befürwortern abgekapselt und unter uns Frankfurtern herscht eine seltsame Stimmung, in Anbetracht der schließenden Banken und Geschäften und verriegelten Straßen in der Innenstadt wegen den drohenden Ausschreitungen.

    Wenn Banken ihre Mitarbeiter aufrufen nicht zur Arbeit zu erscheinen oder wenn dann bitte Alltagskleidung zu tragen (was ich an sich als immer geltenden Standard begrüßen würde! ;)), läuft hier irgendwas richtig falsch.

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    Was können die friedlichen Demonstranten für die wenigen Gewaltbereiten? Es ist Aufgabe der Polizei diese Gewaltbereiten in Grenzen zu halten und Aufgabe der Demo diese auszuschließen. Hingegen alle in Geiselhaft zu nehmen und die Intention der Bewegung deswegen in Frage zu stellen ist sicherlich bequem, aber unfair und ungerecht.

    Im Übrigen wird viel Aufhebens um die angeblich gewaltbereiten gemacht. Ich glaube, dass ist vielmehr Taktik um Menschen zu der Meinung zu bewegen, die Sie haben.

    " Wenn Banken ihre Mitarbeiter aufrufen nicht zur Arbeit zu erscheinen oder wenn dann bitte Alltagskleidung zu tragen, läuft hier irgendwas richtig falsch. "

    Nein.
    Grundlegend falsch läuft es, wenn eine Bewegung deren Ziel die Bekämpfung der destruktiven Hochfinanzmafia war/ist, von dieser nicht gefürchet wird.
    Ja, diese sogar den Occupisten Zugang zum Kunden-WC gewährt.
    Also überhaupt nicht als Bedrohung empfunden wird.

    Will man nun politischen Kampf oder will man nur harmloses Camping in dt. Innenstädten?

    Dummerweise gibt es genug obrigkeitshörige Mitläufer, die denjenigen die statt konsequenzenlos schwafeln, handeln, in den Rücken fallen, so dass sich die Hochfinanz auch morgen noch ihrer Privilegien, Boni und Macht sicher sein kann.

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