Im Prozess gegen die frühere RAF-Terroristin Verena Becker vor dem Oberlandesgericht Stuttgart will sich die Angeklagte erstmals äußern. Die 59-Jährige werde zu dem Vorwurf der Beteiligung an dem Mordanschlag auf den früheren Generalbundesanwalt Siegfried Buback am 14. Mai eine rund 15 bis 20 Minuten lange Erklärung vortragen, kündigte ihr Verteidiger Walter Venedey vor Gericht an.

"Sie kann einige Sachen so nicht stehenlassen", sagte ihr anderer Verteidiger Hans Wolfgang Euler außerhalb des Verhandlungssaals. Becker werde sich "umfassend zur Sache äußern. Sie wird sich nicht verstecken." Auf die Frage, was Becker sagen werde, antwortete Euler: "Sie wird sagen: ja oder nein."

Becker hatte seit Auftakt des Prozesses am 30. September 2010 geschwiegen . Sie muss sich in Stuttgart wegen Mittäterschaft bei dem RAF-Anschlag verantworten, bei dem am 7. April 1977 in Karlsruhe Buback und zwei Begleiter getötet worden waren. Ihr wird vorgeworfen, maßgeblich an Planung und Vorbereitung des Attentats beteiligt gewesen zu sein.

Michael Buback , Sohn des RAF-Opfers und Nebenkläger im Prozess, ist hingegen davon überzeugt, dass Becker selbst die Todesschützin gewesen ist. Hierfür hat der Prozess allerdings bislang keine belastenden Anhaltspunkte ergeben.

Bei dem Anschlag waren die Schüsse vom Beifahrersitz eines Motorrads abgegeben worden. Das Motorrad mit zwei vermummten RAF-Terroristen hatte neben Bubacks Dienstwagen gestoppt, als dieser in Karlsruhe vor einer Ampel hielt.