Die USA stehen statistisch an einem Wendepunkt: Erstmals wurden im Land weniger als die Hälfte aller Babys mit weißer Hautfarbe geboren. Zwischen Juli 2010 und Juli 2011 waren dem U.S. Census zufolge 50,4 Prozent der Babys schwarz, asiatisch, indianisch, hispanisch oder multiethnisch. Dabei wurden die Vereinigten Staaten einst als Kolonie weißer Europäer gegründet. Eine nennenswerte Immigration aus nicht-europäischen Ländern gibt es erst seit den sechziger Jahren. Das Land erlebe gerade eine "Transformation von einer größtenteils weißen Babyboomer-Kultur zu einem globalisierten, multiethnischen Land", sagte William Frey vom liberalen Brookings Institut der New York Times .

Unerwartet kommt diese Entwicklung nicht: Statistiker haben schon vor einigen Jahren berechnet, dass um das Jahr 2060 auch die Mehrheit der Erwachsenen in den USA nicht mehr weiß sein wird. In Bundesstaaten wie New Mexico, aber auch in Großstädten wie New York ist das bereits heute der Fall. Dort, wo Weiße noch die Mehrheit stellen, sind das in der Regel ältere Menschen, während sich Minoritäten eher aus jungen Familien zusammensetzen.

Am auffälligsten ist das in Yuma County, Arizona : Laut William Frey sind hier nur 18 Prozent der Bewohner unter 20 Jahren weißer Hauptfarbe. 63 Prozent der Rentner hingegen sind weiß. Ähnlich sieht es in Texas aus: "Dort, wo die über 60-Jährigen leben, ist Texas ein Anglo-Staat," meint Mark Fosset von der texanischen A&M-University. "Das sind die wohlhabenden, hausbesitzenden, weißen Wähler. Guckt man sich an den Schulen um, dann ist jeder, der unter 18 Jahre alt ist, Latino."

Mehr als 50 Millionen Hispanics leben in den USA

An der mexikanischen Grenze, von Südkalifornien bis Texas, leben heute schon mehr Hispanics als Weiße. In El Paso sind die Ansagen in Bussen auf Spanisch. In San Antonio gibt es spanische Straßennamen. In Miami haben spanischsprachige Fernsehsender höhere Einschaltquoten als amerikanische, und Albuquerque zelebriert spanische Feiertage wie den "Tag des Todes". Auch in New York sind in manchen Supermärkten alle Hinweise auf Spanisch gehalten, die Zeitung New York Times liegt hier am Kiosk neben El Diario .

Von den 330 Millionen US-Amerikanern haben heute schon mehr als 50 Millionen hispanische Wurzeln – Puerto Ricaner nicht einmal mitgerechnet – und jedes Jahr kommen ein bis zwei Millionen dazu. Das sind nur die legalen Einwanderer. Hispanische Frauen haben außerdem mehr Kinder, nämlich im Schnitt 2,91, während es bei weißen Frauen nur 1,83 Kinder sind.

Dies alles führt zu Verunsicherung und damit gelegentlich zu Gewalt: In Arizona machen selbsternannte und bewaffnete Grenzschützer Jagd auf Mexikaner . Als erster erließ der Bundesstaat ein umstrittenes Gesetz, das außerdem die Polizei verpflichtet, verdächtig aussehende Personen darauf zu überprüfen, ob sie sich legal im Land aufhalten. Inzwischen haben andere Staaten ähnliche Gesetze verabschiedet.