Im Prozess gegen den norwegischen Massenmörder Anders Behring Breivik hat die Staatsanwaltschaft dafür plädiert, den Angeklagten für unzurechnungsfähig zu erklären. Sollte das Gericht der Einschätzung der Staatsanwaltschaft zustimmen, würde Breivik in die Psychiatrie eingewiesen werden.

Anklägerin Inga Bejer Engh und ihr Kollege Sven Holden begründeten ihre Einstufung Breiviks als nicht schuldfähig mit "weiter bestehenden Zweifeln" an seinem psychischen Zustand während der Anschläge . Beide wollten sich der Einstufung des Täters als "psychotisch" durch ein erstes Gutachten nicht anschließen, wobei aber letzte Zweifel nicht auszuschließen seien.

"Nach unserer Überzeugung ist es schlimmer, einen psychotischen Menschen irrtümlich in Haft zu nehmen als einen nicht-psychotischen in eine Zwangspsychiatrie", sagte Holden. Engh sagte bei einer Pressekonferenz nach dem Plädoyer: "Wir hätten uns eine sichere Einstufung bei einem Verfahren wie diesem gewünscht. Aber es gibt sie leider nicht."

Breivik ist kein Mitglied eines politischen Netzwerks

Zudem hält Engh die politische Erklärung Breiviks für ein Fantasiegebilde. Im Schlussplädoyer im Prozess wegen der Ermordung von 77 Menschen sagte sie vor dem Osloer Gericht, Breiviks behauptete Zugehörigkeit zu einem "Orden der Tempelritter" als politischem Netzwerk sei frei erfunden. In Wirklichkeit sei er von "Gewalt- und Mordfantasien" angetrieben gewesen. 



Breiviks Erklärungen zu seinem angeblichen politischen Hintergrund hätten das "für ihn tragische Bild eines jungen Mannes ergeben, der sich als Teil eines nicht existierenden Netzwerkes sieht". 



Zu Beginn des Schlussplädoyers sagte die Anklägerin, der eigentliche Mittelpunkt des zehnwöchigen Verfahrens seien die Überlebenden und Hinterbliebenen des Massakers gewesen. Sie hätten mit ihren Aussagen für einen "angemessenen und würdigen Verlauf" gesorgt.