GroßbritannienCameron bestreitet zu große Nähe zu Murdoch

Hat David Cameron Absprachen mit Mediengigant Rupert Murdoch getroffen? Vor dem Untersuchungsausschuss zum Abhörskandal bestritt der britische Premier diesen Verdacht.

Der britische Premier David Cameron

Der britische Premier David Cameron   |  © Dan Kitwood/Getty Images

In der Affäre um das Medienimperium von Rupert Murdoch hat Großbritanniens Regierungschef David Cameron jegliche Absprachen mit dem Konzern zurückgewiesen. Die Idee, dass es geheime Absprachen seiner konservativen Partei mit Murdoch gegeben habe, sei "Unsinn", sagte Cameron vor der Untersuchungskommission für Medienethik in London. Zugleich bezeichnete er die Beziehungen zwischen Politik und Medien als "zu eng".

Politiker, sagte Cameron vor dem Ausschuss unter Eid, "müssen aufpassen, wenn sie persönliche Freundschaften (mit Medienvertretern, d. Red.) haben, aber das kann man, und das habe ich getan". Cameron pflegt eine enge Freundschaft mit der früheren Murdoch-Führungsangestellten Rebekah Brooks. Die ehemalige Chefredakteurin des eingestellten Boulevardblatts News of the World wohnt bei Cameron in der Nachbarschaft und ist die Frau seines Schulfreundes Charlie Brooks. 


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Der britische Premier selbst hatte die Untersuchungskommission 2011 eingesetzt, nachdem die Abhörpraktiken von News of the World einen Skandal ausgelöst hatten. Damals war herausgekommen, dass Journalisten der inzwischen eingestellten Zeitung nicht nur Prominente abgehört und Polizisten bestochen, sondern auch Handy-Mailboxen der Angehörigen von getöteten Soldaten und eines entführten Mädchens geknackt haben sollen.

Cameron übernimmt Verantwortung für umstrittenen Sprecher

Vor dem Ausschuss wurde Cameron auch mit einer SMS konfrontiert, die Brooks im Oktober 2009 ihm als damaligem Oppositionsführer der Konservativen schrieb. Darin heißt es über eine anstehende Rede: "Ich feuere dich morgen total an – nicht nur als Freund, sondern auch beruflich sitzen wir in dieser Sache in einem Boot. Die Rede deines Lebens? Yes he Cam!" 
Brooks ist inzwischen zusammen mit ihrem Mann Charlie wegen Irreführung der Justiz angeklagt. Sie war von 2009 bis 2011 Chefin der britischen Zeitungsholding von Murdoch, News International. 


Zudem musste sich Cameron vor dem von Lordrichter Brian Leveson geleiteten Ausschuss dafür rechtfertigen, dass er mit Andy Coulson einen ehemaligen Murdoch-Journalisten zu seinem Regierungssprecher gemacht hatte. "Ich habe jemanden gesucht, der (...) mit dem riesigen Mediendruck umgehen kann", sagte Cameron. "Er hat seinen Job sehr gut gemacht. Am Ende war es meine Entscheidung und ich übernehme die volle Verantwortung dafür." 


Coulson war 2007 zu Cameron gekommen, nachdem er wegen der Abhöraffäre als Chefredakteur von News of the World zurücktreten musste. Anfang 2011 verließ Coulson, gegen den ebenfalls als eine der Schlüsselfiguren ermittelt wird, die Downing Street.
 

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    • Quelle ZEIT ONLINE, AFP
    • Schlagworte David Cameron | Rupert Murdoch | Medien | Freundschaft | Justiz | Nachbarschaft
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