EM 2012: Rassistische Ausfälle auf der Fanmeile
Volksverhetzung in der Berliner Innenstadt und Männer, die in Essen die Reichskriegsflagge schwenken. Nazis und Mitläufer missbrauchen die EM-Feierstimmung. Drei Berichte
In den vergangenen EM-Tagen haben wir viele schunkelnde Menschen in Deutschland-Trikots gesehen. Positiver Patriotismus wird das gern genannt. Stolze Eltern haben Fotos von ihren Kleinkindern mit Lätzchen in Deutschlandfarben bei Facebook gepostet. Vor Kneipen haben Deutsche, Türken, Franzosen, Spanier und Italiener zusammen gesessen und Fußball auf eigens montierten Fernsehbildschirmen geschaut. Dass jeder eine andere Mannschaft favorisierte, war kein Problem. Als ZEIT ONLINE-Autor Fabio Ghelli sich zum Halbfinale am Donnerstagabend im Italientrikot auf die Berliner Fanmeile traute, hörte er kaum abfällige Kommentare.
Doch es gab leider auch zahlreiche rassistische Ausfälle in den deutschen Innenstädten, im Internet. Am Dienstag sorgte eine Meldung der Rhein-Zeitung für Bestürzung: In Neuwied bei Koblenz sollen Ordner Dunkelhäutige nicht zu einem Fanfest gelassen haben. ZEIT ONLINE hat daraufhin einen Aufruf gestartet. Wer hat ähnliche Erfahrungen gemacht? Drei bestürzende Protokolle haben wir zusammengetragen.
Christoph*, Student aus Berlin
Das Spiel Deutschland gegen Griechenland: Wir schauen auf der großen Berliner Fanmeile, auf der Straße des 17. Juni. Die Feierstimmung vergeht mir und meiner Freundin schnell. Als zu Beginn des Spiels die griechische Nationalhymne ertönt, zeigen besoffene Proleten ihren Mittelfinger in Richtung Leinwand. Während des Spiels grölt eine kleine Gruppe immer wieder: "Griechenland ist ein Hurensohn", "Griechische Fotzen schmecken nach Dreck" oder "Alles außer Deutschland ist scheiße". Andere stimmen lautstark ein. Insgesamt sind es so zwanzig Leute, aber ich bezweifele, dass die sich vorher schon kannten. Ich bin bestürzt und schäme mich, vor allem weil in der Nähe auch Dunkelhäutige und Familien mit kleinen Kindern stehen. Ordner, die etwas gegen diese Ausfälle unternehmen könnten, sind nicht zu sehen. Ich schweige daher, weil mir die Stimmung so aggressiv erscheint und ich keine Probleme bekommen möchte. Meine Laune ist im Keller, beim nächsten Spiel halte ich mich von der Fanmeile fern.
Daniel Lucas, Student aus Essen
Das Viertelfinale Deutschland gegen Griechenland: Wir sind mitten in der Auszählung der Wahlen zum Essener Studierendenparlament. Kurz vor Ende des Spiels beginnen die Autokorsos. Wir schauen ihnen in einer Pause zu, beim Rauchen vor der Tür. Da fallen uns auf der gegenüberliegenden Straßenseite fünf bis sechs Personen auf, die tatsächlich die Reichskriegsflagge schwenken! Schlimmer noch: Die vorbeikommenden Autofahrer jubeln ihnen auch noch aufmunternd zu und hupen anerkennend! Einer von uns läuft rüber auf die andere Straßenseite und klaut den Typen die Fahne. Die sind mittleren Alters, so 35 bis 50, und sehen eigentlich ganz harmlos aus, wie typische dümmliche Deutschlandfans eben. Sie werfen dem Fahnendieb Flaschen hinterher, er flieht, und die Reichskriegsflagge geht verloren. Ich weiß wirklich nicht, wo sie gelandet ist. In jedem Fall kommt die Polizei, und die Typen stellen dann auch noch Anzeige gegen Unbekannt wegen Diebstahls. Weil sie dann noch "Deutschland den Deutschen" und "Sieg heil" brüllen, antworten wir mit einer Anzeige wegen Volksverhetzung. Mal sehen, wie das ausgeht.





... sind ein weiterer Beweis für die ständig latente, wenn auch oft verdeckte Nazi Stimmung. Man schaue sich nur mal die Anzahl der Empfehlungen für die offensichtlich Unbelehrbaren hier an.
Auch den Ordnungshütern dürfte so manches nicht bewusst sein. Wenn Anzeige wegen Diebstahls einer Reichskriegsflagge erstattet wurde, hätte die Polizei an Ort und Stelle klären müssen, wer denn diese Flagge in aller Öffentlichkeit geschwenkt hat. Meines Wissens ist es verboten, die Reichskriegsflagge in der Öffentlichket zu schwenken.
...mit Hakenkreuz( 1935-1945),ansonsten erfüllt das führen aller anderen "Reichskriegsflaggen" weder einen Tatbestand des Strafgesetzbuches noch des Ordnungswidrigkeitengesetzes.
...mit Hakenkreuz( 1935-1945),ansonsten erfüllt das führen aller anderen "Reichskriegsflaggen" weder einen Tatbestand des Strafgesetzbuches noch des Ordnungswidrigkeitengesetzes.
... können unsere Nationalspieler glücklich sein.
Balotelli hat in Italien mit den dortigen Radikalen ein weniger leichtes Spiel:
http://www.sueddeutsche.d...
...mit Hakenkreuz( 1935-1945),ansonsten erfüllt das führen aller anderen "Reichskriegsflaggen" weder einen Tatbestand des Strafgesetzbuches noch des Ordnungswidrigkeitengesetzes.
Normal ist es trotzdem nicht, soviel Hirnschmalz sollte ein Polizist schon haben und der Sache auf den Grund gehen.
Auf welcher Grundlage soll ein Polizist eine Anzeige aufnehmen. Ich verstehe ihre Argumentation nicht? Es ist nicht verboten. Die Polizei kann nur dagegen vorgehen, wenn im Rahmen des Zeigens dieser Flagge, eine Gefährdung der öffentlichen Ordnung erkennbar wird. Beispielsweise wenn sich Personen zusammenrotten und eine solche Gefährdung erkennbar wird. Die im Artikel beschriebene Situation erfüllt nicht die Bedingung. Aus Sicht der Polizei wird der Aggressor eher auf Seiten der Diebe sein.
PS: Mal ganz grundsätzlich. Was versprechen Sie sich eigentlich von Verboten? Meinen Sie, wenn alle Flaggen verboten sind, dann gäbe es keine Rechtsradikale mehr. Wenn die Polizei kommt und diejenigen aus ihrem Blickfeld führt, sehen Sie das dann als Erfolg?
Normal ist es trotzdem nicht, soviel Hirnschmalz sollte ein Polizist schon haben und der Sache auf den Grund gehen.
Auf welcher Grundlage soll ein Polizist eine Anzeige aufnehmen. Ich verstehe ihre Argumentation nicht? Es ist nicht verboten. Die Polizei kann nur dagegen vorgehen, wenn im Rahmen des Zeigens dieser Flagge, eine Gefährdung der öffentlichen Ordnung erkennbar wird. Beispielsweise wenn sich Personen zusammenrotten und eine solche Gefährdung erkennbar wird. Die im Artikel beschriebene Situation erfüllt nicht die Bedingung. Aus Sicht der Polizei wird der Aggressor eher auf Seiten der Diebe sein.
PS: Mal ganz grundsätzlich. Was versprechen Sie sich eigentlich von Verboten? Meinen Sie, wenn alle Flaggen verboten sind, dann gäbe es keine Rechtsradikale mehr. Wenn die Polizei kommt und diejenigen aus ihrem Blickfeld führt, sehen Sie das dann als Erfolg?
Normal ist es trotzdem nicht, soviel Hirnschmalz sollte ein Polizist schon haben und der Sache auf den Grund gehen.
Dass mit so etwas wie Nationalgefühl auch viel Schindluder getrieben werden kann (sh. Religion) liegt auf der Hand. Aber ist dies nicht eher in der Natur des Menschen zu verorten und weniger in der Sache? Letztlich lässt sich alles, dem sich Menschen annehmen und jede menschliche Errungenschaft, geistig oder materiell, dem Ursprungsgedanken zuwider missbrauchen. In letzter Konsequenz müssten wir auch die Politik oder den Kapitalismus verbieten, denn für wieviel Leid zeichnen sich diese Einrichtungen verantwortlich? Hier ist man sich aber auf merkwürdige Weise einig, dass das Problem nicht in der Sache - ihren Tendenzen und Dispositionen-, sondern im Nutzer zu suchen ist und legt den Missbrauch als eben solchen und als singuläre, keinesfalls zu pauschalisierende Verfehlung aus, die den Tendenzen oder Dispositionen des oder der jeweiligen Individuuen zu schulden ist.
Menschen streben nach Identität, kollektiv oder individuell, und in der Regel suchen und finden sie diese in einer Gruppe. Daran wird sich nie etwas ändern - eher und leichter lassen wir uns sogar Machtansprüche entziehen. Und selbst wenn - birgt der Drang nach Individuation und Leistung nicht genau die selben Gefahren? Muss ich mich, nur weil ich eine eigene Identität empfinde, besser als andere dünken? Ist jeder, der nicht Ich ist, minderwertig? Muss ich um gut in etwas sein zu wollen, besser als andere sein? Geht es nicht vielmehr um einen bewussten und verantwortungsvollen Umgang mit unseren Werten und Idealen?
Der Mensch sollte aber genug Eigenreflexion besitzen, um die Identifikation die er in der jeweiligen Gruppe sucht zu hinterfragen.
Ich sehe bei Religionen und Politik die selbe Problematik wie bei nationalen Gefühle. Wobei eine demokratische gewählte Politik durch Wahl, die Chance auf flexible Änderungen hat. Nationale Gefühle hingegen haben das nicht, sie sind nicht logisch oder durch Vernunft legitimiert. Bei Religionen ist es der Wille einzelner dem viele folgen.
was ihr in deutschland macht ist eure sache..solange ihr bitte nicht zu uns ins ausland kommt, bleibt bitte alle zu hause...macht urlaub in den bergen und singt euro doof-dähmlichen wanderlieder...der rest der welt kann euch sowieso nicht mehr sehen...ich meine solche wie kommentator 1-)))
... besser als andere dünken?"
Keineswegs,weder besser und auch nicht schlechter.
Wie heisst es in Brechts Kinderhymne u.a.. "Und nicht über und nicht unter, andern Völker wolln wir sein."
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