Katholische KircheZollitsch verspricht den Freiburger Rebellen Hilfe

Rund 200 Geistliche rufen offen zu einem Verstoß gegen das Kirchenrecht auf. Nun versucht der Erzbischof, mit ihnen gemeinsam nach einem Ausweg zu suchen. von 

Robert Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (Archiv)

Robert Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (Archiv)  |  © Tobias Schwarz/Reuters

Nach dem Gespräch war Harmonie angesagt: "Sachlich und konstruktiv" sei die Atmosphäre gewesen, hieß es in einer Pressemitteilung der Erzdiözese Freiburg nach einem Gespräch von Erzbischof Robert Zollitsch mit sieben aufmüpfigen Pfarrern und Diakonen.

Und auch von deren Seite wurde bestätigt: Der Erzbischof habe sich verständnisvoll gezeigt. Ihr Anliegen wolle er sich zueigen machen, versprach er. In Zukunft werde man gemeinsam nach Lösungen dafür suchen, wie der lockerere Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen, der in vielen katholischen Gemeinden längst praktiziert wird, mit dem Kirchenrecht in Übereinstimmung gebracht werden könne.

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Der kleine Aufstand, den 14 Pfarrer und Diakone aus der Diözese Freiburg Anfang Juni angezettelt hatten , darf damit zumindest vorerst als befriedet gelten. Dabei hatte der Bischof zunächst durchaus mit scharfen Worten auf die Rebellen, die sich selber gar nicht als solche sehen, reagiert.

Seit Langem gängige Praxis

Diese hatten im Internet eine Erklärung zum Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen in der Katholischen Kirche veröffentlicht, einem Dauerstreitthema in allen katholischen Reformdebatten der vergangenen 30 bis 40 Jahre.

"In unseren Gemeinden gehen wiederverheiratet Geschiedene mit unserem Einverständnis zur Kommunion und empfangen das Bußsakrament und die Krankensalbung. Sie sind tätig als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Pfarrgemeinderat, in der Katechese und in anderen Diensten", heißt es in dem Dokument.

Der Skandal lag darin, dass ein solches Vorgehen zwar in vielen Pfarrgemeinden seit Langem gängige Praxis ist, kirchenrechtlich aber eigentlich verboten ist. Den Initiatoren war das natürlich bewusst, wie sie in dem Dokument auch bekennen. Sie waren aber nicht länger bereit sich an diese Vorschriften zu halten, sondern wollen sich stattdessen von "der Barmherzigkeit" leiten lassen.

Mittlerweile haben 197 Pfarrer und Diakone in der Diözese das Dokument unterschrieben, rund ein Sechstel also. Der Aufforderung von Erzbischof Zollitsch, der zugleich Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz ist, die Unterschrift wieder zurückzuziehen, kamen ganze zwei nach.

Leserkommentare
  1. ...finden leider nur unten - im Kirchenvolk - statt.

    Oben empört man sich über Indiskretionen von Vertrauenspersonen des Papstes, über unangemessene Liberalisierungen einzelner Kleriker und über die häufig zitierte "Verweltlichung" von Katholiken, die mitreden und mitgestalten wollen.

    Es gibt einen Begriff für solche Denkweise, irgendwas mit D...

    • kyon
    • 21. Juni 2012 18:49 Uhr

    "In Zukunft werde man gemeinsam nach Lösungen dafür suchen, wie der lockerere Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen, der in vielen katholischen Gemeinden längst praktiziert wird, mit dem Kirchenrecht in Übereinstimmung gebracht werden könne." (Zollitsch)

    Paulus hat den Galatern in seinem Brief scharfzüngig den Weg gewiesen:

    "Ihr habt Christus verloren, die ihr durch das Gesetz gerecht werden wollt, und seid aus der Gnade gefallen.

    Regiert euch aber der Geist, so seid ihr nicht unter dem Gesetz."

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    Geschiedene haben - Ihrer Ansicht nach - also Christus verloren und sind "aus der Gnade gefallen"?

    Man sollte endlich aufhören, 2000 Jahre alte Moralpredigten zu befolgen.

    Und wenn "der Geist regiert", braucht er ohnehin keine biblischen Gesetze.

    • Spez
    • 22. Juni 2012 9:20 Uhr

    Er ist verständlich für die, welche des Lesens mächtig sind. Nur so am Rande, ohne Bezug zu irgendetwas.

    • gorgo
    • 21. Juni 2012 18:51 Uhr

    wäre schön, wenn sich die gleichen Pfarrer auch für die Akzeptanz von nicht heterosexuellen Identitäten einsetzen würden...!

  2. Nach Jahrzehnten der Diskussion scheitern diese Initiativen immer wieder. Lässt sich die Kirche überhaupt von Innen reformieren oder ändern? Ich glaube es nicht mehr.
    Mein Albtraum ist, daß ich in 20 Jahren wieder vorm Fernseher sitze und die gleichen Diskussionen laufen wie heute und der Vatikan sagt nein.
    Trotzdem: Ich bewundere die "aufmüpfigen" Pfarrer und Diakone um ihre Courage.

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    • kimiko
    • 22. Juni 2012 9:06 Uhr

    Ach es geht doch voran mit der Kirche. Z.B. die Hexenverbrennungen wurden schon vollständig abgeschafft. Ja und die Erde ist auch keine Scheibe mehr.

  3. 5. @ Kyon

    Geschiedene haben - Ihrer Ansicht nach - also Christus verloren und sind "aus der Gnade gefallen"?

    Man sollte endlich aufhören, 2000 Jahre alte Moralpredigten zu befolgen.

    Und wenn "der Geist regiert", braucht er ohnehin keine biblischen Gesetze.

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    • kyon
    • 21. Juni 2012 19:25 Uhr

    "Geschiedene haben - Ihrer Ansicht nach - also Christus verloren und sind "aus der Gnade gefallen"?"

    Und wenn "der Geist regiert", braucht er ohnehin keine biblischen Gesetze." (Peterra)

    Gut, dass Sie nachgefragt haben, Peterra.

    Es ist ganz anders gemeint,als Sie vermuten, was Paulus den Galatern da ins Gewissen schreibt. Sie sollen endlich aufhören, dadurch gerecht werden zu wollen, dass sie Gesetze befolgen.
    Die Paragraphenreiter sind aus der Gnade gefallen!

    Ihr Schlusssatz hat genau die Intention Jesu beschrieben:
    Der "Geist" steht über(!) dem Gesetz, also nicht unter dem Gesetz oder unter der Knute des Gesetzes.

    Ich habe das Paulus-Wort nur ethisch und nicht-religiös(!) mit "übergesetzliche humane Geisteshaltung" modern übersetzt und als Lösung für Konflikte der besagten Art empfohlen, die die RKK eigentlich bitter nötig hätte.

    Ich selbst bin Agnostiker und bin ein Kritiker anachronistischer "Moralpredigten".

    ich habe ihn gerade umgekehrt verstanden. - Nun wäre es schön, wenn er sich noch einmal meldete. -

  4. Nun wird sich wieder mal der Nihilismus wortreich über Gott und die Welt auslassen und uns Katholiken erklären, wie wir unseren Glauben zu leben haben.

    Die Freiburger Erklärung ist eine von vielen Moden, die dem momentanen Zeitgeist entspringt.

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    • krshna
    • 21. Juni 2012 19:56 Uhr

    Lieber Herr Suarez,
    wieso reklamieren Sie Ihre Meinung als die "der Katholiken"? Die Mehrheit der Katholiken stimmt Ihnen nicht zu - nur die absolutistische (beinahe hätte ich gesagt fundamentalistische) Führungsebene! Wenn allerdings katholischer Glaube tatsächlich übriggebliebener Feudalismus ist (cuius regio, cuius religio), dann hätten Sie leider recht - und der Mitkommentator der den barmherzigen Geist Gottes in Erinnerung bringt hätte einen toten Geist beschworen ...

    • kyon
    • 21. Juni 2012 19:25 Uhr

    "Geschiedene haben - Ihrer Ansicht nach - also Christus verloren und sind "aus der Gnade gefallen"?"

    Und wenn "der Geist regiert", braucht er ohnehin keine biblischen Gesetze." (Peterra)

    Gut, dass Sie nachgefragt haben, Peterra.

    Es ist ganz anders gemeint,als Sie vermuten, was Paulus den Galatern da ins Gewissen schreibt. Sie sollen endlich aufhören, dadurch gerecht werden zu wollen, dass sie Gesetze befolgen.
    Die Paragraphenreiter sind aus der Gnade gefallen!

    Ihr Schlusssatz hat genau die Intention Jesu beschrieben:
    Der "Geist" steht über(!) dem Gesetz, also nicht unter dem Gesetz oder unter der Knute des Gesetzes.

    Ich habe das Paulus-Wort nur ethisch und nicht-religiös(!) mit "übergesetzliche humane Geisteshaltung" modern übersetzt und als Lösung für Konflikte der besagten Art empfohlen, die die RKK eigentlich bitter nötig hätte.

    Ich selbst bin Agnostiker und bin ein Kritiker anachronistischer "Moralpredigten".

    Antwort auf "@ Kyon"
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    Sehr geehrter Herr Kyon,

    mit Verlaub, aber da verdrehen sie die Intentionen JEsu etwas. JEsus wollte sich und seine Anhänger nicht über das GEsetz stellen, sondern dass diese statt dem Buchstaben den GEist des Gesetzes erfüllen.
    Denn zu JEsu Zeit nutzte man die Formulierung mancher religiöser Pflicht, um sich trickreich Vorteile zu verschaffen, die nicht im Sinne des Erfinders waren (googeln sie mal zur Korban-Problematik)
    Wenn Jesu Ehescheidungen untersagt, folgt er genau dieser Linie: Denn das Gesetz lässt Ehescheidungen zu, aber diese entsprechen nicht dem Geist der Liebe, deshalb lehnt Jesu diese ab.
    Ihre Interpretation des Ganzen findet in der Bibel hingegen keinerlei Rückhalt. Man kann diesen nur dann vorgauckeln, wenn man nur auf die Buchstaben und nicht auf den Geist dahinter schaut.
    Wir Christen müssen jedoch mehr leisten. Um ein weiteres Beispiel zu wählen: Eben nicht nur die Ehe nicht brechen, sondern mit unseren Partnern in Liebe eine Gemeinschaft werden.

    MfG

    Hainer

  5. ... ist eigentlich ganz einfach:
    Bis jetzt werden immer nur Forderungen ausgetauscht, aber nicht das, worauf es letztlich ankommt: Theologische Argumente.

    Schrockenhoff hat in seinem Buch das Problem prägnant beschrieben(Genauso tat es übrigens auch die Glaubenskongregation): Man braucht ein Verfahren, das zum einen Menschen hilft, deren Ehen unverschuldet(!) gescheitert sind und das gleichzeitig die von Jesu selbst bekräftigte Unauflöslichkeit der Ehe nicht zum heuchlerischen Lippenbekenntnis macht.

    Dann gehts hier auch um die Liebe selbst und da steht man dann vor schwierigen Fragen: Kann eine Liebe mit Rücktrittsoption wirklich Liebe sein? Kann ich wirklich zweimal versprechen jemanden zu lieben, bis dass der Tod uns scheidet?

    Ich glaube durchaus, dass es da konstruktive Lösungen gibt.

    Ein erster Schritt wäre endlich ordentlichen Gebrauch von den Möglichkeiten des Kirchenrechtes zu machen. Da haben die Pfarrer vor Ort diverse Möglichkeiten und müssen nichtmal "ungehorsam" sein.
    Bei den Wiederverheirateten kann mit den Annullierungsverfahren schon heute binnen zwei Jahren eine saubere Lösung herbeigeführt werden. Allerdings beschreitet kaum jemand diesen Weg (und daran ist nicht die Kirche schuld)

    Da muss aus meiner Perspektive gerade von Theologen mehr geliefert werden. Denn bisher ist das meiste zu diesem Thema schlichtweg zu seicht. Auch Schrockenhoff bleibt letztlich bei einer einfach den Ist-Zustand für gottgewollt erklärenden Allerweltsbarmherzigkeit stehen.

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    Nein, es geht eben nicht um "theologische Argumente", es geht um das, was Menschen täglich bewegt.

    Wann ist denn eine Ehe Ihrer Meinung nach "unverschuldet gescheitert" - und wann "verschuldet"?
    Das reflektiert mal wieder das katholische Dogma von der Erbschuld - ich habe es so satt! Derjenige, der die Ehe bricht, ist wohl automatisch "schuldig"?

    "Kann ich wirklich zweimal versprechen jemanden zu lieben, bis dass der Tod uns scheidet?" - aber natürlich.

    Ich bezweifle, dass Sie wissen, was Liebe ist: eine biochemische Reaktion, die natürlich mehrfach, auch gleichzeitig, auftreten kann und von verschiedenen Faktoren abhängig ist.

    Ihrer verschrobenen Theorie folgend, dürfte ein Mensch dann auch nur EIN Kind lieben oder EINEN Elternteil oder EIN Geschwister.

    • _bla_
    • 21. Juni 2012 20:17 Uhr

    <em>Man braucht ein Verfahren, das zum einen Menschen hilft, deren Ehen unverschuldet(!) gescheitert sind und</em>

    Ist die Schuldfrage hier wirklich entscheidend? Die einzelnen Taten, die zum Zerbrechen der Ehe geführt haben sind doch, so weit mir bekannt durchaus absolutionfähig. Das Problem der katholischen Kirche mit den Wiederverheiraten besteht doch darin, dass es sich dabei um einen andauernden Zustand handelt. Wenn man diese Sichtweise ändert, warum sollte das dann nicht auch für Ehen gelten, die schuldhaft gescheitert sind?

    <em>das gleichzeitig die von Jesu selbst bekräftigte Unauflöslichkeit der Ehe nicht zum heuchlerischen Lippenbekenntnis macht.</em>

    Gerade an dieser Stelle wäre doch die Frage, ob die katholische Kirche nicht eher Ehen mit Ehevertrag ablehnen sollte, denn wer schon vor der Ehe Regelungen für deren Scheidung trifft kann es mit der Unauflöslichkeit nicht ernst meinen.

    <em>Kann ich wirklich zweimal versprechen jemanden zu lieben, bis dass der Tod uns scheidet?</em>
    Auch wenn man davon ausgeht das dies nicht zweimal geht, warum geht man davon aus, das ausgerechnet das erste Mal gilt?

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