Polizeikräfte vor einem Gerichtsgebäude in Liverpool © Christopher Furlong/Getty Images

Gerade ist im nordenglischen Rochdale der Prozess gegen einen organisierten Sexring zu Ende gegangen. Acht Männer pakistanischer Herkunft und ein Afghane sind zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt worden. Ihnen konnte nachgewiesen werden, dass sie junge englische Mädchen systematisch missbraucht hatten. 

Dieses und andere Gerichtsverfahren förderten in den vergangenen Wochen zutage, was jahrelang im Halbdunkel geblieben war. Den Stein ins Rollen brachte eines der Opfer der "Sexgangs". Die 15-Jährige hatte folgende Sätze zu Papier gebracht: "Asiaten nehmen mich mit. Sie machen mich betrunken, geben mir Drogen, haben Sex mit mir und sagen, ich solle niemanden etwas erzählen. Ich will weg von hier." Sie gab den Zettel einem der Betreuer des Heimes in Rochdale, nahe Manchester , aus dem sie binnen drei Monaten 19-mal verschwunden war. Ihre Worte lösten eine der umfangreichsten Polizeiermittlungen gegen sexuellen Kindesmissbrauch in Großbritannien aus. 47 Opfer, Mädchen von 12 bis 16, wurden identifiziert, 26 Männer verhaftet, 11 angeklagt und zu insgesamt 77 Jahren Gefängnis verurteilt.

Seit zwanzig Jahren schon werden verletzliche Mädchen verkauft

Zugleich wurde diese spezifische Kategorie von Verbrechen erstmals öffentlich debattiert. Dabei breitet sie sich schon seit zwanzig Jahren aus. Verletzliche junge Mädchen werden ausgesucht, systematisch "aufbereitet" und dann sexuell missbraucht. Sie werden an Männer verkauft, die sie verachten. Es handelt sich um Mädchen, die oft nicht älter als zwölf Jahre sind und zumeist aus der weißen Unterschicht stammen. Es sind oft Kinder, die in Heimen leben oder mit alleinstehenden Müttern. Kinder, die oft dem Unterricht fernbleiben, auf Straßen herumstehen und darauf hoffen, dass man sie als Erwachsene behandelt, die sie nicht sind.

Ideale Zielscheiben für Männer, die sich freundlich geben, ihnen Pizza und Süßes anbieten und Orte, wo sie "chillen" können, etwa in Räumen über Kebabgeschäften. Dann werden eine Flasche Wodka und Drogen hervorgeholt. Die betrunkenen Mädchen werden zu Sex animiert oder gezwungen, oft mit Dutzenden Männern an einem Tag.

Sie wurden als Sexspielzeuge gebraucht und herumgereicht in einem Kreis von pakistanischen Männern zwischen 30 und 60, der stetig größer wurde. "Wir haben Mädchen hier, kommt und teilt sie mit uns" beschrieb Abdul Rauf, einer der Verurteilten im Rochdale-Prozess, die Texte, die an Verwandte, Freunde und Arbeitskollegen verschickt wurden. Auch Taxifahrer beteiligten sich an den Sexringen. Diese Verbrechen sind nicht auf Rochdale beschränkt. Es laufen Ermittlungen in vielen Städten, beispielsweise in Blackburn, Bradford, Manchester und Leeds . Die Dunkelziffer ist hoch.

Während des Prozesses schockierte das Verhalten der neun Angeklagten. Sie zeigten keine Reue, dafür aber Unverständnis und sogar Zorn darüber, in Schwierigkeiten geraten zu sein wegen wertloser weißer Mädchen. Schließlich sei zu Hause in Pakistan Sex mit jungen Mädchen erlaubt.