SchwangerschaftsabbruchTabu Abtreibung

Schwangerschaftsabbrüche sind zwar möglich, aber längst nicht unproblematisch. Denn viele Frauen lassen der Trauer keinen Raum. Sie fühlen sich schuldig und allein.

Vor sechs Jahren stand Susanne M. am Fenster ihres Schlafzimmers und wollte hinunter springen. Sie hatte eine Panikattacke. Nur wenige Stunden zuvor hatte sie, auf Drängen ihrer Eltern und dem Vater des Kindes, ihre Schwangerschaft abgebrochen. Sie selbst wollte ihr Kind behalten, obwohl sie alleinerziehend war und bereits vier Kinder groß zog. "Ich hatte nur zwei, drei Wochen Zeit bis zur Entscheidung", sagt die Ärztin. "Aber nur mit Abstand und Zeit findet man andere Lösungen."

Die Sozialpädagogin Petra Herrmann erlebt diesen enormen Druck bei allen Frauen, die zu ihr in die Schwangerschaftskonfliktberatung des Diakonischen Werks Leipzig kommen. Manchmal üben andere Druck aus, Partner oder Eltern wie bei Susanne M. Viele Frauen glauben auch, dass sie sich ganz schnell entscheiden müssten, einerseits um wieder arbeiten zu können, andererseits um die Entscheidung hinter sich haben. "Es braucht aber  Zeit, eine so wichtige Entscheidung zu treffen und sie sollte nicht unter Druck getroffen werden. Auch der Partner ist entscheidend", sagt Herrmann. "Wenn sich Frauen für einen Abbruch entscheiden, brauchen sie für die Verarbeitung auch im Nachgang Zeit, da kann eine Krankschreibung hilfreich sein. Auch da erleben wir Druck."

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Susanne M. erzählt: "Es ist ein kleiner Eingriff mit großen Folgen. Ich habe mich nach dem Abbruch sehr verändert. Ich hatte über Jahre Schlafstörungen, weinte aus heiterem Himmel, lebte wie ein Roboter."

Ein weiteres Problem ist, dass nach dem Abbruch die Frauen und Männer meist allein mit ihrer Entscheidung sind. Abtreibungen sind legal, und doch spricht fast niemand öffentlich darüber. Über Todesfälle in der Familie können Hinterbliebene reden. Für Eltern, die eine Fehl- oder Totgeburt erlebt haben, gibt es Hilfsgruppen. Gruppen für Abtreibungen gibt es so gut wie nicht. Und die, die existieren, werden kaum angenommen.

Seit 1996 gab es knapp zwei Millionen Schwangerschaftsabbrüche, beinahe jede sechste Frau hat in Deutschland abgetrieben. Doch viele Frauen sprechen nicht einmal mit ihrer Familie oder mit ihren engsten Freunden darüber. In ihrem Umfeld stoßen sie auch häufig auf Unverständnis, erklärt Professor Anette Kersting, Leiterin der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. "Viele Menschen verstehen nicht, dass Frauen zu ungeborenen Kindern eine intensive Beziehung aufbauen können, auch wenn sie sich entscheiden, die Schwangerschaft abzubrechen."

Freunde und Familienmitglieder sind häufig überfordert, schweigen lieber, vor allem wenn sie selbst eine Abtreibung hinter sich haben. Susanne M. hat auch diese Erfahrung gemacht. "Eine Freundin blieb hartnäckig und hakte nach. Ich erzählte und erfuhr, dass sie mit 18 auch abgetrieben hatte. Ihre Erinnerungen kamen wieder hoch. Wir sprachen aber nur dieses eine Mal darüber."

 "Meine Kinder haben mich danach immer wieder gefragt: Mama warum weinst Du? Ich konnte es ihnen nicht sagen", sagt sie. Erst der Kontakt zu anderen betroffenen Frauen in einem Verein, der Menschen zusammenbringt, die abgetrieben haben, bot ihr den Austausch, den sie brauchte.

Leserkommentare
    • csteel
    • 05.08.2012 um 0:19 Uhr

    Aus Bequemlichkeit???? Ich lese wohl nicht richtig!
    Es hat nichts mit Bequemlichkeit zu tun, ein Kind nicht zu bekommen. Es hat auch etwas mit Verantwortung zu tun. Wenn man für das eigenen Kind nicht sorgen kann, weil die Eltern nicht da sind, der Erzeuger sich nicht kümmern kann/will, dann kann ich zumindest nicht guten Gewissens ein Kind in die Welt setzen. Alleinerziehend ist ein hartes Brot, das sollten sich so manche Männer mal klar machen, die Frauen zu einem Leben am Rande des Existenzminimums verdammen, weil sie meinen, Frauen müssen unter allen Umständen das Kind bekommen.
    Die Konsequenz seither absitent zu leben, hat mit bequem und einem bequemlichen Leben nichts, aber auch gar nichts zu tun.

    Antwort auf "fiese Option"
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    Alleinerziehend ist ein hartes Brot, das sollten sich so manche Männer mal klar machen, die Frauen zu einem Leben am Rande des Existenzminimums verdammen, weil sie meinen, Frauen müssen unter allen Umständen das Kind bekommen.

    Dann lassen sie es sein - kein Geschlechtsverkehr, und sie bekommen definitiv kein Kind.
    Und wenn sie es doch nicht sein lassen können, könnten sie, statt abzutreiben, das Kind immer noch zur Adoption freigeben.

    Sagt ein alleinerziehender, am Existenzminimum lebender Vater. Aber ich vermute, dass passt nicht in ihr Weltbild.

    mfg henry

    Titel entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/lv

    Alleinerziehend ist ein hartes Brot, das sollten sich so manche Männer mal klar machen, die Frauen zu einem Leben am Rande des Existenzminimums verdammen, weil sie meinen, Frauen müssen unter allen Umständen das Kind bekommen.

    Dann lassen sie es sein - kein Geschlechtsverkehr, und sie bekommen definitiv kein Kind.
    Und wenn sie es doch nicht sein lassen können, könnten sie, statt abzutreiben, das Kind immer noch zur Adoption freigeben.

    Sagt ein alleinerziehender, am Existenzminimum lebender Vater. Aber ich vermute, dass passt nicht in ihr Weltbild.

    mfg henry

    Titel entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/lv

  1. Frauen als Gefäß für den Samen des Mannes, und Wehe sie weigern sich...

    Gruß,
    kassandra, die sich selbst gehört

    2 Leserempfehlungen
    • fegalo
    • 05.08.2012 um 1:15 Uhr
    123. Lach!

    Anstatt zu "entlarven", könnten Sie auch argumentieren. Aber das ist vielleicht zu anstrengend, wer weiß...

    Eine Leserempfehlung
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    und jetzt entlarve ich eben Frauenfeinde.

    k.

    und jetzt entlarve ich eben Frauenfeinde.

    k.

  2. und jetzt entlarve ich eben Frauenfeinde.

    k.

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    Antwort auf "Lach!"
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    Zitat von kassandra_k
    "...und jetzt entlarve ich eben Frauenfeinde."

    Was Peter über Paul sagt, sagt mehr über Peter aus, als über Paul.

    Sie geben mit ihrem Statement sehr viel über sich Preis. Schutz ungeborenen Lebens = Frauenfeind?

    [...]

    Sie sollten sich schon die Mühe machen, auf Argumente sachlich einzugehen, sonst nimmt man sie nicht ernst.

    Gekürzt. Bitte äußern Sie sich sachlich und respektvoll. Danke, die Redaktion/au.

    Zitat von kassandra_k
    "...und jetzt entlarve ich eben Frauenfeinde."

    Was Peter über Paul sagt, sagt mehr über Peter aus, als über Paul.

    Sie geben mit ihrem Statement sehr viel über sich Preis. Schutz ungeborenen Lebens = Frauenfeind?

    [...]

    Sie sollten sich schon die Mühe machen, auf Argumente sachlich einzugehen, sonst nimmt man sie nicht ernst.

    Gekürzt. Bitte äußern Sie sich sachlich und respektvoll. Danke, die Redaktion/au.

    • fegalo
    • 05.08.2012 um 1:31 Uhr

    "Frauenfeinde entlarven". Köstlich! Gibts da draußen wirklich noch solche Simpel, die auf diese Rhetorik anspringen?

  3. Zitat von kassandra_k
    "...und jetzt entlarve ich eben Frauenfeinde."

    Was Peter über Paul sagt, sagt mehr über Peter aus, als über Paul.

    Sie geben mit ihrem Statement sehr viel über sich Preis. Schutz ungeborenen Lebens = Frauenfeind?

    [...]

    Sie sollten sich schon die Mühe machen, auf Argumente sachlich einzugehen, sonst nimmt man sie nicht ernst.

    Gekürzt. Bitte äußern Sie sich sachlich und respektvoll. Danke, die Redaktion/au.

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    • Seyid
    • 06.08.2012 um 3:15 Uhr

    "In einer guten Demokratie sollten die schwächsten geschützt werden."

    Wunderschöner Satz. Danke!

    Und ich bin ganz Ihrer Meinung

  4. 128. [...]

    Alleinerziehend ist ein hartes Brot, das sollten sich so manche Männer mal klar machen, die Frauen zu einem Leben am Rande des Existenzminimums verdammen, weil sie meinen, Frauen müssen unter allen Umständen das Kind bekommen.

    Dann lassen sie es sein - kein Geschlechtsverkehr, und sie bekommen definitiv kein Kind.
    Und wenn sie es doch nicht sein lassen können, könnten sie, statt abzutreiben, das Kind immer noch zur Adoption freigeben.

    Sagt ein alleinerziehender, am Existenzminimum lebender Vater. Aber ich vermute, dass passt nicht in ihr Weltbild.

    mfg henry

    Titel entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/lv

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Bequemlichkeit???"

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