Amokläufer von DenverEin Unbescholtener, der Sprengstoff hortete

Einzeltäter ohne terroristischen Hintergrund, ohne militärische Vergangenheit: Der Massenmörder von Denver lebte unauffällig – und versah seine Wohnung mit Sprengfallen.

Polizisten vor dem Kino in Denver

Polizisten vor dem Kino in Denver  |  © Evan Semon/Reuters

Ein kleiner Bußgeldbescheid aus dem vergangenen Jahr wegen eines geringfügigen Verkehrsdelikts. Das ist der bisher einzige Nachweis dafür, dass der mutmaßliche Täter von Denver mit dem Gesetz in Konflikt kam. Wie es aussieht, war der 24-Jährige bis zu seinem Amoklauf ein unauffälliger, unbescholtener Bürger.

Dann aber verübte er das größte Massaker in den USA seit dem Amoklauf von Columbine vor 13 Jahren, als zwei Jugendliche zwölf Mitschüler, einen Lehrer und dann sich selbst umbrachten. Er war etwa eine Viertelstunde nach Filmbeginn durch die Seitentür eines Kinos im Vorort Aurora in die Mitternachtsvorstellung des neuen Batman-Streifens The Dark Knight Rises gelangt, war zur Leinwand gegangen, hatte dort einen Tränengascontainer gezündet und dann wahllos in die Zuschauermenge geschossen. Zwölf Menschen starben, mindestens 40 wurden verletzt.

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Die Motive für die Tat sind unklar. Hat sich der Attentäter mit dem Helden des Films identifiziert? "Ich habe gehört, dass er möglicherweise eine Art Batman-Kostüm trug", sagte Polizeisprecher Frank Fania in Denver. Der seltsame Aufzug des Täters – er trug eine wasserdichte Jacke, einen Helm und eine Schwimmbrille (manche berichten von einer Gasmaske) –  könnte aber auch simpel eine Schutzkleidung gegen das Gas gewesen sein, das er versprühte.

Inzwischen teilte die New Yorker Polizei nach Angaben der New York Times mit, dass der Täter rot gefärbte Haare hatte, die dem Charakter Joker aus den Batman-Comics und -Filmen nachempfunden sei. Wie ausgerechnet die New Yorker Polizei an die Informationen aus Denver gelangt war, ließ sie offen.

Der Attentäter wurde kurz nach der Tat auf einem Parkplatz des Kinos, das zu einem Einkaufszentrum gehört, festgenommen. "Er leistete keinen Widerstand", sagte der Polizeisprecher. Er trug ein Messer, eine Pistole und ein Gewehr bei sich. Nach seiner Festnahme wies der junge Mann die Beamten darauf hin, dass in seiner Wohnung Sprengstoff lagere. Die Polizei evakuierte daraufhin den Komplex, in dem er wohnte und durchsuchte sein Appartement, das mit ausgeklügelten Sprengstofffallen versehen war, was das Räumen der Wohnung schwierig und langwierig macht.

Sprengstoff fanden die Beamten auch im Auto des Täters, einem weißen Wagen mit Nummernschildern des Staates Tennessee, das er beim Kino geparkt hatte.

Leserkommentare
  1. ... würde, aber rein aus Interesse: sind die Menschen durch ihn direkt getötet worden oder im Zuge der Panik durch die Menschenmasse selbst?
    Außerdem kann ich jetzt schon sehen, wie die ganzen Waffendiskussionen anfangen - Fakt, und immer wieder! bestätigt ist - Waffen machen das Land nicht sicherer, durch Waffen werden Menschen getötet, und trotz der Legalität von Waffen wurde das in den USA nicht verhindert. Also dienen Waffen keiner Schutzfunktion und schaden der Gesellschaft mehr als Nützen.
    Auch wenn es eine heilige Kuh in den VSA ist, Waffen sollten endlich sehr stark reglementiert werden! Auch wenn wir in Deutschland immer wieder Zwischenfälle haben, sehe ich unser Modell (hohe bürokratische Hürden, Pflicht in einem Verein zu sein, usw.) als angemessen und sinnvoll an.

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    • Socke9
    • 20. Juli 2012 18:58 Uhr

    Also erstmal ist es falsch zu behaupten, dass Schusswaffen (die meinen sie sicherlich) keine Sicherheit schaffen würden.
    PolizistInnen haben Handfeuerwaffen unter anderem zur Selbstverteidigung, um sich vor Leuten zu schützen die ihnen Gewalt antun könnten - was natürlich auch mit einem Messer geht. Wird die angreifende Person an- doer erschossen, so schafft dies Sicherheit für die Polizeikraft als auch für das Umfeld. Und nicht zu vergessen der Abschreckungsfaktor und der damit verbundene Respekt vor Polizeikräften als potenziellen "Gegenspieler".
    Können Sie mir auch einen Beweis liefern, dass Menschen weniger dazu verleitet werden würden Straftaten zu begehen, wenn man Schusswaffen verbieten würde?
    Außerdem werden Schusswaffen nicht nur für's Töten verwendet, sondern auch, und das ist ihnen sicherlich bekannt, für Schiesssport oder gar als Prestigeobjekte.
    Und es spielt keine Rolle ob sie das "krank" oder sonst etwas finden.
    Es werden auch kein Küchenmesser verboten werden, weil man es als Mordwaffe benutzen kann, es wird Nationalismus nicht verboten, weil er im Nationalsozialismus ausarten kann und es sollten auch keine brutalen Videospiele verboten werden, weil sie die Agerssivität steigern können und die Hemmschwelle für Straftaten steigern können.

    Es liegt immer am Menschen was er auch den Dingen macht, die ihm bereitgestellt werden.
    Und noch mal ganz kurz: Man kann Schusswaffen auch illegal bekommen wenn man sie haben will.

    • DDave
    • 20. Juli 2012 22:43 Uhr

    1. Guns don´t kill humans. Humans murder humans.
    2. Rein statistisch gesehen, ist es in Deutschland wahrscheinlicher durch ein Auto "ermordet" zu werden, als im Amerika durch eine Schusswaffe.(De: ca 3000 Verkehrstote bei 80 Mio; USA: ca 12000 Tote durch Schusswaffen bei 311 Mio).

    3. Jede Art von Vorurteil und Klischee, dass den Amis hinterher gesagt wird, gibt es in De ja nicht.
    Ich verweise nur auf: http://www.youtube.com/wa...

  2. Das sind die Ereignisse die mich wirklich beunruhigen. Das Ohnmachtsgefühl in der westlichen Gesellschaft wird immer mehr zu Problem für die Menschen. Diese Woche gab es jeden Tag Meldungen von Selbstmordattentaten , Selbstanzündungen und jetzt auch noch so eine Tat. Mit Geisteskrankheit lässt sich doch so etwas auch nicht immer erklären. Wie soll man sich den gegen so etwas,als Gesellschaft, schützen?

  3. Es wird immer schlimmer mit unserer Gesellschaft und hat sich einmal wer die Frage gestellt, warum es immer öfter passiert, das Jugendlichen zu Tötungsmaschinen werden? Ich erinnere mich noch, was wir im Fernseh ansehen durften, bzw. Angeboten wurde, wie zb. Heide, Wiki, Lassie ect. und heute sehen schon 6 Jährige Kinder nur mehr Gewalt, Sex ect. Filme und bei den Spielen ist es noch schlimmer, warum wird hierbei nicht ein Riegel vorgeschoben? Es ist mir Bewusst, dass es sich um einen eigenen Wirtschaftszweig handelt, aber wie Lange werden wir noch zusehen, dass die Gesellschaft verkommt.

    Es wird Zeit das ein Umdenken kommt, weil sonst endet es wie im alten Rom. "Brot, Spiel und Orgien..."

  4. Eine schreckliche Tat mit vielen Opfern, die doch "nur" im
    Kino waren. Es wird keine Logik in so einem Abschlachten zu finden sein, dieser Mensch ist krank; vielleicht hat er sogar durch Ballerspiele am PC die Realitätsebenen verwechselt.
    Wie schnell doch Menschenleben immer wieder ausgelöscht wird.Zur falschen Zeit am falschen Ort- das kann leider jeden
    Tag passieren. Konsequenz: Immer schön in der Gegenwart leben.

  5. Naja, von 4 Kommentaren wurde nur in einem konkret die USA genannt - und in diesem wurde nur explizit der Umgang mit Waffen in den USA, nicht die gesamte Kultur kritisiert - die anderen bezogen sich (so scheint mir) auf die "westliche" Kultur insgesamt.

    Antwort auf
    • Socke9
    • 20. Juli 2012 18:58 Uhr

    Also erstmal ist es falsch zu behaupten, dass Schusswaffen (die meinen sie sicherlich) keine Sicherheit schaffen würden.
    PolizistInnen haben Handfeuerwaffen unter anderem zur Selbstverteidigung, um sich vor Leuten zu schützen die ihnen Gewalt antun könnten - was natürlich auch mit einem Messer geht. Wird die angreifende Person an- doer erschossen, so schafft dies Sicherheit für die Polizeikraft als auch für das Umfeld. Und nicht zu vergessen der Abschreckungsfaktor und der damit verbundene Respekt vor Polizeikräften als potenziellen "Gegenspieler".
    Können Sie mir auch einen Beweis liefern, dass Menschen weniger dazu verleitet werden würden Straftaten zu begehen, wenn man Schusswaffen verbieten würde?
    Außerdem werden Schusswaffen nicht nur für's Töten verwendet, sondern auch, und das ist ihnen sicherlich bekannt, für Schiesssport oder gar als Prestigeobjekte.
    Und es spielt keine Rolle ob sie das "krank" oder sonst etwas finden.
    Es werden auch kein Küchenmesser verboten werden, weil man es als Mordwaffe benutzen kann, es wird Nationalismus nicht verboten, weil er im Nationalsozialismus ausarten kann und es sollten auch keine brutalen Videospiele verboten werden, weil sie die Agerssivität steigern können und die Hemmschwelle für Straftaten steigern können.

    Es liegt immer am Menschen was er auch den Dingen macht, die ihm bereitgestellt werden.
    Und noch mal ganz kurz: Man kann Schusswaffen auch illegal bekommen wenn man sie haben will.

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    • Zenj
    • 20. Juli 2012 19:17 Uhr

    die ihm bereit gestellt werden.
    Armeen. Atombomben. Folterkammern. Drohnen. Panzer. Maschinengewehre. Küchenmesser. Gabeln.

    dass die Neigung zu Straftaten durch fehlende Waffen nicht ausgerottet wird. Andererseits ist es ohne Feuerwaffen (m.E. Massenvernichtungswaffen, denn damit wird massenhaft und täglich gemordet/Leben vernichtet) schwer möglich, solche Blutbäder wie in Columbine oder aber in Aurora durchzuführen. Mit Speer und Flitzebogen wäre die Opferzahl gewiss geringer gewesen.

    Sie geraten hier nämlich in eine argumentative Schieflage. Wenn der Besitz einer Schußwaffe nämlich verboten ist, bedarf es schon krimineller Energie, um sich eine zu besorgen.

    So etwas wie der Tod des Travon Martin in Florida, der unbewaffnet von einem selbsternannten Nachbarschaftswächter erschossen wurde, kann dann nicht mehr vorkommen und wenn doch, dann ist von vorneherein klar, dass der Täter kriminell ist.

    Was die Ballerspiele betrifft, da will ich Ihnen einmal prinzipiell widersprechen. Es ist für die Psyche nicht gut, zu töten. Ob virtuell oder real, es ist ungesund und schlecht fürs Kharma obendrein. Ein Verbot solcher Video"spiele" (erklären Sie mir doch mal bitte, wieso so etwas wie killen ein SPIEL sein soll???)fände mein Gefallen und meine Unterstützung. Ich finde es völlig überflüssig, derartiger Verrohung Vorschub zu leisten, bzw. solches zu dulden.

    Es kommen in den USA pro Kopf mehr Menschen durch Schusswaffen um als in Deutschland.

    Beweisend ist das nicht, jedoch hinweisend. Der kausale Zusammenhang von Schusswaffen und Todesfällen durch Schusswaffen scheint so naheliegend, dass ich keine Beweislast bei den Kritikern des amerikanischen Umgangs mit dem Thema sehe, sondern umgekehrt.

    einem schwert und einem beil, einem speer, einem messer,pfeil und bogen

    das beil, das messer, der speer , pfeil und bogen sind werkzeuge welche zur materialbearbeitung und für die jagd entwickelt wurden
    man kann mit ihnen auch menschen töten, aber das ist nicht ihr primärzweck, auch wenn spezialvarianten für diesen zweck entstanden

    ein schwert ist zum töten von menschen entwickelt worden
    es sind auch varianten für andere zwecke wie saujagd entwickelt worden
    oder als repräsentationsmittel derer die damit ihr recht auf das tragen von waffen(adel) präsentierten, was die verfügungsgewalt über leben und tod der dazu nicht berechtigten symbolisierte

    schusswaffen verhalten sich (psychologisch, historisch wie gegenwärtig) wie schwerter

    die nicht mit solchen bewaffneten polizisten vieler länder haben nicht mehr gewaltprobleme als die bewaffneten
    womit ihre überflüssigkeit als sicherheitsmaßnahme ausreichend belegt ist

    Korrekterweise müsste man die natürlich per capita umlegen (no pun intended), aber im Vergleich USA zu D ist das Verhältnis >10:1.

    Noch Fragen?

    http://www.nationmaster.c...

    • Iktomi
    • 20. Juli 2012 19:09 Uhr

    Sie schreiben "Dann aber verübte er das größte Massaker in den USA seit dem Amoklauf von Columbine vor 13 Jahren, als zwei Jugendliche zwölf Mitschüler, einen Lehrer und dann sich selbst umbrachten."
    Was ist z.B. mit dem "Virginia Tech Massaker" 2007, bei dem ein Irrer 32 Menschen erschoß?

  6. Das ganze System in USA oder EU ist doch krank geworden. Und wenn dann jemand "durchdreht" kommt das große Jammern. Welcher junge Mensch kann denn heutzutage noch für die Zukunft planen, falls er kein Millionenerbe ist?

    Dies soll jetzt keine Entschuldigung für die Tat sein, sondern meine Einschätzung unseres kranken Systems der Finanzhaie und Spekulanten.

    Mein ausdrückliches Beileid gilt den Angehörigen der Opfer!

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    • cornus
    • 20. Juli 2012 19:52 Uhr

    wird sich in unserer Gesellschaft wohl nicht entwickeln. Europa muss sich nur endlich auf seine eigenen Werte besinnen. Die USA ist schon lange kein Vorbild mehr.

    Und was die Zukunft angeht: also in Deutschland geht es uns noch ziemlich gut, wir haben eine geringe Jugendarbeitslosigkeit und keiner leidet nur wirklich Not.
    Es wird allerdings Zeit, dass die Krise endlich in den Griff bekommen wird und zwar ohne nach Amerika zu schauen. Die EU ist auch eine Chance.

    Hier sind ziemlich viele junge Leute kurz vorm durchdrehen, armutsbedingt und hoffnungslos. Saufen und kiffen sind da nur eine mittelfristige "Lösung"...

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte FBI | NBC | Amoklauf | Bundespolizei | Kino | Polizei
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