Becker-Urteil: Die vergebliche Mission des Michael Buback
Wer Siegfried Buback 1977 erschoss, ist auch nach der Verurteilung von Verena Becker unklar. Das Anliegen seines Sohns musste scheitern, kommentiert Ludwig Greven.
Wer hat am 7. April 1977 geschossen? Wer hat den damaligen Generalbundesanwalt Siegfried Buback und zwei Begleiter ermordet? Den Sohn treiben diese Fragen seit Jahren um. Sie sind zu Michael Bubacks persönlicher Mission geworden.
Er ist fest davon überzeugt, dass es eine Frau war: Verena Becker, ein führendes Mitglied der zweiten RAF-Generation. Mit seinem beharrlichen Insistieren hatte er das neue Verfahren gegen die schon einmal zu lebenslanger Haft verurteilte frühere Terroristin ins Rollen gebracht. Als übereifriger, fast manischer Nebenkläger hat er versucht, die Bundesanwaltschaft auf seine Seite zu ziehen. Und sie, als ihm das nicht gelang, ebenfalls "angeklagt".
Bubacks Mission ist gescheitert. Trotz all seiner Bemühungen und Medienauftritte hat der fast zwei Jahre dauernde Prozess keinen Beweis erbracht, dass Verena Becker die Mörderin seines Vaters war. Sie wurde zwar am Ende zu vier Jahren Gefängnis verurteilt – aber nur wegen Beteiligung an der Planung und Vorbereitung des Attentats.
- Der Weg der "schwarzen Braut"
Verena Becker wird im Juli 1952 geboren. Anders als viele ihrer späteren Komplizen stammt sie nicht aus einem bürgerlichen Elternhaus. Sie hat neun Geschwister und verlebt eine karge Kindheit in Westberlin. Nach der Mittleren Reife besucht sie eine Haushaltsschule und arbeitet in einer Fleischfabrik, bis sie arbeitslos wird. Anfang der 70er Jahre zieht die radikale Feministin nachts mit ihrer Freundin Inge Viett durch Westberlin, zertrümmert die Fenster von Sexshops und hinterlässt eine Botschaft: »Die schwarze Braut kommt.« Bei der Bewegung 2. Juni lernt Becker das Bombenbauen. »Plötzlich entdeckte ich hinter dem Mädchengesicht die entschlossene junge Frau«, schreibt Viett später. Für den Mord an einem Bootsbauer geht Verena Becker 1974 in Haft. Ein Jahr später wird sie von Komplizen freigepresst und in den Jemen ausgeflogen. Dort stößt sie zu den Terroristen der Roten Armee Fraktion (RAF), die in der südjemenitischen Wüste den Guerillakrieg üben.
Kaum fassbare Pannen
Michael Buback muss das als schwere persönliche Niederlage empfinden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird für immer ungeklärt bleiben, wer unmittelbar für den Tod seines Vaters und seiner beiden Begleiter verantwortlich war. Ein unbefriedigendes Ergebnis auch für die Öffentlichkeit, die mehr als drei Jahrzehnte nach dem blutigsten Jahr des RAF-Terrors mit diesem dunklen Kapitel der bundesdeutschen Geschichte abschließen möchte.
Eines aber hat der Prozess gegen Verena Becker geleistet: Er hat kaum fassbare Schlampereien und Ungereimtheiten der seinerzeitigen Ermittlungen zu Tage gefördert. Und das ausgerechnet nach dem Attentat auf denjenigen, der an oberster Stelle die Terrortaten der RAF aufklären sollte und deshalb im Fokus ihrer inhaftierten Rädelsführer stand. Auch in der Behörde des Generalbundesanwaltes wurden Spuren nicht oder zu spät verfolgt. Akten wurden vernichtet, das bei dem Anschlag verwendete Motorrad wurde drei Jahre danach verkauft, das Fluchtfahrzeug ist wie andere wichtige Beweismittel "verschwunden".
Das hat die Wahrheitsfindung in diesem womöglich letzten großen RAF-Prozess erschwert. Ebenso wie die lange Zeit, die seit dem Buback-Attentat verstrichen ist. Die Erinnerungen vieler Zeugen sind verblasst und für ein Gerichtsverfahren nicht mehr zu gebrauchen.
Massiv behindert wurde dieser Prozess aber auch dadurch, dass die Sicherheitsbehörden bis heute manches im Zusammenhang mit dem Buback-Attentat unter Verschluss halten. Das ist, wie sein Sohn zu Recht beklagt, ein wirklicher Skandal.





lachhaft findest,
und die Bemühungen des Sohnes, gegen alle Widerstände von Verfassungsschutz etc. den Mord aufzuklären,
kann ich nicht folgen.
Einfach mal den Bericht der ARD anschauen,
- Zeugen, deren Aussagen unterdrückt werden
- mangelhafte Ermittlungen
- zerschredderte Akten
- eine kleine V- Frau, die zufällig gedeckt wird
kommen so leichte Bedenken zu Tag, ob das demokratiefeindliche Verhalten der Verfassungsschutz- Behörden nicht schon längere Zeit andauert, und nicht erst mit der NSU begann.
für die Antwort in meinem Sinne.
für die Antwort in meinem Sinne.
erklären, die eine andere Meinung haben, sei ein Privileg der Diktaturen.
"Als übereifriger, fast manischer Nebenkläger hat er versucht, die Bundesanwaltschaft auf seine Seite zu ziehen. Und sie, als ihm das nicht gelang, ebenfalls "angeklagt"."
Was sollte er anderes machen als Anwalt in eigener Sache.
Immerhin hat er gegen alle Widerstände eine Verurteilung einer V- Frau erreicht.
Aber das zählt ja nicht.
Das
"Eines aber hat der Prozess gegen Verena Becker geleistet: Er hat kaum fassbare Schlampereien und Ungereimtheiten der seinerzeitigen Ermittlungen zu Tage gefördert. Und das ausgerechnet nach dem Attentat auf denjenigen, der an oberster Stelle die Terrortaten der RAF aufklären sollte und deshalb im Fokus ihrer inhaftierten Rädelsführer stand. Auch in der Behörde des Generalbundesanwaltes wurden Spuren nicht oder zu spät verfolgt. Akten wurden vernichtet, das bei dem Anschlag verwendete Motorrad wurde drei Jahre danach verkauft, das Fluchtfahrzeug ist wie andere wichtige Beweismittel "verschwunden"."
steht im Artikel und dürfte somit unstrittig als gesetzt gelten.
Ebenso steht in DER ZEIT zu lesen und dürfte somit ebenfalls unstrittig sein:
"Der Amtschef, der nichts wusste
Die Aussage des scheidenden Verfassungsschutzchefs Fromm belegt erneut, wie ahnungslos er und seine Behörde waren – und wie schlecht die Zusammenarbeit funktionierte."
http://www.zeit.de/politi...
Erkennt Jemand außer mir hier gewisse Parallelitäten trotz 35 Jahren Zeitdifferenz zwischen beiden Feststellungen?
dass deutsche Behörden in 35 Jahren nichts dazu gelernt haben? Nein, das will ich ganz gewiss nicht. Ich wollte nur darauf aufmerksam machen, dass behördliche Lernfortschritte mehr Zeit als 35 Jahre zu benötigen scheinen.
dass deutsche Behörden in 35 Jahren nichts dazu gelernt haben? Nein, das will ich ganz gewiss nicht. Ich wollte nur darauf aufmerksam machen, dass behördliche Lernfortschritte mehr Zeit als 35 Jahre zu benötigen scheinen.
Bedenklich finde ich eher die Parallelitäten zwischen dem Buback-Mord und den Morden der NSU. In beiden Fällen war der Verfassungsschutz an der Sache dran - in beiden Fällen hat man zugeschaut und in beiden Fällen hält man Akten unter Verschluss.
Übrigens: selbst die allerbesten Antiterrorgesetze nützen nichts - es wird immer Organisationen geben, die sie außer Kraft setzen, weil sie die Lücken finden.
Tja, Frau Becker und ein großer Teil ihrer Generation dachte damals wohl eher "Benno Ohnesorg steht für uns alle." Und manche denken dies, während der Mörder Ohnesorgs bis heute ungeschoren seine Pension genießt, wohl noch immer (wenn auch klammheimlich). Würde ich mal drüber nachdenken.
Entfernt. Bitte beachten Sie das konkrete Artikelthema. Danke, die Redaktion/ls
Entfernt. Bitte beachten Sie das konkrete Artikelthema. Danke, die Redaktion/ls
Ich habe noch nie viel vom Verfassungsschutz gehalten, er kam mir immer relativ überflüssig vor.
Gibt es ein besseres Beispiel dafür als die gesamte Geschichte um die NSU? da wird von Beamten gelogen, daß sich die Balken biegen, da werden wichtigste Akten vorsätzlich vernichtet - warum, um was zu verbergen? Da ist ein hessischer Beamter am Tatort eines der Morde und bekommt von 11 Anwesenden als einziger die Tat nicht mit? Der wird auch noch vollständig entlastet - ja wovon eigentlich - und versieht seinen Dienst weiter!
Entschuldigung, aber bin ich hier Blödistan? So etwas vermutete ich bis "gestern" in der Vierten Welt - Somalia vielleicht - aber doch nicht bei uns in Deutschland!
Was mich jetzt aber besonders erschüttert (wütend gemacht) hat war das Ergebnis des vom Sohn des ermordeten Bundesanwalts Buback angestrengten Prozesses. Der klar erkennbare Wille aller beteiligten Ämter, die Wahrheit unter Verschluß zu halten, macht das gesamte deutsche Justizwesen in meinen Augen verächtlich und lächerlich. Auch hier der größte Mauscheler und Verschleierer: der Verfassungsschutz.
Recht und Gerechtigkeit in Deutschland? Wie im Märchen: Es war einmal. Ich frage mich nur wann.
dass deutsche Behörden in 35 Jahren nichts dazu gelernt haben? Nein, das will ich ganz gewiss nicht. Ich wollte nur darauf aufmerksam machen, dass behördliche Lernfortschritte mehr Zeit als 35 Jahre zu benötigen scheinen.
ich weis nicht warum werde ich das GESCHMÄCKLE nicht los als wenn hier wie bei NSU auch damals der Verfassungsschutz und das BKA versagt (vertuscht) haben. Vielleicht sogar der damalige Oberstaatsanwalt?
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