Offiziellen Angaben zufolge ist das Bombenattentat auf israelische Touristen in Bulgarien vermutlich von einem Selbstmordattentäter begangen worden. Die Behörden hätten eine Person als Attentäter identifiziert, die einen gefälschten amerikanischen Führerschein bei sich gehabt habe, sagte der bulgarische Innenminister Tswetan Tswetanow am Donnerstag. In der Nacht zum Donnerstag flog ein Rettungsteam aus Israel nach Bulgarien . Der israelische Rundfunk meldete, Rettungskräfte und Militärs hätten den Auftrag, die Leichen und Verletzten zurück nach Israel zu holen.

Der israelische Außenminister Avigdor Lieberman sagte am Donnerstag, insgesamt seien fünf Israelis, ein bulgarischer Busfahrer sowie der mutmaßliche Selbstmordattentäter getötet worden. Sicherheitskameras hätten einen langhaarigen Mann in Sportkleidung aufgenommen, der sich vor der Explosion etwa eine Stunde lang am Ort des Anschlags aufhielt, berichtete auch die bulgarische Nachrichtenagentur Novinite. Seine Leiche habe die schlimmsten Verletzungen aufgewiesen. Die Behörden gingen daher davon aus, dass es sich bei dem Mann um den Selbstmordattentäter handelte. Das bulgarische Außenministerium sprach von sechs Toten.

Innenminister Tswetanow sagte im staatlichen Hörfunk, zwei mögliche Abläufe des Anschlags würden untersucht: Zum einen, dass der Sprengsatz vor dem Einsteigen der Touristen im Bus versteckt worden sei, zum anderen, dass er sich im Gepäck befunden habe. Außenminister Nikolai Mladenow sagte, die Explosion sei von einer im Bus platzierten Bombe ausgegangen. Fünf Menschen seien sofort tot gewesen, ein Opfer sei später im Krankenhaus gestorben, hieß es aus seinem Ministerium.

Vorwürfe über mangelnde Sicherheitsvorkehrungen

Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak beschuldigte die radikal-islamische Hisbollah aus dem Libanon , den Anschlag verübt zu haben. "Die unmittelbaren Attentäter waren Hisbollah-Leute, die natürlich ständige iranische Unterstützung haben", sagte Barak im israelischen Rundfunk.  "Wir verfolgen seit einiger Zeit Absichten von Terrororganisationen – Hisbollah, Hamas , iranischen Elementen und dem Dschihad – Anschläge in aller Welt zu verüben." Die israelischen Sicherheitsorgane würden "mit aller Macht vorgehen, um zu den Attentätern und ihren Drahtziehern zu gelangen". Bereits unmittelbar nach der Tat hatte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu den Iran beschuldigt und mit einem Gegenschlag gedroht.

Die iranische Regierung wies die Beschuldigungen zurück. Im Staatsfernsehen hieß es, die Vorwürfe Israels seien lächerlich und nur darauf bedacht, Stimmung gegen den Iran zu machen. Auch die mit dem Iran verbündete Hisbollah-Organisation im Libanon nannte die Vorwürfe aus Jerusalem in einer offiziellen Reaktion lächerlich.

Außenminister Guido Westerwelle warnte vor voreiligen Schuldzuweisungen. Jetzt seien Zurückhaltung und verantwortungsvolles Handeln angebracht, sagte er. Westerwelle zeigte sich "entsetzt und bestürzt" über die Nachrichten aus Burgas. "Ich verurteile den tödlichen Anschlag auf israelische Touristen in Bulgarien auf das Schärfste. Die Täter müssen gefunden und für diese schreckliche Tat zur Rechenschaft gezogen werden", sagte Westerwelle.

Auch die USA verurteilten den Anschlag. Präsident Barack Obama sprach Netanjahu am Telefon sein Beileid aus. In Israel wurden Vorwürfe über mangelnde Sicherheitsvorkehrungen auf dem Flughafen des Touristenorts im Südosten Bulgariens laut. In den vergangenen Monaten habe es dort schon mehrere Anschlagversuche gegeben.

Die Mitglieder der israelischen Reisegruppe waren kurz zuvor auf dem Flughafen von Burgas gelandet. Nachdem die Reisenden in den Bus gestiegen waren, sei dieser explodiert und in Flammen aufgegangen. Israelische Medien meldeten, einige der Touristen seien nach dem Anschlag in Panik aus dem brennenden Bus gesprungen.