TerrorismusBulgarien rätselt über den Terroranschlag

Fünf Israelis starben bei einem Attentat an der Schwarzmeerküste. Schwerstkriminalität ist in Bulgarien sehr präsent – Terrorismus aber unbekannt. von Frank Stier

Der Flughafen von Burgas

Der Flughafen von Burgas unmittelbar nach dem Anschlag  |  © Reuters

Bulgariens Tageszeitung Trud machte am Donnerstag mit einem Foto auf, das unerträglicher kaum sein kann. Es zeigt verkohlte Leichenteile vor dem Flughafen der Schwarzmeermetropole Burgas. Das grauenhafte Attentat hat das Land getroffen: "Bulgarien wird nie mehr dasselbe sein", klagt Maxim Behar, der führende PR-Spezialist des Landes und ein jüdischer Bulgare. Fünf israelische Touristen, ein bulgarischer Busfahrer sowie der mutmaßliche Täter starben, Dutzende weitere Menschen wurden zum Teil schwer verletzt.

Inzwischen veröffentlichte Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigen schemenhaft eine langhaarige Gestalt in karierten Boxershorts und blauem T-Shirt, die einen Rucksack trägt. Sie betritt das Flughafengebäude, schaut sich kurz um und geht wieder hinaus. Sollte sich der Anfangsverdacht der Ermittler bestätigen, handelt es sich bei der Person nicht um einen gewöhnlichen Rucksacktouristen, sondern um den Selbstmordattentäter.

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"Wir haben bei einer nicht zur Reisegruppe gehörenden Person einen gefälschten, angeblich im US-Bundesstaat Michigan ausgestellten Führerschein gefunden", gab Bulgariens Ministerpräsident Bojko Borissow als momentan heißeste Spur bekannt. Aber wie ein langhaariger Rucksacktourist und die von Israels Premier Benjamin Netanjahu sogleich der Taturheberschaft bezichtigte Hisbollah im Auftrage Irans zusammenhängen sollen – darüber gibt es gegenwärtig ausschließlich Spekulationen.

Politischer Terrorismus liegt lange zurück

Der vermeintliche Selbstmordattentäter

Der vermeintliche Selbstmordattentäter im Flughafen von Burgas  |  © Reuters

Schwere Kriminalität ist in Bulgarien nicht unbekannt, sie ist präsent und öfter als anderswo geschehen hier öffentlich Auftragsmorde. Meist fallen ihnen aber Geschäftsleute zum Opfer, deren Aktivitäten den Ruf haben, schmutzig zu sein. Normale Bulgaren und ausländische Gäste hatten bislang nichts zu befürchten, ein Urlaub an der bulgarischen Schwarzmeerküste galt als sicher. Doch diese Idylle hat sich nun als trügerisch erwiesen. Selbst als im Herbst 1996 Ex-Ministerpräsident Andrej Lukanow einem Anschlag zum Opfer fiel, galt die Tat eher kriminell als politisch motiviert. Gewissheit darüber gibt es aber nicht, da sie, wie die meisten Auftragsmorde, nie aufgeklärt wurde.

Bulgariens leidvolle Erfahrungen mit politischem Terrorismus liegen bereits zweieinhalb Jahrzehnte zurück. Mitte der achtziger Jahre gab es Tote bei Sprengstoffanschlägen, für die türkische Bulgaren verantwortlich gemacht wurden, die Widerstand leisteten gegen die von der kommunistischen Staatsführung durchgeführte Zwangsassimilierung der bulgarischen Türken. Und als Ende Juni vor einem Büro der Roma-Partei Evroroma im südbulgarischen Sandanski eine Bombe detonierte und einen Mann verletzte, war das nur kurz ein Thema. Wenig später wurden einige Rechtsradikale von den Ermittlungsbehörden als Täter präsentiert und das Leben ging weiter.

Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Bitte verfassen Sie sachliche Kommentare. Danke, die Redaktion/ls

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    Ich war bemüht, eine Korrelation aufzuzeigen. Es war nicht meine Absicht, eine Kausalität darzutun. Insofern entbehrt ihr Vorwurf, bei meinem Kommentar habe eine unsachliche und Unterstellung enthalte, jedweder Grundlage. Vielen Dank.

  2. 2. [...]

    Entfernt. Bitte setzen Sie sich argumentativ mit den Inhalten des Artikels auseinander statt Verdächtigungen und Spekulationen anzustellen. Danke. Die Redaktion/kvk

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    Der Kommentar auf den Sie kritisch Bezug nehmen, wurde mittlerweile entfernt. Danke, die Redaktion/kvk

  3. Und so in etwa kann man sich diese Mitttel dann vorstellen.

  4. Schon wieder sterben Menschen einen grausamen Tod durch ein Attentat, das durch nichts zu rechtfertigen ist. Diesmal Israelis. Allerdings war der israelische Geheimdienst bisher niemals zimperlich mit seinen im Ausland verübten Mordanschlägen auf Iraner und andere Personen und scherte sich dabei einen Dreck um die jeweiligen Länder.

    Insofern ist dieser Anschlag nur die eine Seite der Medaille. Wer Gewalt sät, so wie die Israelis es ständig tun, darf sich nicht beklagen, wenn er selbst ebenfalls zur Zielscheibe wird. Mir tun die Opfer leid, egal von welcher Seite! Aber solange Israel meint, immer und überall über dem Gesetz zu stehen, muss es mit solchen Anschlägen (leider) rechnen.

  5. Es ist zu befürchten, dass Netanjahu recht hat.
    Doch hören wir nicht auch immer wieder von abstürzenden russischen Flugzeugen, deren Absturzursache ungeklärt bleibt? Tage später ließt man von Atom- Wissenschaftler, die im Flugzeug saßen...
    Atom- Wissenschaftler (Iranische, wie Russische) haben derzeit eh eine sehr kurze Lebenserwartung, wenn sie im Iran tätig waren. Sie kommen immer wieder bei irgendwelchen Anschlägen oder Unfällen ums Leben. Es ist zu vermuten, dass der israelische (u.a.) Geheimdienst die Jagd auf sie eröffnet hat.
    Neben dem Embargo ist der Iran das Ziel zahlreicher Cyber Angriffe.
    Ein weiterer deutlicher Hinweis ist die Entsendung der USS "Ponce" in die Meeresstraße von Hormus - eine Provokation und Lockvogel! Ein Angriff auf dieses Schiff und die USA hätten ihren Kriegsgrund (RMS Lusitania)...

    Welche Möglichkeiten bleiben dem Iran, seinen Gegnern die Stirn zu bieten? Ein weltweiter asynchroner Krieg...!
    Ein Krieg, den der Iran nicht angefangen hat. Der Iran braucht die Bombe, zur Verteidigung, denn wir haben im Irak gesehen was passiert, wenn ein Land nur über unzureichende Luftabwehr verfügt und auch keine abschreckende Waffen besitzt, um seine Ölquellen zu schützen...

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    Frieden - vor allem im Inneren - versuchen könnte?

    Hab ich das richtig verstanden?

    Dem "Iran" sofern er es überhaupt war, bleibt also gar nichts anderes übrig als Unschuldige Israelis und jene die zufällig mit im Bus sitzen durch Bombenattentate in die Luft zu sprengen???

    [...]

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/ls

  6. 6. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke, die Redaktion/ls

  7. Frieden - vor allem im Inneren - versuchen könnte?

  8. 8. Frage

    Von welchem Abflughafen ist der mutm. Täter nach Bulgarien eingereist?

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  • Schlagworte Terrorismus | Bulgarien | Hisbollah | Benjamin Netanjahu | Anschlag | Armenier
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