Bulgariens Tageszeitung Trud machte am Donnerstag mit einem Foto auf, das unerträglicher kaum sein kann. Es zeigt verkohlte Leichenteile vor dem Flughafen der Schwarzmeermetropole Burgas. Das grauenhafte Attentat hat das Land getroffen: "Bulgarien wird nie mehr dasselbe sein", klagt Maxim Behar, der führende PR-Spezialist des Landes und ein jüdischer Bulgare. Fünf israelische Touristen, ein bulgarischer Busfahrer sowie der mutmaßliche Täter starben, Dutzende weitere Menschen wurden zum Teil schwer verletzt.

Inzwischen veröffentlichte Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigen schemenhaft eine langhaarige Gestalt in karierten Boxershorts und blauem T-Shirt, die einen Rucksack trägt. Sie betritt das Flughafengebäude, schaut sich kurz um und geht wieder hinaus. Sollte sich der Anfangsverdacht der Ermittler bestätigen, handelt es sich bei der Person nicht um einen gewöhnlichen Rucksacktouristen, sondern um den Selbstmordattentäter.

"Wir haben bei einer nicht zur Reisegruppe gehörenden Person einen gefälschten, angeblich im US-Bundesstaat Michigan ausgestellten Führerschein gefunden", gab Bulgariens Ministerpräsident Bojko Borissow als momentan heißeste Spur bekannt. Aber wie ein langhaariger Rucksacktourist und die von Israels Premier Benjamin Netanjahu sogleich der Taturheberschaft bezichtigte Hisbollah im Auftrage Irans zusammenhängen sollen – darüber gibt es gegenwärtig ausschließlich Spekulationen.

Politischer Terrorismus liegt lange zurück

Der vermeintliche Selbstmordattentäter im Flughafen von Burgas © Reuters

Schwere Kriminalität ist in Bulgarien nicht unbekannt, sie ist präsent und öfter als anderswo geschehen hier öffentlich Auftragsmorde. Meist fallen ihnen aber Geschäftsleute zum Opfer, deren Aktivitäten den Ruf haben, schmutzig zu sein. Normale Bulgaren und ausländische Gäste hatten bislang nichts zu befürchten, ein Urlaub an der bulgarischen Schwarzmeerküste galt als sicher. Doch diese Idylle hat sich nun als trügerisch erwiesen. Selbst als im Herbst 1996 Ex-Ministerpräsident Andrej Lukanow einem Anschlag zum Opfer fiel, galt die Tat eher kriminell als politisch motiviert. Gewissheit darüber gibt es aber nicht, da sie, wie die meisten Auftragsmorde, nie aufgeklärt wurde.

Bulgariens leidvolle Erfahrungen mit politischem Terrorismus liegen bereits zweieinhalb Jahrzehnte zurück. Mitte der achtziger Jahre gab es Tote bei Sprengstoffanschlägen, für die türkische Bulgaren verantwortlich gemacht wurden, die Widerstand leisteten gegen die von der kommunistischen Staatsführung durchgeführte Zwangsassimilierung der bulgarischen Türken. Und als Ende Juni vor einem Büro der Roma-Partei Evroroma im südbulgarischen Sandanski eine Bombe detonierte und einen Mann verletzte, war das nur kurz ein Thema. Wenig später wurden einige Rechtsradikale von den Ermittlungsbehörden als Täter präsentiert und das Leben ging weiter.