MittelmeerDutzende Flüchtlinge verdursten vor Italiens Küste

Mit einem Schlauchboot wollten die Nordafrikaner von Libyen nach Italien gelangen. Doch die Flucht endete für fast die gesamte Besatzung tödlich – nur ein Mann überlebte. von reuters

54 afrikanische Flüchtlinge sind auf der Überfahrt von Libyen nach Italien gestorben. Die meisten seien in einem Schlauchboot verdurstet, teilte das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen ( UNHCR ) unter Berufung auf den einzigen Überlebenden mit.

Die tunesische Küstenwache hatte den Mann aus Eritrea gerettet. Er trieb extrem dehydriert an die Reste des Schlauchboots geklammert im Meer. Ende Juni war er nach eigenen Angaben zusammen mit 54 weiteren Menschen in Libyen aufgebrochen .

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Kurz vor der Küste Italiens sei das Boot wegen starker Winde wieder aufs offene Meer hinausgetrieben, nach einigen Tagen sei Luft entwichen. Da nicht genügend Wasser an Bord gewesen sei, hätten einige Insassen Meerwasser getrunken, was ihren Durst noch verschlimmert habe, berichtete der Überlebende.

Tausende Migranten kamen in den vergangenen Jahren beim Versuch ums Leben, von Nordafrika über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen . Nach Angaben des UNHCR starben in diesem Jahr bislang 170 Menschen, die sich von Libyen aus auf den Weg machten. Etwa 1.300 haben Italien seit Anfang 2012 erreicht, 1.000 schafften es bis nach Malta .
 

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Leserkommentare
  1. 54 Menschen auf der Flucht mit dem Ziel Europa in der Hoffnung auf ein besseres Leben, nur einer kommt an. Eine Tragödie. Und das verdient nicht mehr als eine knappe Seite Berichterstattung?! Ist mir unheimlich.

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    ...hat er eben leider recht.
    Die Welt ist arm. Der Mensch ist schlecht.

    mit solidarischen Gruß,
    besorgter_mitbuerger

    • TDU
    • 11. Juli 2012 10:08 Uhr

    Deutschland hat genug Platz, ein paar auf zu nehmen. Tiere und Pflanzen werden nicht gleich aussterben. Und auch die Verkehrswerte der Eigenheimchen werden nicht gleich in den Keller gehen. Aber gerne den Hunger in der Welt beklagen, aber zu essen haben wir für die Hungrigen auch nichts.

    9 Leserempfehlungen
    • Crest
    • 11. Juli 2012 10:14 Uhr

    Die Betroffenheits"lyrik" wird folgen.

    Aber welche "call to action" schlagen Sie vor?

    C.

    7 Leserempfehlungen
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    die Leute, die in ihren Schlauchbooten rüberkommen, aufnehmen. Man muss ihnen ja keine Fähren zur Verfügung stellen, sie aber auch nicht wie Dreck behandeln, wenn sie schon mal da sind. Echte politische und wirtschaftliche Unterstützung für die betroffenen Länder leisten und sie nicht mit ein paar Alibi-Euros versorgen, totalitären Regimes(n?) keine Waffen mehr liefern, die demokratisch legitimierten Regierungen auf hochpolitischer Ebene nicht wie bloße Beisitzer behandeln, sein Konsumverhalten insoweit ändern, dass nicht mehr jeden Tag tonnenweise Lebensmittel weggeworfen werden und den dadurch entstanden wirtschaftlichen Überschuss vernünftig dort investieren, wo es nötig ist, von mir aus auch, aber nicht nur, um die eigene Wirtschaft zu stärken.
    Ich sage nicht, dass das alles einfach ist, nicht, dass das innerhalb von zwei Tagen, Wochen oder Jahren geschehen kann, aber es ist machbar. Und ich glaube sogar, dass es machbar ist, ohne (!) empfindliche Einbüßungen bzgl. unseres derzeitigen Lebensstils in Kauf nehmen zu müssen. Und: natürlich müssen die einschlägigen Staaten das letztlich selbst regeln, aber - und dafür muss man wahrlich kein Verschwörungstheoretiker sein - die industrialisierten Staaten nehmen ihnen derzeit auf unglaublich vielen Ebenen die Chance, das überhaupt tun zu können.

    ist wohl Zynismus - denn die Frage, wie auf diese Situation, an der sich seit Jahren nichts ändert, zu reagieren ist, bleibt ja in Ihrem Beitrag auch offen.

    Es wäre schon ein Schritt in die richtige Richtung, wenn die EU aufhören würde, durch den Export hoch subventionierter Agrarprodukte nach Afrika die dortigen Märkte kaputt zu machen. Dafür kämpfen die berühmten "Gutmenschen" seit Jahren - leider bisher ohne Erfolg.

  2. die Leute, die in ihren Schlauchbooten rüberkommen, aufnehmen. Man muss ihnen ja keine Fähren zur Verfügung stellen, sie aber auch nicht wie Dreck behandeln, wenn sie schon mal da sind. Echte politische und wirtschaftliche Unterstützung für die betroffenen Länder leisten und sie nicht mit ein paar Alibi-Euros versorgen, totalitären Regimes(n?) keine Waffen mehr liefern, die demokratisch legitimierten Regierungen auf hochpolitischer Ebene nicht wie bloße Beisitzer behandeln, sein Konsumverhalten insoweit ändern, dass nicht mehr jeden Tag tonnenweise Lebensmittel weggeworfen werden und den dadurch entstanden wirtschaftlichen Überschuss vernünftig dort investieren, wo es nötig ist, von mir aus auch, aber nicht nur, um die eigene Wirtschaft zu stärken.
    Ich sage nicht, dass das alles einfach ist, nicht, dass das innerhalb von zwei Tagen, Wochen oder Jahren geschehen kann, aber es ist machbar. Und ich glaube sogar, dass es machbar ist, ohne (!) empfindliche Einbüßungen bzgl. unseres derzeitigen Lebensstils in Kauf nehmen zu müssen. Und: natürlich müssen die einschlägigen Staaten das letztlich selbst regeln, aber - und dafür muss man wahrlich kein Verschwörungstheoretiker sein - die industrialisierten Staaten nehmen ihnen derzeit auf unglaublich vielen Ebenen die Chance, das überhaupt tun zu können.

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    • Crest
    • 11. Juli 2012 11:47 Uhr

    ...die Leute, die in ihren Schlauchbooten rüberkommen, aufnehmen.

    Tun wir das nicht?

    sie aber auch nicht wie Dreck behandeln...

    Ich würde Ihnen gerne eine Frage stellen, ganz persönlich und ganz provozierend (und doch völlig leidenschaftslos):

    Wie behandeln Sie (Sie!) den arbeitslosen Penner, dem Sie in der Fußgängerzone begegnen?

    C.

    So, wie ich alle Leute behandle, die ich nicht kenne und die mir auf der Straße begegnen, tendenziell sogar freundlicher. Ich hab schon mit manch Obdachlosem ein Bier getrunken, ihnen ein bisschen Kleingeld gegeben (wenn mich einer anspricht, sage ich tendenziell nie "Nein", obwohl ich als Stundent auch nicht gerade im Geld schwimme, für ein paar Cent pro Obdachlosen reicht's aber allemal - wenn ich nicht angesprochen werde, dann - muss ich zugeben - hängt's davon ab, wie ich drauf bin, das finde ich aber selbst auch nicht gut. Die Maxime, immer einen kleinen Haufen Kleingeld mit mir herumzutragen und die auf jeden Obdachlosen zu verteilen, die mir begegnen, habe ich mir bereits ausgebildet, und es klappt immer besser, mich auch daran zu halten; wenn das jeder täte, sähe die Welt schon ein gutes Stück besser aus), mit ihnen längere Gespräche geführt und so weiter... ich bin kein Engel und meine Ressourcen sind relativ begrenzt, aber soweit ich geben kann, versuche ich, zu geben. Leider habe ich leichte bis mittelschwere soziophobe Tendenzen, sodass ich bzgl. der Kontaktaufnahme eher reserviert bin, aber das ist einerseits in Arbeit, andererseits bekommen das die Nicht-Obdachlosen mindestens (!) genauso zu spüren.

    Sie übersehen, daß jeder in Europa angekommene Wirtschaftsflüchtling den Erfolg nach Hause berichtet. Das setzt die nächsten 1000 in Bewegung. Nicht umsonst haben wir seit Jahrzehnten anschwellende Ströme illegaler Einwanderer aus Afrika.

    Wir behandeln sie nicht wie Dreck. Sie bekommen Kost, Logis und Kleidung, ja sogar Taschengeld. In welchem Lande gibt es das? Kein Wunder, daß alle zu uns strömen.

  3. ist wohl Zynismus - denn die Frage, wie auf diese Situation, an der sich seit Jahren nichts ändert, zu reagieren ist, bleibt ja in Ihrem Beitrag auch offen.

    Es wäre schon ein Schritt in die richtige Richtung, wenn die EU aufhören würde, durch den Export hoch subventionierter Agrarprodukte nach Afrika die dortigen Märkte kaputt zu machen. Dafür kämpfen die berühmten "Gutmenschen" seit Jahren - leider bisher ohne Erfolg.

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    • Crest
    • 11. Juli 2012 11:22 Uhr

    Ich weiß (aber die Antwort würde Ihnen auch nicht gefallen.)

    C.

    • Crest
    • 11. Juli 2012 11:22 Uhr

    Ich weiß (aber die Antwort würde Ihnen auch nicht gefallen.)

    C.

    4 Leserempfehlungen
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    Wäre die Antwort: "Wir müssen schon die Abreise verhindern"? Dem würde ich zustimmen. Und den Sumpf der Schleuser müssen wir austrocknen.

  4. ...und dennoch kann man den Menschen die Verantwortung für ihr eigenes Tun nicht erlassen. Es handelt sich um erwachsene Leute!

    Auf der Suche nach Wohlstand umgekommen -- ist tragisch.
    Beim Versuch, das Mittelmeer im überfüllten Schlauchboot ohne ausreichende Getränkevorräte zu überqueren umgekommen -- ist der Preis für ein irrwitziges Risiko.

    6 Leserempfehlungen
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    "Auf der Suche nach Wohlstand umgekommen -- ist tragisch."

    Meinen Sie damit die Suche der Europaer nach immer mehr Wachstum und Wohlstand? Die EU-Staaten haben durch ihre Subventionspolitik und ihre Waffenexporte einen ganzen Kontinent ins pure Elend gestuerzt. Ahnen Sie, wie verzweifelt ein Mensch sein muss, um in einem Schlauchboot und mit nix und wieder nix das Mittelmeer zu ueberqueren - um genau von den Laendern, die diese Extremsituationen verursacht haben, Hilfe zu erbetteln. Und diese Verzweifelten laesst man dann verrecken und verdursten. Warum landen nicht mal unsere Lobbyisten, Hobbyparlamentarier, EU-Abgeordnete und Mutti Merkel vor dem Menschenrechtsgericht wegen all ihrer Verbrechen und unterlassener Hilfeleistung? Genau, weil es ja nur ein paar Afrikaner sind. Denen geht es ja gut, dort wo sie sind, Lybien ist ja inzwischen auch eine lupenreine Demokratie... und die ganze Entwicklungshilfe, die wir nach Afrika schicken, da mussen ja paradiesische Zustaende herrschen, kommen die einfach hier her und wollen auch noch wi Menschen behandelt werden ... tststs - und wo ist eigentlich die Medienberichterstattung, die diesen ganzen Dreck mal als das darstellt, was es ist: Eines der groessten Verbrechen der Menschheit im Namen fuer Kapitalismus und Wohlstand in Europa. Wo bleiben die kritischen Nachfragen?

  5. "Jordanien öffnet weitere Notunterkünfte für Flüchtlinge aus Syrien. ... Jordanien beherbergt zur Zeit bereits rund 140.000 Flüchtlinge aus seinem Nachbarland." (http://www.dradio.de/nach...)

    und mit den Zahlen oben im Artikel vergleiche, dann frage ich mich, wieso es das sich auf christliche Werte berufende Europa nicht fertigbringt, den Flüchtlingen auf See wenigstens das nackte Leben zu retten.

    Damit, dass man erbarmungslos vor den eigenen Türen Menschen verrecken lässt, die man mit der Küstenwache locker retten könnte, führt sich nach meiner Auffassung alles Geschrei europäischer Politiker nach Menschenrechten ad absurdum.

    Wo bleiben eigentlich die Nichtregierungs-Menschenrechtsorganisationen bei dieser Frage?

    5 Leserempfehlungen
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    • TDU
    • 11. Juli 2012 13:30 Uhr

    "Wo bleiben eigentlich die Nichtregierungs-Menschenrechtsorganisationen bei dieser Frage?"

    Sehr oft ist die Einsatzbereitschaft an Politik orientiert. Die bösen Wirtschaftsflüchtlinge und Asylsuchende werden ungleich behandelt. Deswegen ensteht Streit.

    Zu sehen vor Monaten in einer Talk Show. Ohne auf irgendwelche treffende Gegenargumente einzugehen, beharrte eine Sprecherin auf "alles Asylsuchende". So gehts nicht, und so kann es nicht bleiben.

    Gäbe es hier mehr von parteiplolitisch und weltanschaulich unabhängige Institutionen könnten Netzwerke enstehen, die Lernen und Arbeit anbieten. Der Geringverdienst hier liegt neben den anderen Vorteilen weit über dem der Heimatländer.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters
  • Schlagworte UNHCR | Vereinte Nationen | Flüchtling | Italien | Libyen | Nordafrika
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