Christopher Street Day Paraden wie in Berlin , München oder Köln , auf denen Homosexuelle selbstbewusst, farbenfroh und sexy ihre Forderungen stellen, sind in 68 Ländern dieser Welt undenkbar . Homosexualität steht dort unter Strafe. Eine der Anliegen der diesjährigen Straßenumzüge ist deshalb die konsequente Umsetzung allgemeiner und sexueller Menschenrechte weltweit. 

In sieben Ländern steht auf Homosexualität die Todesstrafe, unter anderem in der islamischen Republik Iran . Amnesty International spricht von 400 Homosexuellen, die seit der islamischen Revolution von 1979 im Iran hingerichtet worden seien. Die genaue Zahl lässt sich jedoch kaum ermitteln, sie ist wahrscheinlich viel höher.

Pioniere einer Bewegung

Einer der bekanntesten iranischen Gay Pride Aktivisten ist Arsham Parsi. Er lebt in Toronto und hat von dort das Hilfswerk "Iranian Railroad for Queer Refugees" gegründet. Er kennt die Situation der iranischen homosexuellen Frauen und Männer aus eigenem Erleben.

Parsi hatte bereits 2001 begonnen, in Iran ein Netzwerk für Schwule und Lesben aufzubauen. Als 2005 das Todesurteil über den damals 25-Jährigen ausgesprochen wurde, floh er in die Türkei . Um vom UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge als Asylbewerber anerkannt zu werden, outete er sich. Seit 2006 arbeitet er von seinem kanadischen Exil aus.

Seine Familie, die lange nichts von seiner sexuellen Orientierung wusste, wurde direkt nach seiner Flucht von der iranischen Regierung unter Druck gesetzt, erzählt Arsham Parsi. Den eigenen Eltern begreiflich zu machen, dass Homosexuelle keine Verbrecher seien, kostete ihn viel Geduld. Schließlich sorgte er dafür, dass seine Familie ihm in sein kanadisches Exil folgen konnten: "Seither arbeiten meine Mutter und meine Geschwister mit daran, die Familien und Freunde homosexueller Frauen und Männer aufzuklären."

"Wissen schafft Akzeptanz"

Einer weiteren Parole des CSD, "Wissen schafft Akzeptanz", kann sich Arsham Parsi deshalb nur anschließen. Der Mangel an Aufklärung sei eines der größten Probleme von Homosexuellen in Iran, sagt er. "Die Meinungen wandeln sich, wenn Freunde und Eltern von homosexuellen Frauen und Männern begreifen, dass es sich bei gleichgeschlechtlicher Liebe um Liebe handelt und nicht um eine Krankheit oder gewalttätiges Verhalten." Er erzählt, viele Iraner würden immer noch denken, dass Homosexuelle mit Vergewaltigern beziehungsweise Pädophilen gleichzusetzen seien. Eltern, die sich nichts unter der sexuellen Orientierung ihrer Kinder vorstellen könnten, stünden unter Schock: "Sie haben niemanden, den sie um Rat bitten können, ohne sich selbst zu gefährden", sagt Arsham Parsi.

Auch das Thema Aids wird tabuisiert, obwohl die Zahl der HIV-Positiven steige. Deshalb hat Parsi sich vorgenommen, noch in diesem Jahr eine Internet-Plattform ins Leben zu rufen, die er P-Flag Iran nennt. Schwule und Lesben, ihre Angehörige und Freunde sollen sich dort austauschen und informieren können. Das klingt leicht, ist es aber nicht, da in Iran schwule Webseiten oder Chatrooms immer wieder von der iranischen Cyberpolizei gehackt werden. Danach sind die Teilnehmer von Razzien und Festnahmen bedroht.