Stillstand: Züge in einem Bahnhof in Neu Delhi © Adnan Abidi/Reuters

Einen Tag nach einem gigantischen Stromausfall in Indien hat sich die Lage weiter verschlimmert. Außer im Norden des Landes sei diesmal auch im Osten und im Nordosten das Stromnetz zusammengebrochen, sagte ein Sprecher der indischen Netzgesellschaft Powergrid Corporation of India. In dem betroffenen Gebiet leben mehr als 600 Millionen Menschen, was in etwa die Hälfte der indischen Bevölkerung ist.

Betroffen waren zwölf der 35 indischen Bundesstaaten und Unionsterritorien sowie die Hauptstadt Neu Delhi . Hunderte Züge blieben stehen. In Neu Delhi wurde der Betrieb der Metro unterbrochen, Züge wurden evakuiert. Krankenhäuser, Geschäfte und Büros mussten Notfallgeneratoren anstellen. 180 Kilometer nordwestlich von Kalkutta saßen Bergleute des Konzerns Eastern Coalfields unter Tage fest, weil ihre Aufzüge nicht mehr fuhren.

Bereits am Montag war das Netz in Nordindien zusammengebrochen, was zu einem der schwersten Stromausfälle seit zehn Jahren führte. Als das Netz am Dienstag erneut versagte, brach auch das Netz im Osten des Landes zusammen.

Netze veraltet und überlastet

Der indische Energieminister Sushilkumar Shinde machte einige Bundesstaaten für die Überlastung der Netze verantwortlich. Diese hätten mehr Strom abgerufen als ihnen zustehe. Der neuerliche Stromausfall bringt Shinde und seine Regierung zunehmend in Bedrängnis. Vertreter der Industrie riefen eindringlich zur Reformierung der unzulänglichen Energieversorgung auf. Zu lange schon sei das Problem bekannt, kritisierte der Chef des Industrieverbands, Chandrajit Banerjee.

Die aufstrebende Wirtschaftsmacht hängt bis heute in der Stromerzeugung überwiegend von Kohle ab, zudem sind die Stromnetze hoffnungslos veraltet. Besonders in den heißen Sommermonaten, in denen der Stromverbrauch deutlich ansteigt, kommt es immer wieder zu Engpässen und kurzen Ausfällen. Krankenhäuser, Flughäfen, Hotels und viele Privatleute, die es sich leisten können, haben sich schon längst darauf eingestellt und sich zum Ersatz Generatoren angeschafft.