Bei einer Zwangsräumung hat ein Mann in der Karlsruher Nordstadt vier Menschen als Geiseln genommen. Vier davon tötete er, bevor er sich selbst erschoss. Beamte der Spezialeinheiten SEK und MEK fanden die fünf Leichen vor, als sie drei Stunden nach dem Kidnapping die Dreizimmerwohnung stürmten.

Die Getöteten sind laut Polizei ein Gerichtsvollzieher, der Mitarbeiter eines Schlüsseldienstes sowie der neue Wohnungsbesitzer und die ehemalige Wohnungsbesitzerin. Sie war die Lebensgefährtin des Täters und befand sich bereits in der Wohnung. Die anderen drei hatte der Täter als Geiseln genommen, weiterhin einen Sozialarbeiter. Der durfte die Wohnung verlassen, bevor der 53-Jährige Täter schoss.

Die Ermittler vermuteten, dass die Tötungen geplant gewesen sein könnten. Der Täter habe seine Opfer "regelrecht hingerichtet", teilte die Staatsanwaltschaft mit. Die Polizei ermittelt wegen vierfachem Mord.

Mehrere Häuserblocks evakuiert

Bei dem Geiselnehmer fand die Polizei ein Schrotgewehr, ein Gewehr mit langem Magazin, zwei Pistolen und eine Übungshandgranate. Zudem habe der Täter über reichlich Munition verfügt. Damit hätte er sich eine lange Schießerei mit dem Sonderkommando liefern können, sagte ein Sprecher. Woher der Mann die Waffen hatte, ist noch unklar.

Der 53-Jährige lebte laut Polizei zeitweise im Elsass und war arbeitslos. Zwei Geiseln tötete er mit einem Kopfschuss. Am Ende schoss sich der Mann mit einem Schrotgewehr in den Kopf.

Die Polizei war mit rund 200 Beamten am Tatort im Einsatz und hatte den Tatort in dem Wohngebiet mit zwei Schulen und Kindergärten weiträumig abgesperrt. Mehrere Häuserblocks in der Karlsruher Nordstadt wurden evakuiert. Anwohner durften sicherheitshalber nicht in ihre Häuser.

Trotz der Gewalttat brauchen Gerichtsvollzieher nach Ansicht ihres Verbands keine Bewaffnung. "Sie tragen keine Schutzwesten und auch keine Waffen. Eine Bewaffnung lehnen wir ab", sagte der Vorsitzende des Deutschen Gerichtsvollzieherbundes, Walter Gietmann. Waffen seien Sache der Polizei.