GesundheitssystemKrankenkassen wollen Zertifikate-Handel gegen überflüssige Operationen

Je häufiger Ärzte operieren, desto mehr verdienen sie – dieses System wollen die Kassen ändern. Mit Operationszertifikaten soll die Zahl der Eingriffe reduziert werden.

Die Krankenkassen gehen davon aus, dass Patienten oft aus ökonomischen statt medizinischen Gründen operiert werden. Um die Zahl der Eingriffe zu reduzieren, haben die AOK und der Spitzenverband der Krankenkassen ein Zertifikate-System für Operationen vorgeschlagen, dass ähnlich wie der Emissionshandel funktionieren soll. Der Vorstandschef der AOK Rheinland/Hamburg, Günter Wältermann, sagte dem Handelsblatt, man solle diese Idee für planbare Leistungen wie Hüft-OPs "ernsthaft prüfen". Auch der Dachverband aller 145 Kassen teilte mit, man prüfe den Vorschlag.

Beim Emissionsrechtehandel geht es darum, den Ausstoß schädlicher Treibhausgase zu reduzieren. Firmen erhalten eine begrenzte Anzahl von Zertifikaten, die je zum Ausstoß einer Tonne Kohlendioxid berechtigen. Kommen sie damit nicht aus, müssen sie Zertifikate von anderen Anbietern zukaufen. Dieser Ansatz könnte auf das Gesundheitssystem übertragen werden: Kliniken würden so verpflichtet, für Mehrleistungen Zertifikate von anderen Kliniken zu kaufen, die ihre Leistungsmenge nicht ausschöpfen.

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Nach einer jüngst veröffentlichten Studie im Auftrag des Kassen-Spitzenverbandes nahm die Zahl der – medizinisch nicht immer unbedingt notwendigen – Operationen zwischen 2006 und 2010 um 13 Prozent zu. Dem Zeitungsbericht zufolge stieg die Zahl der Knie-OPs seit 2003 um 51 und die der Hüft-OPs um 18 Prozent.

Krankenhausgesellschaft nennt Vorschlag "völligen Quatsch"

Der CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn sprach sich dafür aus, überflüssige Operationen politisch zu regulieren. Es könne nicht sein, dass Ärzte desto mehr Geld erhielten, je häufiger sie operierten. Das sei ein falsches Anreizsystem, sagte Spahn. Daher sollte die "Politik tatsächlich darüber nachdenken, solche Vergütungssysteme zu regulieren oder gar ganz zu verbieten", sagte Spahn im ARD-Morgenmagazin. Spahn verwies darauf, dass aber auch der Ärztetag sich bereits gegen das derzeitige Vergütungssystem ausgesprochen habe.

Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Georg Baum, wies den Vorschlag als "völligen Quatsch" zurück. "Kliniken sind keine Industrieunternehmen. Wir behandeln nach medizinischer Notwendigkeit und in ärztlicher Verantwortung", sagte er. Hinter dem Vorschlag stecke die Absicht der Kassen, "die medizinischen Leistungen der Krankenhäuser zu rationieren".

Eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums bewertete den Vorschlag nicht. Sie verwies lediglich auf eine Aufforderung an Krankenkassen und Selbstverwaltungen im Gesundheitssystem, bis Mitte kommenden Jahres den Ursachen der steigenden Zahl von Operationen auf den Grund zu gehen und Vorschläge für eine Änderung zu machen.

 
Leserkommentare
  1. "Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Georg Baum, wies den Vorschlag als "völligen Quatsch" zurück. "Kliniken sind keine Industrieunternehmen. Wir behandeln nach medizinischer Notwendigkeit und in ärztlicher Verantwortung", sagte er."

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  2. ...statt ihre Nichtauslastung zu subventionieren.

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    werden die Opfer unter freiem Himmel, in Turnhallen etc. behandelt/operiert? Erinnerung an Eschede!!!
    Ein gewisses "Überangebot" an Krankenhausbetten ist genau deshalb - und ja wohl zu recht - da, um im Falle von Katastrophen noch Kapazitäten zu haben!
    Auch wenn bei uns Erdbeben, Vulkanausbrüche etc. extrem selten sind, gegen Seuchen, große Unfälle oder Terroranschläge sind wir NICHT gefeit!
    Krankenhausversorgung ständig zu 100% auszulasten, bzw. bis das so ist, Kapazitäten abzubauen, käme uns im Falle eines Falles teuer zu stehen.
    Sollte man nicht vergessen!

    werden die Opfer unter freiem Himmel, in Turnhallen etc. behandelt/operiert? Erinnerung an Eschede!!!
    Ein gewisses "Überangebot" an Krankenhausbetten ist genau deshalb - und ja wohl zu recht - da, um im Falle von Katastrophen noch Kapazitäten zu haben!
    Auch wenn bei uns Erdbeben, Vulkanausbrüche etc. extrem selten sind, gegen Seuchen, große Unfälle oder Terroranschläge sind wir NICHT gefeit!
    Krankenhausversorgung ständig zu 100% auszulasten, bzw. bis das so ist, Kapazitäten abzubauen, käme uns im Falle eines Falles teuer zu stehen.
    Sollte man nicht vergessen!

  3. werden die Opfer unter freiem Himmel, in Turnhallen etc. behandelt/operiert? Erinnerung an Eschede!!!
    Ein gewisses "Überangebot" an Krankenhausbetten ist genau deshalb - und ja wohl zu recht - da, um im Falle von Katastrophen noch Kapazitäten zu haben!
    Auch wenn bei uns Erdbeben, Vulkanausbrüche etc. extrem selten sind, gegen Seuchen, große Unfälle oder Terroranschläge sind wir NICHT gefeit!
    Krankenhausversorgung ständig zu 100% auszulasten, bzw. bis das so ist, Kapazitäten abzubauen, käme uns im Falle eines Falles teuer zu stehen.
    Sollte man nicht vergessen!

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    ...modernen Staaten (USA, Schweden), Quelle: http://www.focus.de/gesun.... Kaum ernsthaft ist in unserer geschützten europäischen Zentrallage mit schwereren Katastrophen als in den USA oder Schweden zu rechnen, sieht man einmal vom Zustand unseres Staats,-Finanz-und Gesundheitswesens ab, deren Katastrophen weder von Siemens noch von deren CT´s therapierbar sind, Gesundschrumpfen wäre da die kausale Therapie.

    ...modernen Staaten (USA, Schweden), Quelle: http://www.focus.de/gesun.... Kaum ernsthaft ist in unserer geschützten europäischen Zentrallage mit schwereren Katastrophen als in den USA oder Schweden zu rechnen, sieht man einmal vom Zustand unseres Staats,-Finanz-und Gesundheitswesens ab, deren Katastrophen weder von Siemens noch von deren CT´s therapierbar sind, Gesundschrumpfen wäre da die kausale Therapie.

  4. ...modernen Staaten (USA, Schweden), Quelle: http://www.focus.de/gesun.... Kaum ernsthaft ist in unserer geschützten europäischen Zentrallage mit schwereren Katastrophen als in den USA oder Schweden zu rechnen, sieht man einmal vom Zustand unseres Staats,-Finanz-und Gesundheitswesens ab, deren Katastrophen weder von Siemens noch von deren CT´s therapierbar sind, Gesundschrumpfen wäre da die kausale Therapie.

  5. trotz Schmerzen keine neue Hüfte/Knie bekommen würde, sondern mit dem Hinweis auf Schmerzmittel getröstet werden würde? Würden Sie das dann auch hinnehmen?

    Die Grundfrage ist doch:
    Wer sagt WAS notwendig ist? Wer priorisiert die med. Eingriff/die Mittel? Die Krankenkassen? Der Staat? Die Ärzte?
    Wer soll also festlegen was überflüssig ist - im Einzelfall?

    Die medizinische Indikation kann bei Zertifikaten niemals zweifelsfrei überprüft werden.

    Interessant auch: das bei offensichtlichem Fragensteller (die Krankenkassen) und dem Zeitpunkt (Sommerloch) der Resonanzboden der Zeit gewährt wurde.

    Insgesamt habe ich den Eindruck, daß hier nur Klischees bedient werden wollen, nimmt mehr und mehr Spiegel-online Züge hier an

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    aber einen Mangel an einem künstlichen Hüftgelenk? Wohl kaum.

    Wenn ich Schmerzen habe, dann frage ich mich, was mein Körper mir damit sagen will. Habe ich mir zu wenig Ruhe gegönnt? Ist das Muskelkater, weil ich wochenlang bewegungsfaul war? Sollte ich meinen Koffeinkonsum aufgeben? Fehlen mir Nährstoffe?

    Nie würde ich auf die Idee kommen solche Körpersignale als Mangel an Schmerzmitteln oder Fehlen eines künstlichen Körperteils zu lesen.Im 'biologischen System Mensch' sind weder Schmerzmittelmangel noch Hüftgelenkmangel vorgesehen. Deshalb kann es diese Signale nicht geben. Wenn sie trotzdem "herausgelesen" werden, hat das andere Gründe.

    Interessant ist übrigens auch, dass Ärzte diese Operationen bei sich selbst seltener durchführen lassen als sie sie ihren Patienten empfehlen.
    http://www.sueddeutsche.d...

    aber einen Mangel an einem künstlichen Hüftgelenk? Wohl kaum.

    Wenn ich Schmerzen habe, dann frage ich mich, was mein Körper mir damit sagen will. Habe ich mir zu wenig Ruhe gegönnt? Ist das Muskelkater, weil ich wochenlang bewegungsfaul war? Sollte ich meinen Koffeinkonsum aufgeben? Fehlen mir Nährstoffe?

    Nie würde ich auf die Idee kommen solche Körpersignale als Mangel an Schmerzmitteln oder Fehlen eines künstlichen Körperteils zu lesen.Im 'biologischen System Mensch' sind weder Schmerzmittelmangel noch Hüftgelenkmangel vorgesehen. Deshalb kann es diese Signale nicht geben. Wenn sie trotzdem "herausgelesen" werden, hat das andere Gründe.

    Interessant ist übrigens auch, dass Ärzte diese Operationen bei sich selbst seltener durchführen lassen als sie sie ihren Patienten empfehlen.
    http://www.sueddeutsche.d...

  6. aber einen Mangel an einem künstlichen Hüftgelenk? Wohl kaum.

    Wenn ich Schmerzen habe, dann frage ich mich, was mein Körper mir damit sagen will. Habe ich mir zu wenig Ruhe gegönnt? Ist das Muskelkater, weil ich wochenlang bewegungsfaul war? Sollte ich meinen Koffeinkonsum aufgeben? Fehlen mir Nährstoffe?

    Nie würde ich auf die Idee kommen solche Körpersignale als Mangel an Schmerzmitteln oder Fehlen eines künstlichen Körperteils zu lesen.Im 'biologischen System Mensch' sind weder Schmerzmittelmangel noch Hüftgelenkmangel vorgesehen. Deshalb kann es diese Signale nicht geben. Wenn sie trotzdem "herausgelesen" werden, hat das andere Gründe.

    Interessant ist übrigens auch, dass Ärzte diese Operationen bei sich selbst seltener durchführen lassen als sie sie ihren Patienten empfehlen.
    http://www.sueddeutsche.d...

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    Wenn man, wie meine Mutter, die vor 30 Jahren einen Unfall hatte, als Folge nun keinen Humeruskopf (Gelenkkugel in der Schulter)mehr hat, dann ist das sehr wohl ein Gelenkmangel und um ohne Schmerzen leben zu können, ist ein "neues" Gelenk sehr hilfreich.

    ".Im 'biologischen System Mensch' sind weder Schmerzmittelmangel noch Hüftgelenkmangel vorgesehen. Deshalb kann es diese Signale nicht geben."

    Das System Mensch ist nicht auf ein Lebensalter von 70-90 Jahren ausgelegt und daher ist es nicht "verwunderlich", dass Teile dieses Systems "kaputt" gehen, bevor der betroffene Mensch stirbt.
    Selten solch einen Unsinn gelesen . . .

    Wenn man, wie meine Mutter, die vor 30 Jahren einen Unfall hatte, als Folge nun keinen Humeruskopf (Gelenkkugel in der Schulter)mehr hat, dann ist das sehr wohl ein Gelenkmangel und um ohne Schmerzen leben zu können, ist ein "neues" Gelenk sehr hilfreich.

    ".Im 'biologischen System Mensch' sind weder Schmerzmittelmangel noch Hüftgelenkmangel vorgesehen. Deshalb kann es diese Signale nicht geben."

    Das System Mensch ist nicht auf ein Lebensalter von 70-90 Jahren ausgelegt und daher ist es nicht "verwunderlich", dass Teile dieses Systems "kaputt" gehen, bevor der betroffene Mensch stirbt.
    Selten solch einen Unsinn gelesen . . .

  7. ... aber ein recht fragwürdiger Vorschlag im Detail:
    Die Vergütung sollte schon an sich kostemorientierter sein, jedenfalls nicht bestimmte OPs besonders lukrativ vergüten, was dann durch ein zweites Umlageverfahren korrigiert wird.
    Mehr Sinn sehe ich in dem Vorschlag für
    OPs von Prostata-Karzinomen, wo es einerseits recht klare Bezugspunkte für den Bedarf gibt (PSA-Messwerte, verknüpft mit Anzahl und Alter der Patienten), andererseits wirklich zu oft operiert wird.
    Dann hätte eine Verbesserung der Vorsorgeuntersuchungen auch nicht sofort eine Erhöhung der Zahl der Operationen zur Folge, was wiederum eine verbreiterte Früherkennung bezahlbar machen würde.

  8. Auch der exorbitanten Rate an Kaiserschnitten sollte mal auf den Grund gegangen werden!

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