Buback-ProzessBecker zu vier Jahren Haft verurteilt

Das Gericht ist der Forderung der Anklage gefolgt: Vier Jahre Freiheitsstrafe erhält die ehemalige RAF-Terroristin Becker wegen Beihilfe am Buback-Mord. von dpa

Die ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker vor dem Oberlandesgericht in Stuttgart (Archivbild)

Die ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker vor dem Oberlandesgericht in Stuttgart (Archivbild)  |  © Bernd Weißbrod/dpa/lsw

Das Oberlandesgericht Stuttgart hat die ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker wegen Beihilfe zum Mordanschlag auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback 1977 schuldig gesprochen. Die Richter verurteilten sie zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren.

Zwei Jahre und sechs Monate gelten bereits als vollstreckt. Beim Strafmaß folgte das Gericht der Forderung der Bundesstaatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte einen Freispruch verlangt.

Anzeige

Der damalige Generalbundesanwalt Buback und seine beiden Begleiter waren 1977 von Terroristen der Roten Armee Fraktion ( RAF ) von einem Motorrad aus erschossen worden. Der Prozess gegen Becker begann im September 2010. Zuvor hatten Ermittler Beckers DNA an einem Bekennerschreiben aus der RAF-Zeit gefunden.

Der Weg der "schwarzen Braut"

Verena Becker wird im Juli 1952 geboren. Anders als viele ihrer späteren Komplizen stammt sie nicht aus einem bürgerlichen Elternhaus. Sie hat neun Geschwister und verlebt eine karge Kindheit in Westberlin. Nach der Mittleren Reife besucht sie eine Haushaltsschule und arbeitet in einer Fleischfabrik, bis sie arbeitslos wird. Anfang der 70er Jahre zieht die radikale Feministin nachts mit ihrer Freundin Inge Viett durch Westberlin, zertrümmert die Fenster von Sexshops und hinterlässt eine Botschaft: »Die schwarze Braut kommt.« Bei der Bewegung 2. Juni lernt Becker das Bombenbauen. »Plötzlich entdeckte ich hinter dem Mädchengesicht die entschlossene junge Frau«, schreibt Viett später. Für den Mord an einem Bootsbauer geht Verena Becker 1974 in Haft. Ein Jahr später wird sie von Komplizen freigepresst und in den Jemen ausgeflogen. Dort stößt sie zu den Terroristen der Roten Armee Fraktion (RAF), die in der südjemenitischen Wüste den Guerillakrieg üben.

Im Verlauf des Prozesses hatte sich die Angeklagte nach langem Schweigen Anfang Mai zum Tatvorwurf erklärt und eine Beteiligung bestritten . Sie habe sich auch an den konkreten Vorbereitungen nicht beteiligt, sagte sie damals.

Die Staatsanwaltschaft aber ist von einer Beteiligung Beckers überzeugt : Sie soll bei Treffen der RAF auf die Ausführung des Anschlags gedrungen und damit einen Tatbeitrag geleistet haben.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. Da legt sich die Republik ganz schön ins Zeug, seit vierzig Jahren. Wird man später - nach der Zeit - auch noch derart in Bezug auf den Rechtsterrorismus (siehe NSU) befinden...?

    7 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    die man leider mit "nein" beantworten muss. Solange unser Verfassungsschmutz ein sicherer Hafen für Nazis ist. Bis die Lämmer zu Löwen werden.

    Rechtsterrorismus (siehe NSU) befinden...?"

    Ganz sicher nicht. Während sich der Rechtsextremismus sein Opfer tendenziell bei benachteiligte und machtlosen Minderheiten sucht, neigte die RAF den Großkopferten zu.

    Es ist deshalb klar, dass sich Deutschlands "Eliten" vergleichsweise hingebungsvoll an der RAF abarbeiten.

    • Immak
    • 06. Juli 2012 14:01 Uhr

    ...gerade stehen!
    Ich denke auch dass die Menschheit als Ganzes irgendwann dafür gerade stehen muss, dass sie in unserer Zeit so auf Kosten der Natur und der anderen Lebewesen lebt.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Süß! Ich lach mich schlapp!! ne, wirklich...süß...

  2. die man leider mit "nein" beantworten muss. Solange unser Verfassungsschmutz ein sicherer Hafen für Nazis ist. Bis die Lämmer zu Löwen werden.

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Zwiespältig"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    sonst würde sich deutschland nicht immer noch mit seiner nazi-vergangenheit selbst strangulieren...

    mal ganz abgesehen davon, dass sie RAF doch eine ganz andere qualität hatte als die NSU...

  3. Ich habe die Vermutung, dass Frau Becker viel mehr weiß, als Sie im Prozeß preisgegeben hat, wahrscheinlich alter Ehrenkodex der RAF...

    Ähnliches können wir ja zur Zeit vom Rechtsextremen Lager der NSU in Gestalt von Beate Tschäpe erleben. Sie schweigt beharrlich zur abscheulichen Mordserie, obwohl Sie extrem eng mit den mutmaßlichen Tätern und deren Helfern verbandelt war.

    Ja und unser sorgloser Umgang mit der Natur, den Resourcen etc. wird uns schon sehr bald auf die Füße fallen...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Tschäpe schweigt weil sie sonst vielleicht auch im Reisswolf landet. Den Tod der beiden komplizen sollte man noch einmal genau unter die Lupe nehemen. Vielleicht hatte der VS ja dort seine Finger im Spiel. Das ist zwar Spekulation, aber durchaus im Rahmen des Vorstellbaren.

  4. bestritten. Sie habe sich auch an den konkreten Vorbereitungen nicht beteiligt, sagte sie damals." - jetzt hoffe ich darauf, daß auch alle Beteiligten, die so überaus lange ihre helfenden Hände über und unter alles NSU-Braun hielten, ohne Rücksicht auf Ansehen und Herkunft angeklagt werden.

    3 Leserempfehlungen
  5. Becker wird verurteilt, veilleicht zu recht. Sie hatte bekanntermassen einen Deal mit dem Verfassunsgsschutz, den man nicht eingehalten hat.

    Die Täter der NSU, keiner glaubt wohl dass die im luftleeren Raum agiert haben, sind ja schon tot. Deren Helfer im Verfassungsschutz haben gerade die Akten vernichtet und kommen wohlmöglich mit einem Disziplinarverfahren odereiner Entlassung davon.

    Die Rechten sínd unseren Staatsdienern immer näher gewesen als die Linken.

    5 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Afa81
    • 06. Juli 2012 16:12 Uhr

    "Die Rechten sínd unseren Staatsdienern immer näher gewesen als die Linken."

    Naja, nach dem Fall Holger Meins wundert mich das auch nicht. Er geht in den Hungerstreik, man hat ihn künstlich ernährt irgenwann stirbt er. Und dann rennen die Studenten mit Transparenten rum "Holger Meins vom Staat SS chutz ermordet!". Wie kann man anderen Menschen noch mehr ins Gesicht spucken?

    Oder nehmen Sie Benno Ohnesorg. Es wurde nachweislich von einem Stasi Agenten erschossen. Klar, das kam erst spät ans Licht, aber für die Linke war das sofort klar. Und damals gab es kein Internet. Man konnte nicht so einfach recherchieren. Man ist einfach von der Situation ausgegangen, wie man sie brauchte. Und Enslin ist gleich hysterisch geworden und hat rumgeheult "Die wollen uns alle umbringen!". Also, was will man von solchen Menschen halten die offenkundig alle Staatsdiener für Monster halten.

    Klar, Staatsdiener sollen unabhängig sein und ich finde diese Spaltung auch nicht gut - wunder tut sie mich nicht.

    • MCBuhl
    • 07. Juli 2012 11:53 Uhr

    Es wäre schön, wenn Sie hinsichtlich des Staatsdieners Kurras nicht in manipulativer Absicht einen Teil des allgemeinen Wissens wegliessen: Herr Kurras war - was man 1967/68 nicht wissen konnte - in der Tat Mitglied der SED und IM der Stasi. Er hatte aber auch einen "übermäßigen Hang zu Waffen und Uniform“ und galt als "Waffennarr". Welche politisch-geistigen Verhältnisse in Schützenvereinen der "Frontstadt" Berlin geherrscht haben mögen, kann ich nicht beurteilen, aber ich habe so einiges über die Verhältnisse in solchen Vereinen im Jahr 2012 gehört. Mit wenig Fantasie und einem hohen Grad an Nüchternheit, gepaart mit wenig Illusion über die Natur des Menschen, lässt mich vermuten, dass die Mitgliedschaft in der SED nicht dem politischen Denken Herrn Kurras entsprach.
    Aber alles dies weglassend: es gibt deutlich mehr Indizien als eine DNA-Spur auf einem Blatt Papier und doch wird der Mann, der auf einen Studenten schoss und sich mit Notwehr raus reden durfte, auch im wiederholten Verfahren frei gesprochen. "Nur ein Student"?

    • fucko
    • 06. Juli 2012 14:23 Uhr

    ...mögen die Relativierer dieser Zeit aber dann nicht so rumkreischen.

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Dann kriegt Zschäpe ja auch max. 4 Jährchen.
    ...mögen die Relativierer dieser Zeit aber dann nicht so rumkreischen."

    "Nach zwölf Jahren Haft wurde sie von dem damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker begnadigt"
    http://de.wikipedia.org/w...

    Kreischen tun die "Relativierer" höchstwahrscheinlich dann, wenn Frau Zschäpe deutlich weniger bekommt.

  6. sonst würde sich deutschland nicht immer noch mit seiner nazi-vergangenheit selbst strangulieren...

    mal ganz abgesehen davon, dass sie RAF doch eine ganz andere qualität hatte als die NSU...

    Eine Leserempfehlung

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Siegfried Buback | RAF | Anschlag | DNA | Generalbundesanwalt | Gericht
Service