Überfall auf Rabbiner : "Attacke auf das friedliche Zusammenleben in Berlin"

Berlins Regierender Bürgermeister hat den Angriff auf einen Rabbiner als "feigen Überfall" verurteilt. Jugendliche hatten den Mann am Dienstag verprügelt und beleidigt.
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit © Thomas Peter/Reuters

Der Angriff auf einen Rabbiner in Berlin hat in der jüdischen Gemeinde und bei Berliner Politikern Empörung ausgelöst. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit ( SPD ) bezeichnete die Tat als "feigen Überfall" und als "Attacke auf das friedliche Zusammenleben aller Menschen" in der Hauptstadt. Berlin sei eine weltoffene Metropole, in der Intoleranz, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus nicht geduldet würden. "Die Polizei wird alle Anstrengungen unternehmen, die Täter zu ermitteln und festzunehmen", kündigte Wowereit an.

Der jüdische Geistliche war am Dienstagabend vor den Augen seiner Tochter von vier jungen Männern im Berliner Stadtteil Schöneberg überfallen und antisemitisch beleidigt worden . Diese hatten ihn zunächst auf seine traditionelle jüdische Kopfbedeckung (Kippa) angesprochen und gefragt, ob er Jude sei. Dann versperrten sie dem Vater und seiner Tochter den Weg und verletzten ihn mit mehreren Schlägen am Kopf. Außerdem beleidigten sie ihn sowie seine Religion und drohten dem kleinen Mädchen mit dem Tod. Danach flüchteten die Täter. Der verletzte Rabbiner kam zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus.

Nach Polizeiangaben handelt es bei den Tätern vermutlich um arabischstämmige Jugendliche. Der polizeiliche Staatsschutz übernahm die Ermittlungen. Berlins Innensenator Frank Henkel ( CDU ) sagte: "Solche Taten werden von den Sicherheitsbehörden unnachgiebig verfolgt." Er versprach ein hartes Vorgehen gegen die Täter.

Jüdische Gemeinde fordert Aufklärung und bessere Gewaltprävention

Auch der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, verurteilte die Tat. In einem Interview mit der Jüdischen Allgemeinen sagte er, der "abscheuliche Angriff" auf jüdische Menschen mitten in der Hauptstadt schockiere ihn zutiefst. "Es ist ein Angriff auf uns alle, auf unsere gemeinsamen Werte von Toleranz und von Liberalität. Er darf unter gar keinen Umständen bagatellisiert werden", sagte Graumann.

Ebenso zeigte sich die Vorsitzende des Jüdischen Forums für Demokratie und gegen Antisemitismus, Lala Süsskind, bestürzt über den Vorfall. "Wir sind sehr betroffen über die Gewalttat und hoffen, dass die Staatsanwaltschaft die Täter schnell ermittelt und vor Gericht stellt", sagte Süsskind, die bis Ende 2011 Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin war. Sie forderte, die Anstrengungen zur Gewaltprävention müssten verstärkt werden. Der Präsident des Europäisch Jüdischen Kongresses (EJC), Moshe Kantor, sagte, nach den antisemitischen Morden von Toulouse sei immer noch nicht erkannt worden, dass es ein "massives Problem" in Europa gebe.

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Kommentare

104 Kommentare Seite 1 von 8
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Politik und Religion....

Was hier passiert ist ist eine brisante Mischung!

Das Opfer war klar als Jude zu erkennen entweder war die Tat also Antisemitisch/Antijüdisch oder Islamisch-Politisch motiviert.

Islamisch Politisch = Jude ist gleich Israeli, alle Juden unterstützen Israel bis auch ein paar gute Antizionisten.

Man beachte das Video wie oft Allah Akbar gerufen wird, auf einer Anti-Israel Demo.

http://www.youtube.com/wa...

Mal schauen ob die Täter soviel "Ehre" haben sich zu stellen.

Einen vergleichbaren Übergriff

gab es vor ein paar Jahren in Frankfurt am Main, als ein aus Afghanistan stammender Jugendlicher unter Beschimpfungen einem Rabbiner ein Messer in den Bauch rammte. Leider ist das Berliner Vorkommnis kein Einzelfall. Moshe Kantor hat Recht, wenn er von einem "massiven Problem" in Europa spricht.

Schande

Jeder Mensch hat das Recht, in Sicherheit zu leben. Aber die nichtjuedischen Deutschen sind eben keine kleine Minderheit, sie sind nicht Gegenstand eines voellig irrationalen, wahnhaften Hasses, der oft genug auf ihre Vernichtung abzielt, sie sind nicht Gegenstand eines Genozid gezorden. Wenn in Deutschland iom Jahr 2012 ein Jude angegriffen wird, weil er ein Jude ist, ist das eine Schande fuer unser Land.

Ich bin mir nicht sicher.

Die nichtjüdischen Deutschen sind eindeutig in der Mehrheit, keine Frage.

Ob sie nicht auch Objekt eines irrationales Hasses sind, frage ich mich allerdings manchmal schon, wenn ich beispielsweise Debatten in Onlineforen verfolge und dort sehe, als was Personen bezeichnet werden, die in Bezug auf Juden auch nur graduell abweichende Auffassungen haben oder hinsichtlich aktueller Probleme zu anderen Schlüssen kommen als der mediale Kanon - und sich dafür übelste Gesinnungen unterstellen lassen müssen.

Auch das empfinde ich bisweilen als wahnhaft, irrational und als Schande.

Womöglich spiegeln sich deutsche Juden und nichtjüdische Deutsche bisweilen ineinander.

Irrationaler Hass....

Die letzte Konsequenz Ihres Kommentars ist in meinen Augen höchst bedenklich. Für mich klingt das wie eine grob fahrlässige Gleichsetzung der Aktivitäten während der deutschen Judenverfolgung im dritten Reich und der Behandlung xenophober und rassistischer Ansichten in den Diskussionsforen. Darüberhinaus sollte Ihnen auch klar sein, dass Sie der deutschen Mehrheit indirekt unterstellen, diese vom Medienkanon abweichenden, z.B. rassistischen Ansichten zu unterstützen oder die Sache selber so zu sehen.

Der Angriff in Berlin ist ein schlechtes Zeichen für unsere Integrationsfähigkeit oder die Art der Integration. Es gibt genügend "Biodeutsche" Nazis, von denen auch sichtbar nichtintegrierte Ausländer mit einer derartigen Aktion heimlichen Beifall ernten könnten. Mit anderem Aussehen, anderer Herkunft oder anderer Religion gerechtfertigte Gewalt kommt in Deutschland leider sehr häufig vor....

Durchaus nicht.

1933 hat man Menschen kollektiv als Parasiten und Teilhaber einer bösartigen Weltverschwörung bezeichnet, aus dem schlichten Grund, daß sie Juden waren. Das ist eine historische Tatsache.

2012, heute, diffamiert man Menschen pauschal als Antisemiten, isoliert sie politisch und zerstört ihre öffentliche Reputation, weil sie es wagen, die Feststellung zu treffen, daß auch Angehörige der jüdischen Religion Fehler machen, unmoralisch handeln (sprich: unter denselben menschlichen Schwächen leiden wie alle anderen Menschen auch), oder daß die israelische Nation sich verbrecherisch verhält. Auch das ist eine historische Tatsache.

Der Unterschied besteht darin, daß Juden 1933 für ihr Judesein verfolgt, entrechtet und ermordet wurden, daß Vertreter legitimer Kritik heutzutage hingegen lediglich diffamiert und ins gesellschaftliche Abseits gedrängt werden, damit ihnen niemand mehr zuhört.

So weit geht der Vergleich aber gar nicht.

Eine "Verharmlosung" kann man nun jederzeit dadurch provozieren, daß man den strengen Rahmen solcher Vergleiche - wie Sie und viele andere es gerne und oft tun - beliebig erweitert, bis eine fundamentale Differenz gefunden wird, die den Vergleich diskreditiert; ist diese Weite erreicht, wird die Sachlichkeit der Diskussion durch moralische Vorbehalte ab- und aufgelöst. Oder, was auch beliebt ist, nach Art eines quasi-religiösen Dogmatimus' Vergleiche an und für sich kategorisch oder unter Behuf auf moralpädagogische Vorbehalte zu verbieten.

KEIN GUTER VERGLEICH

1. Sie schreiben: "2012, heute, diffamiert man Menschen pauschal als Antisemiten, isoliert sie politisch und zerstört ihre öffentliche Reputation, weil sie es wagen, die Feststellung zu treffen, daß auch Angehörige der jüdischen Religion Fehler machen, unmoralisch handeln (sprich: unter denselben menschlichen Schwächen leiden wie alle anderen Menschen auch), oder daß die israelische Nation sich verbrecherisch verhält."
Können Sie bitte ein konkretes Beispiel nennen, wo ein Mensch "isoliert" wurde und wo ihre "öffentliche Reputation" zerstört wurde, weil sie das machten, was Sie schilderten? Mir fällt kein Beispiel ein.
2. Sie verstehen einen bestimmten Unterschied nicht: Juden sind in Deutschland eine minimale Minderheit. Nichtjüdische Deutsche eine überwältigende Mehrheit. Ich will nicht bestreiten, dass es vereinzelt "antideutsche" Vorurteile und Beschimpfungen gibt - das ist natürlich total zu verurteilen. Was es aber nicht geben kann ist eine Diskriminierung, eine Entrechtung wie es für Juden möglich war (und ist?). Das ist ein relevanter Unterschied, den man nicht einfach unter den Teppich kehren kann. Bekanntlich hat Deutschland keinen guten "track record", was die Behandlungen von Minderheiten angeht. Und wie man an den Diskussionen dieser Tage sehen kann, hat sich da auch nicht viel geändert.

Beispiele

"Mir fällt kein Beispiel ein."

Nicht? Womöglich tut selektive Wahrnehmung ihr Übriges. Ein wunderbares Beispiel ist Ernst Nolte, informieren Sie sich. Ebenso über Iris Hefetz, Evelyn Hecht-Galinski, Hermann Dierkes, Philipp Jenninger, Felicia Langer, Martin Walser, Günter Grass und Ernst Nolte, wobei es den armen Jenninger am grausamsten traf. Soweit es das Ausland betrifft, ist Finkelstein recht aufschlussreich.

Lieber honorable schoolboy, Sie sind hochmotiviert, aber argumentativ schlecht aufgestellt - Ihre beliebteste Exitstrategie ist die Eröffnung von Seitenthemen und Nebenschauplätzen, auf denen Sie punkten zu können glauben. Die Frage des Minderheitenverhältnisses der Juden haben wir längst geklärt. Juden leben aber nunmal nicht entrechtet im Deutschland des Jahres 2012, ebensowenig wie andere Minderheiten, und die Gefahr einer erneuten Entrechtung begründen Sie unter Rückgriff auf von Ihnen persönlich vermutete, breit gestreute antisemitische Rudimente, die nur darauf warten, sich zu voller Blüte zu entfalten und es den Juden mal so richtig schön heimzuzahlen. Kleine Psychoanalyse eines Volkes im Schnelldurchgang sozusagen.

Ich persönlich fände es angenehm, wenn Sie mit derartig starken Thesen, die auf derartig windschiefen Belegen bzw. subjektiven Interpretationen ruhen, ein wenig vorsichtiger umgingen.

Und Ausdrücke wie "track record" werfen kein gutes Licht darauf, anhand welcher Quellen und Autoritäten Sie sich inspirieren.

Antwort

1. Ok - gehen wir die Liste mal durch:
- Ernst Nolte: einer der meistverlegten deutschen Autoren. Sehr umstritten, in der Tat. Der Grund seines Umstrittenseins liegt darin, dass Nolte ganz klar antisemitische Positionen bezieht in letzter Zeit.
- Jenninger: hat eine dumme Rede gehalten. Ist es wirklich zu viel verlangt, dass der 3. Mann im Staat sich ein bisschen schlau macht, bevor er an einem bedeutenden Tag den Mund aufmacht? Da habe ich doch andere Vorstellungen.
- Grass: ach ja, Nobelpreis, bekanntester deutscher Autor der Nachkriegszeit, weltweit verlegt (auch solche Idiotien wie die Träumerein eines alten SS-Mannes). In der Tat, der Mann wird schwer verfolgt - vom eigene Ruhm. Mir kommen die Tränen. (Grass meinten Sie nicht ernst, gell?)
- Walser: dito. Haben Sie "Tod eines Kritikers" mal gelesen? Ekelerregend! Was hat es gebracht? Nichts! Mehr Auflage! Mehr Ruhm! Wieder mal eine der sehr stark verfolgten.
etc, etc, etc...
Fazit: die Beispiele, die Sie bringen, ziehen nicht: diese Leute sind kritisiert worden, das ist richtig. Aber von einer gesellschaftlichen Kaltstellung kann die Rede nicht sein. Alle sind immer noch stark im Gespräch, werden verlegt, interviewt: Verfolgung sieht anders aus.
2. Die Art der Diskussion über Beschneidung (nicht das OB, das WIE), hat gezeigt, dass es einen erheblichen Antisemitismus gibt - wenn es denn dieses Beweises noch bedurft hätte. Zahlen sind schwierig, gebe ich zu. Aber wollen Sie die Existenz dieses Ressentiments leugnen?

Einmal abgesehen von den

Beispielen, auf die Sie - wie üblich - nicht eingegangen sind, weil diese tatsächlich von Menschen handeln, die gezielt diffamiert und isoliert wurden: Was für Sie

"ganz klar antisemitische Positionen" oder
"Träumerein eines alten SS-Mannes"

sind, sehen Andere wesentlich komplizierter. Ihre Reduktion auf ein einziges Merkmal, nämlich "judenfeindlich ja/nein?", trägt nicht dazu bei, die Äußerungen der benannten Autoren richtig einzuordnen, es handelt sich vielmehr um eine Reduktion von Komplexität zugunsten einer simplen Schwarz/Weiss-Wertung à la George Bush Junior, und wenn ich das sagen darf: Sie haben zu all dem überhaupt keine eigene Meinung. Ihre Kommentare dazu sind Wiedergaben dessen, was der mediale Kanon dazu ausscheidet, nichts weiter.

Und was haben Sie eigentlich mit Ihrer Beschneidung, wie kommen Sie denn nun wieder darauf? Gibt es ein Thema, von dem aus Sie nicht zur Frage der Beschneidung finden? Ihnen ist klar, daß diese Angelegenheit mit der hier besprochenen wirklich rein gar nichts zu tun hat?

Und nicht nur die Zahlen sind schwierig, der Nachweis der Existenz einer Gesinnung ist schlechthin unmöglich. Die Existenz des Ressentiments in der von Ihnen vermuteten Breite und Qualität ist ein Hirngespinst - und muss es ja sein, wenn man den Antisemitismusbegriff über Jahre hinweg immer weiter inflationiert, bis er jede Bedeutung verliert.

Damals...

Als die Deutschen damals noch weitestgehend "unter sich" waren, schien es ja überhaupt nicht geklappt zu haben und ich bin mir sicher, dass die Menschen, vor allem Deutsche mit jüdischem Glauben, damals regelrecht massakriert wurden.

Was sich heute in den Großstädten tut, ist im Vergleich zu damals zu vernachlässigen.

Was die Tat gegen den Rabbiner angeht, so bin ich mir sicher, wird im heutigen multi-kulti Deutschland alles getan um die Verbrecher zu verhaften und sie vor einem ordentlich Gericht zu verurteilen.

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