Beschneidung : Ein Ritual unter Verdacht

Deutschland diskutiert seit dem Landgerichtsurteil zur Beschneidung von Jungen über Kindeswohl und Religionsfreiheit. Wie aber gehen betroffene Eltern damit um? Drei Beispiele
Der fünfjährige Ekin © privat

Der fünfjährige Ekin tollt durch den Garten seines Elternhauses in der Nähe von Bonn . Er ahnt nicht, dass seine Eltern sich den Kopf zerbrechen, weil sie eine wichtige Entscheidung treffen müssen. Das einzige Kind des Ehepaars Filiz und Ahmet Kara* nähert sich dem Alter, in dem islamische Jungen traditionell beschnitten werden. Aber nicht erst seit dem Landgerichtsurteil von Köln , das die Beschneidung von Jungen als Körperverletzung gewertet hat, wägen die Lehrerin und der IT-Fachmann das Für und Wider eines solchen Schritts ab.

Die Mutter des Jungen, Grundschullehrerin für türkischen muttersprachlichen Unterricht, möchte nicht, dass ihr wirklicher Name genannt wird. Sie befürchtet, dass eine Äußerung zu einem derart sensiblen Thema das Vertrauensverhältnis zu den Eltern ihrer Schüler gefährden könnte. Es geht offensichtlich um mehr als bloß ein Zipfelchen Haut.

Filiz meint, dass der religiöse Ursprung des Beschneidungsrituals gar nicht mehr bewusst wahrgenommen werde. Die Beschneidung sei zu einer Tradition geworden , die gesellschaftliche und kulturelle Zugehörigkeit markiere – nur zu welcher Kultur?

Die Pädagogin möchte nicht, dass ihr Sohn Ausgrenzungserfahrungen macht, weder in der türkischen Community noch im deutschen Kindergarten und später in der Schule. Sie hat von beschnittenen Jungen gehört, die nicht mehr in den Schwimmunterricht wollen, weil sie von ihren Mitschülern im Umkleideraum gehänselt werden. Aber wenn sie ihren Sohn nicht beschneiden lässt, wird er dann von anderen muslimischen Jungs akzeptiert werden?

Die Eltern von Ekin möchten nichts tun, was ihrem Kind schaden könnte. Das Beschneiden ohne Betäubung, wie es früher in der Türkei üblicherweise praktiziert wurde, finden sie ohnehin grausam. Sie überlegen aber, ob der Eingriff unter örtlicher Betäubung und von einem Mediziner vorgenommen auch eine traumatisierende Wirkung auf den Sohn haben könnte. "Das Kind erlebt ja, dass ihm etwas vom Körper genommen wird."

Die Großeltern von Ekin fragen jedoch immer wieder nach, wann man denn die Beschneidung vornehmen lassen wolle. Für sie geht es um eine Selbstverständlichkeit. Filiz, die als Studentin nach Deutschland gekommen ist, nimmt an, dass sie die Beschneidung längst hätte vornehmen lassen, würde sie mit ihrer Familie in der Türkei leben. Jetzt aber erlebt sie einen Zwiespalt, den sie nicht auflösen kann. Denn egal was sie macht, sie trifft eine Entscheidung für ihr Kind, von der sie nicht weiß, welche Auswirkungen sie mit sich bringt.

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Kommentare

452 Kommentare Seite 1 von 34
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Es gibt in westlichen Ländern...

eben KEINEN Vorteil bei Beschneidung in bezug auf
Geschlechtskrankheiten.

Hier gibt es KONDOME,frei verfügbar, die schützen sicher, anders als Beschneidung !

Davon abgesehen, Babies und Kleinkinder haben keinen SEX !

Im sexfähigen Alter können sie selbst entscheiden.
Darum geht es, dass die jungen Männer für sich
selbst entscheiden dürfen, wie ihr Penis aussehen soll !!!

Nicht andere, nicht SIE, nicht die Eltern und schon gar
nicht eine Religionsgemeinschaft.

Wie aO gesagt,...

....scheint die Gesundheits- und Lebenserwartungswirkung aus den vielen Studien, die ich sah genügend positiv, um eine Beschneidung zu befürworten. Die gemessenen Nutzen in diesen Studien sind offenbar genügend über den Kosten, um nach US-amerikanischen sozialen Vorgaben staatliche Maßnahmen zu rechtfertigen.

Es gibt Studien, die keine oder nur geringe Wirkung aufzeigen. Diese scheinen aber in der Minderzahl. Ich fand keine Studie, die eine gesundheitlich negative Wirkung gemessen hätte. Gewarnt wurde allerdings oft, dass die Infektionsgefahr einer Beschneidung unter nicht-klinischen Bedingungen eine reale Gefahr darstellt.

So mag es sein, dass man aus welch Gründen immer eine Beschneidung verbieten will. Das ist ok. Medizinisch vergibt man eine leichte Verbesserung. Aber man ist nicht gezwungen einem Kind jede Verbesserung zugänglich zu machen. Bedenkt man jedoch, dass sich sicher ein Schwarzmarkt entwickeln wird und dieser vermutlich oft nicht klinischen Bedingungen entsprechen wird, so ist damit zu rechnen, dass eine gewisse Zahl Infektionen durch ein Verbot provoziert werden. Das war eine der wesentlichen Argumente für die Legalisierung der Abtreibung.

Vielen Dank für den Link "www.beschneidung.v......." nur......

......leider haben Sie sich damit wohl ein Eigentor
geschossen !!!

Unter 5. wird eine Aids-Studie von einem B.Auvert
genannt, der mit Zahlen bemerkenswert "locker"
umgeht:
von 1.546 Beschnittenen bekamen 20 HIV = 1,80 %
von 1.582 Unbeschnittenen bekamen 49 HIV = 3,09 %

Die Schlussfolgerung dieses famosen B.Auvert: nur
1,8% weniger HIV-Ansteckungen !!! bei Beschnittenen.

N e i n ! Das sind 60 % (!) w e n i g e r Ansteckungen
bei einer vergleichbaren Probanden-Zahl.

Das nur für die "Gläubigen" von Professoren und ihren
"Studien", vor allem von solchen, deren Anlage nirg-
ends detailliert dargelegt wird und somit nicht nach-
prüfbar sind.

Im Übrigen bedauere ich, dass solch ein Thema hoch-
gespielt wird in einem Land, in dem Sozialämter voller
Bürokraten immer und immer wieder versagen, wenn
es um den Schutz vernachlässigter Kinder aus Problem-
Familien geht.

Kein Eigentor

Wenn schon kritisieren, dann fair:
Vielleicht ist es in diesem Zitat unglücklich formuliert, aber die Aussage ist korrekt: Der festgestellte Nutzen der Beschneidung besteht darin, dass knapp 2 Prozent der Studienteilnehmer im Falle einer 100prozentigen Beschneidungsquote einen Nutzen von der Beschneidung bezüglich einer Aidsinfektion gehabt hätten. Der Unterschied ist zwar relativ hoch aber eben absolut niedrig - eben 2 von 100, die sich nicht infiziert hätten.

Das wiederum wird in Bezug gesetzt zu den auftretenden Komplikationen bei einer Beschneidung.

Noch wichtiger ist aber aus meiner Sicht, dass durch Beschneidung zwar das Risiko von Männern sich bei Frauen zu infizieren reduziert wird, Männer (oder der aktive Partner bei homosexuellen Beziehungen) tragen aber ohnehin ein relativ geringes Infektionsrisiko - das des passiven Partner ist mindestens doppelt so hoch.

Echten Schutz vor Aids bieten nur Kondome und ein verantwortliches Sexualverhalten. Wer anderes behauptet trägt letztlich zur Verbreitung dieser Seuche bei, weil sich Männer zu Unrecht sicher fühlen.

„Jeder chirurgisch unnötige Eingriff, stellt ein Risiko für....

.... den Patienten dar !“

Ich hoffe, dass dieser Satz nicht die allgemeine Qualität des Denkens dieser Gruppe darstellt. Immerhin stellt auch ein notwendiger Eingriff ein Risiko dar. Unterscheiden tun sie sich in diesem Punkt nicht. Sie unterscheiden sich darin, dass der eine Eingriff unnötig ist. Jetzt muss man nur noch bestimmen, was nötig ist.

Mit der Bitte um einen Beleg für Ihre Behauptung.

Ich hätte gerne von Ihnen eine zuverlässige, wissenschaftliche Quelle benannt, sagen wir den Lancet oder eine ähnlich anerkannte Zeitung, um die von Ihnen gemachte Aussage zu verifizieren. So steht Ihre Aussage doch im luftleeren Raum.

Ansonsten kann man sich nach Mündigkeit immer noch für eine Beschneidung entscheiden, um die von Ihnen gemutmaßten, medizinischen Vorteile geniessen zu dürfen.

Interessieren würde mich in diesem Zusammenhang auch die Frage, welche Traumatisierungsfolgen durch die Beschneidung entstehen. Das sollte natürlich auch die Eltern interessieren.

Machen Sie es doch einfach mit Google....

....mit "circumcision study Health mortality" und wenn gefragt wird, tapsen Sie auf wissenschaftliche Artikel. Ich habe keine große Lust die Artikel wieder durchzugehen. Sie werden feststellen, dass eine ganze Reihe Artikel existieren und die Aussagen in der größeren Zahl eine positive Wirkung bestätigen. Dieser ist zwischen wenig Effekt und erheblich.

Wenn Sie einen Artikel finden, der mehr als einen geringfügigen Schaden feststellt wurde er mich interessieren. Es wäre schön, Sie könnten ihn posten.

Nichts neues

Es ist natürlich zu erwarten, dass von den "Betroffenen" hier keine neue Impulse zu erwarten waren. Erwachsene Männer, die als Jungen beschnitten wurden, kennen die Unterschied zwischen "mit" und "ohne" nicht, und der hygienische Aspekt ist in Deutschland nicht maßgebend. Dass insbesondere Frauen die Beschneidung ihrer männlichen Kinder befürworten, wird mir wohl ewig ein Rätsel bleiben.

Zum Thema selbst: Leider ist in ZEIT oder ZEIT online bisher nicht ein einziger Artikel erschienen, der sich kritisch mit der Beschneidungsfrage auseinandersetzt. Schade - die FAZ hat hier viel bessere Arbeit geleistet.

Es ist etwas schwierig sich mit etwas "ernsthaft.....

....auseinanderzusetzen", das eine reine Sache der individuellen Bewertung ist. Der Zeitgeschmack sagt der Eingriff wäre genügend Körperverletzung um die gesellschaftlichen Vorteile in der Gruppe und die Religionsfreiheit auszustechen. Die Angehörigen der Religionen sehen das anders. Die Statistik besagt, dass Gesundheit und Lebenserwartung Beschnittener geringfügig besser sind als die Unbeschnittener. Aber das alles ist ungenügend um eine wirkliche Abwägung zu erlauben. Jedenfalls ist der Eingriff wesentlich geringfügiger als das Kind abzutreiben, was man kurz vorher noch aus geringfügigen Gründen darf, solange man sie nicht nennt.

Einfach nur falsch.

> "...das eine reine Sache der individuellen Bewertung ist. "

Gesetze sind exakt gar keine Sache der individuellen Bewertung, sondern eine Anordnung des jeweiligen Gesetzgebers, die wertfrei umzusetzen ist.

> "Der Zeitgeschmack sagt der Eingriff wäre genügend
> Körperverletzung um die gesellschaftlichen Vorteile in
> der Gruppe und die Religionsfreiheit auszustechen.

Irrelevant. Das Gesetz sagt, der Eingriff ist eine Körperverletzung. Punkt. Von "genügend, um..." steht im Gesetz nichts. Die Körperliche Unversehrtheit ist ein Grundrecht des Kindes (und jedes anderen Mitmenschen), hinter dem die freie Religionsausübung der Eltern selbstverständlich zurückzustehen hat.

Die ebenfalls im Grundgesetz verbriefte Religionsfreiheit ist dabei ebenfalls komplett irrelevant, denn erstens steht diese hinter der Körperlichen Unversehrtheit jedes Mitmenschen zurück und zweitens hat den Eltern gar niemand die Ausübung ihrer Religion verboten. Sie können sich selbst stark verstümmeln wie sie wollen.

Das Argument, dem Kind sei ohne Beschneidung der Zugang zur Gemeinde verwehrt, verfängt aus zwei Gründen nicht. Erstens wäre ein solches Verwehren diskriminierend (und damit rechtlich wieder angreifbar), zweitens würde dem Kind mit der Beschneidung der Zugang zu (fiktiven, aber denkbaren) Religionsgemeinschaften, die nur unbeschnittene Mitglieder dulden, ebenfalls verwehrt.

Einfach falsch ist Ihre naives Apodiktum

"Das Gesetz sagt, der Eingriff ist eine Körperverletzung. Punkt. Von "genügend, um..." steht im Gesetz nichts. Die Körperliche Unversehrtheit ist ein Grundrecht des Kindes (und jedes anderen Mitmenschen), hinter dem die freie Religionsausübung der Eltern selbstverständlich zurückzustehen hat."

Medizinisch nicht zwingend indizierte Körperverletzungen
des Kindes sind alltäglich und durch das Elternrecht legitimiert.
Dazu gehören Impfungen, kieferorthopädische Maßnahmen und dergleichen.
Ebenso sind medizinisch gar nicht-indizierte Eingriffe durch das Elternrecht legitimiert.
Dazu gehört die Otopexie, die "Korrektur" von Segelohren, die ab vier Jahren durchgeführt wird.

Ein sehr viel weniger harmloser Eingriff, bei dem Haut und Knorpel entfernt wird - ab dem vierten Lebensjahr wird sie durchgeführt.

Hans-Jürgen Papier, früherer Präsident des Bundesverfassungsgerichts:
>Der Tatbestand der Körperverletzung ist aus rechtlicher Sicht gegeben und wird auch immer gegeben sein. Es ist vielen Laien schwer begreiflich, dass etwa auch jede Impfung eine Körperverletzung darstellt. Sie ist aber nicht rechtswidrig. Sie erfolgt regelmäßig durch den Patienten selbst, bei minderjährigen Kindern durch die Eltern. Wenn der Gesetzgeber ausdrücklich regelt, dass die Eltern wirksam in eine Beschneidung einwilligen können, ist sie keine rechtswidrige Körperverletzung mehr.
<
http://www.focus.de/gesun...

Ihr Abtreibungsbeispiel

Im Gegensatz zu Ihrer Darstellung ist Abtreibung in Deutschland unter bestimmten Voraussetzungen straffrei, nicht aber formal erlaubt.

Mit Ihrer Argumentation beschören Sie genau die schiefe Ebene herauf, vor der Gegner einer Abtreibungsduldung immer gewarnt haben:
Jetzt wird argumentiert, weil man ein ungeborenes Kind ja abtreiben dürfe, müsse auch der Schutz geborener Kinder relativiert werden.

Die Abtreibung ist faktisch.....

.....erlaubt, wenn auch man sich Mühe gab das sehr verklausuliert und verschnörkelt nur zuzugeben. Es kann jedes halbwegs intelligente Mädchen eine Abtreibung haben und ihre Motive sind letztlich unüberprüfbar. Wenn sie also das Kind nicht will und das ist, ich weiß es ein sehr konstruiertes Beispiel, weil sie erfahren hat, dass sie das Kind nicht beschneiden darf, kann sie es abtreiben. Klar, das wird vermutlich nicht passieren. Aber es ist denkbar. Ein Rechtssystem, dass das zulässt, scheint ein wenig bizarr. ;)

Sagte ich nicht faktisch....

...statt juristisch? Das tut mir Leid, wenn ich das nicht tat. Natürlich gibt es Schnörgel und Winkel und Spiegel und Rauch. Hokus Pokus ist wichtig, wo man sich nicht wohl fühlt. Auch werden Leute aufgeregt, wie Sie in Ihrem Kommentar. Aber es ist halt tatsächlich so, dass eine Frau faktisch immer und ohne besonderen Grund abtreiben darf. Es wird ihr sogar meistens bezahlt.

Abtreibung

Rechtsdogmatisch ist die Abtreibung unter bestimmten Bedingungen straffrei, obwohl rechtswidrig. Diesen Unsinn hat sich das BVerfG einfallen lassen. In der Sache aber bedeutet dies: unter den gegebene Bedingungen kann in D. abgetrieben werden, ohne dass es eine negative Rechtsfolge für die Betroffene(n) hat. Alles andere ist dogmatische Onanie.
Viellleicht ist in der Tat die Abtreibungsreform ein Beispiel für einen Kompromiss?

Ich fragte,

woher Männer, die NICHT beschnitten sind, den Unterschied kennen können. Es scheint bei den Mitforisten einige solche zu geben.

Übrigens kann ich Ihnen aus eigener Erfahrung bestätigen, dass vor und nach einer Beschneidung das sexuelle Empfinden gleich bleibt. Die Prozedur selbst ist sehr schmerzhaft, wenn die örtliche Betäubung nicht mehr wirkt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das bei Babys oder kleinen Jungen anders ist. Es ist eine Körperverletzung, die daher nur aus medizinischen Gründen erlaubt sein dürfte.

Aus eigener Erfahrung...

...muss ich eingestehen, dass ich mich an die Schmerzen nur noch bedingt erinnern kann. Ich wurde mit 9 Jahren beschnitten, ob es medizinisch notwenidig war, weiß ich nicht mehr. Woran ich mich nur noch erinnere, ist an die unangenehme Empfindlichkeit der Eichel vor der OP. Die ersten 3-4 Tage waren natürlich - wie bei jeder OP - anstrengend und auch schmerzhaft. Aber wie ich schon zu Anfag sagte, ich habe daran eigentlich kaum noch Erinnerungen, nur dass es in den Osterferien geschah und ich die ersten Tage eine leere Rama-Box als Stoß-Tiefschutz getragen habe...

Die Entscheidungsfreiheit der Kinder

Nun, Kinder entscheiden auch nicht ob sie zur Schule gehen, wie viel sie essen, ob sie sich die Haare oder Nägel schneiden oder ob sie Medikamente nehmen. Es liegt in der Natur der Sache, dass Eltern für Kinder entscheiden und es ist auch ganz normal, dass sie nicht immer optimale Entscheidungen treffen, da viele Entscheidungen auf Spekulationen basieren.

Erheblicher Unterschied

Ich bin Spätbeschnitteneer (20, medizinischer Grund), und aus MEINER Erfahrung kann ich bestätigen, dass es zwischen "vorher" und "nachher" doch erhebliche Unterschiede gibt. Gefühsmäßig ist da deutlich weniger, und ohne Gleitmittel geht gar nichts.

Ich würde mich freuen, wenn all die Spezialisten und Spezialistinnen, die zu diesem Thema schreiben, die Möglichkeit des Empfindlichkeitsverlusts als beweisbare Tatsache akzeptieren. Ein unempfindliches, überflüssiges Stück Haut ist die Vorhaut wahrlich nicht.

tatsachen

tja, so unterscheidet sich wahrnehmung, wahrscheinlich ist da viel psychologie dabei....

andere männer kennen ihre probleme nicht, gleitmittel sind überflüssig. wenn überhaupt dann "natürliche"......

es ist quasi ebenfalls eine "beweisbare tatsache" dass viele männer die vorhaut als lästig empinden und ihre entfernung ein segen ist.
diese werden u.a. in dieser debatte permanent als verstümmelt stigmatisiert. empfinden sie sich so? ich nicht....

Es reicht

"tja, so unterscheidet sich wahrnehmung, wahrscheinlich ist da viel psychologie dabei...."

Es reicht doch völlig, dass es Männer gibt, die sich verstümmelt fühlen, die unglücklich sind über den an ihnen begangenen RAUB ihrer Vorhaut und des Frenulums, dass es auch Männer gibt, die objektiv und zweifelsfrei schwer verstümmelt wurden, deren Eichel/Penis teilweise zerstört wurde, die nie mehr normalen Sex haben können, oder immer Schmerzen dabei haben -
als das man sagen MUSS: dieser Eingriff kann nur selbstbestimmt erfolgen!

Alle, die sich Seelenheil oder das blaue Wunder von der Beschneidung versprechen, die können doch, verdammt noch mal - dann, wenn sie es selbst entscheiden können!

"„K“ hatte immer Probleme beim Sex. Er konnte mit keiner Frau richtig schlafen. Der Sexualakt verwandelte sich für ihn stets in ein Höllenszenario. Immer, wenn er es wieder versuchte, ist er gescheitert"

http://taz.de/Religioese-...

vermischung

nein, das gefühl reicht zum glück nicht. sonst wären zahnarztuntersuchungen schon ein ethisches problem....

die horroszenarien von denen größtenteils die rede ist behandeln unterm strich stinknormalen ärztepfusch. diejenigen die von verstümmelung sprechen vermischen ganz bewußt berichte von rituellen beschneidungnen ohne(!) betäubung mit ordentlicher. auch ihr link berichtet von einer unnarkotisierten behandlung!!

warum differenzieren sie nicht?

Dann differenzieren wir mal..

"vermischen ganz bewußt berichte von rituellen beschneidungnen ohne(!) betäubung mit ordentlicher. auch ihr link berichtet von einer unnarkotisierten behandlung!!"

Möchten sie lieber Berichte von Zwangsbeschneidungen MIT Narkose?

Bitte sehr:

Schweden: "A three-year-old boy died when a doctor was performing a circumcision on him."

http://www.circumstitions...

"The team finally managed to resuscitate the boy, and he was taken to our hospital by ambulance. But the child never regained consciousness. The lack of oxygen had caused too much damage to his brain."

http://www.spiegel.de/int...

Völlig überflüssig, diese Kinder könnten alle noch quietschfidel und strotzgesund sein!

Oh, es geht wieder los

Nach den gefühlten 3000 Kommentaren, greift die Zeit als einzige das Thema erneut auf.

Die Beschneidung widerspricht der körperlichen Unversehrtheit und wird dennoch legalisiert. Skandal, ach nein, Wayne?

Warten wir doch erst einmal ab, wie das Gesetz aussehen wird.

Gefühlte 3.000

Entweder haben sie es überlesen oder ich habe es vergessen.

[...]

Komisch, dass ich noch keine einzige Demo oder überhaupt Menschen auf den Straßen gesehen habe, die sich ausdrücklich für ein Beschneidungsverbot aussprechen. So ernst auch das Thema sein mag, je mehr das Thema nur virtuell breitgetreten wird, kann ihnen weniger ernst nehmen. Der Shitstorm ist vorbei und definitiv abgeklungen.

Will man etwas aktiv für ein Verbot tun, sollte man eine Petition zum Bundestag einreichen.

Viel Spaß.

Gekürzt. Bitte verzichten sie auf diffamierende Äußerungen. Danke, die Redaktion/jp

Widerspruch

"....Das Thema ist zu wichtig und muss in seiner ganzen Komplexität öffentlich diskutiert werden, um zu verhindern, dass weiterhin die Würde und die körperliche Unversehrtheit von Kindern verletzt werden."

Der erste und der zweite Teil der Aussage widersprechen sich. Entweder sind Sie der felsenfesten Meinung, daß die Beschneidung eine Verletzung der Menschenwürde darstellt, dann erübrigt sich ja wohl auch jede Diskussion, oder Sie wollen das Thema in seiner ganzen Komplexität diskutieren - das impliziert dann aber auch eine gewisse Ergebnisoffenheit, meinen Sie nicht?

auffallen

und genau an dieser stelle liegen ihre irrtümer, die sie werter user nicht schlau sondern dogamtisch erscheinen lassen.

sie gelangen an einen punkt den man von religiösen fundamentalen debatten kennt an wechlem streng gläubige nicht wahrhaben wollen dass verschiedene gottesgeschichten nicht zueinander passen. so ignorieren sie vehement dass hier verschiedene menschenrechte kollidieren und bestehen auf der absoluten auslegung ihres "gebots"...

dazu paart sich ein prämisse die sie abermals als alleingültige bewertung verstanden wissen wollen, nämlich die ansicht eine beschneidung wäre in ihrer dimension nicht mit impfung, zahnspange etc... vergleichbar,

ergebnisoffen ist so eine einstellung nicht....

Stimmt,a ber...

Tatsache ist aber, daß - insbesondere auf ZEIT Online - dermaßen viele Contrameinungen in den Foren gepostet wurden, und dem entgegenstehend derartig wenig Pro-Meinungen, das man ohnehin kaum von einer echten Diskussion sprechen kann. Überahupt ist das einer der ersten Artikel, der sich mit den Betroffenen auseinandersetzt, anstatt die Meinungen von nichtjüdischen, nichtmuslimischen (oder gar gleich antireligiösen), kurz Nichtbetroffenen, einzuholen.

Komisch....

....Ich finde es etwas aufgeblasen bei einem so kleinen Eingriff die Menschenwürde zu bemühen. Auf der Religionsfreiheitsseite allerdings sehe ich tatsächlich ein Menschenrecht berührt. Das bedeutet nciht, dass man nicht abwägen kann. Aber es mutet mir schon etwas befremdlich, wie viel Aufstand hier darum gemacht wird. Dass man bereit ist die Religions- und Meinungsfreiheit wegen einer solchen Lappalie, die auch noch medizinische Vorteile zu haben scheint, zu opfern? Aber wundern tut es nicht, wenn man die Religionsfeindlichkeit in der Bevölkerung und die weit verbreitete knechtische Unterordnung seiner eigenen Meinung dem gerade aktuellen Paradigma.

Finden Sie? Ich lese eigentlich bei den ....

...."Befürwortern" eine relativ gute Kenntnis des Arguments gegen die Beschneidung heraus. Jeder weiß doch, denke ich, dass es um die Abwägung zwischen zwei Grundrechten geht. Jeder weiß, dass es eine ganz einfache Meinungssache ist, da die Abwägung so wenige Faktoren beinhaltet.

Persönlich bin ich recht agnostisch, ob man beschneidet oder nicht. Stören tut mich nur eigentlich die aufgeblasen rechthaberische Intoleranz, die an den Tag gelegt wird. Intoleranz ist hier aber weithin die Norm und daher nicht verwunderlich in dieser Sache. Es ist auch normal, dass man bei solchen Meinungsunterschieden sich weigert die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu akzeptieren. Aber so ist die Diskussionskultur hier. Auch das weiß man eigentlich.

den aufgeklärten Staat gibt es nicht...

...es gibt nur aufgeklärte Bürger. Aufgeklärte Bürger machen sich die Mühe, aus der "selbst verschuldeten Unmündigkeit" (Kant) heraus zu kommen. Sie lassen sich nichts mehr vordenken, sie denken selber - mit ihrem eigenen Kopf. Bei dieser Gelegenheit stellen sie fest, dass auch alle anderen Zweibeiner um sie herum eigene Köpfe zwischen den Schultern haben. Und???? Sie lassn sie denken!!! Sie schreiben ihnen nicht vor, was sie zu denken haben, und haben auch nicht die einzig richtige Meinung oder ein Urteil, das unbeschränkt und unwiderruflich gilt. Sie kennen ihre Grenzen, das heißt, sie sind nicht nur selber frei, sondern wissen auch um die die Freiheit des Anderen.

den aufgeklärten Staat gibt es nicht...

...es gibt nur aufgeklärte Bürger. Aufgeklärte Bürger machen sich die Mühe, aus der "selbst verschuldeten Unmündigkeit" (Kant) heraus zu kommen. Sie lassen sich nichts vordenken, sie denken selber - mit ihrem eigenen Kopf. Bei dieser Gelegenheit stellen sie fest, dass auch alle anderen Zweibeiner um sie herum eigene Köpfe zwischen den Schultern haben. Und sie lassen sie denken! Sie schreiben ihnen nicht vor, was sie zu denken haben, und haben auch nicht die einzig richtige Meinung oder ein Urteil, das unbeschränkt und unwiderruflich gilt. Sie kennen ihre Grenzen, das heißt, sie sind nicht nur selber frei, sondern wissen auch um die Freiheit des Anderen.

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