Anders Behring Breivik kurz vor der Verkündung des Urteils © Odd Andersen/AFP/GettyImages

Das Strafgericht in Oslo hat den Massenmörder Anders Behring Breivik zu 21 Jahren Gefängnis verurteilt. Die Vorsitzende Richterin Wenche Arntzen sagte, der 33 Jahre alte Islamhasser sei zurechnungsfähig.

Das Urteil der Richter erging einstimmig. Das Strafmaß entspricht dem in Norwegen möglichen Höchstmaß. Ergänzend verhängte das Gericht Sicherungsverwahrung. Möglich wäre es auch gewesen, Breivik für nicht schuldfähig zu erklären und ihn in die geschlossene Psychiatrie einzuweisen. Die Autoren zweier Gutachten waren zu gegensätzlichen Ergebnissen gekommen.

Für diese Entscheidung seien Breiviks Äußerungen zum angeblichen Tempelritter-Orden wichtig gewesen, hieß es zu Beginn der Urteilsverkündung. Nachforschungen der Polizei hätten ergeben, dass die Organisation wahrscheinlich nicht existiere. Daraufhin habe Breivik seine Aussagen dazu während des Verhörs angepasst und die Darstellung in seinem Manifest als "pompös" oder übertrieben bezeichnet. Bei dem Angeklagten seien zwar "Persönlichkeitsstörungen" mit "unsozialen und narzisstischen Zügen" festgestellt worden, aber keine Symptome einer Schizophrenie, sagte Richterin Arntzen.

Die Staatsanwaltschaft sowie Breivik kündigten an, das Urteil nicht anfechten zu wollen. Die Beweisführung sei gründlich gewesen, es gebe keinen Grund, den Fall weiterzutragen, sagte Staatsanwalt Svein Holden. Breivik erklärte nach dem Urteil: "Ich erkenne das Gericht nicht an." Daher könne er den Richterspruch weder akzeptieren noch in Berufung gehen.

Breivik hatte aber gelächelt, als er das Urteil vernahm. Als Breivik sich bei "militanten Nationalisten" dafür entschuldigte, dass er nicht noch mehr Menschen getötet habe, schaltete ihm Richterin Arntzen das Mikrofon ab.

Sein Anwalt Odd Ivar Gron sagte, für Breivik sei das Urteil "keine Überraschung". Breivik wollte auf keinen Fall für schuldunfähig erklärt werden. Das sei für ihn "schlimmer als der Tod", hatte er zuvor gesagt. Seine Verteidiger wollten für diesen Fall Berufung ankündigen. Die Staatsanwaltschaft, die ihn "wegen Terrorakten" anklagte, hatte auf unzurechnungsfähig plädiert .

Eine Mehrheit der Norweger, darunter die Angehörigen der Opfer, wünschte sich Breivik aber im Gefängnis. Im Gerichtssaal Anwesende nahmen das Urteil mit einem Seufzer der Erleichterung auf.

Livestream aus Oslo: Klicken Sie auf das Bild. (Fahrzeug mit Breivik am Morgen beim Verlassen des Gefängnisses)© ZEIT ONLINE/Screenshot

"Dass Breivik für zurechnungsfähig erklärt wurde, ermöglicht den Familien, mit dem Geschehenen abzuschließen", sagte Opferanwalt Frode Elgesem im Fernsehen. Mit dem Richterspruch könnten viele Trauernde und Überlebende höchstwahrscheinlich leben. Mette Yvonne Larsen, eine weitere Opfer-Anwältin, sagte, das Gericht habe eine "mutige und unabhängige Entscheidung getroffen".

Breivik hatte gestanden, am 22. Juli 2011 im Osloer Regierungsviertel einen Sprengsatz gezündet zu haben. Anschließend schoss er auf Teilnehmer eines sozialdemokratischen Jugendlagers auf der Fjordinsel Utøya . Insgesamt starben 77 Menschen.

Gewaltiges Medieninteresse – Livestream

Der Prozess dauerte zehn Wochen, insgesamt gab es 43 Gerichtstage. Mehr als 100 Zeugen sagten aus, davon etwa 40 teils schwer verletzte Jugendliche, die das Massaker auf Utøya überlebt hatten. Allein für ihre Zeugenaussagen waren 16 Tage eingeplant.

Das Medieninteresse ist gewaltig, vor dem Gerichtsgebäude standen Journalisten und Besucher Schlange. @zeitonline_pol twittert live aus dem Gericht.

Breivik hatte in dem Verfahren keine Reue gezeigt. Er inszenierte sich als politischer Attentäter und wehrte sich vehement dagegen, für unzurechnungsfähig erklärt zu werden. Über das Massaker auf der Insel sagte er, er würde erneut so handeln. Für ihn waren die Jugendlichen Verräter, weil sie sich für eine multikulturelle Gesellschaft und die Integration von Muslimen einsetzten.

Die Aufarbeitung der Taten Breiviks hatten das gesamte Land in den vergangenen Monaten intensiv beschäftigt. Wegen Verzögerungen bei ihrem Einsatz war die Polizei zuletzt unter Druck geraten . Der Bombenanschlag im Osloer Regierungsviertel hätte verhindert werden können, wenn die "bereits existierenden Sicherheitsmaßnahmen effektiv angewandt worden wären", befand eine Expertenkommission. Auf der Insel hätte Breivik "früher gestoppt werden können".