Nadja Drygalla © Bernd Wustneck/AFP/GettyImages

Die Ruderin Nadja Drygalla hat sich erstmals ausführlich zu den Vorwürfen gegen sie und ihre Beziehung zum früheren NPD-Mitglied Michael Fischer geäußert. "Ich habe ihm oft gesagt, dass ich seine politischen Vorstellungen ablehne", sagte Drygalla dem stern. "Es hat viel Streit gegeben deswegen." Aber er habe sich "schon geändert", sagte die Ruderin.

Die Wende bei ihrem Freund habe es bereits vor Olympia gegeben. "Da ist er aus der Partei ausgetreten und wollte aus diesem Umfeld raus" sagte Drygalla dem Magazin. "Wir haben besprochen, dass er aussteigt. Und das ist für mich ein Versprechen." Als sie 2007 ein Paar geworden seien, sei die Politik für Fischer kein Thema gewesen. "Es fing erst an, als er mit dem Leistungssport aufhören musste." Sie habe sich nicht von Anfang an einen Menschen ausgesucht, der "eine komplett andere Meinung hat als ich". Als er dann zur NPD ging, hätten sie keine glückliche Beziehung mehr gehabt, sagte die Ruderin.

Drygalla hatte das Olympia-Team Anfang August verlassen – freiwillig, wie der Chef der Mannschaft, Michael Vesper, sagte. Zuvor war bekannt geworden, dass die 23-Jährige mit dem Rostocker NPD-Direktkandidaten Fischer liiert ist. Sie selbst distanzierte sich kurz darauf in einem Interview von rechtsextremem Gedankengut. Ihr Freund, der auch enge Kontakte zu einer rechten Kameradschaft hatte, beteuerte wenig später, aus der Partei ausgetreten zu sein und "keinen großartigen Kontakt" mehr zu Rechtsextremisten zu haben.

"Hetzjagd" der Medien

Die Entscheidung, die olympischen Spiele in London zu verlassen, sei ihr nicht leicht gefallen. Es sei aber die bessere Entscheidung für sie selbst sowie die Mannschaft gewesen, sagte Drygalla. Die Berichterstattung habe sie als "Hetzjagd" empfunden.

Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft Rostock gegen Fischer wegen des Verdachts des besonders schweren Landfriedensbruchs. Der 24-Jährige hatte mit zwölf weiteren Personen im Februar eine Gedenkveranstaltung für Mehmet Turgut, eines der Mordopfer der Zwickauer Terrorgruppe NSU, gestört. Fischer posierte grölend inmitten eines Mobs schwarz vermummter Neonazis, die versuchten, die Teilnehmer anzugreifen. Mit seiner Kamera machte Fischer Aufnahmen von der Gedenkfeier.

Drygalla sagte dazu dem stern, sie habe nicht gewusst, dass ihr Freund dabei gewesen war. Sie sei von entsprechenden Fragen durch Journalisten überrascht worden. Ihr Freund fühle sich auch verantwortlich für das, was durch ihn bei Olympia kaputt gegangen sei. "Es tut ihm auch sehr leid." Sie stehe aber weiter zu ihrem Freund, weil alle anderen ihn fallen gelassen hätten. "Und weil ich ihn liebe." Es sei ihre Entscheidung, zu ihm zu stehen.