Pro und ContraKann Drygalla für ihren Freund verantwortlich gemacht werden?

Nadja Drygalla hat das olympische Dorf verlassen. Kann man der Ruderin vorwerfen, mit einem Neonazi liiert zu sein? Nein, sagt S. Dobbert; C. Bangel widerspricht. von  und

Contra: Ein Sportverband darf seine Athleten nicht in Sippenhaft nehmen

Es geht um eine Sportlerin, die einen Nazi liebt. Seit Jahren schon. Am Donnerstag warteten ihre Kolleginnen an der Olympiastrecke auf sie. Vergebens. Die Ruderin Nadja Drygalla hat ganz schnell das olympische Dorf verlassen . Es klingt so, als wäre sie vom DOSB dazu gedrängt worden. Weil ihr Freund ein Nazi ist , NPD-Kandidat und führender Kopf einer militanten Kameradschaft. Was er tut, geht über die Grenzen unserer Toleranz hinaus. Es gehört verurteilt. Wann immer möglich, muss es bestraft und geächtet werden.

Ein anderes Beispiel aus der rechten Ecke: Bei den Bayreuther Festspielen wurde vor Kurzem ein Sänger nach Hause geschickt , weil er sich ein Hakenkreuz hatte tätowieren lassen. Der Rauswurf war verständlich.

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Der Kampf gegen Rassisten, das Hinsehen, gehört zur Verantwortung Deutschlands. Keinem Nazi darf in Deutschland eine Bühne geboten werden.

Steffen Dobbert
Steffen Dobbert

Steffen Dobbert ist Redakteur bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Aber jetzt geht es um eine Sportlerin, die einen Nazi liebt. Ist ihre Beziehung ein Vergehen, gar ein Verbrechen, ein moralisches, gar ein sportrechtliches? Ist es richtig, sie deshalb von den olympischen Wettkämpfen, der Abschlussfeier fernzuhalten?

Nein, das ist es nicht. Verwandtschaft, Freundschaft, Liebe können nicht bestrafenswert sein. Solange Nadja Drygalla nicht selbst als Nazi bloßgestellt ist, darf sie nicht wegen der Handlungen ihres Freundes benachteiligt werden.

Andersdenkende und Andersaussehende zu respektieren, ist einer der größten Werte unserer Gesellschaft. Darum beneiden uns viele Menschen, die nicht in Deutschland leben. Umso wichtiger ist es, diese Toleranz, diese Freiheit zu schützen und zu verteidigen. Das bedeutet nicht, dass wir die Maßstäbe der Gerechtigkeit verschieben dürfen. Es darf nur der bestraft werden, der eine Straftat begangen hat.

Nadja Drygalla war in London , um zu rudern. Es mag der Verdacht nahe liegen, sie sympathisiere mit der NPD , der Partei ihres Freundes. Doch sie hat kein Verbrechen begangen, sich nicht als Rassistin geäußert.

Um es zu verdeutlichen: Was müsste der Freund einer Sportlerin tun, damit ihr Sportverband sie bestraft? Müsste er ein Dieb sein? Ein Mörder? Ein islamistischer Attentäter?

Die Antwort lautet: Es ist egal, was der Freund tut. Ein Sportverband darf seine Athleten nicht in Sippenhaft nehmen. Selbst wenn es schwer fällt, weil die Sportlerin einen Nazi liebt.

von Steffen Dobbert

Leserkommentare
  1. Dafür gibt es doch das schöne Wort "Sippenhaft".

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    über die extremistische Gesellschaft
    http://www.heise.de/tp/ar...
    Und das voran stehende Adorno-Zitat trifft den Punkt:
    Ich habe keine Angst vor der Rückkehr der Faschisten in der Maske der Faschisten, sondern vor der Rückkehr der Faschisten in der Maske der Demokraten.

    Fast 80 Jahre nach der Machtergreifung der Nazis in Deutschland haben wir das selbe Problem. Wir nehmen alles in Sippenhaft was geht. Nur sind diesmal die Nazi drann. Haben wir wirklich nicht gelernt mit Andersdenkenden umzugehen. Ich find es schade in einem Land leben zu müssen, in dem Sportlerinnen weg ihrer liebe der Traum Olympia versagt wird. Wir sind so großzügig mit Dieben, Schägern usw., aber Sportlern die das Gesetz nicht gebrochen haben, diesen muß man die Zukunft verbauen. Politisch äußerst unsensibel. Es setzt ein falsches Zeichen für die Jugend, klauen, schlagen, Omis betrügen darfst du, sie nur nicht mit einem Nazi befreundet. Bessere Werbung kann die NPD nie bekommen.

    "Viele halten den Umgang mit Drygalla für Sippenhaft. Doch ist es unwahrscheinlich, dass Drygalla mit einem führenden Kader der norddeutschen Neonazis zusammen ist und dessen Ansichten über Rasse, Juden und generell die Ungleichwertigkeit von Menschen nicht zumindest toleriert?"

    Mich hat das Argument überzeugt. Schließlich ist der Mann dieser Frau nicht einfach nur rechts. Er ist radikal. Und wenn er sich tatsächlich zu den Abscheulichkeiten um diesen so genannten NSU bekennt auf eine ziemlich ekelhafte Art und Weise. Soweit bisher bekannt ist, ist die Frau nicht nach Hause geschickt worden, sondern ist gegangen. Ich hätte es richtig gefunden, sie gar nicht erst mitzunehmen. Es sei denn, sie distanziert sich öffentlich und ausdrücklich von dem, wofür ihr Lebenspartner öffentlich eintritt.
    Die olympischen Sportler repräsentieren ihr Land. Ich finde es wirklich unangebracht, wenn so wichtige Fragen, wie die, die der Autor des Artikels gestellt hat unbeantwortet bleiben. Sowohl was die eigene politische Kultur, als auch was die Welt angeht, in der sie zurückbleiben. Die repräsentativen Charakter hat. Und auf die die Weltöffentlichkeit schaut, die unseren Umgang mit solch wichtigen Themen aufmerksam beobachtet. Alles in allem ärgert mich nur die unfreiwillige Propaganda, die den Rechten durch den Entschluss dieser Frau zukommt, sich ohne eine Erklärung zu verabschieden. Dafür muss man aber nicht sie rügen, sondern den Verband, der ihre Teilnahme nicht verhindert hat.

    ... das schöne Wort, das Sie meinen, heißt "Sippenhaftung". Hat mit dem Fall Drygalla aber nichts zu tun.

    Solange sie nicht gegen Gesetzt verstoßen hat sollte man sich nicht wegen ihrer Überzeugungen bei einer Veranstaltung ausschliessen.

    Ob der Verband den sie angehört sich langfristig von ihr trennt weil ihre ideale nicht it denen des fairen Sports und der Völkerverständigung übereinstimmen, ist dann wiederrum sache des Vereins.

    Aber die Idee das sie nun nicht an Olympia teil nehmen soll, weil ihr Freund eine seltsame Anschauung hat, ist Sittenhaft von der Schlimmsten seite.

    Auch wenn der Freund nu als N*** Tituliert wird, ist er eigentlich verurteilt worden ? selbst die NPD da rf nicht N*** Partei genannt werden, und die Gefährlichkeit aufzuzeigen indem man herauskramt das er eine Demonstration nicht gewaltätig dch zwischenrufe gestört hat, ist wirklich etwas übertriben.

    Hätte man nicht wenidstens so was wie Körperverletzung, organiserte Kirminalität oder Aufruf zur Rebellion gegen den Staat finden müssen ?

    Oder ist die Störaktion mit zwischenrufen schon das schlimmst was er je als Gesetzesübertritt begangen hat das sie nun in den Medien als Beweis für die gewaltätigkeit ihres Freundes herhalten muss ?

    Zusammengefasst.

    Wenn ihr Verein kein Problem mit ihrere innern überzeugung all die Jahre hatte, und sie keine Gesetzt gebrochen hat sollte sie bei Olympia antreten dürfen.

    Ob ihr Verein sich villeicht von ihr trennt ist eine andere diskusion.

    ich empfehle allen nochmals heinrich böll zu lesen
    die verlorene ehre der katharina blum
    wir menschen ändern uns wohl nie

    • Nirava
    • 04. August 2012 9:20 Uhr

    das Wort hat wirklich eine ganz schreckliche, weitreichende Bedeutung- und es würde mich nicht wundern, wenn Frau Drygalla sich sagt: " jetzt erst recht.." und sich dann wirklich ganz dem rechten Kader zuwendet.

    gibt es erst wieder, wenn jene an die Macht kommen, mit denen Frau Drygalla im Bett liegt. Und das wollen wir doch nicht, oder? Hier geht es nur um die Frage, ob jemand, der der Neonazi-Szene nahesteht, Deutschland repräsentieren soll. Und ob sich Deutschland von so jemandem repräsentieren läßt!

    Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/mo.

    Sippenhaft war im Nationalsozialismus eine Terrormaßnahme gegen politische Gegner und deren Familien. Es wurden Ehepartner, Eltern, Kinder, Freunde von politischen Gegnern verhaftet, gefoltert, getötet.

    Die Mitglieder der NPD himmeln führende Nationalsozialisten an. Sie sind eng verknüpft mit gewaltbereiten politischen Straftätern.

    Hier ist niemand verhaftet, gefoltert oder getötet worden. Die Sportlerin ist noch nicht einmal von den Wettkämpfen ausgeschlossen worden.

    Die NPD versucht natürlich - ihrem nationalsozialistischen Vorbild entsprechend - sich wieder in Opfermythologie zu vernebeln, während im Untergrund eine nach der anderen rechtsradikalen Straftat durch ihre Sympathisanten begangen wird.

    • dachsus
    • 03. August 2012 18:58 Uhr

    War Frau Drygalla irgendwelche Straftaten begangen ? Hat sie irgendjemanden beleidigt oder sich rassistisch geäußert ? Ist Frau Drygalla selbst Mitglied einer Rechten Organisation ? Oder etwa nur ihr Mann ? Hat Sie sich im olympischen Dorf politisch geäußert ?
    Ich will hier nicht von Sippenhaft reden, aber ich dachte, das man nur für seine Taten verurteilt werden kann. Und die Ideologie von Frau Drygalla ist ihr Problem. Denn welche Gruppe kommt als nächstes ? Raucher ? Vegetarier ? Moslems ?
    Wir sollten uns davor hüten jemanden der nicht gegen ein Gesetz verstoßen hat, auszugrenzen, oder zu bestrafen oder.. oder.. oder.
    Das mag uns schwer fallen. Grade bei Radikalen. Aber das ist der Preis einer freien Gesellschaft, die wir doch sein wollen. In meinen Augen ist das sogar der einzige Gradmesser, wie frei unsere Gesellschaft wirklich ist.

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    Es wurde niemand verurteilt. Die Gute ist erschrocken, dass der Nazi-Kontakt öffentlich diskutiert wurde, und hat dann ihre Sachen gepackt.

    Viele Sportler brauchen ein positives Umfeld, um gute Leistungen bringen zu können. Ihre Einstellung zu Nazis mag so oder so sein, sie hat realisiert, dass sie weit weg ist von Höchstleistungen und hat die Konsequenzen gezogen.

    Kann gut sein, dass sie auf Sportfesten, wo das Publikum anders sortiert ist, wieder klasse Leistungen bringt. Bei dieser Olympiade war es ihr scheint's nach eigener Einschätzung nicht mehr möglich.

    nachdem sie realisert hat das sie sich mit jedem weiteren Tag in London einer medialen Hetzjagd ausgesetzt hätte. So wie es auch die anderen Athleten der deutschen betroffen hätte. Vor allem die Athleten mit Migrationshintergrund. Diese Meldung wäre das Zentrum jedes Interviews geworden. Sie hat durch ihren Rückzug Schaden von den deutschen Sportlern und der deutschen Olympiamannschaft abgewendet.
    Weiterhin hat sie ihren Lebenspartner vor einer öffentlicher Hetzjagd bewahrt.

    Wäre es ihr Vater wäre es anders. Aber ein fester Lebenspartner über mehrere Jahre ? Da teilt man mit Sicherheit die Grundeinstellungen.
    Letztendlich ist Rassimus auch keine politische Einstellung. Daher ist es auch nicht Diskriminierung. Was kommt als Nächstes ? Verständnis für Kinderschänder ?

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf polemische Kommentare. Danke, die Redaktion/se

    • sf2000
    • 03. August 2012 21:00 Uhr

    "Wenn unsere Gegner sagen: "Ja, wir haben euch doch früher die Freiheit der Meinung zugebilligt".

    Ja, ihr uns! Das ist doch kein Beweis, daß wir das euch auch tun sollen. Daß Ihr das uns gegeben habt, das ist ja ein Beweis, wie dumm ihr seid."

    Joseph Goebbels, 04.12.1935

    • isa39
    • 03. August 2012 22:31 Uhr

    Hier werden Raucher, Vegetarier und Moslems mit Neonazis verglichen. Da fehlen mir die Worte dachsus.

    "Nazi" ist ein politisch missbrauchter Begriff wie "Demokratie" und "Freiheit", und sollte für eine ernsthafte Diskussion gar nicht verwendet werden.

    Ich frage mich auch wie viel Sie, der Autor und viele andere gegen rechtes Gedankengut in der Realität getan haben, um hier moralische Worte zu schwingen. Haben Sie jemals mit Extremisten oder deren Opfern geredet? Spenden Sie in soziale Projekte? Waren Sie jemals in besagten Ecken?

    Mediales Nazijägertum ist scheinheilig und völlig kontraproduktiv.

    ...für das Mädel, und auch für die aufgeklärte Sichtweise der grundsätzlichen Trennung zwischen Mensch und Umfeld.

    Jedoch überwiegt aus meiner Sicht der dringende Verdacht einer rechtsextremen bzw. doch zumindest rechtslastigen Einstellung.

    Während der Freund nämlich ohne jeden Zweifel an Gewalttaten gegenüber ihm missfallenden Menschengruppen beteiligt ist bzw. diese sogar politisch vertritt, will man mir erzählen, die Freundin habe keine Ahnung davon bzw. dazu eine ganz andere Einstellung?

    Wie realistisch ist das? Deutschland muss sich gegen aller Art politischen Missbrauchs ihrer demokratischen Freiheiten wehren, will sie denn eine Demokratie bleiben.

    Ich kann mir lebhaft vorstellen, wie die Funktionäre vom DOSB aus allen Wolken gefallen sind als sie das erfuhren, was der Landessportverband längst wußte. Die Reaktion dieser Funktionärsriege war ja auch dementsprechend (übrigens genauso wie bei allen Führungskräften und Funktionären, die so informiert werden).

    Es ist nun mal leider so in unseren Lasnden, dass man Menschen so lange Vertrauen schenkt, bis man davon überzeugt ist, dass sie das Vertrauen nicht verdient haben. Die Reaktionen sind in diesem Falle dann entsprechend heftig.

    • isa39
    • 04. August 2012 9:33 Uhr

    Wenn Sie mich schon fragen, ob ich mich gegen das rechte Gedankengut etwas unternehme, kann ich sagen, dass ich als Freiwillige ein Jahr lang in einem Altersheim in Tel Aviv gearbeitet habe und im Moment für einen Verein arbeite, der sich um Kinder von Migranten kümmert. Aber auch die, die nicht handeln, haben immer das Recht aufzustehen und sich gegen das Rechtsextremismus zu äußern.

    es klingt idealistisch und trivial, was Sie da schreiben! Schliesslich wird NPD nach dieser Logik durch Steuergelder finanziert und damit sie die Auslaender schimpfen sogar toeten, was man nach dem gesunden Menschenverstand nicht nachvollziehen kann. Gewisse Grenzen mussen in der Gesellschaft gezeigt werden!!!

    Frau Drygalla, die eine Polizeiausbildung durchlaufen hat, kann sich nicht zum freien liberalen Rechtsstaat bekennen. Sie bleibt in Distanz zu unseren Verfassungsgrundsätzen.

    Was hat Frau Drygalla eigentlich g e t a n ?

    Sie konnte sich nicht zur Demokratie bekennen und vom Rechtsradikalismus distanzieren als es darauf angekommen wäre. Stattdessen hat sie eine Demonstration veranstaltet, um die NPD als "Opfer" darzustellen.

    Frau Drygalla k a n n also etwas Wichtiges nicht überzeugend darstellen, wenn dies unserem Land und Ansehen nützen würde. Von einer deutschen Teilnehmerin an olympischen Spielen darf man das aber erwarten

  2. Entfernt. Bitte bleiben Sie konstruktiv. Danke, die Redaktion/se

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    • joG
    • 03. August 2012 19:03 Uhr

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Vergleiche. Danke, die Redaktion/mk

    Bisher kam niemand auf die Idee, dass sich Frau Zumwinkel von ihrem Klausi distanzieren müsse, weil er die Steuer beschissen hat, bisher hat auch noch niemand von meiner Frau erwartet , dass sie sich von mir distanzieren müsse weil ich mal falsch parkte und wenn eine Frau einen Kinderschänder liebt, dann ist das ihr bier und die Kinderschänderei das Bier der Justiz...

    • Mike M.
    • 04. August 2012 13:33 Uhr

    Möge der Beste gewinnen. Im Sport hat die Erforschung der politischen Gesinnung m.E. nichts zu suchen, es sei denn, der Athlet missbraucht die Veranstaltung für sportfremde Propaganda. Das war ja offensichtlich nicht der Fall. Eine bessere Steilvorlage kann man der NPD nicht bieten. Hier wird genau das Gegenteil von dem erreicht, was erreicht werden soll.

    • Psy03
    • 04. August 2012 14:17 Uhr

    Entfernt, bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/se

    • joG
    • 03. August 2012 19:00 Uhr

    ....zu sein? Nein."

    Obwohl ich ziemlich entsetzt bin, dass sie nachhause fahren musste bzw sich dazu genötigt sah. Dass sie auch offenbar die Polizei verlassen musste, ist ebenfalls eine sehr bedenkliche Sache. Eine Gesellschaft, die so beschaffen ist, und glaubt eine freiheitliche Demokratie zu sein, ist peinlich.

    Aber einen Vorwurf kann man schon machen, denn das Ideengut der Nazis ist etwas primitiv und gefährlich. Da rechtfertigt auch nicht, dass man gut über etliche Positionen der Leute lachen kann. Da entschuldigt der alte Spruch "Wo die Liebe hinfällt!" nicht.

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    "Dass sie auch offenbar die Polizei verlassen musste, ist ebenfalls eine sehr bedenkliche Sache. Eine Gesellschaft, die so beschaffen ist, und glaubt eine freiheitliche Demokratie zu sein, ist peinlich."

    Ich versuch Ihnen mal etwas zu erklären: Polizisten in diesem Land leisten einen Eid auf das Grundgesetz, und als Polizistin für diesen Staat zu arbeiten, beinhaltet, ihn zu bejahen, für ihn einzutreten und ihn gegen Feinde zu verteidigen.

    Wenn jemand aufgrund seiner politischen Gesinnung den freiheitlich-demokratischen Staat ablehnt und ihn bekämpft, dann ist das nur folgerichtig, dass so ein Mensch selbstverständlich nicht als Polizistin in Frage kommt.

    > Ich versuch Ihnen mal etwas zu erklären: Polizisten in
    > diesem Land leisten einen Eid auf das Grundgesetz,

    Bla bla bla, unsere Regierungsparteien, allen voran die CDU/CSU tritt das GG mit Füßen. Wachen _SIE_ mal auf!

    ... die sich von nazi-symathisanten nicht distanziert würde, das würde mir angst machen!!
    hier werden, von einigen kommentatoren, nazis mit kommunisten und der spd verglichen, skurrile vergleiche bemüht, und das ganze als "ach gott sie liebt halt einen rechten" verniedlicht.... ja hallo wo leben wir denn?? toleranz den toleranten!! und nur denen!!!!!!

    • theo777
    • 03. August 2012 19:00 Uhr

    Die Dame hat wegen ihrer rechtsextremen Kontakte von sich aus den Polizeidienst quittiert. Das macht frau nicht, wenn ihr die politischen Einstellungen von Freunden piepegal sind. Eine peinliche Rolle spielt m.E. auch Michael Vesper. Er stellt sich schützend vor sie, offenbar ohne auch nur einen Schimmer davon zu haben, was da wirklich los ist. Für einen Ex-Vorzeige-Grünen eine erstaunliche Wandlung.

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    "Die Dame hat wegen ihrer rechtsextremen Kontakte von sich aus den Polizeidienst quittiert. Das macht frau nicht, wenn ihr die politischen Einstellungen von Freunden piepegal sind."

    Denken Sie ernsthaft, dass Frau Drygalla nach soundsoviel Monaten bei der Polizei plötzlich gemerkt hat, dass ihr Freund ein Neonazi ist, und sich daraufhin gedacht hat "Also nein, da kann ich es ja unmöglich mit meinem Gewissen vereinbaren, weiterhin bei der Polizei zu bleiben!"

    In der Praxis war es wohl in beiden Fällen eher so, dass man ihr "nahegelegt hat" "freiwillig" zu gehen. (Sprich: "entweder Du gehst freiwillig und wahrst einigermassen Dein Gesicht, oder Du wirst auf eher unangenehme Weise gegangen")

    Den Austritt aus dem Polizeidienst kann ich sogar verstehen, da könnte sie ja tatsächlich in einen Gewissenskonflikt geraten, bspw. wenn sie von einer geplanten Razzia bei der NPD erfährt.

    Aber beim Rudern?

    • CHHN
    • 03. August 2012 19:57 Uhr

    Die Diskussion im Allgemeinen und Ihre Stellungnahme im Besonderen erinnert an schmerzliche Zeiten, in denen Sportler nur oeffentlich auftreten durften, wenn Sie sich "systemangepasst" verhalten wie zum Beispiel unter Stalin, Hitler, Ulbricht, Fidel Castro usw, usw. Ich hatte gehofft, dass sich unsere Gesellschaft dieser ideologischen Fesseln entledigt haette. Oder ist dem nicht so. Also dann man husch zurueck ins Blockwart-Milieu.
    Mir und hoffentlich den meisten Buergern unserer Gesellschaft ist es doch voellig egal, mit wem die huebsche Nadja in die Kiste steigt. Hauptsache ist, dass Sie bei Ihrem olympischen Auftritt, Ihre oder Ihres Partner's politische Weltanschauung nicht propagiert a la Black Power mit erhobener Faust oder in diesem Fall mit erhobenem Arm. Und das ist ja wohl nicht geschehen. Ansonsten 'kann (ja dann doch) in unserem Staat jeder nach seiner Fasson gluecklich werden' (FR II vor ca 300 Jahren).
    Ungluecklich und bedauerlich ist die diletantische Rolle der Polit- und Sportfunktionaere in ihrer Profilneurose und Existenzangst und der Presse in Ihrer Sucht nach Sensationsstories. In meinem Wertesystem ist dies eine Null-Story, die niemals haette berichted werden sollen.

    Besser kann man es nicht auf den Punkt bringen !

    Bravo !

    • CHHN
    • 04. August 2012 0:04 Uhr

    Darin sind wir uns einig. Es geht hier zunaechst und vorrangig um die Person in ihrer Eigenschaft als Sportlerin im Olympia-Team. Ein oeffentliches Fehlverhalten in diesem primaeren Zusammenhang ist ihr nicht nachzuweisen, noch wird es ihr von irgendeiner Seite vorgeworfen.

    Mangels entsprechendem Fehlverhalten wird nun in ihrer Vergangenheit und Privatspaere gewuehlt. Und hier scheiden sich unsere Geister.

    Mit erhobenem kleingeistigen Zeigefinger wird ihr nun eine sekundaer Relevanz konstruirt und die persoehnliche Beziehung zu einem Rechtsfunktionaer in den Vordergrund gebracht. Ach ja, sie ist aus diesen Beziehungsgruenden von einer Anstellung im oeffentlichen Dienst zurueckgetreten. Meiner Meinung ist ihr das nicht vorzuwerfen. In meinem Buch gebuehrt ihr Anerkennung fuer diesen Schritt. Zum Ersten, weil sie dem Staat gegenueber die noetige Loyalitaet bewiesen hat, einzusehen, dass sie sich in einer Konfliktsituation befindet. Zum Zweiten, weil sie ihrer persoenlichen Beziehung ebensolche Loyalitaet entgegenbrachte. Was haette Sie denn sonst tun sollen? Ihre beziehung aufgeben? Haetten Sie von allen Ehefrauen kommunistischer Funktionaere in der DDR verlangt, dass sie sich von dem Gedankengut ihrer Ehepartner oeffentlich distanziert haetten, egal ob sie deren Meinung teilten oder nicht. Dies, in Bezug auf Nadja, ist der Stoff aus denen menschliche Tragoedien entstehen. Es gibt hier jedoch keinen Raum fuer oeffentliche Entruestung.

    • ribera
    • 04. August 2012 1:22 Uhr

    Es geht weder um ihren Freund.
    Noch um ihren Status als Olympiateilnehmerin und Repräsentantin Deutschlands.
    1. Es geht zunächst einmal darum, dass man Nadja Drygallas Bürgerrechte im vorauseilenden Gehorsam beschneidet, obwohl sie sich bislang - soweit bekannt - keinerlei Verfehlungen für schuldig gemacht hat. Hier wäre eine sachliche und am Recht orientierte Diskussion angebracht.
    Ältere Forumsteilnehmer erinnern sich sicherlich noch an die Diskussionen im Zuge des Radikalenerlasses. Damals empörte sich die vereinigte Linke, heute sehe ich Parallelen - aber mit anderem Vorzeichen.

    2. Es gibt keinen echten Skandal. Ein Scheinskandal wird lediglich durch die Presse inszeniert. Sollte der Fall Nadja Drygalla internationale Beachtung finden, dann liegt die Schuld daran bei deutschen Medien.

    "Es geht weder um ihren Freund. Noch um ihren Status als Olympiateilnehmerin und Repräsentantin Deutschlands."
    Doch exakt genau darum geht es.

    "Es geht zunächst einmal darum, dass man Nadja Drygallas Bürgerrechte im vorauseilenden Gehorsam beschneidet"
    Olympiateilnahme ist kein Buergerrecht, oder warum sind Sie nicht dabei? Ihre Recht auf Privatspaere gilt nur eingeschraenkt, da sie, als Spitzenathletin selbstverursacht, Person des oeffentlichen Interesses ist.

    "Es gibt keinen echten Skandal. Ein Scheinskandal wird lediglich durch die Presse inszeniert."
    Das stimmt fast. Der Sachverhalt ist seit Jahren bekannt, sie haete niemalas Teil des Teams werden duerfen (das ist der Skandal!), um das offensichtliche zu vermeiden. Auch sie selbst wusste wohl, dass es kein Geheimnis war mit wem sie etwa wie lange liiert ist; wenn sie dann noch ins olympische Rampenlicht tritt ist sie entweder naiv oder dreist.

    müsste sie sich verpflichten, alles anzuzeigen, was sie irgendwie erfährt, das strafbar ist. Als Normalmensch muss man ja seine Freunde und Verwandten nicht anzeigen. Wenn man bei der Polizei ist schon. Da hätte sie womöglich entweder von ihren radikalen Freunden so viel Abstand nehmen müssen, dass sie solche Dinge nicht erfährt, oder sie eben eventuell anzeigen müssen. Das ist ihr vielleicht erst später klar geworden und deswegen hat sie gekündigt.

    • lmaajz
    • 03. August 2012 19:00 Uhr

    da bereitet sich eine Sportlerin wochen- und monatelang auf den größten Wettkampf der Welt vor. Sie meistert hartes Training und Entbehrungen, und sie schafft es in den Kader.

    Und dann, nach all diesen Strapazen, wenn sie fast am Ziel ist und sogar schon am Wettkampfort, geht sie plötzlich. Sang- und klanglos. Ohne dass es Sanktionen gegeben hätte. Ohne dass sie gemobbt, bedroht oder erpresst wurde.

    Ich weiß nicht wie es Ihnen geht. Ich finde diese Geschichte in höchstem Maße unglaubwürdig. Und auf meine Liste der unglaubwürdigen Journalisten habe ich Sie soeben gesetzt.

    44 Leserempfehlungen
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    • mogo
    • 03. August 2012 19:10 Uhr

    Die Spiele waren für die Dame so weit ich weiß schon vorbei, folglich sind Ihre Vorwürfe haltlos.

    • abtz
    • 04. August 2012 10:10 Uhr

    dass hier jeder seinen Senf hinschmieren kann, nicht um Glaubwürdigkeit.

    • kael
    • 04. August 2012 11:19 Uhr

    Zitat: " Und auf meine Liste der unglaubwürdigen Journalisten habe ich Sie soeben gesetzt."

    Ihre tolle "Liste" in Ehren. Aber ich frage, was hat "Meinung" eines Journalisten mit "Glaubwürdigkeit" zu tun? Nach meinem Verständnis ist "Meinung" nur Meinung. Nur Nachrichten unterliegen dem journalistischen Wahrheitsgebot.

    • peto1
    • 03. August 2012 19:01 Uhr
    48 Leserempfehlungen
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    Wenn man es konsequent weiterdenkt, müßten auch SportlerInnen geächtet werden, deren Partner rechts wählen oder meinetwegen auch links, denn die Linke wird auch vom Verfassungsschutz beobachtet.
    Oder SportlerInnen, deren Partner rechtsextremes Gedankengut pflegen, oder sexistisches, oder antisemitisches...
    Von Verwandten mit derlei fehlgeleiteten Überzeugungen müßten sie sich mindestens öffentlich lossagen.

    Und warum eigentlich nur Olympia? Auch auf Weltmeisterschaften/Europameisterschaften dürfte so etwas konsequenterweise dann nicht toleriert werden.

    Die oben genannte Ausweitung wäre schon aus Gleichbehandlungsgründen notwendig.

    Das müßte dann natürlich alles gründlich überwacht und dokumentiert werden.

    Die Folgen dieses konsequenten Weiterdenkens erscheinen mir allerdings zunehmend furchteinflößend.

    k.

    ueber die Naivität des Autors. Natürlich darf jemand, der mit verfassungsfeindlichen Rechtsextremen sympathisiert nicht Deutschland vertreten. Ich persönlich möchte das auch gar nicht. Sportler, die an Olympia teilnehmen sind Botschafter ihrer Nation mit allen Konsequenzen, die auch Politiker betreffen. Dies in Kontext mit der Frage "Ist es richtig, sie deshalb von den olympischen Wettkämpfen, der Abschlussfeier fernzuhalten?" zu stellen, ist schon eine journalistische Meisterleistung.

    • joG
    • 03. August 2012 19:03 Uhr
    8. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Vergleiche. Danke, die Redaktion/mk

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    mit Neonazismus vergleicht, dem sollte schleunigst ein Geschichtsbuch zur Verfügung gestellt werden.

    Stimmt. Und trotzdem liess Hitler bei den olympischen Spielen 1936 sogar einen bekannten Kommunisten und Mitglied der quasi verbotenen KPD für Deutschland antreten. Also nicht nur den Partner eines Verfassungsfeindes, sondern den Verfassungsfeind höchstselbst.

    Die Lehre aus der Nazizeit darf nicht sein, Personen zu diskriminieren, nur weil Jemand in ihrem Umfeld den Stempel "Neonazi" trägt. Wenn wir das tun, sind wir den Nazis ähnlicher als uns lieb sein kann, denn dann unterscheiden wir uns hauptsächlich im Feindbild. Und das Feindbild einer Gesellschaft kann sich leider schnell ändern.

    und heute auch noch. Es ist noch nicht lange her, da hatten wir noch die Mauertoten.

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  • Schlagworte Nadja Drygalla | NPD | Bundesrepublik Deutschland | Dogma | Ideologie | Rassismus
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