MinderheitenFranzösische Polizei räumt Roma-Lager

Vor seinem Antritt warb Frankreichs Präsident François Hollande mit einer sensibleren Politik gegenüber den Roma. Nun löst die Polizei ein Lager südlich von Paris auf.

Zwei Männer in dem Roma-Lager in Évry, südlich von Paris

Zwei Männer in dem Roma-Lager in Évry, südlich von Paris

In Frankreich ist die Polizei erneut gegen ein Roma-Lager vorgegangen. In Évry, südlich von Paris, sperrten die Einheiten das Gebiet auf Anordnung des sozialistischen Bürgermeisters Francis Chouat ab. Um fünf Uhr morgens sei die Polizei angekommen, um sieben Uhr verließen die ersten Bewohner das Lager, berichtete der französische Fernsehsender Europe 1.

In dem Lager sollen seit vier Monaten 72 Personen leben. Laut der Zeitung Le Monde ist Évry von besonderer Symbolik für den Umgang der Regierung mit den Roma. Denn der jetzige Innenminister Manuel Valls war dort einst Bürgermeister. Vor dem Einsatz der Polizei hieß es von Seiten der Roma, sie hätten das Lager freiwillig geräumt.

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Integration als Realität

Frankreichs Umgang mit Roma aus Rumänien ist immer wieder in der Kritik. Nach umstrittenen Räumungen vor einigen Wochen hatte sich auch die EU-Kommission der Sache angenommen. Die stellvertretende EU-Kommissionspräsidentin Viviane Reding mahnte die französischen Behörden vor wenigen Tagen zu einem menschenwürdigen Umgang mit den Roma. In einer Kolumne für die Tageszeitung Libération schrieb Reding, die Integration der Roma müsse "ab heute Realität" werden. Sie forderte: "Wir brauchen deutlich mehr als Strategien auf dem Papier und schöne Reden."

Der französische Präsident François Hollande hatte im Wahlkampf gesagt, er wolle mit dem Thema sensibler umgehen als sein Vorgänger Nicolas Sarkozy. Zuletzt kündigte die Regierung an, eine besondere Steuer für französische Unternehmer, die Rumänen oder Bulgaren beschäftigen, auszusetzen. Bisher müssen Firmen in Frankreich einmalig etwa 700 Euro zahlen, wenn sie Rumänen oder Bulgaren beschäftigen.

Der Organisation Ärzte ohne Grenzen zufolge leben in Frankreich 15.000 Roma.

 
Leserkommentare
  1. Zitat: "Zuletzt kündigte die Regierung an, eine besondere Steuer für französische Unternehmer, die Rumänen oder Bulgaren beschäftigen, auszusetzen. Bisher müssen Firmen in Frankreich einmalig etwa 700 Euro zahlen, wenn sie Rumänen oder Bulgaren beschäftigen."

    Was das genau mit Roma zu tun hat ist mir schleierhaft. Lediglich 2,5% der Einwohner in Rumänien sind Roma. In Bularien sind es 4,9%.

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    Viele Roma in Frankreich sind rumänische oder bulgarische Staatsbürger. Ihnen soll jetzt die Arbeitsaufnahme erleichtert werden, damit diese Menschen ihren Lebensunterhalt nicht nur durch Schwarzarbeit, Betteln oder ähnliches bestreiten müssen.

    Viele Roma in Frankreich sind rumänische oder bulgarische Staatsbürger. Ihnen soll jetzt die Arbeitsaufnahme erleichtert werden, damit diese Menschen ihren Lebensunterhalt nicht nur durch Schwarzarbeit, Betteln oder ähnliches bestreiten müssen.

  2. hat Tradition.

    Es sagt viel darüber aus, was man in "Kerneuropa" unter Verfassungspatriotismus versteht.

    Wie die EU mit einer der Minderheiten in Europa, welche am schrecklichsten unter Naziterror, Verfolgung und Ermordung leiden musste, umgeht, ist ein Verbrechen an der Menschlichkeit und widerspricht jeglichem rechtlichen Rahmen.

    Welche Medien berichten über den Leidensweg dieser Minderheit?

    Hat man in Deutschland gelernt, mehr als dumme Versöhnungssprüche auf Friedensfesten zu machen? Oder in Frankreich? Oder sonstwo in der EU? - Nein.

    Und welche Zeitung in Deutschland nimmt denn mal einen echten "Kampf gegen die Dummheit" auf in dieser Sache?

    Die ZEIT sollte doch unabhängig und selbstbewußt genug sein, auch einmal gegen gesellschaftliche Mehrheiten und im Dienst der Aufklärung aktiv zu werden.

    Sicher ist eins: Die Verfolgung von Roma in Europa wird durch unsere Regierungen nicht nur geduldet, sondern organisiert.
    Natürlich werden dabei keine Gesetze gebrochen. Da ist man ganz in der Tradition aller Menschenschänder dieser Erde.

    Eine Leserempfehlung
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    "Wie die EU mit einer der Minderheiten in Europa, welche am schrecklichsten unter Naziterror, Verfolgung und Ermordung leiden musste."

    Wärend der Nazizeit starben ca. 100.000 Sinti und Roma, die Schätzung schwankt extrem, da es kaum Aufzeichnungen gibt, und zur NS-Zeit Roma nicht als eigene Verfolgungsgruppe gezählt wurde, sondern als "geborene Assoziale" gewertet, wie allerdings auch Sozialhilfeempfänger, Langzeitarbeitslose und Obdachlose.

    Wie dem auch sei, denke ich das die Juden mit 6,3 mio Tote am meisten litten.

    Und im Schutz von Sinti und Roma steht Deutschland immernoch an erster Stelle, kennen sie die Lage in Ungarn, Italien oder Spanien? Hätte Deutschland aus der angesprochenen Zeit nichts gelernt, wäre der Umgang nämlich ein ganz anderer.

    Das Image der Sinti und Roma ist europaweit schlecht, das der Juden oder Homosexuelle positiv, woran liegt das.
    Was tun Roma und Sinti um das staubige, 600 jahre alte negativ-Image aufzubessern, denn Roma, Sinti, Jenische und co. wurden nicht erst seit 1933 verfolgt.
    Bzw. Woher rührt dieses Negativ Ansehen?
    Allerdings sind Nazivergleiche immernoch pathetischer, als Zeiten des Heiligen Römischen Reiches auszugraben.

    "Wie die EU mit einer der Minderheiten in Europa, welche am schrecklichsten unter Naziterror, Verfolgung und Ermordung leiden musste."

    Wärend der Nazizeit starben ca. 100.000 Sinti und Roma, die Schätzung schwankt extrem, da es kaum Aufzeichnungen gibt, und zur NS-Zeit Roma nicht als eigene Verfolgungsgruppe gezählt wurde, sondern als "geborene Assoziale" gewertet, wie allerdings auch Sozialhilfeempfänger, Langzeitarbeitslose und Obdachlose.

    Wie dem auch sei, denke ich das die Juden mit 6,3 mio Tote am meisten litten.

    Und im Schutz von Sinti und Roma steht Deutschland immernoch an erster Stelle, kennen sie die Lage in Ungarn, Italien oder Spanien? Hätte Deutschland aus der angesprochenen Zeit nichts gelernt, wäre der Umgang nämlich ein ganz anderer.

    Das Image der Sinti und Roma ist europaweit schlecht, das der Juden oder Homosexuelle positiv, woran liegt das.
    Was tun Roma und Sinti um das staubige, 600 jahre alte negativ-Image aufzubessern, denn Roma, Sinti, Jenische und co. wurden nicht erst seit 1933 verfolgt.
    Bzw. Woher rührt dieses Negativ Ansehen?
    Allerdings sind Nazivergleiche immernoch pathetischer, als Zeiten des Heiligen Römischen Reiches auszugraben.

  3. Viele Roma in Frankreich sind rumänische oder bulgarische Staatsbürger. Ihnen soll jetzt die Arbeitsaufnahme erleichtert werden, damit diese Menschen ihren Lebensunterhalt nicht nur durch Schwarzarbeit, Betteln oder ähnliches bestreiten müssen.

    Eine Leserempfehlung
    • wd
    • 27.08.2012 um 11:36 Uhr
    4. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf unangemessene Vergleiche. Danke, die Redaktion/au.

    4 Leserempfehlungen
  4. Hollande ja bei Gelegenheit ein paar Tips von seiner Kollegin Frau Merkel geben, wie man in Berlin mit der weitaus höheren Anzahl zugezogener Roma umgeht:
    http://bit.ly/RfpLo6

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    • thwe74
    • 27.08.2012 um 12:14 Uhr

    Tja, den kannte ich noch nicht, aber in der Hauptstadt sind die Zahlen wie immer ein wenig höher....

    Aktuell haben sich an Rhein und Ruhr (Dortmund-Nordstadt sowie Duisburg) 2 "Kolonien" gebildet, schwerpunktmäßig Roma aus Bulgarien, insbesondere aus Plovdiv, jeweils um die 5000 Personen.
    Über die Auswirkungen möchte ich hier nichts schreiben, ich verweise z.B. auf Artikel in www.derwesten.de oder ähnliche Zeitungen, dort kann sich jeder selbst informieren.

    Eine Lösung dieser Thematik?
    Schwierig.

    [...]

    Einen Mittelweg (zwischen 100%-Vertreibung bzw. 100%-Rundumbetreuung) scheint es nicht zu geben.
    Vielleicht Druck auf die jeweiligen Clanchefs, damit diese Druck auf die Eltern ausgeüben und insbesondere die Kinder aus dem Teufelskreis herausgezogen werden.

    Wenn man aber bedenkt, das wir über Europa verteilt über eines Volksgruppe von fast 6 Millionen Sinti bzw. Roma reden, wäre eigentlich ein eigener Statt fällig. Nur wo und mit welcher Lobby dahinter?!?!

    Gekürzt. Bitte äußern Sie sich sachlich und respektvoll. Danke, die Redaktion/au.

    • thwe74
    • 27.08.2012 um 12:14 Uhr

    Tja, den kannte ich noch nicht, aber in der Hauptstadt sind die Zahlen wie immer ein wenig höher....

    Aktuell haben sich an Rhein und Ruhr (Dortmund-Nordstadt sowie Duisburg) 2 "Kolonien" gebildet, schwerpunktmäßig Roma aus Bulgarien, insbesondere aus Plovdiv, jeweils um die 5000 Personen.
    Über die Auswirkungen möchte ich hier nichts schreiben, ich verweise z.B. auf Artikel in www.derwesten.de oder ähnliche Zeitungen, dort kann sich jeder selbst informieren.

    Eine Lösung dieser Thematik?
    Schwierig.

    [...]

    Einen Mittelweg (zwischen 100%-Vertreibung bzw. 100%-Rundumbetreuung) scheint es nicht zu geben.
    Vielleicht Druck auf die jeweiligen Clanchefs, damit diese Druck auf die Eltern ausgeüben und insbesondere die Kinder aus dem Teufelskreis herausgezogen werden.

    Wenn man aber bedenkt, das wir über Europa verteilt über eines Volksgruppe von fast 6 Millionen Sinti bzw. Roma reden, wäre eigentlich ein eigener Statt fällig. Nur wo und mit welcher Lobby dahinter?!?!

    Gekürzt. Bitte äußern Sie sich sachlich und respektvoll. Danke, die Redaktion/au.

    • thwe74
    • 27.08.2012 um 12:14 Uhr

    Tja, den kannte ich noch nicht, aber in der Hauptstadt sind die Zahlen wie immer ein wenig höher....

    Aktuell haben sich an Rhein und Ruhr (Dortmund-Nordstadt sowie Duisburg) 2 "Kolonien" gebildet, schwerpunktmäßig Roma aus Bulgarien, insbesondere aus Plovdiv, jeweils um die 5000 Personen.
    Über die Auswirkungen möchte ich hier nichts schreiben, ich verweise z.B. auf Artikel in www.derwesten.de oder ähnliche Zeitungen, dort kann sich jeder selbst informieren.

    Eine Lösung dieser Thematik?
    Schwierig.

    [...]

    Einen Mittelweg (zwischen 100%-Vertreibung bzw. 100%-Rundumbetreuung) scheint es nicht zu geben.
    Vielleicht Druck auf die jeweiligen Clanchefs, damit diese Druck auf die Eltern ausgeüben und insbesondere die Kinder aus dem Teufelskreis herausgezogen werden.

    Wenn man aber bedenkt, das wir über Europa verteilt über eines Volksgruppe von fast 6 Millionen Sinti bzw. Roma reden, wäre eigentlich ein eigener Statt fällig. Nur wo und mit welcher Lobby dahinter?!?!

    Gekürzt. Bitte äußern Sie sich sachlich und respektvoll. Danke, die Redaktion/au.

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    Antwort auf "Vielleicht läßt sich"
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    sollte man mal in den Herkunftsländern ansetzen. Mir gegenüber hat einmal ein Rumäne die Roma als "Ungeziefer" bezeichnet. Da werden bei mir ganz böse historische Assoziationen wach. Es muss in Rumänien, Bulgarien, Ungarn und der Slowakei zunächst einmal dafür gesorgt werden, dass den Roma eine möglichst diskriminierungsfreies Umfeld geboten wird. Ich weiß, das ist nicht leicht zu bewerkstelligen, da die Roma vor allem in Ungarn, Rumänien und Bulgarien ja gut als Sündenbock und "Blitzableiter" für viele gesellschaftliche Missstände taugen. Sicher sind die Roma auf Grund ihrer Lebensweise, der hohen Kinderzahl usw. nicht leicht zu integrieren, doch zeigt zum Beispiel die Erfahrung in Berlin-Neukölln, dass etwa die Kinder von Roma bei entsprechender Betreuung genauso lernwillig und wissbegierig sind wie andere. Das könnte genauso in den Herkunftsländern funktionieren, wenn nur die Bereitschaft vorhanden wäre und die entsprechenden Mittel investiert würden.

    sollte man mal in den Herkunftsländern ansetzen. Mir gegenüber hat einmal ein Rumäne die Roma als "Ungeziefer" bezeichnet. Da werden bei mir ganz böse historische Assoziationen wach. Es muss in Rumänien, Bulgarien, Ungarn und der Slowakei zunächst einmal dafür gesorgt werden, dass den Roma eine möglichst diskriminierungsfreies Umfeld geboten wird. Ich weiß, das ist nicht leicht zu bewerkstelligen, da die Roma vor allem in Ungarn, Rumänien und Bulgarien ja gut als Sündenbock und "Blitzableiter" für viele gesellschaftliche Missstände taugen. Sicher sind die Roma auf Grund ihrer Lebensweise, der hohen Kinderzahl usw. nicht leicht zu integrieren, doch zeigt zum Beispiel die Erfahrung in Berlin-Neukölln, dass etwa die Kinder von Roma bei entsprechender Betreuung genauso lernwillig und wissbegierig sind wie andere. Das könnte genauso in den Herkunftsländern funktionieren, wenn nur die Bereitschaft vorhanden wäre und die entsprechenden Mittel investiert würden.

  5. ... zuerst den politischen Gegner (Sarkozy) verunglimpfen und wenn man selbst an der Macht(Holland)ist, greift man zu den gleichen Maßnahmen.

    Was lernen wir daraus?

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  6. sollte man mal in den Herkunftsländern ansetzen. Mir gegenüber hat einmal ein Rumäne die Roma als "Ungeziefer" bezeichnet. Da werden bei mir ganz böse historische Assoziationen wach. Es muss in Rumänien, Bulgarien, Ungarn und der Slowakei zunächst einmal dafür gesorgt werden, dass den Roma eine möglichst diskriminierungsfreies Umfeld geboten wird. Ich weiß, das ist nicht leicht zu bewerkstelligen, da die Roma vor allem in Ungarn, Rumänien und Bulgarien ja gut als Sündenbock und "Blitzableiter" für viele gesellschaftliche Missstände taugen. Sicher sind die Roma auf Grund ihrer Lebensweise, der hohen Kinderzahl usw. nicht leicht zu integrieren, doch zeigt zum Beispiel die Erfahrung in Berlin-Neukölln, dass etwa die Kinder von Roma bei entsprechender Betreuung genauso lernwillig und wissbegierig sind wie andere. Das könnte genauso in den Herkunftsländern funktionieren, wenn nur die Bereitschaft vorhanden wäre und die entsprechenden Mittel investiert würden.

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    Antwort auf "Danke für den Link..."

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