Das Pogrom von Rostock-Lichtenhagen

Das Sonnenblumenhaus am Abend des 24. August 1992. Hier, neben der Zentralen Aufnahmestelle für Asylbewerber, lebten mehr als hundert ehemalige DDR-Vertragsarbeiter aus Vietnam. | © Martin Langer
Im August 1992 herrschen in der Zentralen Aufnahmestelle für Asylbewerber in Rostock katastrophale Zustände. Flüchtlinge müssen im Freien campieren, von den Behörden allein gelassen. Am 22.8. versammeln sich Tausende Rechtsradikale und Anwohner vor dem Haus, skandieren Nazi-Parolen. Zwei Tage später wird die Aufnahmestelle geräumt, jetzt werden die nebenan lebenden ehemaligen DDR-Vertragsarbeiter aus Vietnam zum Ziel der Rassisten. Brandsätze fliegen, die Polizei schaut zu, es ist reines Glück, dass niemand stirbt. Vier Tage dauern die Ausschreitungen.
Ich zitiere Günter Grass: "Vierzig Jahre gelebte Einengung und notdürftig bescheidene Existenz; vierzig Jahre starrsinniger Glaube an die eine und einzig herrschende Wahrheit; vierzig Jahre lang gewünschte oder ertragene Gewissheit, die anderen, besseren oder die zu kurz gekommenen Deutschen zu sein, diese vielschichtige Anhäufung von Erfahrung gewollter oder erzwungener Eigenständigkeit lässt sich nicht vom Konsum verdecken, selbst wenn die Absicht vorherrschen sollte, alles, was querliegt oder schmerzhaft ins Gedächtnis ragt oder als enttäuschte Hoffnung immer noch tickt, einfach zu verschütten."
...war vor allem das Verhalten der Behörden, regional wie bundesweit. Die völlig unzureichende Unterbringung der Asylbewerber, die Verlegung eines Großteils der Polizeikräfte nach Schwerin, ein Polizeichef in den Ferien, ohne den offenbar nichts entschieden werden konnte, und nicht zuletzt die Bundespolitik, die sich auf die Seite des Mobs stellte und entsprechende populistische Gesetze erließ. Ein übles Kapitel deutscher Geschichte!
Allerdings: der Herr auf Bild 19 hebt doch wohl eindeutig den linken Arm? Das würde ich ja nicht unbedingt als Hitlergruß durchgehen lassen.. (Oder fällt das noch in den Toleranzbereich bei alkoholbedingter Verwirrung?)
Wie Studienkollegen von mir von einem Taxifahrer in Wien zu hören bekamen (sie haben ihn pakistanisch eingeschätzt):
"Ach aus Rostock seid ihr. Da hat doch tagelang das Asylbewerberheim gebrannt. Das haben wir nicht vergessen und das werden wir auch in 100 Jahren nicht vergessen haben." (aus der Nacherzählung zitiert)
Das war 2006!
Rostock Lichtenhagen steht für eine der dunkelsten Stunden Deutschlands nach dem Ende des sog. Zweiten Weltkriegs. Viele Deutsche mögen sagen, es sei genug erinnert, es sei genug gemahnt, es sei genug gedacht. Sie seien vergewissert, dass man es andernorts nicht vergessen hat und nicht vergessen wird. Und dass man andernorts die Verdrängungssucht vieler Deutscher ebenfalls zur Kenntnis nimmt.
Für alles was nicht zur weißen Mehrheitsgesellschaft gehört wird Lichtenhagen für immer im Gedächtnis bleiben; egal wie gerne viele Deutsche vergessen möchten.
das pogrom von rostock-lichtenhagen hat mein bild vom osten geprägt.
dürfte aufgrund der Brandanschläge von Mölln und Solingen auch stark gelitten haben.
Schade, dass es quasi noch einen Skandal bei dem Skandal gibt, und zwar das ein paar dutzend Antifaschisten (als einzige) die Nazis aufhalten wollten, doch dafür weder vom Staat oder von der Presse ein Dankeschön erhalten haben, sondern festgenommen wurden (im Gegensatz zu den Nazis).
Was damals die Antifa gemacht hat, war natürlich Linksterrorismus in Reinkultur. Fragen Sie mal bei der CSU (und Konsorten) nach. Die haben für sowas immer ne Erklärung.
Was ich nicht verstehe ist, dass trotz Rostock-Lichtenhagen bis heute bestimmte Politiker zündeln dürfen, ohne in ihrer Partei Widerspruch zu erfahren.
Ich meine nicht die Nazis, sondern z.B. Roland Koch, gewesener CDU Ministerpräsident in Hessen. Herr Irmer, bildungspolitscher Sprecher der CDU Hessen und dort Landtagsabgeordneter.
Das eigentliche Problem sind nicht Politiker, wie der von mir zutiefst verabscheute Roland Koch, sondern die vielen, die solche Hetzer immer wieder wählen. DIE wollen das wirklich so!
dürfte aufgrund der Brandanschläge von Mölln und Solingen auch stark gelitten haben.
Die Geschehnisse in Rostock hatten eine ganz andere Qualität als die Anschläge z. B. Solingen oder Mölln: Während es sich bei den letzteren um Taten kleiner Gruppen von 2-5 Neonazis handelte, die klandestin handelten und keine Unterstützung durch die Bevölkerung erhielten, die sich ganz im Gegenteil bestürzt und schockiert zeigte, wurden die Taten in Rostock durch eine große Zahl der dortigen Bevölkerung begangen, die Täter erhielten zudem, wie die Fernsehbilder zeigten, eine breite, lautstarke Unterstützung durch die umstehenden Anwohner.
Dieses Ausmaß an Unmenschlichkeit, der offenkundige breite Konsens der damaligen Rostocker Bevölkerung im Vernichtungswillen, erzeugt einen Grad der Abscheulichkeit, den die Ereignisse in Mölln oder Solingen nicht besaßen.
... dann könnte man über Bild 7 gut lachen!
Das Bild eines "echten" DEUTSCHEN.
Der Mob diskreditiert sich zum Glück mit so einem Erscheingungsbild selber. Den Sufki würde ich gerne mal heute im Interview sehen, was er zu diesem Bild zu sagen hat. Aber wahrscheinlich hat er sich schon lange das Hirn weggesoffen und vegetiert bestenfalls vor sich in. Verdient hat er es.
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