Mittwochmorgen lag keine Süddeutsche Zeitung im Hausflur. Hier in Hamburg fragt man sich dann: Hat der Zusteller ein Problem oder haben die Bayern schon wieder frei? Es ist eben Mariä Himmelfahrt. Wir nehmen das hin, Katholiken haben mehr Feiertage als Protestanten.

Aber immerhin sind Weihnachten, Ostern, Pfingsten und Himmelfahrt auch für alle Hamburger frei, egal ob sie christlich, buddhistisch, muslimisch oder ungläubig sind. Die Feiertage gehören zu unserer Kultur. Und Muslime? Vielen erscheinen ihre Feiertage noch exotisch. Dabei sind sie beispielsweise in Hamburger Stadtteilen wie Wilhelmsburg oder Altona weit weniger exotisch als Mariä Himmelfahrt.

Bald wird der Abschluss des Fastenmonats Ramadan gefeiert, das Zuckerfest, wie es in der Türkei auch genannt wird. Es hat nicht nur eine ähnlich große religiöse Bedeutung wie Weihnachten für die Christen. Es bereitet vielen Muslimen auch vergleichbaren  Konsumstress. Verwandte und Freunde werden eingeladen und bekocht, Geschenke für die Kinder müssen her und neue Kleider. Das alles ganz ohne Feiertag. Bisher.

Freie Arbeitsstunden müssen ausgeglichen werden

In Hamburg soll das Ramadanfest nun via Staatsvertrag den Status eines kirchlichen Feiertags bekommen. Allerdings ganz hanseatisch-pragmatisch: Keinem Arbeitgeber wird deshalb Arbeitszeit verloren gehen. Wie die Christen am Buß- und Bettag haben Muslime und Aleviten für die drei Feste Ramadan, Opferfest und Aschura zwar das Recht, frei zu nehmen. Sie müssen die Stunden aber ausgleichen oder Urlaub nehmen. Schüler dürfen zu Hause bleiben.

Das ist zunächst eine frohe Botschaft, auch wenn Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz zu Recht sagt, eigentlich sei es eine Selbstverständlichkeit. Es ist aber ein Symbol mit hoher Integrationskraft. Kollegen werden sich nicht mehr nur frohe Weihnachten wünschen, sondern auch einen frohen Ramadan. Unsere Kultur wird hoffentlich um einige Feste reicher.

Fünf Jahre hat die Stadt mit den Verbänden verhandelt und sich nun auf einen Vertrag geeinigt , der eine ganze Reihe von Rechten und Pflichten der Hamburger Muslime festlegt. Neben den Feiertagen wird es jedoch nur eine weitere einschneidende Änderung geben: Muslime dürfen gleichberechtigten Einfluss auf den Religionsunterricht in den Schulen nehmen. In Hamburg verantwortet die evangelische Kirche den Unterricht, er wird aber überkonfessionell durchgeführt. Das soll erst einmal auch so bleiben, doch muslimische Lehrer mit Staatsexamen dürfen ihn ab Vertragsbeginn auch abhalten. Über ein generelles Kopftuchverbot für Lehrerinnen wird nicht nachgedacht. Jede Schule soll selbst entscheiden dürfen, was für sie richtig ist.