Die Soldaten sollen im Kampfanzug erscheinen, bei Polizisten ist die Uniform erwünscht. So steht es auf dem Anmeldeformular für den Ersten Internationalen Hochgebirgsmarsch samt Schießen, bei dem die Teilnehmer vergangenes Wochenende in der Gegend von Kaprun auf bis zu 2.639 Metern Seehöhe durchs Gebirge marschierten. Organisiert wurde das militärische Wandern auf dem Gletscher vom Militär Fallschirmspringer Verbund Ostarrichi, kurz Milf-O.

"Es sind viele Soldaten dabei, aber auch Polizisten, Mitarbeiter der Justizwache und Zivilisten", sagt Josef Paul Puntigam. Er ist Präsident des Milf-O und Brigadier des österreichischen Bundesheeres im Ruhestand. "Wir sind ein ganz privater Verein und möchten den jungen Soldaten Fallschirmspringen als Abenteuer anbieten", sagt Puntigam.

Im österreichischen Verteidigungsministerium ist man hingegen alarmiert. Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) hat eigens eine Weisung erteilt. Eine Teilnahme von Soldaten im Dienst beim Hochgebirgsmarsch sowie das Tragen österreichischer oder ausländischer Uniformen wurde verboten. Denn der Milf-O ist mehr als eine Privatvereinigung von Uniformliebhabern; er ist bereits in den vergangenen Jahren einschlägig aufgefallen.

Der Milf-O wurde im Jahr 2008 als "Kameradschaft Gleichgesinnter" gegründet. Zu den Vereinszielen zählen laut Statut die "Förderung des militärischen Fallschirmsprungsports", die "Förderung der Wehrbereitschaft österreichischer Staatsbürger" sowie die "Pflege und Festigung der Kameradschaft zwischen Personen mit gleicher Gesinnung". Zu diesem Zweck geht der kleine Verein in zahlreichen Bundesheer-Kasernen des Landes ein und aus, organisiert gemeinsam mit dem Heeressportverband Schießübungen und bietet in Tschechien eine eigene Fallschirmspringerausbildung an.

"Zu Beginn war das eine sportliche Sache", sagt ein hochrangiger deutscher Bundeswehrangehöriger, der den Verein in Österreich seit Jahren beobachtet, "aber mittlerweile haben die Herren die Grenzen des Patriotismus weit überschritten. Die stehen ganz, ganz weit rechts." Seinen Namen möge man bitte nicht veröffentlichen, ersucht der Bundeswehr-Angehörige, denn "diese Leute sind echt gefährlich". Außerdem würde der Milf-O sogar in Kontakt stehen mit paramilitärischen Organisationen wie der Legion of Frontiersmen, der auch Fremdenlegionäre angehören.

Milf-O ist straff organisiert

Der Milf-O klingt nicht nur militärisch, er ist auch straff organisiert. Er hat in den Bundesländern "Standortkommandanten" eingesetzt und "Kommandanten" sowohl für die verschiedenen Bundesheerkasernen sowie für die Polizei und die Justizwache. Es gibt auch einen "Ansprechpartner für unsere deutschen Kameraden".

Vereinspräsident Puntigam, in seiner aktiven Zeit Kommandant der Jägerschule Saalfelden und Infanteriechef des österreichischen Bundesheeres, nahm regelmäßig an der umstrittenen Gedenkfeier für die im Zweiten Weltkrieg gefallenen Gebirgsjäger der Wehrmacht im bayerischen Mittenwald teil. Seine Teilnahme an der Veteranenfeier am Kärntner Ulrichsberg kündigte er via Facebook mit "Wo Soldaten sind, bin ich auch" an. Puntigam protestierte auch gemeinsam mit dem FPÖ-Europaabgeordneten Andreas Mölzer gegen die Seligsprechung des katholischen Widerstandskämpfers und Kriegsdienstverweigerers Franz Jägerstätter . Gleichzeitig sind zahlreiche Mitglieder des Milf-O-Vorstandes Kommunalpolitiker der FPÖ , speziell in Salzburg.

Bei "Heldenfeiern" für Wehrmachtsoldaten ist der Milf-O regelmäßig dabei. So etwa bei der jährlichen "Kretafeier" im steirischen Feldbach. Oder bei einer Gedenkfeier für den "Stalingradbund", ein Bündnis von Veteranen, die in Stalingrad für Hitler und gegen die Rote Armee kämpften. Dort sah man auch einen Polizisten in Repräsentieruniform mitmarschieren. Zu diesen Treffen lädt auch die Kameradschaft vom Edelweiß, ein "wehrpolitischer Verein", dessen steirischer Landesobmann ebenfalls Puntigam ist. Von der Kretafeier 2011 berichtet die Milf-O-Vereinszeitung Adlerauge , dass in diesem Jahr "zwei besondere Haudegen und Ritterkreuzträger angereist waren". Der eine, Viktor Vitali, war Kriegsfreiwilliger der Wehrmacht und bekam noch wenige Tage vor Ende des Zweiten Weltkrieges von Fallschirmtruppen-General Richard Heidrich das Ritterkreuz verliehen.