Sport ist Sport, und Politik bleibt Politik. Neonazis mögen solche Parolen, harmlos klingend. Auch der ehemalige Leistungssportler Michael Fischer aus Rostock scheint nach dieser Prämisse zu agieren. Bis vor wenigen Tagen war er wohl bei den Olympischen Spielen in London, um seiner Freundin, der Ruderin Nadja Drygalla, bis zu ihrem Ausscheiden beizustehen. Auf Facebook findet sich ein Bild, wie er lächelnd vor der berühmten London-Bridge mit den Olympischen Ringen an der Themse steht. Auf einem anderen ihm zugeordneten Facebook-Eintrag heißt es: "Ich erfreue mich der Völkerverständigung. Sitze neben Schwarzen und Pakis in der Bahn und helfe Schweizern im Hotel".

Fischers politisches Revier ist ansonsten der Rostocker Stadtteil Toitenwinkel. Er lebt dort zwar nicht, aber das Großwohngebiet mit seinen Reihenhäusern und Plattenbauten nutzt der stämmige Neonazi zur Agitation. 2011 verkündete Fischer selbstbewusst: "Gemeinsam Toitenwinkel verändern!"

Denn als Direktkandidat der NPD war das sein Einsatzgebiet. Auch als Autor des Neonazi-Portals mup.info griff er im Juli 2011 dessen "negativ behafteten" Ruf auf und verkündete das Image des Stadtteils verbessern zu wollen. Doch das Gegenteil war der Fall: Als sich im Februar zahlreiche couragierte Rostocker anlässlich des Todestages von Mehmet Turgut zu einer Gedenkkundgebung für die Opfer der rechtsterroristischen NSU-Mordserie trafen, gehörte Fischer zu den Störern. Grölend und fotografierend stand er am Rand der Veranstaltung.

Humorig nennt er sich selbst "Neonazi-Monster"

Fischer gilt als führender Anhänger der militanten Kameradschaft "Nationale Sozialisten Rostock" (NS Rostock). Deren Style ist der der martialisch auftretenden Autonomen Nationalisten (AN) mit schwarzem Block und antikapitalistischem Habitus.

Im Landtagswahlkampf bewarb die NPD  ihn als "Junioren-Vizeweltmeister" im Rudern. Seit 2007 vertrete er "aktiv seine Weltanschauung", stellte die Partei den 23-jährigen Partei-Neuling vor. Die Behörden in Mecklenburg-Vorpommern führen ihn in der Kartei "PMK rechts" für politisch motivierte Kriminalität.

Fischers Mitteilungen aus der Olympia-Stadt London klingen nur vordergründig moderat: "Ich habe tatsächlich auch kein Problem mit den Briten. Auch wenn hier einige Denkmäler schon arg fragwürdig sind." Humorig bezeichnet sich der dunkelhaarige Brillenträger auf seiner Sport-Tourismus-Tour als "Neonazi-Monster", unterwegs mit der Kamera. Die sei seine "gefährlichste Waffe".

Zu Hause in Mecklenburg-Vorpommern gilt der Neonazi mitnichten als harmlos. Dem antifaschistischen Infoportal "Kombinat Fortschritt" zufolge soll Fischer die Störungs-Aktion im Februar mit rund 30 überwiegend vermummten Neonazis sogar angeführt haben. Während sich die meisten Rechts-Autonomen bedrohlich verteilten, fotografierte er die Szenerie, die Fotos tauchten später auf der Homepage der als militant geltenden Kameradschaft auf. Auch sei es dabei zu "Tumulten" mit der Polizei gekommen und ein Beamter in Zivil wurde von einer geworfenen Eisenstange getroffen und verletzt.