Mit Wollmützen über den Köpfen protestieren Frauen vor der russisch-orthodoxen Kirche in Berlin gegen die Verhaftung der Pussy-Riot-Mitglieder. © Stephanie Pilick/dpa

Zwei Mitglieder der regierungskritischen Punkband Pussy Riot sind offenbar aus Russland geflohen. Man freue sich, "die Kreml-Fieslinge" darüber informieren zu können, dass aufgrund akuter Gefahr zwei Mitglieder der Gruppe das Land verlassen hätten, teilte die Band über Twitter mit . Die Frauen wollen ausländische Feministinnen um sich versammeln, um weitere Aktionen zu planen. "In Russland verbleiben aber mindestens zwölf weitere Mitglieder von Pussy Riot", so die Gruppe weiter.

Die Pussy-Riot-Musikerinnen Nadeschda Tolokonnikowa , Maria Alechina und Jekaterina Samuzewitsch waren wegen "Rowdytums" und "Anstiftung zu religiösem Hass" zu zwei Jahren Lagerhaft verurteilt worden . Die Anwälte der drei inhaftierten Frauen werden vermutlich in der kommenden Woche gegen das Urteil, das weltweit Kritik hervorrief , Berufung einreichen.

Sie hatten – gemeinsam mit zwei weiteren Mitgliedern – im Februar die größte Kirche in Moskau gestürmt und in einem "Punk-Gebet" lautstark ihre Wut über den heutigen Präsidenten Wladimir Putin zum Ausdruck gebracht. Die Gruppe wollte dagegen protestieren, dass der Patriarch der russisch-orthodoxen Kirche die Gläubigen dazu aufgefordert habe, bei der Präsidentschaftswahl für Putin zu stimmen.

Inhaftierte Mitglieder reichen Berufung ein

Die Frauen hatten bei der Performance ihr Markenzeichen getragen, verschiedenfarbige Wollmützen, die sie über das ganze Gesicht ziehen, um unerkannt zu bleiben. Nur drei von ihnen wurden damals identifiziert und festgenommen. Wenige Tage später hatte die Polizei verkündet, man suche nach den zwei "Mittäterinnen".

Tolokonnikowas Ehemann, Pjotr Wersilow, bestätigte am Sonntag, dass es sich bei den beiden Geflohenen um jene zwei gesuchten Frauen handelt, die bei dem Auftritt in der Christ-Erlöser-Kathedrale dabei waren. "Sie sind an einem sicheren Ort, wo die russische Polizei sie nicht erreichen kann." Zu der Frage, ob es sich um ein Land handele, das kein Auslieferungsabkommen mit Russland habe, sagte er: "Ja, vermutlich."

In Deutschland wird derzeit auf Facebook zu einer Solidaritätsaktion für die inhaftierten Mitglieder der Band aufgerufen.