Die deutschen Soldaten in Afghanistan machen derzeit kräftig Werbung für den neuen Film von Til Schweiger. In Schutzengel spielt dieser den ehemaligen KSK-Soldaten und Kriegsheimkehrer Max. Max soll die Zeugin eines Verbrechens vor den Auftragskillern der Täter beschützen.

In einem Trailer, der im Moment in den Kinosälen der Republik gezeigt wird, sieht der Zuschauer allerdings auch Frauen und Männer aus dem Bundeswehrcamp in Masar-i-Scharif. Sie wurden ganz offenbar nach ihrer Meinung zum Film gefragt, sagen beispielsweise "sehr glaubwürdig" und "es ging einem schon ziemlich nahe". Oder: "Also ich empfehle ihn auf jeden Fall weiter. Ich werde auch in Deutschland ins Kino gehen." Zu einer Szene sagt eine Soldatin: "Hier musste ich mich echt zusammenreißen, nicht vor meinen Kameraden zu weinen." Der Vorspann-Clip ist unterlegt mit düsterer, beklemmender Musik. Zu diesem dramatischen Sound springt Til Schweiger aus dem Helikopter.

Drei Tage bei der Truppe

Im Juni hatte der Schauspieler die Truppe im afghanischen Masar-i-Scharif drei Tage lang besucht. Die Initiative dazu sei von Schweiger ausgegangen, erklärt die Bundeswehr gegenüber ZEIT ONLINE. Den Transport habe das Einsatzführungskommando in Potsdam organisiert, wie auch bei anderen Truppenbesuchen. Auch wurde der Flug wie üblich ebenfalls von der Bundeswehr bezahlt.

In Masar-i-Scharif führte Schweiger dann so etwas wie eine außergewöhnliche Vorpremiere seines Filmes auf. Laut Bundeswehr habe er mit dem Besuch "seine Verbundenheit mit den in Afghanistan eingesetzten Soldatinnen und Soldaten" ausdrücken wollen. Außerdem habe er mit den Soldaten über den Film sprechen wollen. Deren Reaktionen sind durchweg positiv.

Dass Prominente die deutschen Soldaten in Afghanistan besuchen und ein bisschen unterhalten, ist nicht unüblich. Kurt Krömer war erst vor Kurzem bei der Truppe. Peter Maffay und Xavier Naidoo traten auf, Ralf Möller und Clemens Schick auch. Viele Schlagzeilen machte das nicht.

"Die sind da unten bei 45 Grad"

Schweiger hingegen wurde bei seinem Afghanistan-Trip nicht nur von Kameramann, Tonassistent und Fotografin begleitet, sondern auch von Norbert Körzdörfer, dem "Gesellschafskolumnisten" der Bild-Zeitung. Schweiger gab ihm zu diesem Anlass ein exklusives Interview. Er habe das Drehbuch zum Film mit einem britischen Elitesoldaten geschrieben, erzählt er. Danach habe er die deutschen Soldaten besuchen wollen: "Deshalb flog ich nach Afghanistan – auch als Wertschätzung und Anerkennung. Wir leben zu Hause ein Luxusleben – und die sind da unten bei 45 Grad. Das wird in Deutschland leider nicht genug gewürdigt!"

Dass ihre Aussagen zur Filmvorführung dokumentiert werden, wussten die Soldaten. Ihnen sei bekannt gewesen, dass die O-Töne im Zusammenhang mit der Berichterstattung über den Film – etwa für Specials auf der DVD und den Trailer – verwendet werden könnten, erklärt die Bundeswehr.