Klage gegen GerüchtGoogle beharrt auf "Bettina Wulff Escort"

Bettina Wulff wehrt sich gegen Google. Ihr Name soll nicht mit einer angeblichen Escort-Vergangenheit verknüpft werden dürfen. Die Klage dürfte scheitern. von Ragnar Vogt

Bettina Wulff (Archivbild)

Bettina Wulff (Archivbild)  |  ©Sean Gallup/Getty Images

Gibt man in das Google-Suchfenster " Bettina Wulff " ein, dann schlägt einem die Suchmaschine "Bettina Wulff Escort" und "Bettina Wulff Prostituierte" als Wortkombinationen vor. Genau dagegen wehrt sich die Frau des ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff derzeit juristisch. Sie will die Veröffentlichung von Gerüchten über ihre angebliche Rotlichtvergangenheit beendet sehen.

So hat sie von der Günther-Jauch-Sendung und anderen Medien Unterlassungserklärungen verlangt. Mit einigem Erfolg: Nach mehreren Zeitungen hat am heutigen Samstag Jauch eingelenkt . Bettina Wulff geht auch gegen Google vor. Sie will vor Gericht erreichen, dass die Suchmaschine ihren Name nicht mehr mit anzüglichen Suchwörtern kombiniert. Doch wie erfolgversprechend ist diese Klage?

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Der Fachbegriff für diese automatische Ergänzung ist autocomplete oder Deutsch Autovervollständigen. Bei Google ist dafür ein Algorithmus verantwortlich, der sich vor allem an den bisherigen Nutzeranfragen orientiert. Wenn also besonders viele Menschen die Wortkombination "Angela Merkel" in das Suchfenster eingegeben haben, dann schlägt Google schon bei der Eingabe von "Angela" den Nachnamen "Merkel" vor.

Google sieht sich nicht verantwortlich

Normalerweise ist diese Funktion sehr nützlich, denn die beschleunigt viele Suchen. Doch wenn in der Gesellschaft möglicherweise falsche Gerüchte kursieren, wie wohl derzeit im Fall Bettina Wulff, dann suchen viele Menschen mit entsprechenden Wortkombinationen. So kann die autocomplete -Funktion für die Betroffenen sehr ärgerlich werden.

Google beeilte sich sogleich klarzustellen, dass das Unternehmen im Fall Bettina Wulff nicht verantwortlich sei: "Google schlägt diese Begriffe nicht selbst vor – sämtliche in Autovervollständigung angezeigten Begriffe wurden zuvor von Google-Nutzern eingegeben." Die angezeigten Begriffe seien "das algorithmisch erzeugte Resultat mehrerer objektiver Faktoren, inklusive der Popularität der eingegebenen Suchbegriffe", sagte der Sprecher von Google-Nordeuropa, Kay Oberbeck.

"Ich bin nicht schwul"

Auch andere sind betroffen. Über viele Fußballer spekulieren die Fans, ob sie wohl homosexuell sind. Das bewirkt, dass bei der Sucheingabe etwa von "Philipp Lahm" die autocomplete -Funktion "schwul" hinzufügt. Lahm beschreibt in seiner Autobiografie , wie ärgerlich das für ihn sei und sieht sich genötigt, klarzustellen: "Ich bin nicht schwul."

Schon häufiger musste sich Google in Deutschland mit Klagen gegen bestimmte autocomplete -Wortkombinationen auseinandersetzen. So wehrten sich etwa Unternehmen gegen die Ergänzung ihres Firmennamens mit geschäftsschädigenden Begriffen wie "Abzocke". Nach eigenen Angaben hat Google bisher fünf Verfahren geführt und alle gewonnen.

So folgte etwa das Oberlandesgericht München der Argumentation des Internetkonzerns, dass autocomplete keine eigene Äußerung Googles sei. Vielmehr sei es ein automatisiertes Verfahren, das lediglich das Verhalten der Nutzer widerspiegele. Auch der IT-Anwalt Thomas Stadler gibt der Wulff-Klage gegen Google in seinem Blog wenig Erfolgschancen.

Erfolgreiche Klagen in Frankreich, Japan und Italien

In anderen Ländern dagegen wurde bereits gegen die autocomplete -Funktion geurteilt . In Frankreich musste Google eine Entschädigung an ein Unternehmen zahlen. Zudem erreichten antirassistische Organisationen einen Vergleich mit der Suchmaschine. Sie wollten verhindern, dass die Namen vieler Prominenter mit "Jude" ergänzt wurden.

In Japan wehrte sich ein Mann erfolgreich dagegen, dass sein Name mit Verbrechen in Verbindung gebracht wurde, die er nicht begangen hatte. Auch in Italien unterlag Google .

Ob sich Bettina Wulff mit dem öffentlichen Vorgehen gegen Medien und Google einen Gefallen getan hat, ist fraglich. Denn nun haben auch Menschen von den Gerüchten über ihre angebliche Vergangenheit als Escortdame erfahren, die bisher nichts davon wussten. Viele von ihnen werden nun Google-Suchen starten – mit der Wortkombination "Bettina Wulff Escort".

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Leserkommentare
  1. 43 Leserempfehlungen
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    • edgar
    • 08. September 2012 17:59 Uhr

    .. scheint es ja zu interessieren ...

    • Karl63
    • 08. September 2012 18:50 Uhr

    denn in der Realität kommt es immer mal wieder vor, dass Menschen die sonst nichts miteinander zu tun haben, ein und denselben Namen tragen. Grundsätzlich ist abzuklären, wo die Grenze dessen liegt, ab der Google anfängt Persönlichkeitsrechte des Einzelnen zu verletzen. An der Stelle sei daran erinnert, in unserer Verfassung wird explizit festgestellt, die Würde des Menschen ist unantastbar - da steht nicht drin, dass dies durch die Nutzer von Google in irgend einer Weise einzuschränken wäre.
    Genau dies ist ja die Argumentation von Google, eine Verletzung von Persönlichkeitsrechten sei nicht gegeben, denn man würde ja nur das wiedergeben, was die Masse der Nutzer bereits abgefragt hat. Dies ist ein sehr perfider Versuch, die Verantwortung an andere abzuwälzen.
    Ein Beispiel aus dem Alltag: 10 Minuten Fussweg von hier war einmal eine Bäckerei. Als diese Anfang Mai überraschend ihren Geschäftsbetrieb einstellte, häuften sich hier Telefonanrufe von Mitmenschen, die diese bewusste Bäckerei kontaktieren wollten. Bis ich dann herausgefunden habe, das über "Google Maps" zwar die korrekte Adresse, aber eben die falsche Telefonnummer genannt wurde. Der Versuch, dies Richtig zu stellen endete irgendwo im Nichts.
    Der Punkt ist, dieses Beispiel ist relativ harmlos, aber was bitteschön, wenn eines Tages Ihr Name bei Google auftaucht und dann gleich als Stichwort "Privatinsolvenz" angeboten wird ??

    • sf2000
    • 08. September 2012 19:49 Uhr

    ... Sie können sich zum Beispiel fragen, warum Frau Wulff dafür gesorgt hat, dass irgendeiner Deutscher, der in Kontakt mit irgendeiner Tageszeitung kommt, jetzt über die Gerüchte unterrichtet ist (ich wußte das zum Beispiel vorher nicht). Sie können sich auch fragen, warum Familie Wulff hier einmal mehr den Rubikon überschreitet. Sie könnten natürlich auch stattdessen einfach zur Kenntnis nehmen, dass Frau Wulff ein Buch geschrieben hat, eine Information, die in jedem der zehntausend Artikel enthalten ist, die ihren angeblichen Kampf um ihren Ruf behandelt. Und diese Art von Filmen mit mehr oder weniger geschicktem Product Placement füllen seit Anfang des Jahres so penetrant die sogenannte "Politik"-Seite jedes Verlages, dass Sie dann etwas haben, das wirklich interessant ist. Ok, es sind ein paar Umwege, aber: Das sollte Sie interessieren.

    • wawerka
    • 08. September 2012 21:12 Uhr

    ...Pittjes, Kalle, Marion und Jupp...nee, warten Sie mal, Jupp schüttelt den Kopf, also: Mich, Pittjes, Kalle und Marion.

    Und natürlich all die anderen, die bei Google nach "Bettina Wulff" gesucht haben....

    interessiert das, sehr.

  2. Geben Sie mal Eva Herman ein, oder Jürgen Möllemann,
    oder Bischof Mixa, oder ... Martin Hohmann, oder Blumenkohlwolken, oder ...

    5 Leserempfehlungen
  3. 3. Unsinn

    Wenn Frau Wulff als Prostituierte oder im Escort-Service gearbeitet hätte, dann hätten sich längst Leute gemeldet, die sie gekannt haben und die Geld rauschlagen wollten. Das kennt man doch, dass solche Leute dann ihre Story oder ihr Wissen an die Presse verkaufen und die hätte sich drauf gestürzt.
    Google ist nun mal gefährlich, wenn man persönliche Informationen ins Netz stellt. Von mir findet man absolut nichts.
    Frau Wulff ist nicht gerade meine Nr. 1 in der Sympathiescala, aber was hier gemacht wird, ist unseriös.

    Sie selber hätte längst ein klares Nein sagen können, dass sie damit nichs zu tun hat. Ich habe aber nichts darüber gelesen.

    Und wenn es so gewesen wäre, Du liebe Güte, wärs auch kein Beinbruch, da gibt es aber andere Promis, die sogar in Pornos mitgewirkt haben und es heute nicht mehr wissen wollen. Man darf so eine Story nicht aufbauschen. Lasst die Frau in Ruhe!

    Ganz allein ein Gericht entscheidet, ob google das rausholen muss, da bringt es gar nichts, darüber zu spekulieren. Ich hoffe, das Recht siegt. Meine Frage wäre höchstens, wie teuer ein Prozess wird und ob sie das Geld für die Anwälte hat, denn wenn sie verliert-dann zahlt sie das "auch" noch.

    8 Leserempfehlungen
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    Für die christlich-konservativen Kirchgänger ist das anscheinend schon ein Problem. Und ganz offensichtlich kamen die Gerüchte aus den Reihen der "Parteifreunde" von Frau Wulffs Gatten.

    Ich vermute einmal, dass wir es hier wieder einmal mit einem Beispiel zu tun haben, dass jemand, der CDU/CSU Partei"freunde" hat, keiner weiteren Feinde mehr bedarf. Der Fall Erwin Huber dürfte allen bestens im Gedächtnis sein.

    Selbst wenn Frau Wulff in einem einschlägigen "Gewerbe" tätig gewesen sein sollte, ginge das uns NICHTS an - Frau Wulff ist eine Privatperson und hatte keine öffentlichen Ämter inne. Eine Privatperson darf - so lange sie sich an die geltenden Gesetze gilt - in unserem Land tun und machen, was sie will. Selbst als Gattin des Bundespräsidenten.

    Und mehr noch: ich würde es sehr begrüßen, wenn Frau Wulff den Kampf gegen Google und dessen mehr als zweifelhafte Rechtsauffassung in Sachen Persönlichkeitsrecht aufnimmt. Wenn Bettina Wulff hier durch die Instanzen geht und am Ende gewinnt, dann hat sie den Ehrensold ihres Gatten im Alleingang verdient.

    .. Und wenn es so gewesen wäre, Du liebe Güte, wärs auch kein Beinbruch, da gibt es aber andere Promis, die sogar in Pornos mitgewirkt haben und es heute nicht mehr wissen wollen. Man darf so eine Story nicht aufbauschen. Lasst die Frau in Ruhe!...
    -------
    Da bin ich ganz Ihrer Meinung! Es gibt sogar Politiker, die sich für die Durchsetzung der Interessen von Lobbyisten prostituieren und sich dafür nicht schämen. Über diese Stories sollten wir eingehender informiert werden.

    Frau Wulff allerdings sei angeraten, die Öfftlichkeit mit ihrer merkwürdigen Homestory zu verschonen.

    Zitat: "Google ist nun mal gefährlich, wenn man persönliche Informationen ins Netz stellt. Von mir findet man absolut nichts."

    In diesem Fall hilft das auch nicht, denn es reichen schon die Suchanfragen an sich. Soll heissen, sollte jemand Ihrem Namen eine ungute Sache anhängen wollen (in der autocomplete-Funktion) muß er nur dafür sorgen, das diese Kombination sehr oft bei Google nachgefragt wird...

    die Frau in Ruhe lassen sollte. So wichtig war sie zu keiner Zeit. Die Vorwürfe gibt es seit 2006, von eigenen Parteigenossen der CDU/Niedersachsen in Umlauf gebracht. Da hat sie jahrelang Zeit gehabt, etwas zu unternehmen. Jetzt soll im September ein Buch von ihr herauskommen. Da schadet Publicity vielleicht ncht. Evtl. täuscht sie sich aber. Das Geld für die Prozeßkosten scheint sie schon bei anderen Zeitungsverlagen eingesammelt zu haben. Jauch wird sie wohl auch dieserhalb noch angehen. Hoffentlich bleibt der standhaft. Er hat in seiner Sendung nämlich nur danach gefragt, ob an einer Zeitungsmeldung zu diesem Thema etwas dran sei.

    "Wenn Frau Wulff als Prostituierte oder im Escort-Service gearbeitet hätte, dann hätten sich längst Leute gemeldet, die sie gekannt haben und die Geld rauschlagen wollten"

    Wenn sie in der Edelklasse (Escort) gearbeitet hat, wo der Abend einige Tausend Euro kostet, werden die Kunden wohl genau so wenig Interesse an Öffentlichkeit haben - und Geld
    wird nicht das Problem der Kunden sein. Sie wird wohl kaum unter einem bunten Spotlight irgendwo hinter der Glasscheibe gesessen haben. Vom Typ her stellt man sich eine kapitalistische Escortfee eigentlich genau so vor :)
    Daß sie da jetzt dieses juristische Impromtu veranstalten läßt, hat gewiß mit ihrem Büchlein zu tun, was en gros auf des Volkes Nachttischen landen soll. Denn daß ihre Aktion eher mehr Leute mit dem Gerücht bekannt macht, dürfte sie auch wissen, ist ihr aber offenbar egal, solange genügend
    Teuros überwiesen werden, wie bei gewissen Mädels eben ;)

    Zitat:
    [[ Wenn sie in der Edelklasse (Escort) gearbeitet hat, wo der Abend einige Tausend Euro kostet, werden die Kunden wohl genau so wenig Interesse an Öffentlichkeit haben - und Geld ]]

    die "Kunden" sicher nicht, aber da würde es Kollegen/Kolleginnen geben, die ja kein Geld haben.Oder jemand der sich wichtig machen will oder zufällig ein Foto hätte, oder..oder..Taxifahrer, Kellnerin... so viele Möglichkeiten. Die BILD wäre als erstes drauf angesprungen und auch wenn das kein gutes Blatt hat, die haben schon lange recherchiert und nichts gefunden. ( Man könnte so etwas allderings auch zurück halten bis zu einem geeigneteren Zeitpunt ) Das Elend ist nicht, dass jemand einen Fehler macht- sondern die Gemeinheit der Menschen, die dies ausschlachten.

    Funktionsprinzip

    Zitat: "Google ist nun mal gefährlich, wenn man persönliche Informationen ins Netz stellt. Von mir findet man absolut nichts."

    In diesem Fall hilft das auch nicht, denn es reichen schon die Suchanfragen an sich. Soll heissen, sollte jemand Ihrem Namen eine ungute Sache anhängen wollen (in der autocomplete-Funktion) muß er nur dafür sorgen, das diese Kombination sehr oft bei Google nachgefragt wird...

    Antwort: Das mag sein, jedoch gibt es Ungefähr 6.890.000 Ergebnisse, wenn man meinen Namen angibt. Und die Menschen, die mich persönlich kennen, haben keinen Grund so etwas zu tun. Während man hier bewusst jemandem schaden wollte.
    Nicht einmal meine Telefonnummer oder mein Geburtstag ist ersichtlich, das liegt daran, dass ich mich nicht auf X-Seiten anmelde und auch nichts übers Internet kaufe. Die Menschen sind da viel zu blauäugig. Das Internet sollte man nur nutzen, wenn es einen Vorteil bringt, wie Informationen über Sachthemen, etc.
    Die Zeit hat meinen realen Namen in der Anmeldung und könnte dennoch nichts damit anfangen. :-)

  4. wird durch durch derartige Aktionen nur verstärkt.

    Gegenmittel: sich mit was anderem, Sinnvollerem ins Gerede bringen.

    30 Leserempfehlungen
    • Psaraki
    • 08. September 2012 17:43 Uhr

    Demnächst erscheint ihr Buch, für das Sie schon auf diese Weise Werbung macht. Alles nur Strategie...

    35 Leserempfehlungen
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    Genau! Eiskalte Berechnung. Mit der Titelseite bei Bild weiß es nun jeder. Was vorher nicht der Fall war. Die arme verhinderte First Lady. Nein - armes Deutschland.

    zu einer andere Deutung dieser Posse als der Ihren gelangen kann ist mir ein Rätsel. Es hat sich doch wirklich kein Hanswurst mehr für sie interessiert. Ihr Buch wäre gnadenlos unter jedem Radar hergeflogen und entsprechend gefloppt. Nun kann sie wieder auf fünfstellige Verkaufszahlen hoffen.

  5. Die mutwillige Verknüpfung von Informationspartikeln ist ein Mermal moderner Informations-Gestaltung.

    2 Leserempfehlungen
    • KG
    • 08. September 2012 17:45 Uhr

    Überschrift des letzten Absatzes "Erfolgreiche Klagen in Italien, Japan und Italien"

    Eine Leserempfehlung
    • edgar
    • 08. September 2012 17:49 Uhr

    Bin gespannt, wie's ausgeht.

    Wenn die Richter genug verstehen möglicher Weise für Google.

    2 Leserempfehlungen
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    Eine spannende Frage.
    "Wenn die Richter genug verstehen möglicher Weise für Google." Zitatende.

    Wenn die Richter überhaupt was begriffen haben, dann zahlt Google erst mal Bußgeld. Und zwar in einer Höhe, die vom Unternehmen auch registriert wird.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Bettina Wulff | Google | Christian Wulff | Medien | Blog | Suchmaschine
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