Bettina Wulff (Archivbild) ©Sean Gallup/Getty Images

Bettina Wulff geht gegen die Verbreitung von Gerüchten und Verleumdungen über ihr angebliches früheres Leben als Prostituierte oder Escortdame vor. Dies bestätigte der Rechtsanwalt der Frau des ehemaligen Bundespräsidenten. Wie die Süddeutsche Zeitung ( SZ ) berichtet, reichte die 38-Jährige beim Hamburger Landgericht Klagen gegen den Fernsehmoderator Günther Jauch und den Google-Konzern ein. In den vergangenen Monaten hätten zudem bereits 34 deutsche und ausländische Blogger und Medien, darunter der Stern , die Mediengruppe Österreich und die Berliner Zeitung Unterlassungserklärungen abgegeben. Mehrere Medienhäuser hätten Schmerzensgeld in fünfstelliger Höhe zahlen müssen.

Die zwei Klagen wurde am Freitag eingereicht. Jauch werde vorgeworfen , "maßgeblich zur Verbreitung des frei erfundenen Gerüchtes beigetragen" zu haben, "es gäbe eine Geschichte aus dem früheren Leben von Bettina Wulff", berichtet die SZ . Grundlage der Klage gegen Jauch soll sein, dass er in seiner Talkshow am 18. Dezember die Berliner Zeitung zitiert habe. Jauch soll demnach in seiner Show gesagt haben, in Berlin werde "gemunkelt", die Bild -Zeitung könne "mit einer Geschichte über das frühere Leben Bettina Wulffs aufwarten. Angeblich verfügt die Redaktion über Informationen, die bisher auf Weisung von ganz oben nicht gedruckt werden dürfen. Aus Respekt vor dem Amt des Bundespräsidenten". Jauch hatte in der Sendung erklärt, er finde diesen Beitrag "besonders interessant". Damit habe er aus Sicht von Bettina Wulff die im Netz kursierenden Denunziationen erst gesellschaftsfähig gemacht, so der Vorwurf gegen ihn.

Jauch gibt nach, Google wehrt sich

Inzwischen hat Jauch den Anspruch Wulffs auf Unterlassung anerkannt, um einen Rechtsstreit zu beenden. Zugleich verteidigte er sich gegen Vorwürfe, Gerüchte über sie verbreitet zu haben. "Ich habe niemals über Frau Wulff eine falsche Tatsachenbehauptung aufgestellt, sondern lediglich aus einem Artikel der Berliner Zeitung zitiert", sagte Jauch in einer am heutigen Samstag über seinen Anwalt herausgegebenen Erklärung in Berlin. "Wer daraus eine Herabsetzung von Frau Wulff konstruiert, liegt daneben", sagte Jauch. Er habe aber kein Interesse an einer Auseinandersetzung mit Wulff. Jauchs Anwalt Christian Schertz erklärte, er habe Wulffs Anwalt Gernot Lehr mitgeteilt, dass ein Anspruch auf Unterlassung anerkannt werde – "ohne ein Fehlverhalten damit einzuräumen".

Wulffs Anwalt bestätigte, "dass in den vergangenen Monaten zahlreiche Verlage, Journalisten und Internetaktivisten Unterlassungserklärungen unverzüglich nach Aufforderung abgegeben haben, ohne auch nur zu versuchen, die falschen Darstellungen zu rechtfertigen". Außerdem sei in einigen Fällen Schmerzensgeld durchgesetzt worden. Laut SZ  hat Bettina Wulff eine eidesstattliche Erklärung abgegeben, dass alle Behauptungen über ihr angebliches Vorleben falsch seien.

Mit der Klage gegen Google solle verhindert werden, dass bei Eingabe ihres Namens automatisch Suchbegriffe wie "Rotlichtvergangenheit" oder "Escort" auftauchten, hieß es weiter. Google wehrt sich gegen diesen Vorwurf. "Google schlägt diese Begriffe nicht selbst vor – sämtliche in Autovervollständigung angezeigten Begriffe wurden zuvor von Google-Nutzern eingegeben", sagte Google-Sprecher Kay Oberbeck. Es handele sich also nicht um eine Meinungsäußerung der Suchmaschinen-Betreiber, sondern um ein Spiegelbild bisheriger Suchanfragen. Oberbeck sagte weiter, man sei mit Wulffs Anwälten schon länger im Gespräch gewesen. Vor der Klage habe es jedoch keinen Antrag auf Einstweilige Verfügung gegeben.

Angeblich streutenCDU-Kreise die Rotlicht-Gerüchte

Nach Recherchen der SZ haben CDU-Kreise in Hannover seit 2006 das Gerücht gestreut, dass Bettina Wulff früher im Rotlichtmilieu gearbeitet habe. Die Denunziation sollte offenbar vor allem Christian Wulff treffen, der damals noch CDU-Ministerpräsident in Niedersachsen war. Er hatte in der Partei einige einflussreiche Feinde und auch außerhalb der Partei etliche Gegner. Im Internet verbreiteten die Verleumdungen sich dann schnell. Bereits am Rande der Bundesversammlung Ende Juni 2010 in Berlin, als Christian Wulff zum Bundespräsidenten gewählt wurde, hatten CDU-Politiker Journalisten auf die Internet-Veröffentlichungen aufmerksam gemacht.

Bettina Wulff will nun auch publizistisch in die Offensive gehen. Noch im September soll ein Buch über ihr Leben erscheinen. Sie sehe sich gezwungen, dadurch der "Zerstörung ihres Ansehens in der Öffentlichkeit entgegenzuwirken", zitiert die SZ ihr Umfeld.