Demonstrant in Frankfurt am Main © Arne Dedert / dpa

Unter dem Motto "Umfairteilen – Reichtum besteuern" haben laut Angaben der Veranstalter insgesamt 40.000 Demonstranten in 40 deutschen Städten eine gerechtere Verteilung von Vermögen gefordert. In Bochum folgten 4.000 Menschen dem Aufruf von Sozialverbänden und Gewerkschaften, in Frankfurt am Main waren es 1.600, in Hamburg 1.500 und in Köln 1.800 Teilnehmer. Die größte Kundgebung gab es in Berlin mit 5.000 Demonstranten. In Hamburg bildeten sie eine Menschenkette und umzingelten symbolisch das Bankenviertel in der Nähe des Rathauses.

Die zentralen Forderungen der Demonstranten sind eine dauerhafte Vermögenssteuer , eine einmalige Vermögensabgabe, die wirksame Bekämpfung von Steuerflucht und ein Abbau der Staatsverschuldung. Dem Bündnis "Umfairteilen – Reichtum besteuern" gehören 23 zivilgesellschaftliche Organisationen an. Die Kundgebungen wurden unter anderem von der Gewerkschaft ver.di , den Globalisierungskritikern von Attac und der Arbeiterwohlfahrt organisiert.

Als einen "Durchbruch in der Gerechtigkeitsdebatte" bezeichnete Ulrich Schneider , Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, den Aktionstag. Die Sorge um die Zukunft des deutschen Sozialstaats und die Einsicht in die Notwendigkeit einer wieder gerechten und solidarischen Steuerpolitik sei endlich in der Mitte der Bevölkerung angekommen. Die Verteilungspolitik in Deutschland werde im Wahlkampf 2013 ein zentrales Thema sein.

Sabine Schiedermair, Bundesvorsitzende der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung, nannte die "soziale Spaltung unserer Gesellschaft" für Christen und Christinnen nicht hinnehmbar. Sie forderte ein "Ende des Raubtierkapitalismus" auf Kosten der Arbeitnehmer und ihrer Familien sowie sozial schwacher Gruppen.

"Brutale Kürzungspolitik"

Jutta Sundermann von Attac forderte die Politik auf, "endlich die Reichen und Superreichen in die Pflicht nehmen". In ganz Europa sei derzeit eine "brutale Kürzungspolitik" zu erleben, die zu gravierenden sozialen Verwerfungen führe. Diese wachsende soziale Ungerechtigkeit brenne den Menschen unter den Nägeln.

Gunnar Winkler, Präsident der Volkssolidarität, verlangte, dass "die großen Vermögen, Spitzenverdiener und große Erbschaften wieder mehr zur Finanzierung staatlicher Aufgaben beitragen". Nur so könnten dringende Neuinvestitionen in der öffentlichen Infrastruktur getätigt und die Leistungen der sozialen Sicherungssysteme erhalten werden.

Grünen-Chefin Claudia Roth warnte vor einem zunehmenden Auseinanderdriften der Gesellschaft: "Unser Gemeinwesen nimmt deutlichen Schaden, wenn wir nicht bald umsteuern", sagte sie der dpa. Es könne nicht sein, "dass eine kleine Gruppe Vermögender immer mehr privates Kapital anhäuft, während Schwimmbäder schließen müssen oder kommunale Krankenhäuser keine ordentlichen Gehälter mehr zahlen können." Immer mehr Menschen würden abgehängt, während die Gruppe der Reichen nicht ausreichend in die Verantwortung für das Gemeinwohl genommen werde: "Wir brauchen deshalb endlich eine Vermögensabgabe."