EU-Staaten müssen Ausländer als Flüchtlinge anerkennen, wenn diese in ihrer Heimat in schwerwiegender Weise religiös verfolgt sind. Der Europäische Gerichtshof ( EuGH ) in Luxemburg antwortete mit einem Urteil auf eine Frage des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig . Das wollte wissen, welche Art von Verfolgung die Anerkennung als Flüchtling rechtfertigt. Konkret ging es um den Fall zweier Pakistaner, die in Deutschland Asyl erhalten wollen.

Der Gerichtshof entschied, bei der Zuerkennung des Flüchtlingsstatus spiele es keine Rolle, ob die Betroffenen ihren Glauben öffentlich oder im Privaten ausüben wollen. Wichtig sei vor allem, wie schwerwiegend die Religionsfreiheit eingeschränkt sei. Wer wegen der Ausübung seiner Religion verfolgt werde, habe Anspruch auf Asyl in der EU – jedenfalls dann, wenn die zu befürchtenden Übergriffe gravierend seien.

Die deutschen Behörden wollten zwei Pakistaner abschieben, die aktive Mitglieder der Ahmadis sind, einer in ihrer Heimat als "gotteslästerlich" eingestuften muslimischen Glaubensgemeinschaft. Ihnen droht dort Verfolgung durch den Staat. Ihre Asylanträge in Deutschland sollten dennoch abgelehnt werden – mit der Begründung, dass den Männern lediglich wegen der öffentlichen Ausübung ihrer Religion Verfolgung drohe. Der Generalanwalt des EuGH plädierte jedoch dafür, dass der Schutz vor religiöser Verfolgung nicht an der eigenen Haustür aufhören dürfe.

Die Ahmadis werden von den mehrheitlich sunnitischen Muslimen in Pakistan als abtrünnig betrachtetet, weshalb sich deren Mitglieder nicht öffentlich zu ihrem Glauben bekennen können. Sie riskierten, dass diese Handlungen als "Gotteslästerung" aufgefasst werden – ein Tatbestand, der nach pakistanischem Strafrecht mit einer Haftstrafe oder sogar der Todesstrafe geahndet werden kann.

Todesdrohungen und Attentate in Pakistan

Im Mai 2010 hatten Taliban-Milizen zwei Moscheen der Ahmadis in Pakistan angegriffen und 70 Menschen getötet. Im Bekennerschreiben warfen sie der Minderheit vor, Mohammed nicht als Propheten anzuerkennen, gegen den Heiligen Krieg zu sein und gemeinsame Sache mit Juden zu machen. Der Angriff sei die letzte Warnung an die Ahmadis, Pakistan zu verlassen – andernfalls würden sie sterben.

Die Ahmadiyya-Gemeinde sieht sich als konservative Reformbewegung innerhalb des Islam an. Ihre Anhänger bezeichnen sich als "wahre Muslime" und wollen zurück zum "unverfälschten Koran". In Deutschland leben 60.000 Ahmadis. Die Ahmadiyya Muslim Jamaat unterhält nach eigenen Angaben in Deutschland über 30 Moscheen und etwa 225 lokale Gemeinden sowie einen TV-Sender und einen Verlag.

2008 zog der Bau einer Moschee der Ahmadiyya in Berlin Proteste in der Nachbarschaft nach sich. Bei ihrem Widerstand gegen das Gotteshaus im Stadtteil Heinersdorf beriefen sich die Gegner auf Schriften der Ahmadis, in denen angeblich Gewalttaten gegen Frauen verherrlicht und Homosexuelle diskriminiert würden.

Als erstes muslimisches Gotteshaus in Deutschland eröffnete 1925 im Bezirk Wilmersdorf die Moschee der Ahmadiyya.