Als Rajesh Shah im Juli sein kleines Bekleidungsgeschäft in Ahmedabad im Nordwesten Indiens eröffnete, dachte er nicht, dass die ganze Welt darüber berichten würde. Das Schaufenster zumindest lässt nichts Ungewöhnliches vermuten: Ein Superman-T-Shirt, ein Shirt mit dem Konterfei von Mahatma Gandhi . Doch über der Auslage leuchtet in großen, weißen Buchstaben der Schriftzug: " Hitler ". Auf dem i-Punkt prangt ein rotes Hakenkreuz.

Ein Hakenkreuz? Nein, vielmehr handelt es sich um ein Swastika, ein Kreuzsymbol, das im Hinduismus Glück bedeutet, in den allermeisten Tempeln, aber auch in vielen Schriftzügen von Geschäften zu finden ist.

Dennoch regt sich seither Protest. Und nicht nur im kleinen Bundesstaat Gujarat. Die Kombination aus Firmenname und Swastika missfällt vor allem der jüdischen Gemeinde. "Wie kann man in der Heimat von Mahatma Gandhi und Gewaltlosigkeit eine Person wie Hitler feiern, der Millionen von unbewaffneten Zivilisten ermordet hat?", kritisierte Nikitin Contractor von der Organisation Friends of Israel in der Zeitung Times of India . Seine Organisation verlangt, dass das Modegeschäft umbenannt wird.

Auch die jüdische Gemeinde von Ahmedabad selbst forderte die sofortige Umbenennung des Ladens. Die israelische Generalkonsulin im Mumbai , Orna Sagiv, zeigte sich geschockt von der "taktlosen" Namensgebung. Im Sender BBC kündigte sie an, den Fall bei der Regierung von Gujarat anzusprechen. Auch im Internet formierte sich Protest. Mit Hilfe einer Online-Petition sollen die Behörden dazu gebracht werden, den Ladeninhabern die Verkaufslizenz zu entziehen. "Der Mörder von sechs Millionen Juden darf keinen Platz im Lande Gandhis haben", schreibt einer der Initiatoren.

Geschäftsinhaber will über Namensänderung nachdenken

Geschäftsinhaber Shah versteht die plötzliche Aufregung über seinen Laden nicht. Er und sein Firmenpartner, Manish Chandani, hatten ihren Laden nach dem Großvater seines Partners benannt. Es sollte eine Würdigung des alten Mannes sein, der als hartnäckig und bisweilen anstrengend galt, aber sich immer durchzusetzen wusste. Er habe mit Spitznamen "Hitler" geheißen.

Den beiden Ladeninhabern war die historische Bedeutung völlig unklar – wie vielen Menschen in Indien, die der aufstrebenden unteren Mittelschicht angehören, aber oft nur wenige Jahre zur Schule gegangen sind. So räumte auch Shah ein, alles, was er bislang von Adolf Hitler gewusste habe, war, dass dieser ein "strenger Mann" gewesen sein soll, sagte der Jungunternehmer der Times of India . "Dass er so viele Menschen ermorden ließ, war mir nicht bekannt", so der Firmeninhaber im Interview mit Spiegel Online . Auch hätten er und sein Partner nach Auskunft ihres Anwalts kein indisches Recht gebrochen.

Nun erwägen die Besitzer, den Laden umzubenennen. "Es ist nicht unsere Absicht, jemanden zu verletzten", sagte Shah. Wenn sein Partner in wenigen Tagen von einer Auslandsreise nach Indien zurückkehre, werde man über einen Namenswechsel reden und gemeinsam eine Entscheidung treffen.