Religionen : Respekt? Wovor denn?

Respekt vor religiösen Gefühlen!, heißt es allenthalben. Michael Schmidt-Salomon hält es für falsch, auf die Befindlichkeiten von Gläubigen groß Rücksicht zu nehmen.
Eine Kirche und eine Moschee in Ramallah, Westjordanland © Mohamad Torokman/Reuters

Es wirkt wie ein bedingter Reflex: Kaum gehen religiöse Fanatiker auf die Barrikaden , sind westliche Politiker und Journalisten zur Stelle, um Respekt für religiöse Gefühle einzufordern. So war es vor sechs Jahren im Zuge des Karikaturenstreits, so ist es heute bei den Protesten gegen das trashige YouTube-Filmchen Die Unschuld der Muslime . Im ersten Moment mag die Forderung sogar vernünftig erscheinen: Denn wäre es nicht schön, wenn wir alle etwas respektvoller miteinander umgehen würden?

Michael Schmidt-Salomon

ist Schriftsteller und Philosoph sowie Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung.

Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass diese so freundlich wirkende Haltung diametral gegen die Streitkultur der Aufklärung verstößt, auf der der moderne Rechtsstaat gründet. "Mehr Respekt bitte!" ist ein Totschlagargument, das jede vernünftige Debatte zum Erliegen bringt.

"Respekt" (von lateinisch "respectus": Zurückschauen, Rücksicht) bezeichnet eine Form der Achtung und Ehrerbietung gegenüber einer anderen Person, ihren Handlungen oder Überzeugungen. Keine Frage: Für aufgeklärte Zeitgenossen ist es eine pure Selbstverständlichkeit, Menschen als Menschen wertzuschätzen. Doch gilt dies auch für alle Überzeugungen, die Menschen an den Tag legen? Ganz gewiss nicht. 

Wie etwa könnten wir aus einer aufklärerischen Perspektive heraus Glaubensüberzeugungen respektieren, die noch immer – im 21. Jahrhundert! – gegen Schwule und Ehebrecherinnen agitieren?

Nein, hinter solchem Respekt verbirgt sich meist bloß Ignoranz beziehungsweise Feigheit, die sprichwörtlich geworden ist: Der Klügere gibt nach – was der Dummheit schon häufig zum Sieg verholfen hat.

Respekt für Respektlose?

Die Absurdität der gegenwärtigen Debatte zeigt sich nicht zuletzt darin, dass Respekt ausgerechnet jenen gegenüber eingefordert wird, die hinlänglich bewiesen haben, dass ihnen jeder Respekt gegenüber Andersdenkenden fehlt. Verwunderlich ist dieses Defizit nicht, wenn man die Heiligen Schriften kennt. So erwartet "die Ungläubigen" laut Koran nicht bloß das "ewige Feuer", sie werden in der "Hölle" mit "Eiterfluss" und "Jauche" getränkt (Suren 14,16 und 78,25), erhalten einen "Trunk aus siedendem Wasser" (Sure 6,70), der ihnen die "Eingeweide zerreißt" (Sure 47,15), werden mit "eisernen Keulen" geschlagen (Sure 22,21), müssen Kleidungsstücke aus flüssigem Kupfer und Teer tragen (Sure 22,19) und vieles andere mehr. Immer wieder wird im Koran betont, wie sehr Allah "die Ungläubigen" hasst – sie gelten ihm gar als die "schlimmsten Tiere" (Sure 8,55) – und dass es für den gläubigen Muslim eine heilige Pflicht sei, den Zorn Gottes an ihnen zu vollstrecken (Suren 8,15-16). Eine gute Grundlage für den respektvollen Umgang mit Andersdenkenden ist dies sicherlich nicht.

Mit Mitgefühl oder gar Respekt dürfen "die Feinde Gottes" aber auch in der Bibel nicht rechnen. Denn es steht geschrieben: "Du wirst alle Völker verzehren, die der Herr, dein Gott, für dich bestimmt. Du sollst in dir kein Mitleid mit ihnen aufsteigen lassen" (Deuteronomium, 7,16-17). Auch im Neuen Testament wird die Bestrafung "der Bösen" immer wieder in schillerndsten Farben ausgemalt. So verkündet das Matthäus-Evangelium, dass der "Menschensohn seine Engel aussenden" wird, die diejenigen, die "Gottes Gesetz übertreten haben, (…) in den Ofen werfen, in dem das Feuer brennt. Dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen" (Mt. 13,41-43). Nicht besser kommen die Fehl- und Nichtgläubigen bei Paulus weg: Die, die sich weigern, (den christlichen) Gott anzuerkennen, sind, so der Apostel, "voll Ungerechtigkeit, Schlechtigkeit, Habgier und Bosheit, voll Neid, Mord, Streit, List und Tücke, (…) sind überheblich, hochmütig und prahlerisch, erfinderisch im Bösen (…) Wer so handelt, verdient den Tod" (Römer 1,28-32).

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Kommentare

1234 Kommentare Seite 1 von 152
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Eine Religion, die Nächstenliebe zum Leitprinzip....

...erhoben hat, verdient m.E. Anerkennung und Respekt, egal ob man an Gott glaubt oder nicht. Kein Mensch weiß, wie es bei uns zugehen würde, wenn die christliche Prägung unserer Gesellschaft fehlen würde. Wären wir mit der germanischen Götterwelt besser gefahren? Ginge es in einer rein atheistischen Gesellschaft nur noch um Geld...?

Dass irgendwo irgendwer irgendeinen Film ins Netz stellt, der irgendeine Religion auf geschmacklose Art und Weise beleidigt, wird freilich immer wieder passieren und lässt sich nicht verhindern. Das sollte auch den Muslimen klar sein.

Kritik ja, Spott nein

"Genau deswegen sollten wir, wie im Artikel zu Recht ausgeführt, Kritik und Spott gegenüber Religionen zulassen und wenn nötig auch verteidigen."

Kritik ja. Spott nein. Wer aufklären will, der kann das nicht mit Spott. In der Schule sagt am ersten Schultag auch kein Lehrer "Ihr dummen Kinder wisst ja nichts, also fange ich jetzt an euch Idioten etwas beibringe, so unfassbar blöd wie ihr seid..."

Wenn Sie so wollen

"Kritik ja. Spott nein. Wer aufklären will, der kann das nicht mit Spott."

Schon richtig. Spott mag nicht konstruktiv sein, aber erlaubt. Wem etwas zu Unrecht verboten werden soll, der verdient Solidarität (nicht notwendigerweise Respekt). In so fern ist es Notwendig, auch Spott zu verteidigen (nicht gegen der Vorwurf, unkonstruktiv zu sein, sondern gegen Verbotsversuche).

Alle über einen Kamm scheren

Schmidt-Salomon erwähnt, Zitat: "dass Respekt ausgerechnet jenen gegenüber eingefordert wird, die hinlänglich bewiesen haben, dass ihnen jeder Respekt gegenüber Andersdenkenden fehlt. Verwunderlich ist dieses Defizit nicht, wenn man die Heiligen Schriften kennt."
.
Im Klartext: Im Koran, im Neuen Testament, im jüdischen Tanach stehen brutale Dinge, also sind die Gläubigen selber brutal. Also: Christliche Scheiterhaufen, also islamischer Lynchmob im Nahen Osten, also ... Nein! Über die Juden steht nichts da. Die Schlussfolgerung ist zum Greifen nah. Aber Schmidt-Salomon rührt sie nicht an. Ist schon zu viel Unheil damit passiert.
.
Alle über einen Kamm scheren - Ist dies die Ideologie der Zukunft in diesem Land? Dann werde ich, als Evangelischer, zu den Bösen gehören. Ich kapituliere vor so viel Ignoranz. Statt zu antworten, suche ich mir einen Staat, der mir Asyl gewähren wird.

Viele Diktaturen hatten schon ein Problem mit dem...

...Christentum. Betont atheistische Systeme wie der Stalinismus, der Albanien zu Zeiten von Enver Hoxha etc. haben nicht ohne Zufall die Religion bekämpft, weil sie die einzige nennenswerte moralische Instanz im Land war. Denken sie weiterhin an die Rolle der Kirchen in der DDR. Auch die nationalsozialistische Ideologie war tendenziell atheistisch, kirchenfeindlich, (sozial-)darwinistisch, teilweise auch anknüpfend an antikem oder germanischem Heidentum. Im Christentum gibt es jedenfalls kein "Recht des Stärkeren". Dass nicht jeder Deutsche bei der Ausplünderung und Vernichtung der Juden, bei der Tötung Behinderter etc. etc. dabei war, man die größten Verbrechen doch lieber verheimlichte, schreibe ich schon der christlichen Prägung unseren Landes zu.

Islamismuskritiker zerfleischen?

Schade eigentlich,

da terrorisieren islamistische Gewalttäter unschuldige Menschen aus ungerechtfertigten Gründen und deshalb sind auch alle anderen Religiösen zu verdammen oder gar zu hassen, da hakt ja auch die Logik und es ist zudem ungerecht, wenn nicht unverantwortlich,

wer die Menschenrechte wirklich gegen die islamistische Gefahr verteidigen will, täte vielleicht besser daran, mit allen Verteidigern der Menschenrechte zusammen zu arbeiten, statt im eigenen Sektenzirkel kleben zu bleiben, sorry,

das gilt schon für die demokratische Zusammenarbeit mit demokratischen Muslimen und sicher auch für Buddhisten und Christen, von denen gar keine vergleichbaren Pogrome ausgehen, so viel Differenzierungsfähigkeit sollte ein vernünftiger Mensch doch besitzen,

die religiöse Auseinandersetzung darf man schon auch führen, aber sie muss von der politischen getrennt geführt und kenntlich gemacht werden, sonst wird man selber intolerant

und vor allem bündnisunfähig, wo ja die Kritiker islamistischer Menschenrechtsverbrechen nicht gerade so reichlich gesät sind, dass sie es sich leisten könnten, alle politisch Gleichgesinnten aber religiös Andersdenkenden schon zum Teufel zu jagen

wenn die Zusammenarbeit der Menschenrechtsverteidiger misslänge zugunsten der Menschenrechtsgegner wäre es einfach tragisch, wie gesagt schade eigentlich

Was für ein unfassbarer Unsinn.

Seit wann bitte sind die Kritiker islamistischer Verbrechen rar gesät? Unsere ganze Außen- und Sicherheitspolitik im Westen ist darauf ausgerichtet, täglich kommen Meldungen, die uns suggerieren, wie "gefährlich" diese Leute doch sind, ja, bedrohlich für uns.

Ich wüsste auch gerne, inwiefern Muslime "Pogrome" durchführen... Also, mir ist z.B. in den vergangenen Jahren - trotz des kolportierten Hasses auf den Tod - kein Fall zu Ohren gekommen, bei dem Juden systematisch verfolgt worden wären o.ä.

Um es kurz zu machen: Dass "islamistische Gewalttäter unschuldige Menschen aus ungerechtfertigten Gründen [terrorisieren]", ist nicht nur kein Grund, andere Religionen zu beschimpfen (wobei man über die Existenz institutionalisierter Religion m.E. gerne einen Diskurs haben darf), sondern es ist auch kein Grund, den Islam zu beschimpfen, da es sich hier um einen verschwindend geringen Teil von Fanatikern handelt.

Aha...

...Wie wäre es, wenn ich der Meinung wäre, Ihre Leiche sollte, wenn Sie denn einmal sterben, den Hunden zum Fraß vorgeworfen werden, anstelle sie standesgemäß zu bestatten? Würden Sie dieser Meinung Respekt zollen?

Warum also sollte ich der Meinung eines Gläubigen Respekt zollen, dass meine Seele nach meinem Tod unendliche Höllenqualen erleidet?

Und im Übrigen: Ich kann Menschen respektieren. Aber ich respektiere keine Meinungen, die ich für dumm halte. Ich nehme, an, Sie halten sich für tolerant? Denken Sie einmal scharf nach. Ich denke, Sie werden sehen, dass Sie es genauso halten wie ich und möglicherweise meine Haltung (die auch im Artikel vertreten wird) nachvollziehen können

Selber denken

Der Film wurde doch nicht gemacht, weil die Filmemacher die Gläubigen respektieren, sondern weil die Filmemacher die Gläubigen auf möglichst verletzende Weise provozieren wollen.

Respekt heißt doch nicht, sich nur nicht gegenseitig den Kopf abzuhauen, sondern eben auf respektable Weise miteinander umzugehen.

Z. B. ist bei uns das Holocaust-Leugnen eben verboten, weil es den Leiden der Juden und anderen Holocaust-Opfer den Respekt versagt, indem der Holocaust in Abrede gestellt wird.

Respekt heißt z. B. auch, Schwarze nicht Nigger zu nennen. Religionsfreiheit heißt, dass die Religion eines anderen als dessen Glauben respektiert wird und der Gläubige nicht deswegen provoziert wird.

Nochmal, der Film ist eine Provokation, wie Nigger ein Schimpfwort für einen Schwarzen ist, oder zu sagen ein Jude hätte eine jüdische Art. Wer sich solcher Provokationen bedient, kann nicht die Meinungsfreiheit für sich reklamieren. Respekt muss auf Gegenseitigkeit beruhen.

"Diese Ausnahme ist allein durch die aussergewöhnlichen NS-

-Verbrechen der deutsche Geschichte im 20. Jhdt. gerechtfertigt."

Machen Sie sich kundig, statt Unwahrheiten zu behaupten. Es gibt viele Länder, die Gesetze gegen Verleumdung und/oder Rassenhass haben.

Wikipedia dazu: »Seit 2008 sind die EU-Mitgliedsländer per Rahmenbeschluss verpflichtet, „das öffentliche Billigen, Leugnen oder gröbliche Verharmlosen von Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen“ unter Strafandrohung zu stellen, wenn diese Verbrechen „nach den Kriterien der Rasse, Hautfarbe, Religion, Abstammung oder nationale oder ethnische Herkunft“ begangen wurden.«

Zu 2: Endlich einmal Differenzierung in Wort und Argument!

Natürlich muss man zwischen Respekt und Toleranz differenzieren, weil es keine Synonyme sind. Dementsprechend habe ich auch den ZO-Artikel kritisiert. Gerade Journalisten sollten nicht einfach die Wortwahl von Politikern oder Beteiligten aufgreifen.http://www.zeit.de/gesell...

Ebenso war es erfreulich, dass ein Artikel die Respektlosigkeit der Religionen einmal darstellt. Sie drohen den Nichtgläubigen nicht nur mit der Hölle, wie oben dargestellt. Sie verteufeln Nichtgläubige als Atheisten, weil Atheisten teil ihrer Religion sind. Viele Nichtgläubige sind jedoch eher Agnostiker, weil sie wissenschaftlich argumentieren. http://www.zeit.de/politi...

Folglich kommt Schmidt-Salomon zur einzig logischen Konsequenz: Respekt ist für Religionen nicht erforderlich. Sie können frei ausgeübt werden, wenn sie toleriert werden. Ein gemeinsamer Staat kann aber nur aufrecht erhalten werden, wenn man respektlos diskutieren und debattieren darf.

Darüber hinaus sind die Muslime in Deutschland auf dem besten Wege, sich Respekt zu erarbeiten; Respekt für sich als Menschen und für ihre Religionsgemeinschaft. Sie werden dann erkennen, dass Respekt für die Religion nicht erforderlich ist. http://www.zeit.de/politi...

"Wie wäre es, wenn ich der Meinung wäre, Ihre Leiche sollte, ...

...wenn Sie denn einmal sterben, den Hunden zum Fraß vorgeworfen werden, anstelle sie standesgemäß zu bestatten?"

Es ist normal, an Würmer verfüttert zu werden. Was soll's?

Ohne Respekt wäre Ihr Ansinnen nur, wenn ein Glaube eines Lebenden es als besondere Schmach definiert, und Sie ihm damit drohen würden.

Wenn Sie einem Nicht-Gläubigen drohen, dass er in der Hölle schmoren wird, wird ihn das nicht sonderlich beunruhigen.

Sie könne jemanden nur mit seinem Glauben verletzen, wenn Sie wichtige Glaubenssätze, Tabus oder Bestrafungsmethoden daraus gegen ihn verwenden. Derjenige muss selbst daran glauben.

Das genau tut der Film. Das genau unterscheidet ihn von einer zu respektierenden Meinungsäußerung. Das macht ihn zur puren Provokation, die nicht mehr von der Meinungsfreiheit gedeckt ist.

Interessant für Sie ist vielleicht auch die Tatsache, dass in weiten Teilen Zentralasiens die Verfütterung der Leichname an die Tiere der Wildnis die bevorzugte Bestattungsart ist.
http://de.wikipedia.org/w...

Sehen Sie, und das ist ein grosses Problem -

betrachten Sie die verschiedenen ethnischen Säuberungen im Westen - seit dem 19. Jhdt., vom "Trail of Tears" bis zum Jugoslawien-Krieg, und vergessen Sie nicht die stalinistischen und nazistischen Aktionen.

Sie werden feststellen, dass man einige risikolos rechtfertigen oder herunterspielen darf, und andere nicht.

Das zeigt schon deutlich die Gefahr des politischen Missbrauchs, die darin liegt, dass man eine singuläre Reaktion auf ein singuläres Ereignis verallgemeinert.

Wer will denn in jedem Falle entscheiden, welche Sicht auf solche Ereignisse "richtig", und welche "falsch" ist?

Ich bin überzeugt davon, dass die Holocaust-Leugnung in Deutschland und in den von der deutschen Besetzung betroffenen Ländern richtig ist, aber deren Verallgemeinerung ein grosser Fehler, und eine inakzeptable Einschränkung unserer Meinungsfreiheit ist.

Erinnern Sie sich noch an den Krach, den es um die Erinnerung an die Vertreibungen 1945/46 ging?

Soll man alle Menschen vor den Kadi ziehen, die diese Aktionen gerechtfertigt oder verharmlost haben?

Oder soll man sagen: manche solche Taten sind "richtig" und andere "falsch", und das hängt von der herrschenden politischen Richtung ab?

Ich bevorzuge die Haltung der Amerikaner in dieser Frage - wie gesagt mit Ausnahme der Holocaust-Leugnung, aber eben als Ausnahme aus den bekannten Gründen.

@akademischer Realist

"Ebenso war es erfreulich, dass ein Artikel die Respektlosigkeit der Religionen einmal darstellt. Sie drohen den Nichtgläubigen nicht nur mit der Hölle, wie oben dargestellt. Sie verteufeln Nichtgläubige als Atheisten, weil Atheisten teil ihrer Religion sind. Viele Nichtgläubige sind jedoch eher Agnostiker, weil sie wissenschaftlich argumentieren."

Sorry, aber das ist ist Humbug. Wir sind nicht mehr im Jahre 1135. Im Gegenteil, der evangelische Kirchentag hat vor Jahren schon mal den Dalai Lama als Sprecher eingeladen. Die Behauptung, die Religionen würden prinzipiell ausgrenzen muss in der Form schon als üble Nachrede angesehen werden. Da hilft auch kein genüssliches Zitieren des Autors, denn ohne textlichen und historischen Kontext ist das schlicht und ergreifend akademisches Fehlverhalten - und es bedeutet genau das zu tun, was man anderen vorwirft: Allein auf der Basis einer abweichenden Weltanschauung zu verteufeln.

"Folglich kommt Schmidt-Salomon zur einzig logischen Konsequenz: Respekt ist für Religionen nicht erforderlich. Sie können frei ausgeübt werden, wenn sie toleriert werden. Ein gemeinsamer Staat kann aber nur aufrecht erhalten werden, wenn man respektlos diskutieren und debattieren darf."

Umgekehrt wird ein Schuh draus: Ein gemeinsamer Staat kann nur dann aufrecht erhalten werden, wenn man respektvoll diskutiert und kritisiert. Denn nur dann bewirkt man auch etwas. Mit Beleidigungen und Unterstellungen kommt man nicht weit.

Addendum zu #419

"Das genau tut der Film. Das genau unterscheidet ihn von einer zu respektierenden Meinungsäußerung. Das macht ihn zur puren Provokation, die nicht mehr von der Meinungsfreiheit gedeckt ist."

Eigentlich geht es ja nicht um den Film, aber es ist folgendes dazu zu sagen:

Ja, der Film, der momentan die islamische Welt in Atem hält, ist eine gezielte Provokation und auch ich respektiere ihn nicht als Meinungsäußerung, aber es ist auch am Empfänger einer Aussage, diese als respektable Meinungsäußerung zu erkennen.
Ist es nicht eher so, dass die muslimische Welt solch schwachsinnige Darstellungen Mohammeds (ich halte ihn zwar auch nicht für ganz richtig im Kopf... aber Sie verstehen den Unterschied) durch ihre Reaktion adelt? Wäre es nicht besser, den Erschaffer dieses "Machwerks" nicht mit Wut anzuerkennen, sondern ihn seiner Dummheit und seines "simplen" Charakters wegen zu verhöhnen?

Das ist es jedenfalls, was ich tun würde. Ich zeige damit keinen Respekt vor der Meinung, aber ich adele sie auch nicht dadurch, dass ich sie so ernst nehme, dass ich mich ärgere.

Korrektur, wichtig

"Ich bin überzeugt davon, dass die Strafbarkeit der Holocaust-Leugnung in Deutschland und in den von der deutschen Besetzung betroffenen Ländern richtig ist, aber deren Verallgemeinerung ein grosser Fehler, und eine inakzeptable Einschränkung unserer Meinungsfreiheit ist."

So muss es natürlich heissen. In der hitze des Gefechts ist "Strafbarkeit der" unter den Tisch gefallen.

Honni soit qui mal y pense!

Ich bin eher selten

einer Meinung mit Zeit-Online Artikeln, aber der hier spricht endlich mal die Wahrheit.

Was die Schmähungen der Gläubigen angeht, ich als aufgklärter Mensch schmähe bestenfalls den Glauben, nicht aber den Menschen selbst. Wer das nicht sieht hat, naja, Pech gehabt.

Ich freue mich auf den Tag, an dem wir die Jesus' und Mohammeds dieser Welt endlich hinter uns lassen. Das wird ein guter Tag. Leider erlebe ich ihn nicht, vielleicht kommt er auch erst, wenn die Menschen nicht mehr sind, wer weiß das schon.

Herr Schmidt-Salomon verbrennt einen Strohmann

Er zeichnet ein Zerrbild - zumindest des Christentums, für den Islam kann ich nicht sprechen - und begründet damit seine Argumentation. Dass er dafür so viel Beifall bekommt, zeigt, dass viele seine Vorurteile gegenüber - fundamentalistischen? - Christen teilen.

Aber selbst wenn sie zuträfen wäre es bedenklich, Christsein als crimen exceptum zu behandeln, dem die üblichen Rechte - hier: Respekt - nicht gewährt zu werden brauchen.

Beides widerspricht den Idealen der Aufklärung, auf die Herr Schmidt-Salomon sich ja beruft.

Was die Vorurteile gegenüber Christen angeht:
- Religiosität ist eine Falle in die alle Menschen treten, nicht nur Christen. Es gibt auch eine atheistische und eine humanistische Religiosität. Herr Schmidt-Salomon betreibt hier ja im Grunde nichts anders als religiösen Chauvinismus.
- Religiosität verdient Kritik, keine Frage. Dabei ist Gott in der Bibel selbst der größte Kritiker von Religiosität, genauso Jesus.
- Daneben gibt es aber die echte Beziehung zu Gott, die eine Veränderung des Charakters zur Folge hat. "Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt, denn Gott ist Liebe." (1. Joh 4,8). Diese Lebensverändernde Beziehung zu Gott, ist, was Christen anstreben. Laut Jesus ist es nur dann möglich, andere Menschen vom Christentum zu überzeugen (Joh 13,35)

Das beste Mittel gegen Vorurteile, ist, sich mit den betroffenen Menschen persönlich auseinanderzusetzen. Aber manche wollen eben ihre Feindbilder nicht gefährden.

Kritik ist das eine

aber eine Strohmann zu verbrennen ist keine Kritik, sondern Verleumdung.

Die "Desensibiliserung", die Herr Schmidt-Salomon vorschlägt, hat auch nichts mit legitimer Kritik zu tun, sondern es geht darum, Christen gezielt zu verletzen und gegen sie zu hetzen. Das ist ein Angriff auf die Person, nicht auf die Lehre.

Ansonsten stimme ich Ihnen zu. Soweit es um legitime Kritik geht habe ich keine Einwände. Und ich bekenne mich ebenfalls zu dem fairen Wettbewerb, den Sie vorschlagen - und widerlege damit Ihr Vorurteil, dass Christen dazu nicht in der Lage wären.

Ich bestehe aber auf Fairness, und die lässt Herr Schmidt-Salomon schwer vermissen.

Auch Platz für "gute" und "böse" Satire

"Mit Mitgefühl oder gar Respekt dürfen
"die Feinde Gottes" aber auch in der Bibel
nicht rechnen."

Und doch ist das Reich Mohammeds ein völlig
anderes als das Reich von dem Jesus spricht.
Mohammed bezieht sich auf einen Gottesstaat
der schon jetzt auf der Erde beginnen soll,
deshalb hat er wenig Respekt für politische ,
religiöse und ideologisch Andersdenkende.
Seinen Feinden begegnete er teilweise mit
roher tödlicher Gewalt.

Jesus bezieht seinen Glauben auf seine
Aussage: Mein Reich ist nicht von dieser
Welt! Folgedessen kann er seinen Feinden
mit Respekt,Toleranz und Nächstenliebe
begegnen. Seine geistige Haltung ist deshalb
auch keine Gefahr für einen freiheitlichen
demokratischen Rechtsstaats.
Jesus Welt auf dieser Erde ist eine
Intellektuelle und deshalb gibt es hier
auch Platz für "gute" und "böse" Satire.

Damit der "Dummheit" nicht wieder zum Sieg verholfen wird.

Ich schätze Herrn Schmidt-Salomons Gedanken und Respektere seine Position. Trotzdem glaube ich, dass es sich der Autor einfach macht und mehr durch Wortgewandtheit als - ganz im Sinne der Aufklärung - durch auch Gedankengänge zu überzeugen.

Natürlich sollte man auch großen Ideen Respekt entgegenbringen, auch (oder gerade ?) wenn man sie nicht teilt. Nur so kann man sich auf Augenhöhe über die Gedanken austauschen und überzeugen.
Ohne Respekt gegenüber einer vermeintlich falschen Meinung kann man aus der Position der Stärke anderen seine Meinung beeindruckend "vor den Kopf knallen", überzeugen tut man damit aber oft nur die eigenen "Jünger".

Leider hatt auch Herr Schmidt-Salomon vielleicht aus unwissenheit Passagen aus dem Koran und der Bibel aus dem Kontext zitiert.
Als Beispiel die Textstelle aus dem Matthäus Evangelium: Hier werden die, die "Gottes Gesetz übertreten haben am Ende vernichtet. Ob die Beschreibung bildlich oder symbolisch gemeint sind kann man diskutieren, man sollte aus meiner sicht aber nicht postulieren, dass die, die nicht an Gott glauben automatisch "Gottes Gesetz übertreten haben" man sollte aus dem Gleichen Buch wenige Kapitel später (Mat. 25) betrachten, dass genau diese falsche Vorstellung bekämpft wird. Gott sagt "ich kenne euch nicht" zu Leuten, die in Gottes Namen wunder vollbrachten andere, die den kranken und schwachen geholfen haben nimmt er zu sich, denn was wir den gering geachtet getan haben, das haben wir ihm getan.

Zustimmung, aber...

"Was Ihr dem geringsten von Euch angetan habt, das habt ihr mir getan" ist meines Wissens ein Ausspruch von Jesus Christus und bezieht sich hier auch auf ihn und nicht auf "Gott".
Das möchte ich auch so differenziert diskutiert sehen, wie es im NT steht. Für mich ist Jesus Christus vorstellbar und ich kann ihn respektieren, liebhaben und verinnerlichen, während ich mit einem "Gott" weder emotional noch intellektuell etwas anfangen kann. Was immer sich jemand unter dieser Methapher vorstellen mag- "antun" können wir Menschen ihr(der Methapher)nichts.

Richtig, der Menschensohn

in Vers 40 ist der Wortlaut:
"Darauf wird der König ihnen antworten: ›Ich sage euch: Was immer ihr für einen meiner Brüder getan habt – und wäre er noch so gering geachtet gewesen –, das habt ihr für mich getan.‹"
Und mit König ist vermutlich im Kontext mit Vers 31 der Menschensohn gemeint.
Nur sind Gott Vater und Gott Sohn wesensgleich - daher macht es keinen Unterschied. Es gibt aus meiner Sicht keinen bösen Gott-Vater und den lieben Gott-Sohn. Es hätte keinen Unterschied gemacht, wenn Jesus im Himmel geblieben wäre und der Vater auf die Erde gekommen wäre um sich am Kreuz zu opfern.

Wenn Sie mir ihre e-mail geben können wir dies gern anderen Orts ausdiskutieren, da es nicht ganz das Thema "Kein Respekt den religiösen Gefühlen" trifft.

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