ReligionenRespekt? Wovor denn?

Respekt vor religiösen Gefühlen!, heißt es allenthalben. Michael Schmidt-Salomon hält es für falsch, auf die Befindlichkeiten von Gläubigen groß Rücksicht zu nehmen. von Michael Schmidt-Salomon

Eine Kirche und eine Moschee in Ramallah, Westjordanland

Eine Kirche und eine Moschee in Ramallah, Westjordanland  |  © Mohamad Torokman/Reuters

Es wirkt wie ein bedingter Reflex: Kaum gehen religiöse Fanatiker auf die Barrikaden , sind westliche Politiker und Journalisten zur Stelle, um Respekt für religiöse Gefühle einzufordern. So war es vor sechs Jahren im Zuge des Karikaturenstreits, so ist es heute bei den Protesten gegen das trashige YouTube-Filmchen Die Unschuld der Muslime . Im ersten Moment mag die Forderung sogar vernünftig erscheinen: Denn wäre es nicht schön, wenn wir alle etwas respektvoller miteinander umgehen würden?

Michael Schmidt-Salomon
Michael Schmidt-Salomon

ist Schriftsteller und Philosoph sowie Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung.

Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass diese so freundlich wirkende Haltung diametral gegen die Streitkultur der Aufklärung verstößt, auf der der moderne Rechtsstaat gründet. "Mehr Respekt bitte!" ist ein Totschlagargument, das jede vernünftige Debatte zum Erliegen bringt.

"Respekt" (von lateinisch "respectus": Zurückschauen, Rücksicht) bezeichnet eine Form der Achtung und Ehrerbietung gegenüber einer anderen Person, ihren Handlungen oder Überzeugungen. Keine Frage: Für aufgeklärte Zeitgenossen ist es eine pure Selbstverständlichkeit, Menschen als Menschen wertzuschätzen. Doch gilt dies auch für alle Überzeugungen, die Menschen an den Tag legen? Ganz gewiss nicht. 

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Wie etwa könnten wir aus einer aufklärerischen Perspektive heraus Glaubensüberzeugungen respektieren, die noch immer – im 21. Jahrhundert! – gegen Schwule und Ehebrecherinnen agitieren?

Nein, hinter solchem Respekt verbirgt sich meist bloß Ignoranz beziehungsweise Feigheit, die sprichwörtlich geworden ist: Der Klügere gibt nach – was der Dummheit schon häufig zum Sieg verholfen hat.

Respekt für Respektlose?

Die Absurdität der gegenwärtigen Debatte zeigt sich nicht zuletzt darin, dass Respekt ausgerechnet jenen gegenüber eingefordert wird, die hinlänglich bewiesen haben, dass ihnen jeder Respekt gegenüber Andersdenkenden fehlt. Verwunderlich ist dieses Defizit nicht, wenn man die Heiligen Schriften kennt. So erwartet "die Ungläubigen" laut Koran nicht bloß das "ewige Feuer", sie werden in der "Hölle" mit "Eiterfluss" und "Jauche" getränkt (Suren 14,16 und 78,25), erhalten einen "Trunk aus siedendem Wasser" (Sure 6,70), der ihnen die "Eingeweide zerreißt" (Sure 47,15), werden mit "eisernen Keulen" geschlagen (Sure 22,21), müssen Kleidungsstücke aus flüssigem Kupfer und Teer tragen (Sure 22,19) und vieles andere mehr. Immer wieder wird im Koran betont, wie sehr Allah "die Ungläubigen" hasst – sie gelten ihm gar als die "schlimmsten Tiere" (Sure 8,55) – und dass es für den gläubigen Muslim eine heilige Pflicht sei, den Zorn Gottes an ihnen zu vollstrecken (Suren 8,15-16). Eine gute Grundlage für den respektvollen Umgang mit Andersdenkenden ist dies sicherlich nicht.

Mit Mitgefühl oder gar Respekt dürfen "die Feinde Gottes" aber auch in der Bibel nicht rechnen. Denn es steht geschrieben: "Du wirst alle Völker verzehren, die der Herr, dein Gott, für dich bestimmt. Du sollst in dir kein Mitleid mit ihnen aufsteigen lassen" (Deuteronomium, 7,16-17). Auch im Neuen Testament wird die Bestrafung "der Bösen" immer wieder in schillerndsten Farben ausgemalt. So verkündet das Matthäus-Evangelium, dass der "Menschensohn seine Engel aussenden" wird, die diejenigen, die "Gottes Gesetz übertreten haben, (…) in den Ofen werfen, in dem das Feuer brennt. Dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen" (Mt. 13,41-43). Nicht besser kommen die Fehl- und Nichtgläubigen bei Paulus weg: Die, die sich weigern, (den christlichen) Gott anzuerkennen, sind, so der Apostel, "voll Ungerechtigkeit, Schlechtigkeit, Habgier und Bosheit, voll Neid, Mord, Streit, List und Tücke, (…) sind überheblich, hochmütig und prahlerisch, erfinderisch im Bösen (…) Wer so handelt, verdient den Tod" (Römer 1,28-32).

Leserkommentare
  1. Was Transparenz, Reformen und Demokratisierung sowohl in den amtlichen als auch den fundamentalistisch-freikirchlichen Kirchen angeht, hilft da nur konsequent austreten! Je schneller die Kirchen zahlende Mitglieder und auch Personal verlieren, um so schneller verlieren sie an Geld, Macht und Einfluss; und das ist gut so!

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    "einfach". Aber fuer Muslime koennte das je nach Land schlimm ausgehen.

    • Mike M.
    • 21. September 2012 14:50 Uhr

    ...erhoben hat, verdient m.E. Anerkennung und Respekt, egal ob man an Gott glaubt oder nicht. Kein Mensch weiß, wie es bei uns zugehen würde, wenn die christliche Prägung unserer Gesellschaft fehlen würde. Wären wir mit der germanischen Götterwelt besser gefahren? Ginge es in einer rein atheistischen Gesellschaft nur noch um Geld...?

    Dass irgendwo irgendwer irgendeinen Film ins Netz stellt, der irgendeine Religion auf geschmacklose Art und Weise beleidigt, wird freilich immer wieder passieren und lässt sich nicht verhindern. Das sollte auch den Muslimen klar sein.

    JA! Man lese sich diesen Witz hier einmal durch:

    http://www.sueddeutsche.d...

    Dachte erst, dass das Satire sei. Ist aber deren heiliger Ernst.

    Wobei ich ja doch gestehen muss, dass ich zu früh aus der Kirche ausgetreten bin. Ich hätte das sehr gerne dem Pfarrer noch ausführlich im Gespräch erläutert :-)

    • Alyena
    • 21. September 2012 17:24 Uhr

    Oh ja, wie sinnvoll....damit diese Religion, die in Afrika gerade überall wegen einem Video mit schlimmster Gewalt und Töten reagiert hier in unserem Land die Überhand gewinnt? Na dann schauen Sie sich unsere Welt mal an in 20 Jahren, wenn jeder so denkt wie Sie!!!

    • th
    • 21. September 2012 17:37 Uhr

    Die Empfehlung war ein Versehen. Sie wurde nun zurückgenommen. Danke, die Redaktion/mk

    Schmidt-Salomon erwähnt, Zitat: "dass Respekt ausgerechnet jenen gegenüber eingefordert wird, die hinlänglich bewiesen haben, dass ihnen jeder Respekt gegenüber Andersdenkenden fehlt. Verwunderlich ist dieses Defizit nicht, wenn man die Heiligen Schriften kennt."
    .
    Im Klartext: Im Koran, im Neuen Testament, im jüdischen Tanach stehen brutale Dinge, also sind die Gläubigen selber brutal. Also: Christliche Scheiterhaufen, also islamischer Lynchmob im Nahen Osten, also ... Nein! Über die Juden steht nichts da. Die Schlussfolgerung ist zum Greifen nah. Aber Schmidt-Salomon rührt sie nicht an. Ist schon zu viel Unheil damit passiert.
    .
    Alle über einen Kamm scheren - Ist dies die Ideologie der Zukunft in diesem Land? Dann werde ich, als Evangelischer, zu den Bösen gehören. Ich kapituliere vor so viel Ignoranz. Statt zu antworten, suche ich mir einen Staat, der mir Asyl gewähren wird.

    Schade eigentlich,

    da terrorisieren islamistische Gewalttäter unschuldige Menschen aus ungerechtfertigten Gründen und deshalb sind auch alle anderen Religiösen zu verdammen oder gar zu hassen, da hakt ja auch die Logik und es ist zudem ungerecht, wenn nicht unverantwortlich,

    wer die Menschenrechte wirklich gegen die islamistische Gefahr verteidigen will, täte vielleicht besser daran, mit allen Verteidigern der Menschenrechte zusammen zu arbeiten, statt im eigenen Sektenzirkel kleben zu bleiben, sorry,

    das gilt schon für die demokratische Zusammenarbeit mit demokratischen Muslimen und sicher auch für Buddhisten und Christen, von denen gar keine vergleichbaren Pogrome ausgehen, so viel Differenzierungsfähigkeit sollte ein vernünftiger Mensch doch besitzen,

    die religiöse Auseinandersetzung darf man schon auch führen, aber sie muss von der politischen getrennt geführt und kenntlich gemacht werden, sonst wird man selber intolerant

    und vor allem bündnisunfähig, wo ja die Kritiker islamistischer Menschenrechtsverbrechen nicht gerade so reichlich gesät sind, dass sie es sich leisten könnten, alle politisch Gleichgesinnten aber religiös Andersdenkenden schon zum Teufel zu jagen

    wenn die Zusammenarbeit der Menschenrechtsverteidiger misslänge zugunsten der Menschenrechtsgegner wäre es einfach tragisch, wie gesagt schade eigentlich

  2. Ein schöner Artikel, der in der Form endlich einmal geschrieben werden musste.

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    Respekt, also, muss in der aufgeklärten Gesellschaft den Gläubigen nicht entgegengebracht werden, aber den Schmähern, damit sie ihre Meinungsfreiheit ausleben dürfen?

    Gott schütze uns vor solchen Philosophen.

    Dieser Lesermeinung schließe ich mich vollumpfänglich an!

    Dieser Lesermeinung schließe ich mich vollumpfänglich an!

    Natürlich muss man zwischen Respekt und Toleranz differenzieren, weil es keine Synonyme sind. Dementsprechend habe ich auch den ZO-Artikel kritisiert. Gerade Journalisten sollten nicht einfach die Wortwahl von Politikern oder Beteiligten aufgreifen.http://www.zeit.de/gesell...

    Ebenso war es erfreulich, dass ein Artikel die Respektlosigkeit der Religionen einmal darstellt. Sie drohen den Nichtgläubigen nicht nur mit der Hölle, wie oben dargestellt. Sie verteufeln Nichtgläubige als Atheisten, weil Atheisten teil ihrer Religion sind. Viele Nichtgläubige sind jedoch eher Agnostiker, weil sie wissenschaftlich argumentieren. http://www.zeit.de/politi...

    Folglich kommt Schmidt-Salomon zur einzig logischen Konsequenz: Respekt ist für Religionen nicht erforderlich. Sie können frei ausgeübt werden, wenn sie toleriert werden. Ein gemeinsamer Staat kann aber nur aufrecht erhalten werden, wenn man respektlos diskutieren und debattieren darf.

    Darüber hinaus sind die Muslime in Deutschland auf dem besten Wege, sich Respekt zu erarbeiten; Respekt für sich als Menschen und für ihre Religionsgemeinschaft. Sie werden dann erkennen, dass Respekt für die Religion nicht erforderlich ist. http://www.zeit.de/politi...

    1988:
    Die Satanischen Verse erscheinen als Buch.
    Für Ajatollah Khomeini ist das Grund genug,
    die Muslime der Welt auf den Autor zu hetzen
    und 3 Millionen Dollar für dessen Kopf auszusetzen.

    2005:
    In Dänemark wird Mohammed mal karikiert,
    wie es mit Papst oder Rabbis tagtäglich passiert.
    Aus islamischen Ländern tönt als Antwort: Gewalt!
    Viele Menschen haben dafür mit dem Leben bezahlt.

    2012:
    Ein Filmchen auf YouTube - der Ärger ist groß -
    „verletzt“ die Muslime. Schon wieder geht‘s los!
    Im Fernsehen: erste Tote. Und Autos, die brennen.
    Tausende (Männer) demonstrieren - ob die den Film alle kennen?

    Und bei uns: 
    Gar viele höre ich all das mit für-und-wieder beklagen,
    doch viel zu wenige höre ich laut und klar sagen:
    Die Freiheit der Rede ist mit das höchste Recht!
    Und geht sie verloren - dann geht es uns schlecht!

    Ja:
    Die Freiheit der Rede gehört von allen verteidigt,
    selbst, wenn‘s dazu führt, dass man auch mich mal beleidigt!
    Denn Dialog und Leben erblühen nur dann,
    wenn JEDER OHNE ANGST sich FREI äußern kann.

    © Creative Commons, Bernd Gast, 17.September 2012

    einer Meinung mit Zeit-Online Artikeln, aber der hier spricht endlich mal die Wahrheit.

    Was die Schmähungen der Gläubigen angeht, ich als aufgklärter Mensch schmähe bestenfalls den Glauben, nicht aber den Menschen selbst. Wer das nicht sieht hat, naja, Pech gehabt.

    Ich freue mich auf den Tag, an dem wir die Jesus' und Mohammeds dieser Welt endlich hinter uns lassen. Das wird ein guter Tag. Leider erlebe ich ihn nicht, vielleicht kommt er auch erst, wenn die Menschen nicht mehr sind, wer weiß das schon.

    • gkh
    • 24. September 2012 11:15 Uhr

    Er zeichnet ein Zerrbild - zumindest des Christentums, für den Islam kann ich nicht sprechen - und begründet damit seine Argumentation. Dass er dafür so viel Beifall bekommt, zeigt, dass viele seine Vorurteile gegenüber - fundamentalistischen? - Christen teilen.

    Aber selbst wenn sie zuträfen wäre es bedenklich, Christsein als crimen exceptum zu behandeln, dem die üblichen Rechte - hier: Respekt - nicht gewährt zu werden brauchen.

    Beides widerspricht den Idealen der Aufklärung, auf die Herr Schmidt-Salomon sich ja beruft.

    Was die Vorurteile gegenüber Christen angeht:
    - Religiosität ist eine Falle in die alle Menschen treten, nicht nur Christen. Es gibt auch eine atheistische und eine humanistische Religiosität. Herr Schmidt-Salomon betreibt hier ja im Grunde nichts anders als religiösen Chauvinismus.
    - Religiosität verdient Kritik, keine Frage. Dabei ist Gott in der Bibel selbst der größte Kritiker von Religiosität, genauso Jesus.
    - Daneben gibt es aber die echte Beziehung zu Gott, die eine Veränderung des Charakters zur Folge hat. "Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt, denn Gott ist Liebe." (1. Joh 4,8). Diese Lebensverändernde Beziehung zu Gott, ist, was Christen anstreben. Laut Jesus ist es nur dann möglich, andere Menschen vom Christentum zu überzeugen (Joh 13,35)

    Das beste Mittel gegen Vorurteile, ist, sich mit den betroffenen Menschen persönlich auseinanderzusetzen. Aber manche wollen eben ihre Feindbilder nicht gefährden.

  3. Ein tobender Lynchmob verletzt meine Gefühle als jemand, der Menschen als zivilisiert und tolerant versteht?

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    ... werden? Wieso sollte überhaupt auf die Gefühle anderer Rücksicht genommen werden?

    Weil es etwas mit Anstand und Respekt zu tun hat.

    • Fabiana
    • 21. September 2012 13:06 Uhr

    bringt es meines Erachtens auf den Punkt: Respekt verdienen Personen (wenn ihn sich eben „verdienen“, d.h. selber die anderen achten), aber Meinungen sind frei diskutierbar – und ein Glaube gehört eben auch zu den Meinungen. Einem selber oder auch einer großen Gruppe können diese sehr wichtig und heilig sein, für andere gilt das nicht. War es nicht Kurt Tucholsky, der auf die Frage „Was darf die Satire?“ antwortete „alles!“. Und als die Satire nicht mehr alles durfte, herrschte Diktatur.

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    Ich stimme zu, dass zwischen Person und Meinung getrennt werden sollte, allerdings müssen sich Menschen keinen Respekt "verdienen", um Respekt zu erhalten. Auch ein Inhaftierter Verbrecher "verdient" Respekt. Falsches Verhalten muss bestraft werden, die sich falsch verhaltende Person sollte trotzdem geachtet werden.

    • Georg34
    • 21. September 2012 14:09 Uhr

    "Mit Mitgefühl oder gar Respekt dürfen
    "die Feinde Gottes" aber auch in der Bibel
    nicht rechnen."

    Und doch ist das Reich Mohammeds ein völlig
    anderes als das Reich von dem Jesus spricht.
    Mohammed bezieht sich auf einen Gottesstaat
    der schon jetzt auf der Erde beginnen soll,
    deshalb hat er wenig Respekt für politische ,
    religiöse und ideologisch Andersdenkende.
    Seinen Feinden begegnete er teilweise mit
    roher tödlicher Gewalt.

    Jesus bezieht seinen Glauben auf seine
    Aussage: Mein Reich ist nicht von dieser
    Welt! Folgedessen kann er seinen Feinden
    mit Respekt,Toleranz und Nächstenliebe
    begegnen. Seine geistige Haltung ist deshalb
    auch keine Gefahr für einen freiheitlichen
    demokratischen Rechtsstaats.
    Jesus Welt auf dieser Erde ist eine
    Intellektuelle und deshalb gibt es hier
    auch Platz für "gute" und "böse" Satire.

    ... Person A verdient kein Respekt, weil sie Person B nicht respektiert. Also respektiert Person B nicht Person A. Also darf Person C nicht Person B respektieren, da Person B Person A nicht respektiert, usw. usf.

    Merken Sie selbst, oder? Sich am Schlechten zu orientieren, ist prinzipiell keine gute Idee ...

    Wegen Doppelposting entfernt. Die Redaktion/kvk

    alles darf wird die Satire zur Diktatur.

    Ich schätze Herrn Schmidt-Salomons Gedanken und Respektere seine Position. Trotzdem glaube ich, dass es sich der Autor einfach macht und mehr durch Wortgewandtheit als - ganz im Sinne der Aufklärung - durch auch Gedankengänge zu überzeugen.

    Natürlich sollte man auch großen Ideen Respekt entgegenbringen, auch (oder gerade ?) wenn man sie nicht teilt. Nur so kann man sich auf Augenhöhe über die Gedanken austauschen und überzeugen.
    Ohne Respekt gegenüber einer vermeintlich falschen Meinung kann man aus der Position der Stärke anderen seine Meinung beeindruckend "vor den Kopf knallen", überzeugen tut man damit aber oft nur die eigenen "Jünger".

    Leider hatt auch Herr Schmidt-Salomon vielleicht aus unwissenheit Passagen aus dem Koran und der Bibel aus dem Kontext zitiert.
    Als Beispiel die Textstelle aus dem Matthäus Evangelium: Hier werden die, die "Gottes Gesetz übertreten haben am Ende vernichtet. Ob die Beschreibung bildlich oder symbolisch gemeint sind kann man diskutieren, man sollte aus meiner sicht aber nicht postulieren, dass die, die nicht an Gott glauben automatisch "Gottes Gesetz übertreten haben" man sollte aus dem Gleichen Buch wenige Kapitel später (Mat. 25) betrachten, dass genau diese falsche Vorstellung bekämpft wird. Gott sagt "ich kenne euch nicht" zu Leuten, die in Gottes Namen wunder vollbrachten andere, die den kranken und schwachen geholfen haben nimmt er zu sich, denn was wir den gering geachtet getan haben, das haben wir ihm getan.

  4. Ich bezeichne mich, falls erforderlich, als „Agnostiker“ (nur weil „Atheist“ in manchen Ohren zu aggressiv klingt). Obwohl ich in der Sache weitgehend mit Menschen wie Schmidt-Salomon, Dawkins oder Hitchens übereinstimme, kann ich mit deren anti-religiösem Sendungsbewusstsein wenig anfangen.

    In diesem Punkt aber hat Herr Schmidt-Salomon den Nagel einfach auf den Kopf getroffen:

    „"Mehr Respekt bitte!" ist ein Totschlagargument, das jede vernünftige Debatte zum Erliegen bringt.“

    Auch Respekt ist kein Selbstzweck, und Respekt kann überhaupt nur ernsthaft einfordern, wer selbst bereit ist, ihn zu üben.

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    > Auch Respekt ist kein Selbstzweck, und Respekt kann überhaupt nur
    > ernsthaft einfordern, wer selbst bereit ist, ihn zu üben.

    Diesen Satz kann man gar nicht hochgehalten ... und möglichst auf einer beidseitig beschriebenen Tafel, damit die Bornierten der einen wie der anderen Seite ihn gut lesen können.

    Hier krankt auch der Artikel von Herrn Schmidt-Salomon. Obwohl ich ihm in manchen (nicht allen) Thesen zustimmen kann, richtet sich seine Tafel nur in eine Richtung. Und gibt den Bornierten auf der anderen Seite das gute Gefühl, im Recht zu sein.

    • xpeten
    • 21. September 2012 14:29 Uhr

    Ist mir nicht so klar, wieso man auf solche Ohren Rücksicht nehmen muss.

    Generell sollen doch die, die behaupten, den Beweis führen, und nicht die, die nicht behaupten. Zudem geht die Agression doch nicht von den Nichtmitgliedern aus, sondern von den Mitgliedern, die es falsch finden, dass es Menschen gibt, die ncht Mitglied werden wollen. Insofern muss man den Unsinn auch ganz sicher nicht mitmachen, sich von Gläubigen zu der Erklärung nötigen zu lassen, wieso man nicht glaubt.

    dem agnostiker ist es egal, ob es einen gott gibt; der atheist bestreitet, dass es einen gott gibt.

    • krister
    • 21. September 2012 17:18 Uhr

    5."Auch Respekt ist kein Selbstzweck, und Respekt kann überhaupt nur ernsthaft einfordern, wer selbst bereit ist, ihn zu üben."

    Und zusätzlich finde ich,muß man/jeder sich Respekt verdienen.

    • hubermi
    • 21. September 2012 13:07 Uhr

    Volle Zustimmung!

  5. "ein religiöses Gefühl" denn nun sein soll, was soll man denn nun damit anfangen?

    So recht überprüfbar definieren und vorführen konnte das bisher keiner der mutmaßlich "Beleidigten"!

    MfG KM

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • toyak
    • 21. September 2012 13:15 Uhr

    verletzte ich Sie in Ihrer Ehre oder?

    Religiöses Gefühl ist also etwas ähnliches

    ein religiöses Gefühl, so wie das hier:

    "In unsers Busens Reine wogt ein Streben,
    Sich einem Höhern, Reinern, Unbekannten
    Aus Dankbarkeit freiwillig hinzugeben,
    Enträtselnd sich den ewig Ungenannten;
    Wir heißen’s: fromm sein! – Solcher seligen Höhe
    Fühl’ ich mich teilhaft, wenn ich vor ihr stehe"

    So sah es Goethe, der ganz gewiss kein religiöser Fanatiker war

    hat sich explizit mit dem religiösen Gefühl auseinander gesetzt. Lesen Sie doch mal, wenn Sie Zeit finden, seine "Reden über die Religion". Es lohnt sich.

    • S7ephan
    • 21. September 2012 13:08 Uhr

    des fliegenden Spagetti Monsters!
    Alle anderen Religionen liegen falsch mit ihren dubiosen Propheten! Die Offenbarung wird kommen, bis dahin führen wir vereint Krieg gegen alle Ungläubigen.

    Hug!

    Eine Leserempfehlung
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    • drxt2
    • 21. September 2012 13:45 Uhr

    Entfernt. Kein konstruktiver Kommentar. Die Redaktion/kvk

    • grrzt
    • 21. September 2012 19:13 Uhr

    Entfernt. Bitte kehren Sie zu einer sachbezogenen Diskussion zurück. Danke, die Redaktion/lv

    • troll44
    • 22. September 2012 3:43 Uhr

    sind wohl das merkwürdigste und in der Konsequenz fatalste Vehikel, das Menschen umtreibt, wenn die Vernunft auf der Strecke bleibt. Wenn "richtiger" Glaube sich in Gewalt und Unterdrückung äußert und auch noch Respekt fordert, stimmt da ganz gewaltig was nicht. Ich meine, sämtliche Texte, besonders auch was an Drohungen und Verurteilungen in Bibel und Koran stehen, sind nur von Menschen gemacht, mit dem Ziel, um jeden Preis Macht auszuüben. Quasi die dunkle Seite dieses Machtstrebens zeigt sich in dieser zerstörerischen Art der Religionsausübung, die sich auf entsprechende Suren und Textpassagen einschwört. Übelst, dass diese Texte auch noch als heilig verkündet werden und Unheil anrichten. Nur was an Auslegungen in Bibel und Koran die Menschen heil macht, quasi coacht für ein sozial verträgliches Leben im Umgang miteinander, dürfte als sogenannt heilig, d.h. heilend verkündet werden, zum Gebrauch als Metaphern, für Meditationen, mehr nicht. In unserer Zeit auf die ewig gestrige Art zu denken, zu reden, zu predigen, zu handeln, ist aber bestenfalls wie eine Verkündung aus der Mottenkiste.
    Religionen abzuschaffen, würde die Probleme und Neigungen zu Irrungen und Wirrungen wohl auch nicht aus der Welt schaffen. Es entstünde durch die Religionsabschaffer eine neue Religion, eine neue Glaubensgemeinschaft der Abschaffer mit wiederum neuen Gruppierungen inbrünstiger bis machtversessener Ab- und Beschaffer.
    Aufklärung, Aufklärung und nochmals Aufklärung!

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Allah | Ideologie | Koran | Spinne | Europa
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