Deutsche ÄngsteTerror-Angst ist out, Euro-Furcht in

Staatsschulden, der Euro und eine schlechtere Wirtschaftslage lösen derzeit die größten Ängste der Deutschen aus. Krieg und Terrorismus treten dagegen in den Hintergrund. von afp, dpa und dapd

Angst um die Währung: Ob die Euro-Scheine bald noch ein stabiles Zahlungsmittel sind, besorgt viele Deutsche.

Angst um die Währung: Ob die Euro-Scheine bald noch ein stabiles Zahlungsmittel sind, besorgt viele Deutsche.  |  © Michael Kappeler/ddp/dapd

Die Euro-Schuldenkrise macht den meisten Deutschen Angst. Knapp drei Viertel der Bundesbürger fürchten hohe Kosten für die Steuerzahler durch die Krise in einigen EU-Staaten, wie aus der von der R+V-Versicherung vorgelegten Langzeitstudie "Die Ängste der Deutschen" hervorgeht. Zudem haben knapp zwei Drittel Angst davor, dass der Bestand des Euro durch die Schuldenkrise gefährdet sein könnte.

Die Sorge um Wirtschaft und Finanzen treibt die Deutschen auch ganz konkret um: Bei den Ängste n, die in der Studie seit Langem abgefragt werden, liegt die Furcht vor steigenden Lebenshaltungskosten mit 63 Prozent an der Spitze. Auf den Plätzen zwei und drei folgen die Angst vor einer Überforderung der Politiker (55 Prozent) und vor einer schlechteren Wirtschaftslage (52 Prozent).

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Trotz des sinkenden Vertrauens in die wirtschaftliche Entwicklung hat nur jeder dritte Deutsche (32 Prozent) Angst, seinen Job zu verlieren. Dieser Wert sank damit im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozentpunkte auf den niedrigsten jemals in der Studie gemessenen Stand. Nur 1994 war die Sorge schon einmal so gering.

Am stärksten gingen die Angst vor Terroranschlägen und die Angst vor einem Krieg mit deutscher Beteiligung zurück – um jeweils elf Prozentpunkte. Die Furcht, dass Terroristen ein Attentat verüben, lag mit 39 Prozent auf dem niedrigsten Wert seit den Anschlägen vom 11. September 2001. Angst vor einem Krieg mit deutscher Beteiligung hatten nur 29 Prozent der Befragten.

"Grundängste" und Sonderthemen

Seit mehr als 20 Jahren werden in der repräsentativen Studie jeweils etwa 2.500 Deutsche befragt. Abgefragt wird alljährlich ein fester Katalog an Grund ängste n wie Krankheit, Verlust des Arbeitsplatzes oder Terrorismus. Daneben werden stets Sonderbefragungen vorgenommen – in diesem Jahr zu den Themen Euro-Schuldenkrise, Atomenergie und Pflegebedürftigkeit.

Vor dem Hintergrund des aktuell robusten Arbeitsmarktes zeige das Ergebnis, "dass sich das Risiko, arbeitslos zu werden, nur auf einen Teil der Beschäftigten konzentriert, beispielsweise auf die geringer qualifizierten Arbeitnehmer", sagte der Heidelberger Politologe Manfred Schmidt , der die Studie begleitet. Die Angst, ein Pflegefall zu werden, nimmt zwar nicht zu, mit 50 Prozent liegt sie allerdings noch immer auf Platz fünf des Rankings.

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Leserkommentare
    • timscha
    • 06. September 2012 15:36 Uhr

    Abwechslung muss sein! Nachher gewöhnt man sich noch an die aktuelle Kriese und die lieben Politiker bekommen ihre tollen Ideen nicht mehr durch. Und das will doch niemand!

    • deDude
    • 06. September 2012 15:51 Uhr

    aber Harald Maertenstein hat's schon so herrlich zusammengefasst das sich die Mühe nicht lohnt.

    http://www.zeit.de/2011/4...

    Immer schön ängstlich bleiben, Freunde!!!

    • xpeten
    • 06. September 2012 16:04 Uhr

    Also bitte - nicht alle Deutschen haben ständig irgendwelche Ängste, für mich weise ich das sogar ausdrücklich zurück,

    die "Angst vor Terror" beispielsweise ist zweifellos auch eine Begleiterscheinung von Fremdenangst, aber auch darunter leidet ganz sicher nicht die gesamte deutsche Bevölkerung.

    Wäre doch mal eine Untersuchnung wert...

    • xpol
    • 06. September 2012 16:18 Uhr

    ... ist das mit dem Adrenalinausstoss, Schweissausbrüchen, Händezittern und Dünnpfiff.

    Hier wurde danach gefragt, aus welcher Richtung wohl der meiste Ärger anrollt.

    Die Antwort fällt ganz realistisch und unemotional aus.

  1. War doch klar, das über kurz oder lang irgendeine nachhaltige Lösung präsentiert werden mußte, um die Märkte zu beruhigen. Das diese Lösung natürlich die Vergemeinschaftung der Schuldenprobleme mit sich bringen wird, war sowieso klar. Schließlich hatten unsere Politiker in der Finnazkrise 2007 / 2008 / 2009 genauso reagiert.

  2. ... vor Dinosauriern.

  3. Man muss sich die Europapolitik folgendermaßen vorstellen: Die Krisenländer bekommen die nicht erhobenen und nicht gezahlten Steuern jetzt umsonst von der EZB. Wenn die jetzt unbegrenzt Staatsanleihen der Pleiteländer aufkauft, bedeutet das eine Finanzierung der Haushaltsdefizite nachträglich für nix. Und die dunmen Deutschen haben doch tatsächlich Steueren gezahlt, den Soli und die Mehrwersteuer erhöht. Und sie waren so doof Praxisgebühr zu bezahlen. Und demnächst gehen sie mit 700 Euro in Rente, wenn Draghi die nicht vorher noch weginflationiert. Wir hätten uns alles sparen können. Verjubeln wäre angesagt gewesen. Verjubeln für mehr soziale Gerechtigkeit, z.B. mehr Hartz IV. Wir haben durch Hartz IV eine halbe Generation enteignet, und die Krisenländer lachen sich jetzt krank. Anderen Ortes wurde fleißig die Steuer hinterzogen, und bei uns hat man die Ersparnisse der hart arbeitenden Mittelschicht verbraten. Das ist Europapolitik auf den Punkt gebracht. Angeleiert von Schäuble, Trittin und Gabriel die jetzt offen legen, wie deren Solidarität aussieht. Kostenlose Steuergeschenke für den ganzen Rest der EU.
    [...]
    Gekürzt. Bitte beachten Sie, dass das Profil zur Verlinkung auf Ihr privates Blog vorgesehen ist. Danke, die Redaktion/jk

  4. ...speisen sich eigentlich immer aus mangelnder Souveränität, wahrer Größe und fehlender Gelassenheit. Denn hat er es zu was gebracht, der deutsche Michel, dann bewacht er eifersüchtig und doch so ängstlich seine Errungenschaften. Sobald die erste Stufe des Erfolges erklommen ist, wird panisch nach unten abgegrenzt, sei es gegenüber vermeintlich schwächeren Mitschülern durch das mehrgliedrige Schulsystem oder dem in seinen Augen asozialen Prekariat, das seinen mühselig erworbenen Erfolg zunichte zu machen droht. Bezeichnend daher auch die Reaktion auf europäischer Ebene: Bei der ersten großen Krise zeigt er sein kleinbürgerliches Gesicht, schreit nach angeblich sicherer Nationalstaaterei und tritt auf die Schwächsten ein. Gelassene Solidarität oder gar großherziges Erkennen der Chancen eines stabilen Europa sind seine Sache nie gewesen, überfordern ihn regelmäßig und lassen ihn stets schnell an seine Grenzen stoßen...

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    • NoG
    • 07. September 2012 8:33 Uhr

    soll angeblich auch deutsch sein.
    ihr beitrag sonnt sich in einer selbstzufriedenheit, die auch deutsch sein soll...und richtig liegen natuerlich nur sie: auch typisch deutsch.

    oder etwa doch nicht?

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  • Quelle ZEIT ONLINE, DAPD, dpa, AFP
  • Schlagworte Finanzen | Anschlag | Arbeitnehmer | Arbeitsmarkt | Atomenergie | Attentat
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