Die künftige Gesellschaft - Utopie von Harald Welzer: Eine Welt ohne Wachstum

Ändern wird sich sowieso nichts. Dieser Satz ist zum Mantra geworden. Viele Menschen sagen ihn, und noch mehr werden ihn denken. Der Demokratie trauen sie nicht mehr viel zu, den Beharrungskräften des "Systems" dafür um so mehr.

Ändern wird sich sowieso nichts. Der Satz versprüht ein lähmendes Gift. Als sei alles festgefügt, die Machtverteilung, unsere Art zu wirtschaften, der Konflikt zwischen Arm und Reich oder Jung und Alt. Dieser Satz verleitet dazu, nicht mehr darüber nachdenken zu müssen, wie die Welt von morgen aussehen könnte. Er verhindert, Utopien zu Ende zu denken – und sich vorzustellen, wie unsere Gesellschaft aussähe, wenn sie Wirklichkeit würden.

Genau das wollen wir deshalb mit dieser Serie tun: Utopien zu Ende denken. In loser Folge wird ZEIT ONLINE Wissenschaftler, Unternehmer, Denker zu Wort kommen lassen, die nicht nur eine Utopie formulieren, sondern eine Zukunft beschreiben, in der diese Utopie Realität geworden ist.

Wie sähe beispielsweise unser Wirtschaftssystem aus, wenn Wachstum nicht mehr die oberste Maxime für wirtschaftliches Handeln wäre? Wenn wir uns von der Vorstellung verabschiedeten, Wachstum könne unendlich sein? Welche Auswirkungen hätte das auf die Gesellschaft, auf Unternehmen, auf die Politik?

Diese Fragen sind das Thema der ersten Folge. Wir haben sie dem Sozialpsychologen Harald Welzer gestellt. Der Direktor des Center for Interdisciplinary Memory Research in Essen hat zu den gesellschaftlichen Auswirkungen des Klimawandels geforscht und vor einiger Zeit die Stiftung Futurzwei gegründet. Auch dort geht es um die Zukunft : Die Website der Stiftung erzählt die Geschichte von Menschen, die damit begonnen haben, etwas zu ändern, damit die Zukunft eine andere wird.