StudieJeder Fünfte Deutsche lebt in Armut

Das Geld reicht nicht für eine vollwertige Mahlzeit, an Reisen ist nicht zu denken: Vor allem Frauen sind in Deutschland von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen. von dpa und dapd

Etwa jeder fünfte Deutsche war im vergangenen Jahr von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen – doch nur 5,3 Prozent fühlen sich tatsächlich arm und ausgegrenzt. Das ist das Ergebnis der Erhebung Leben in Europa 2011 , die das Statistische Bundesamt in Wiesbaden veröffentlicht hat. Demnach waren 19,9 Prozent der Bevölkerung oder 16 Millionen Menschen in Deutschland aus finanziellen Gründen beispielsweise nicht in der Lage, ihre laufenden Rechnungen zu begleichen, mindestens jeden zweiten Tag eine vollwertige Mahlzeit einzunehmen, in den Urlaub zu fahren oder sich einen Pkw zu leisten. 2010 war diese Quote 0,2 Prozent geringer.

Für die Studie wurden rund 13.500 Haushalte befragt. Frauen waren demnach mit einer Quote von 21,3 Prozent im Jahr 2011 häufiger von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen als Männer (18,5 Prozent). Während die unter 18-Jährigen mit einer Quote von 19,9 Prozent dem Bundesdurchschnitt entsprachen, waren ältere Menschen ab 65 Jahren seltener (15,3 Prozent) und Personen zwischen 18 und 64 Jahren häufiger (21,3 Prozent) betroffen.

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Nach einer Definition der EU ist Armut oder soziale Ausgrenzung gegeben, wenn bei den befragten Haushalten eines oder mehrere der drei Kriterien "Armutsgefährdung", "erhebliche materielle Entbehrung" oder "Haushalt mit sehr geringer Erwerbsbeteiligung" vorliegen.

Vor allem Frauen sind betroffen

Als von Armut bedroht gelten nach den Kriterien der Studie Menschen, deren Einkommen unter 952 Euro monatlich liegt – das sind 15,8 Prozent der Bevölkerung in Deutschland. Außerdem wurden die Menschen einbezogen, die in Haushalten mit sehr geringer Erwerbstätigkeit leben: In 11,1 Prozent der Haushalte wird nur wenige Monate im Jahr Arbeitslohn bezogen. Armut lasse sich nicht allein an einer Einkommensschwelle festmachen, sagte Destatis-Expertin Silvia Deckl.

Der Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Ulrich Schneider , sagte dagegen, der Indikator sage wenig aus. Er könne höchstens ein Signal sein. Wesentlich aussagekräftiger und objektiver sei die Armutsgefährdungsquote, die aus den Einkommen errechnet wird. Das Armutsrisiko in Deutschland sei seit 2005 etwa gleichgeblieben – die Gefährdungsquote liege seitdem bei etwa 15 Prozent. "Davon kommen wir nicht runter." Gründe seien deutlich zu niedrige Hartz-IV-Sätze und eine unzureichende Grundsicherung im Alter.

Finanzielle Zufriedenheit gestiegen

Vier Fünftel der Deutschen kommen dennoch finanziell gut bis sehr gut zurecht, zeigen die Ergebnisse einer aktuellen Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Der Anteil dieser "finanziell Zufriedenen" sei damit seit der vergangenen Untersuchung vor zwei Jahren sogar gestiegen.

Drei Prozent der Befragten gaben an, dass sie sich in keiner Weise einschränken müssen, 33 Prozent fühlen sich gut versorgt und können sich einiges leisten, weitere 45 Prozent kommen im Großen und Ganzen mit ihren finanziellen Mitteln gut zurecht. Gerade so über die Runden kommen hingegen 15 Prozent der Bevölkerung.

Laut GfK haben 72 Prozent der Beschäftigten trotz Euro-Krise und schwächelnder Konjunktur keine Angst um ihren Arbeitsplatz. Damit liegt Deutschland neben Österreich auf dem Spitzenplatz unter neun untersuchten europäischen Ländern. Zehn Prozent jedoch empfinden ihren Job als bedroht.

Auch ein am Dienstag veröffentlichtes Vermögensbarometer des Sparkassenverbandes weist die meisten Deutschen als optimistisch und konsumfreudig aus. Demnach beurteilten 57 Prozent der Befragten ihre persönliche Situation in finanzieller Hinsicht mit "gut" bis "sehr gut" – ein in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegener Wert. Nur neun Prozent gaben an, es gehe ihnen finanziell "eher schlecht". Für die repräsentative Studie wurden im Juli und August 2.000 Menschen in Deutschland telefonisch zu ihrem Umgang mit Geld befragt.

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Leserkommentare
  1. 1. .....

    "Das Geld reicht nicht für eine vollwertige Mahlzeit"

    Geld kann man beliebig kreieren, Ressourcen nicht. In der BRD schmeißen wir 1/3 der Lebensmittel weg (es gibt sogar Gammelfleisch-Skandale!!!).

    Und trotzdem hungern hier Menschen bzw. können sich nicht richtig ernähren.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wer diesen Zustand nicht pervers finden will der hat wohl nur die Möglichkeit sich hinter das Argument zurück zu ziehen, dass es eben so ist und das man mitmachen muss oder untergehen. Aber das tun alle. Und deshalb ändert sich nichts. Die Masse der Leute bekommt ja auch noch nichts davon mit. Außer, dass der Eine oder der Andere aus der Familie am Stock geht, weil er oder sie den Druck nicht mehr erträgt.
    Irgendwann kippt das Ganze. Ich glaube, dass es solche points of no return gibt. Auch innerhalb komplexer sozialer Prozesse,auf Staats- oder Völkerebene. Das heißt nicht dass man sich das wünschen sollte, weil das was dann frei gesetzt wird erst mal einfach destruktiv ist. Und darunter werden wie immer die am Meisten leiden die am wenigsten "Ellbogen" haben, die Schwächsten. Aber vermutliche wird es so kommen, wenn sich nichts ändert.

    mit dem Anderen zu tun? Das wir hier von relativer Armut, gegenüber Menschen in der dritten Welt sprechen, ok. Nur wir leben hier nicht in der dritten Welt, sondern in einem der reichsten Länder der Welt! Das sagt für mich nichts anders aus, als das hier sehr viel schief läuft, was die Verteilung des Wohlstands betrifft. Das fängt mit unserer Regierung an und hört mit der Gesellschaft auf, der es doch sehr gut geht. Oder doch nicht fast allen? Wenn ich mir so überlege was in den letzten 50 Jahren hier so abgegangen ist, kann man eigendlich nur mit dem Kopf schütteln, vor allem in den letzten 20 Jahren. Ich glaube da haben wir einiges versäumt zu verhindern. Denn vom Himmel, ist unsere heutige Situation, nicht gefallen!!! Die Frage ist doch, wie bekommen wir das wieder zum Besseren hin? Da habe ich den Eindruck, daß die die es bewirken könnten, gar keine Lust dazu haben, weil sie dann evtl. was abgeben müßten. Ne, das geht doch mal gar nicht!!!

    Die Armen wohl eher nicht.

    Es gibt in D Dinge, über die man nur entsetzt den Kopf schütteln kann:

    - Supermärkte, die ungeniert Vergammeltes und Verschimmeltes an Tafeln spenden, um so Entsorgungskosten zu sparen.

    - Supermärkte, die ihre Müllcontainer abschließen, damit ja niemand weggeworfene Lebensmittel "stehlen" kann. (Da ist das Prinzip dann plötzlich wichtiger, als die gesparten Entsorgungskosten?)

    Auch das ist absurde Realität in Deutschland.

    wurde eben nicht weggeschmissen, sondern noch verwertet.

  2. Wer diesen Zustand nicht pervers finden will der hat wohl nur die Möglichkeit sich hinter das Argument zurück zu ziehen, dass es eben so ist und das man mitmachen muss oder untergehen. Aber das tun alle. Und deshalb ändert sich nichts. Die Masse der Leute bekommt ja auch noch nichts davon mit. Außer, dass der Eine oder der Andere aus der Familie am Stock geht, weil er oder sie den Druck nicht mehr erträgt.
    Irgendwann kippt das Ganze. Ich glaube, dass es solche points of no return gibt. Auch innerhalb komplexer sozialer Prozesse,auf Staats- oder Völkerebene. Das heißt nicht dass man sich das wünschen sollte, weil das was dann frei gesetzt wird erst mal einfach destruktiv ist. Und darunter werden wie immer die am Meisten leiden die am wenigsten "Ellbogen" haben, die Schwächsten. Aber vermutliche wird es so kommen, wenn sich nichts ändert.

    Antwort auf "....."
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    Im Plural ("points") macht die Feststellung keinen Sinn. Das gilt im Übrigen auch für den Rest Ihres Kommentars.

    schon viel schlimmere Armut gegeben und da ist auch nichts gekippt. Seien Sie mal nicht so pathetisch-pessimistisch.

    ... sondern das Wohlstandsgefälle und die wachsende Ungleichheit, die eine Gefahr für Gesellschaft und Staat darstellen. Wenn eine zunehmende Zahl von Menschen nichts zu verlieren hat, wird sie sich auch immer weniger um die Regeln des Zusammenlebens scheren. Wer keine Solidarität erfährt, wird auch keine gewähren. Die Massenunruhen und -plünderungen in England im letzten Jahr sind dann erst der Anfang. Der britische Staat hat daruf mit maximaler Härte reagiert; denn bei wachsender Unzufriedenhait, Ungleichheit und abnehmender Solidarität bleibt dem Staat nur noch die Repression, um seinen Zusammenhalt zu sichern.

    Darin liegt hier die Gefahr. Vom Entstehen neofaschistischer Vereinigungen und politischer Gruppierungen wie der amerikanischen Tea Party mal ganz zu schweigen...

    • bonner
    • 23. Oktober 2012 12:05 Uhr

    Letztens beklagte sich eine Professorin, das ein Mittagessen in der Schule 4€, mindestens aber 3€50 kosten müsse, das aber stattdessen die armen Kinder mit 2€50 abgespeist würden.
    Dieser Artikel bewegt sich in die gleiche Richtung.

    Sorry, das ist Unsinn! Heute Mittag gibt´s bei mir Wirsing mit Frikadellen und Kartoffeln dazu einen Apfel oder wahlweise Joghurt.
    Morgen steht ein Apfelpfannkuchen auf dem Speiseplan Nachtisch Quarkspeise mit Obst.
    Übermorgen eine leckere Linsensuppe mit Mettwursteinlage,dann Obstsalat oder Eis

    Das könnte ich noch eine Weile fortsetzen. Und all diese Speisen kosten pro Person unter 2€50

    Ich denke, wenn unsere jungen Mitbürger das Essen kochen wieder anfangen würden, wäre das Problem weitgehend gelöst.

    ....und die Professorin sollte mal auf Austern usw verzichten...

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    • Catalpa
    • 23. Oktober 2012 12:10 Uhr

    Eineurojobber haben wahnsinnig viel Zeit zum Kochen, vor allem wenn sie zu ihrer Arbeit mit der Kirche ums Dorf fahren müssen.

    • lxththf
    • 23. Oktober 2012 12:23 Uhr

    das ist ja schon ganz schön grenzwärtig am Populismus. Es gibt genügend Menschen die tatsächlich nichtmal diese 2,50€ tagtäglich haben. Denn dazu zählt ja noch Trinken. Kaum vorstellbar für Sie, aber leider ist es so. Sie können sagen, dass Sie im Monat 75€ für Essen ausgeben, bei anderen gehen diese 75€ für die Begleichung von Rechnungen drauf.
    Ihr Kommentar zeigt, dass sich viele Menschen unter Armut nichts vorstellen können und das ist sehr schade. Anstatt also Kochtipps und Ihren Speiseplan hier auszubreiten, sollten Sie vielleicht unter Umständen das Problem im Kern wahrnehmen. Nochmal. 2,50€ am Tag klingt wenig, 75€ im Monat schon deutlich mehr.

    • Klüger
    • 23. Oktober 2012 12:27 Uhr

    ... beim Schulessen müssen Sie ja auch noch die Arbeitskraft einrechnen, da die Caterer (noch) nicht umsonst kochen.

    Außerdem die Anlieferung des Essens.

    Ggfs. ein Getränk?

    Ekelhaft, wie wenig Verständnis manche Menschen haben und dies auch gleich in die Welt hinausposaunen!

    Rechnen Sie die nur für Waren und Energie oder steckt da auch schon die Arbeitskraft drin und dazu noch Gewinn?

    Klar kann ich im Reinen Wareneinkauf und in der Zubereitung für 2,50€ ein einigermaßen wertvoplles Essen herstellen.

    Aber wenn ich davon noch alle Fixkostenabziehe und Umsatzsteuer, dann wird es eben schon weniger.

    wenn Sie fuer eine Familie kochen. Jemand der alleinstehend ist, kann nicht so guenstig einkaufen, oder aber er braucht eine Gefriertruhe, die viel Strom frisst und ohnehin in eine kleinen Mietwohnung nicht untergebracht werden -geschweige denn von so einem Budget angeschafft werden - kann.

    "Das könnte ich noch eine Weile fortsetzen. Und all diese Speisen kosten pro Person unter 2€50".

    Bitte bedenken Sie, dass der Mensch mehr als eine Mahlzeit pro Tag benötigt. Ein Aufstocker ,Hartz4-Bezieher oder ein Rentner hat dafür aber nur zwischen 3 und 4 Euro pro Tag zur Verfügung,Kinder sogar noch viel weniger, Energiekosten kommen auch noch dazu.

    Und ein Leben besteht nicht nur aus Nahrungsaufnahme und Verdauung. Das Bedürfnis der künstlerischen Darstellung und der Teilhabe an gesellschaftlichen Ritualen wie Festen existiert in fast allen Kulturen und das schon seit der Steinzeit. Man kann dieses Bedürfnis durchaus als anthropologische Konstante des Menschseins bezeichnen

    Die zunehmende Armut drängt sich in den Städten dem Auge auf: Flaschensammler, Tafeln, Secondhand-Geschäfte für Arbeitslose, Armenkaufhäuser, etc..

    Erst alles wegnehmen, dann durch Almosen ersetzen und dann eine ganze Armenindustrie anleiern. Kochbücher für Hartz4-Empfänger finde ich beschämend.

    Ich bin der ZEIT aber dankbar, dass sie die gemeinhin als "von Armut bedrohten Menschen" einfach mal ehrlich als "Arme" bezeichnet, denn das sind sie, wenn sie mit 200 Euro weniger als dem Existenzminimum auskommen müssen.

    Ich möchte eine gerechtere Gesellschaft. Mir tun auch einfach die vielen Obdachlosen im Winter unendlich leid.

    Für Betriebsinterne oder auch für Bedürftige?????

    • Suryo
    • 23. Oktober 2012 12:07 Uhr

    "...mindestens jeden zweiten Tag eine vollwertige Mahlzeit einzunehmen"

    Ich verstehe das einfach nicht. Ich habe als Student zuletzt 550 Euro im Monat von den Eltern gehabt, keinen Job dazu. Damit habe ich Miete bezahlt, warm 300 Euro. Mit den dann noch bleibenden 250 Euro konnte ich mir jeden Tag eine vollwertige Mahlzeit leisten - außerdem Handy, Internet und auch mal das eine oder andere Bier.

    Bevor es jetzt wieder losgeht: ja, ich weiß, daß das Studentendasein nicht recht mit Langzeitarbeitslosigkeit und Altersarmut vergleichbar ist - aber eben nur rein psychologisch.

    Auf dem Kassenzettel sind 15 Euro nun mal 15 Euro, egal, ob ich Student mit guten Berufsaussichten bin oder seit 10 Jahren arbeitslos.

    Wie also kann es sein, daß angebliche 16 Millionen Menschen sich "keine tägliche vollwertige Mahlzeit" leisten können? Wie? Das ist nicht mal eine rhetorische Frage, ich verstehe es tatsächlich nicht.

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    brauchen Sie sicherlich nur eine kleine Bude,
    keine Wohnung, in der auch Ihr Kind/er unterkommen.

    Sicherlich sind Sie mit dem Spezialtarif für Studierende der Krankenkassen versichert. Ein Schnäppchen :-)

    Ihre Rentenversicherung? Zahlen Sie schon fleissig ein? Nein?

    Sagen wir mal so, als Studentin reichte mir auch arg wenig Geld, denn Essen kann man billig selber kochen und Bücher ausleihen.

    Aber die anderen Kosten des Lebens: Kinder ernähren, die entsprechende Wohnung, in der Kinder in einem eigenen Bett schlafen dürfen, die Transportkosten (Monatskarten für die Kinder, dann brauchen Kinder immerzu neue Klamotten und Schuhe,) Rentenversicherung (auch privat),

    das kostet alles fett Geld :-)

    Und dann natürlich noch die "kleinen Extras": Hausratversicherung, priv. Haftpflichtversicherung (haben Sie vermutlich noch über Ihre Eltern, falls dort noch der 1. Wohnsitz ist), Unfallversicherung ... diese Kleinigkeiten summieren sich.

    Das Essen ist recht günstig, wenn man keine pubertierenden Allesesser zuhause hat und auf Fleisch verzichtet :-)

    Und Urlaub... oder Auto... braucht man nicht, im Regelfall. Aber macht es das besser? Sollen alle verzichten? Nicht mehr den Wirtschaftskreislauf (Konsum!) unterstützen? Wohin kommen wir dann? Agrarlandstatus?

    • lxththf
    • 23. Oktober 2012 12:27 Uhr

    weil nicht jeder von Mami und Papi 550€ bekommt, sondern sich sein Studium über Nebenjobs, oder Studentendarlehen verdienen muss und dann, ganz ehrlich, sind 15€ auf dem Kassenzettel nochmal was ganz anderes. Wenn man dann im Anschluss an das Studium nicht gleich einen Job bekommt, wird die Situation noch umso schlimmer.

    "Wie also kann es sein, daß angebliche 16 Millionen Menschen sich "keine tägliche vollwertige Mahlzeit" leisten können? Wie? Das ist nicht mal eine rhetorische Frage, ich verstehe es tatsächlich nicht." Suryo

    Weil sie vieleicht nicht in einer Billigwohngegend leben
    Weil sie vieleicht krank sind und Medikamente zahlen müssen
    Weil sie vieleicht Kinder haben
    Weil sie vieleicht Versicherungen zahlen und nicht mehr bei Papa mitversichert sind
    Weil sie vieleicht Schulden haben (Eigenschuld oder nicht)
    Weil sie vieleicht ausgebeutet werden
    Weil sie vieleicht vom AA in die Selbständigkeit getrieben wurden
    Weil sie vieleicht das benötigte Auto(Arbeit) finanzieren müssen
    Weil sie vieleicht kein Student sind, der sich von seinen Eltern aushalten lassen kann

    Als Student sollte man genug Fantasie haben, um Gründe zu finden.

    in einem Kaff studiert, in dem es keinen Wohnungsmangel gibt dann kostet eine Wohnung 300 warm. Das billigste, das ich in Wien bekommen habe ist eine Wohnung für 450 kalt. Dazu 3 mal Teilbetrag für Strom und Gas (je ca. 210 €) im Jahr, Internet (brauche ich, 50% meiner Materialien für das Studium stehen online, Anmeldung für Prüfungen etc.) und schließlich noch Verpflegung. Semesterkarte für die öffentlichen Verkehrsmittel und Lernmaterialen wie Pflichtlektüre kosten ebenfalls immens viel. Das alles kostet weit mehr als 550€ im Monat. Und ich kann mir zeitlich höchstens einen kleinen Nebenjob leisten, da das Studium mich voll beansprucht. Sprich: Ich bekomme nicht viel mehr als 400 im Monat, wenn überhaupt. Ohne meine Eltern könnte ich mir studieren nicht leisten. Und ich steure jetzt schon so viel Geld bei wie nur möglich (Ferienjobs). Leben ist teuer!

    ... leben Sie doch in einer subventionierten Blase, in die andere nicht so ohne weiteres Zutritt haben. Da gibt es ein Rechenzentrum oder sogar ein "Laptop Scheme", wenn Ihr Computer kaputt ist, in der Mensa koennen Sie jederzeit eine subventionierte warme Mahlzeit bekommen, in der selbstorganisierten Studentenwohnheimsbar kostet das Bier am Abend 1,50. Es gibt sicher einen Filmclub, wo man sich 2 mal die woche oder so fuer 2,50 einen Film anschauen kann. Vor allem aber: sie sind nur von gleichaltrigen umgeben, fuer die dieser Lebensstil (WG Zimmer mit Matraze auf Europaletten - oder haben Ihnen doch Ihre Eltern noch ein paar Moebel gesponsort?) akzeptabel ist und die aehnlich leben. Sie muessen nicht am Elternabend die Hosen runterlassen und offen sagen, dass Sie keinen Beitrag fuer die Klassenfahr iIhrer Kinder leisten koennen.

    [Wie also kann es sein, daß angebliche 16 Millionen Menschen sich "keine tägliche vollwertige Mahlzeit" leisten können? Wie? Das ist nicht mal eine rhetorische Frage, ich verstehe es tatsächlich nicht.]

    Natürlich können Sie es nicht verstehen, weil Sie sich immer auf sich beziehen.

    Es gibt aber Familien (versuchen Sie mal ein Kind nicht "gesellschaftskonform anzuziehen - aus dem Second Hand Laden. Sie werden feststellen, dass Ihr Kind gehänselt und ausgelacht wird), Rentner (am schwersten sind hier Frauen aus der DDR betroffen, die kaum gearbeitet haben und sich von ihren Ehemännern vor der Wende getrennt haben), die einen gesellschaftlichen Abstieg, usw..

    Außerdem trennen Sie nicht zwischen leben und überleben.

    • siar
    • 23. Oktober 2012 12:51 Uhr

    zu erwähnen, dass Sie natürlich auch noch mindestens 20 € monatlich sparen.
    Und wenn Sie am Wochenende zu Mami und Papi fahren, wird Ihnen sicherlich die Wäsche gewaschen und ein Fresspaket gepackt. Von Geldgeschenken zu Weihnachten und zum Geburtstag oder von der Omi mal was zugesteckt bekommen, wollen wir nicht anfangen. So kenne ich das von meinem Sohn.
    Die Armen haben aber niemanden der denen mal so eben einen Fünfziger zusteckt und wehe man hat eine chronische Krankheit.
    Machen sie sich doch mal nützlich und nehmen ein Ehrenamt an, vielleicht lernen Sie dann die bittere Realität kennen.
    Ich betreue ehemalige Obdachlose, was manchmal an die eigene Sustanz geht.

    Ich versteh´s auch nicht, als Schüler auf dem zweiten Bildungsweg hatte ich 750 € zur Verfügung, wovon ich alles inklusive Wohnung und Nebenkosten bestreiten musste. Das Geld hat gut gereicht auch wenn ich natürlich keine großen Sprünge machen konnte. Wenn ich mich nicht täusche, dann hat ein H-IV-E auch nicht weniger Geld zur Verfügung. Und von Armut zu sprechen wenn man sich kein Auto leisten kann ist ja wohl die Höhe. Der Gedanke, dass jeder Bürger ein Auto haben soll stammt aus einer Zeit, wo wir nur mit Problemen wie FCKW und Saurem Regen zu kämpfen hatten.

    Im Übrigen koche ich in der Regel eine Bio-Mahlzeit für unter 1 € pro Portion. Selber kochen kostet zum Teil weniger als ein Brötchen. Ich kann es nicht nachvollziehen, dass auch nur ein Mensch in Deutschland, der eine Küche besitzt sich nicht jeden Tag eine Mahlzeit leisten kann

    • fse69
    • 23. Oktober 2012 14:18 Uhr

    "...Ich verstehe das einfach nicht. Ich habe als Student zuletzt 550 Euro im Monat von den Eltern gehabt, keinen Job dazu. Damit habe ich Miete bezahlt, warm 300 Euro..."

    Sie haben weder Kinder zu ernähren, noch Kranken- oder Renten- oder sonstige -versicherung abzuführen. Je nach dem, wo Sie studieren, ist Ihr Studentenausweis zugleich Bus- und Bahnticket. Sport, Kultur und etliche andere ansonsten kostentreibende Faktoren können Sie kostenlos an der Uni mitnehmen. Und mit dem subventionierten Mensaessen ist selbstredend auch die Mahlzeit abgedeckt. Wenn Sie auch noch im Studentenwohnheim leben sollten, ist für Sie Warmmiete tatsächlich auch Warmmiete - will heißen, Strom und/ oder Wasser sind inklusive.

    Es ist eigentlich recht simple: allein die Fixkosten einer dreiköpfigen Familie belaufen sich heutzutage auf einen satten fünfstelligen (!!!) Betrag per anno - ohne, dass Sie davon auch nur einen Happen gegessen haben.

    • lib-dem
    • 23. Oktober 2012 16:58 Uhr

    Ich habe auch zwei Jahre lang von 525 Euro im Monat gelebt.
    Auch während des Studiums und auch nicht schlecht.
    Die 925 Euro-Grenze, die von der 60% Marke herrührt, ist schlicht nicht besonders aussagekräftig und wird gerne dann verwendet, wenn man die Umstände schlecht reden möchte!

    Nun kommt es jedoch darauf an wie und wo man wohnt. Als Student teilt man sich halt die Wohnung und dann ist gut.
    Im Alter, wenn der Gatte stirbt, wollen die meisten alleinstehenden Frauen, verständlicherweise, nicht aus der Wohnung ausziehen, die sie vorher geteilt haben. Und das bedeutet, dass eine (und meist die kleinere Rente) plötzlich allein für die Wohnung aufkommen muss.
    Und Wohnen wird immer teurer, real und durch die Nebenkosten, während die Renten kaum steigen...

    weil Menschen die schon ein wenig länger auf dieser Welt wandeln, eben ein paar mehr Rechnungen (nicht nur Handy und Internet) zu begleichen haben.

    Mein jüngster kommt mit 5€/Woche(Taschengeld) aus, soll ich das jetzt einem "armen Tropf" als Beispiel nennen.

    Wohl kaum !

    • LennyP
    • 23. Oktober 2012 21:34 Uhr

    ungeachtet der "Reaktionen" meiner Kollegen hier...das Leben wird dich die Antworten darauf lehren.Auf die eine oder die andere Weise wirst dir die Frage in einigen Jahren selbst beantworten können.Hoffentlich...wenn du nicht vorher an einem 2 Euro-Döner an einer Lebensmittelvergiftung verendest.

    MfG

    Angelo Merte

    Da Sie um Erklärung bitten, wo denn das Geld bei diesen Leuten wohl hingeflossen ist, möchte ich im Gegenzug erst einmal ein paar Fragen stellen:

    Haben Sie GEZ-Gebühren bezahlt?
    Sie erwähnten keine Stromrechnung, ich nehme an Sie lebten mit Kerzen?
    Wie sieht's aus mit der Gasrechnung, die wurde Ihnen entlassen?
    Ich muss annehmen Sie waren nicht versichert? Keine Haftpflicht, keine weiteren Absicherungen, daher keine weiteren Ausgaben?

    Dann haben Sie zu diesem Zeitpunkt einfach noch nicht wirtschaftlich selbstständig gelebt. Zwar außerhalb des Elternhauses, aber noch nicht wirtschaftlich auf sich gestellt.

    Wie sah es denn aus mit Umzugskosten? Und die 900km zu Ihrer Familie für den Besuch an Weihnachten? Sie waren ein erfolgreicher Tramper?

    Abgesehen davon, ein Studentenleben läuft bei vielen nun mal etwas anders ab. Viele haben eine/n Freund/in, die sie gern mal einladen möchten. Oder ein kleines Geburtstagspräsent kaufen möchten. Hinzu kommen die Kosten für die Schwangerschaftsverhütung. Clubs mit Eintrittsgeldern besuchen Sie gar nicht? Freizeitaktivitäten oder Vereine wohl auch nicht... Die Bücher nur geliehen und das Fahrrad braucht nie einen neuen Reifen.

    Und was haben Sie zu Ihrer Studentenzeit angezogen? Sie sagten ja Sie lebten mit Handy und Internet. Das kann man aber nicht über die Füße ziehen wenn es schneit.

    Ich bitte um Erläuterung Ihrer tatsächlichen Förderungen durch die Eltern, denen sind Sie zu Dank verpflichtet.

    • sommer
    • 24. Oktober 2012 13:27 Uhr

    Zugegeben ja; man kann mit 925Euro im Monat auskommen (vor allem in den neuen Bundesländern). Aber: Wehe es müssen Anschaffungen gemacht werden, es geht etwas kapputt (Kühlschrank, Waschmaschine, Klamotten).
    Sie wollen mir nicht ernsthaft weis machen, dass Sie solche Dinge dann selber zu zahlen haben.Dazu kommt, dass einem Studenten (der clever war und das "richtige" studiert auch ein hohes Einkommen winkt; sprich: die Perspektive stimmt.) Wenig Geld ist in Studentenkreisen doch irgendwie auch normal und sagen wir mal: auch etwas sexy. Ein Student mit 1000Euro im Monat von Mami und Papi, ist doch irgendwie kein echter Student sondern ein Bonzenkind. Glauben sie es mir: Unter 1000Euro im Monat, jeden Tag auf der Arbeit, keine Perspektive auf etwas Besseres, nervt nicht nur, da nie etwas übrig bleibt für Urlaub (machen Sie doch dann auch oder?)oder die schlichtweg schönen Dinge im Leben, sondern auch depressiv und wütend, vor allem auf solche ********* wie Sie, die noch alles vor sich haben, es wahrscheinlich dann wohl schaffen werden, aber kein bißchen Grips besitzen.

  3. 1. Die Presseerklärung von destatis spricht von "beispielsweise":

    "Die Möglichkeiten der sozialen Teilhabe sind bei den Betroffenen sehr eingeschränkt: Sie können aus finanziellen Gründen heraus beispielsweise ihre laufenden Rechnungen nicht begleichen, nicht mindestens jeden zweiten Tag eine vollwertige Mahlzeit einnehmen, keine notwendigen Anschaffungen tätigen, sich keine Urlaubsreise oder keinen Pkw leisten (siehe methodische Erläuterungen)."

    Wenn man das Wörtchen weglässt, entsteht ein falsches Bild.

    2. Es werden Dinge als "Fakten" dargestellt, die aber auf einer ungeprüften Selbsteinschätzung beruhen:

    "Erhebliche materielle Entbehrung liegt nach der EU-Definition für EU-SILC dann vor, wenn aufgrund der Selbsteinschätzung des Haushalts mindestens vier der folgenden neun Kriterien erfüllt sind:"

    Da sind Untertreibungen oder Übertreibungen vorprogrammiert, vor allem wenn Transferlseitungen in Anspruch genommen werden.

    alles nachzulesen hier:

    https://www.destatis.de/D...

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    Redaktion

    Lieber Demetrios I. Poliorketes, danke für den Hinweis. Sie haben recht, da ist uns ein Fehler unterlaufen. Wir haben das korrigiert.

    Schöne Grüße aus der Redaktion

    haben nun schon die Meldung gelesen, bevor sie korrigiert wurde, und sehen ihre Sicht der Dinge in D als bestätigt ("Confirmation Bias" lässt grüßen) an.

    • lib-dem
    • 23. Oktober 2012 17:53 Uhr

    für die Klarstellung.
    Bedeutet diese Art der Befragung nicht, dass alle Haushalte, die sich überschuldet haben nun in die Kategorie Armutsgefährdet fallen, weil sie sich kein Auto mehr leisten können / mit einigen Rechungen hinterher sind?
    Das wäre natürlich auch ein gesellschaftliches Problem aber ein ganz anderes ...

    • Catalpa
    • 23. Oktober 2012 12:10 Uhr

    Eineurojobber haben wahnsinnig viel Zeit zum Kochen, vor allem wenn sie zu ihrer Arbeit mit der Kirche ums Dorf fahren müssen.

    Antwort auf "Wirklich?"
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    • Suryo
    • 23. Oktober 2012 12:14 Uhr

    Während regulär Beschäftigte nach ihrem Zweistundentag im Büro im Nachbarhaus nichts anderes tun, als zu kochen?

    • MrWho
    • 23. Oktober 2012 12:14 Uhr

    "aus finanziellen Gründen nicht in der Lage, ihre laufenden Rechnungen zu begleichen, mindestens jeden zweiten Tag eine vollwertige Mahlzeit einzunehmen, in den Urlaub zu fahren oder sich einen Pkw leisten"

    Armut und fehlende Liquidität sind nicht ganz dasselbe.

    In Deutschland kann jeder vom Sozialstaat Abhängige sich täglich eine vollwertige Mahlzeit kaufen (lassen im Falle von Kindern). Ob er das tut, ist eine andere Frage. Gesunde Ernährung ist nicht teuer, und wer Geld bekommt, muss es auch richtig einsetzen. Also nicht für Zigaretten.

    Arm sind eher jene, die nicht zum Amt gehen können (z.B. illegale Einwanderer) und die deshalb die Jobs annehmen müssen, für welche sich das Opfer von Sozialstaat und eigenen Ansprüchen zu schade ist.

    Ob Urlaub oder PKW wirklich zum Armutsbegriff oder sozialer Ausgrenzung zählen? Ich fühle mich ohne PKW weder arm noch irgendwie nicht dazugehörig. Erholen kann man sich auch gut in Balkonien, oder an den Rhein setzen mit einem Bierchen.

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    ...eines der reichsten industrieländer, deswegen finde ich diese art der argumentation entbehrlich. reich sind in deutschland wohl hauptsächlich eine handvoll leute - die sind dafür richtig reich.

    aber das Auto??? Sehr viele Menschen sind nun einmal aufs Auto angewiesen, um zur Arbeit zu fahren; nicht jeder wohnt an einer Bahnstrecke.
    Ich selber habe auch kein Auto, wohne aber in einer Stadt mit sehr gutem öffentlichen Nahverkehr, rund um meine Wohnung sind 4 Bushaltestellen. Das ist aber nicht bei jedem so, vor allem dann nicht, wenn man vielleicht das Pech hat, auf dem flachen Land zu leben, wo die Bahnstrecke stillgelegt wurde und der Busverkehr auf 3x täglich eingeschränkt wurde (und das gibt es öfters, als Sie denken). Da ist dann ein Auto unverzichtbar - und wir reden ja hier nicht von Rolls-Royce, sondern von einem ganz normalen, fahrtüchtigen Auto (Golf oder Kleinwagen).

    zu # 7 Mr. Who
    "Arm sind eher jene, die nicht zum Amt gehen können (z.B. illegale Einwanderer) und die deshalb die Jobs annehmen müssen, für welche sich das Opfer von Sozialstaat und eigenen Ansprüchen zu schade ist."
    Diese "Illegalen" haben also Jobs, weil die "Opfer" sich zu schade sind, diese anzunehmen?
    Ob diese "Illegalen" sich selber nicht auch lieber zu schade dafür wären?
    Arm finde ich diese Argumentation, die die Ausbeuter unterstützt und die diese mit dem gegenseitigen Ausspielen der "Armen" aus der Schusslinie nimmt und die Zwänge indirekt sanktioniert.

    • Suryo
    • 23. Oktober 2012 12:14 Uhr

    Während regulär Beschäftigte nach ihrem Zweistundentag im Büro im Nachbarhaus nichts anderes tun, als zu kochen?

    Antwort auf "Alles klar"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Trypsin
    • 28. Oktober 2012 8:59 Uhr

    Während regulär Beschäftigte nach ihrem Zweistundentag im Büro im Nachbarhaus nichts anderes tun, als zu kochen?

    @suryo
    Das sind ja auch die Leute, die nicht zu den 20% gehören und meinen, dass sie jede Woche so viel arbeiten!

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dapd, dpa, tok
  • Schlagworte Armut | Studie | Europäische Union | Bevölkerung | Armutsrisiko | Einkommen
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