Die Türkische Gemeinde in Deutschland (TGD) hat angesichts des Auftritts extra eine Erklärung veröffentlicht. Die SPD-Führung biete einem populistischen Politiker die Bühne, der in einer kulturalisierenden und stigmatisierenden Weise mit eindeutigen Feindbildern arbeite, heißt es darin. Unter türkischstämmigen Wählern werde das sehr genau beobachtet, "die SPD muss sich zwischen Populismus und Solidarität entscheiden."

Missverständnis beim Thema Zweisprachigkeit

An diesem Abend entscheidet sich das Publikum eher für den Populismus. Bei der Podiumsdiskussion zwischen Hendricks, Buschkowsky und der integrationspolitischen Sprecherin der Bundestagsfraktion, Aydan Özoğuz, sind die Sympathien klar verteilt. Als Buschkowsky sich über Familien erregt, in denen kein Deutsch gesprochen wird, gibt sie zurück: "Ich bin meinen Eltern unendlich dankbar, dass wir zu Hause immer Türkisch gesprochen haben, denn dadurch bin ich zweisprachig aufgewachsen." Natürlich müsse man Deutsch können, "aber das bedeutet nicht, dass andere Sprachen schlechter sind", sagt Özoğuz. Buhrufe und Pfiffe im Publikum, so etwas wollen hier viele nicht hören.

Für Özoğuz, eine eigentlich im Ton sehr sanfte Politikerin, ist Buschkowsky ein Problem. Er bedroht mit seiner öffentlichen Strahlkraft ihren Themenbereich, wenn er für die Integrationspolitik der SPD steht, dann kann sie es nicht mehr.

Dabei liegen sie in den konkreten politischen Vorschlägen gar nicht so weit auseinander: Chancengleichheit, Bildung als Schlüssel, die alten sozialdemokratischen Rezepte. Nur ihr Ton ist ein anderer, und wegen des Tons hat Buschkowsky so viele Fans. Er redet auch heute Abend kaum über politische Rezepte, sondern schmückt stattdessen sein Bild von der gescheiterten Integration immer weiter aus. Da geht es um Essengerüche, die sich im Hausflur vermischen, um Verachtung für deutsche Gesetze und um überkommene patriarchale Familienstrukturen. "Ich wollte eine Diskussion führen darüber, was wir tun müssen, um von diesem schrecklichen Ergebnissen wegzukommen", hatte Buschkowsky zu Beginn gesagt. Doch dann sagt er dazu selbst fast nichts.

Welche Position vertritt die Parteispitze?

Es ist aber nicht nur Buschkowskys Art selbst, die vor allem migrantische SPD-Anhänger so erregt, es ist auch die Bühne, die die Parteispitze ihm bereitet. Anfang des Monats ging ein Einladungsschreiben für die Veranstaltung über die E-Mail-Verteiler der Partei, unterzeichnet von Sigmar Gabriel. "Er redet Klartext, sagt, was sich in Deutschland dringend ändern muss", hieß es darin über Buschkowskys Buch. "Buschkowsky weiß, wo der Schuh drückt, und er hat den Mut, unbequeme Wahrheiten auszusprechen." Die Einladung liest sich, als würde der Parteivorsitzende den Thesen zustimmen, ihn als Kämpfer gegen vermeintliche Tabus feiern.

Ein Sprecher des Vorstandes erklärte ZEIT ONLINE nun, dies seien nicht die Aussagen Gabriels: "Durch ein technisches Versehen wurde im Text der Mail der Klappentext des Buschkowsky-Buches so verwendet, dass der Eindruck entstehen konnte, es handele ich um ein Gabriel-Zitat". Allein, der Schaden ist angerichtet.

Gabriel selbst wollte eigentlich auch auf dem Podium mitdiskutieren, hat aber wegen Krankheit abgesagt. Aziz Bozkurt, der Berliner Integrationspolitiker, will das nicht so richtig glauben: "Das passt einfach zu gut ins Bild bei einem, der sein Fähnchen gerne in den Wind hängt", sagt er. So richtig vertraut er seiner Partei und ihrem Chef offenbar nicht mehr. Das ist auch eine Konsequenz aus den lauten, umjubelten Buschkowsky-Auftritten . Sie dürfte die SPD noch länger beschäftigen als das Buch selbst.