Der Kapitän der "Costa Concordia", Francesco Schettino (links), vor dem Gericht im italienischen Grosseto © Max Rossi/Reuters

Die Reederei des vor neun Monaten verunglückten Kreuzfahrtschiffes Costa Concordia ist bei der Voranhörung vor einem Gericht in Italien unter Druck geraten. Hunderte Überlebende der Havarie und ihre Anwälte erschienen vor Gericht im toskanischen Grosseto und kritisierten Europas größten Kreuzfahrtanbieter Costa Crociere. Der Kapitän des Schiffes, Francesco Schettino, erschien ebenfalls zum ersten Verhandlungstag.

Aufgrund des großen Andrangs hatte das Gericht den Prozess in einen Theatersaal verlegt. Hinter verschlossenen Türen will es in den kommenden Tagen darüber entscheiden, wer wegen der Havarie der Costa Concordia am 13. Januar vor der Insel Giglio angeklagt werden soll. Bei dem Unglück starben 32 Menschen, darunter zwölf Deutsche.

"Fehler des Unternehmens"

Die Überlebenden machten Costa Crociere für den Verlauf der Evakuierung des Schiffes und damit auch für die Toten und Verletzten verantwortlich. Eine der zentralen Fragen der Voranhörung lautet, warum die Rettungsmaßnahmen erst eine Stunde nach der verheerenden Kollision des Schiffes mit einem Felsen eingeleitet wurden.

"Wir haben den Eindruck, es war der Fehler des Unternehmens", sagte der Anwalt Peter Ronai, der zehn Passagiere aus Ungarn vertritt, darunter eine getötete Violinistin. Costa Crociere mache Schettino zum "Sündenbock". Der US-Anwalt John Arthur Eaves sagte vor Reportern, die Katastrophe wäre nicht geschehen, wenn der Schiffseigner die "nötigen Standards" aufgestellt und eingehalten hätte.

Der italienische Überlebende Ernesto Carusotti sagte, die Crew habe die Passagiere alleingelassen. Laut Bruno Neri, Experte der italienischen Verbraucherorganisation Codacons, konnte die Reederei bisher nicht erklären, warum das Notstromaggregat der Costa Concordia nicht funktioniert habe. Mehrere der Toten waren in den blockierten Fahrstühlen des Schiffes gefunden worden.

Schettino entschuldigt sich bei Überlebenden

Unterdessen hat Kapitän Schettino die Überlebenden des Unglücks um Entschuldigung gebeten. Er habe ihnen bei einer Voranhörung des Falls die Hand geschüttelt und gesagt, es tue ihm leid, berichteten zwei Deutsche, die an Bord des Schiffes waren.

Dem Kapitän wird vorgeworfen, das Schiff zu nah an die Küste manövriert zu haben. Schettino muss sich wegen fahrlässiger Tötung und des vorzeitigen Verlassens des Schiffes verantworten.

Neben Schettino droht sechs weiteren Crew-Mitgliedern und drei Managern der Reederei, die zum US-Unternehmen Carnival gehört, eine Anklage. Der eigentliche Prozess beginnt wahrscheinlich im kommenden Jahr. In den USA haben zudem 39 Passagiere Carnival auf über 520 Millionen Dollar Schadensersatz verklagt.