Toter DrogenbossNur eine geraubte Leiche ist eine Kult-Leiche

Der Jubel war groß, als bekannt wurde: Heriberto Lazcano ist tot. Nun dämmert vielen, der Boss der Los Zetas könnte zum Mythos werden, weil die Leiche verschwunden ist.

Am Sonntag war Lazcano bei einem Gefecht mit Marinesoldaten nahe der Grenze zu den USA getötet worden. Seine Leiche wurde den Behörden des Bundesstaates Coahuila übergeben, die ihn in ein Beerdigungsinstitut im nahegelegenen Dorf Sabina brachten. Doch wenige Tage später raubte eine Gruppe schwer Bewaffneter den Leichnam aus dem Bestattungshaus.

Was bleibt sind Fotos und Fingerabdrücke der Leiche, die den Tod des Schwerkriminellen belegen. Die mexikanischen Behörden haben zugegeben, erst nach der Entwendung der Leiche erkannt zu haben, um wen es sich handelte.

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"Los Zetas" hat große Teile des Nordens und Ostens von Mexiko im Griff. Das von früheren Elitesoldaten gegründete Kartell ist bekannt dafür, dass es seine Feinde köpft und zerstückelt. Seit der scheidende Präsident Felipe Calderón bei seinem Amtsantritt im Dezember 2006 die Armee gegen die Drogenbanden einsetzte, wurden mehr als 60.000 Menschen im mexikanischen Drogenkrieg getötet.

Die Legende vom vorgetäuschten Tod

Andere mexikanische Schwerkriminelle werden verehrt, weil ihre Leichen verschwanden. So erging es Amado Carrillo Fuentes, Chef des Juarez-Kartells. In den 1990er Jahren war er einer der weltweit meistgesuchten Drogenbosse. Als "Señor de los Cielos", Herr der Himmel, ging er in die Geschichte ein. Die Drogen hatte er nämlich mit seiner Flotte von Flugzeugen schmuggeln lassen. Auf der Flucht vor seinen Verfolgern wollte sich Carillo Fuentes mit einer Operation ein neues Gesicht geben lassen. Nach der OP gaben ihm die Ärzte Schmerzmittel, Carillo Fuentes bekam eine allergische Reaktion und starb. Weil sein Gesicht nach der Operation entstellt war, kursierten Zweifel über die Identität der Leiche. Die Legende eines vorgetäuschten Todes war geboren.

Auch um den Gründer des Drogenkartells La Familia ist eine Art Heiligenkult entstanden. Nazario Moreno González, der auch die Beinamen El Más Loco, Der Verrückteste, trug, soll 2010 nach einer Party von Sicherheitskräften erschossen worden sein. Seine Anhänger waren nach der Schießerei aber samt der Leiche verschwunden. González wird inzwischen als San Nazario, Heiliger Nazario, verehrt.

Der am vergangenen Sonntag erschossene Heriberto Lazcano hatte sich bereits ein Mausoleum in seinem Heimatstaat bauen lassen. Ob er je dort beigesetzt wird, ist ungewiss. Noch ist Lazcanos Leiche verschollen.

 
Leserkommentare
  1. Der Leichnam wird eingeäschert und anonym der Natur überlassen. Pilgerfahrten zur Grabstätte unmöglich.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa
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  • Schlagworte Mexiko | Drogen | Drogenkartell | Drogenkriminalität | Kriminalität
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