MafiaItalien stellt Provinzhauptstadt unter Zwangsaufsicht

Der Stadtrat aufgelöst, die Verwaltung unter Aufsicht: Die Regierung übernimmt die Kontrolle in Reggio Calabria. Politiker stünden der Mafia zu nahe. von afp und dpa

Im Kampf gegen die Organisierte Kriminalität hat die Regierung in Rom den Stadtrat der süditalienischen Stadt Reggio Calabria aufgelöst. Grund ist nach Angaben von Innenministerin Annamaria Cancellieri die "Nähe" einiger Stadtoberen zur Mafiaorganisation 'Ndrangheta. Die Ministerin sprach von einer vorbeugenden Maßnahme und einem "schmerzhaften Schritt im Interesse der Stadt".

Bis zu den Neuwahlen im kommenden Frühjahr übernimmt nun ein von der Regierung ernannter Beauftragter die Verwaltung. Die Aufgabe hat die Regierung dem Polizeichef der Stadt Crotone übertragen. Unterstützt wird er dabei von zwei weiteren Präfekten.

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Nach Angaben der Regierung seien mehrere Politiker mit der 'Ndrangheta verstrickt. So habe der Gemeinderat, der von der Mitte-Rechts-Partei um Ex-Premier Silvio Berlusconi kontrolliert wird, bei der Vergabe von Aufträgen Unternehmen begünstigt, die mit der Mafia verbandelt seien. Die Ermittler monierten zudem Probleme bei der Verwaltung von beschlagnahmtem Mafia-Vermögen und beim sozialen Wohnungsbau.

In den vergangenen 20 Jahren wurden in Italien Dutzende Gemeinderäte aufgelöst , weil sie von der Mafia unterwandert waren. Mit Reggio Calabria traf es allerdings erstmals eine Provinzhauptstadt. Die bisher vom Verdacht der Mafiaverbindungen am meisten belasteten Gemeinden befinden sich in Kampanien (der Region um Neapel ), in Sizilien und Kalabrien .

Die Regionen gelten als Stützpunkte der 'Ndrangheta, dem kalabresischen Zweig der italienischen Mafia. Nach Einschätzung des italienischen Polizeichefs Antonio Manganelli ist sie aber längst darüber hinaus aktiv und operiert weltweit als die größte Organisation für Drogenschmuggel. Nicht zuletzt weise die Hinrichtung von sechs mutmaßlichen Clan-Mitgliedern in Duisburg im Jahr 2007 darauf hin, dass die Organisation auch im Norden agiere.

Die Operationen der Organisierten Kriminalität sind auch Thema der Interpol-Generalversammlung, die vom 5. bis 8. November in Rom stattfindet. Zuvor gibt es ein Treffen der Innenminister aus mehr als 100 Ländern, bei dem über Sicherheit weltweit und Terrorbekämpfung gesprochen wird.

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Leserkommentare
  1. .
    ... wie die Meldungen aus Mali, aus dem Kongo, aus Lybien,, Afgahnistan, Rumänien, Mexico und so weiter:

    Ein geldgeiles Kartell windet einem anderen geldgeilen Kartell durch obskure, legalitär verbrämte "Massnahmen" die Gewinnmöglichkeiten der örtlichen kapitalistischen Strukturen aus der Hand.

    Widerlich.

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    • Moika
    • 10. Oktober 2012 12:54 Uhr

    Zitat: "Ein geldgeiles Kartell windet einem anderen geldgeilen Kartell durch obskure, legalitär verbrämte "Massnahmen" die Gewinnmöglichkeiten der örtlichen kapitalistischen Strukturen aus der Hand."

    Ich würde Ihren Spruch ja gerne kommentieren, Geht leider nicht, der ist - um bei Ihren Worten zu bleiben, so obskur, oder um in unseren Sprachgebrauch zu wechseln, so dumm, daß läßt sich einfach nicht kommentieren.

    • TDU
    • 10. Oktober 2012 10:55 Uhr

    Ob das was nützt?. Vielleicht sollte man auf Grund gewisser Unabänderlichkeiten einen dritten Weg finden. Die Möglichkeit der Gewinnerzielung ohne Mord, Totschlag und Erpressung hat ja auch in anderen europäischen Ländern die Einnahmenerzielung durch Raub und Aufs Rad flechten durch die Fürsten abgelöst.

    Das Land regional als Müllkippe zu benutzen, Dreck ungeklärt ins Mittelmeer zu leiten, Entschuldigung, dass ist doch geradezu hinterwäldlerisch.

    Und die fast religiöse Verehrng der Familie als systembildend ist auch in Resteuropa auf dem Rückzug, was ja nicht heisst, dass man keine gründen und mit Freude aufrecht erhalten kann.

    • deDude
    • 10. Oktober 2012 11:04 Uhr

    ... und ich dachte immer das sei die CIA :P

    Vor kurzem sah ich einen Bericht über die Verbindung von Mafia und Subventionen der EU und das ebendiese Subventionen gerne zu einem nicht unerheblichen Teil über "Unternehmensbeteiligungen" direkt der Mafia zu Gute kommen.

    Mafiöse Strukturen scheinen also nicht nur in Reggio Calabria ein Problem darzustellen. In Bella Italia gibt es dem Bericht zufolge z.B. auch Autobahnen die schon seit über 20 Jahren gebaut werden und wohl nie fertig werden, trotzalledem aber finanziell von der EU subventioniert werden.

    Die komplette Doku "Europa - Sumpf der Subventionen" gibt es unter
    www.youtube.com/watch?v=T...
    oder in der Mediathek der ARD oder der von Arte.

    Grüße
    der Dude (oder El'Duderinho falls Sie es mit den Kurzformen nicht so haben ;-))

    • Tiroler
    • 10. Oktober 2012 11:37 Uhr

    Durch die Zwangsverwaltung der Provinzhauptstadt werden die Mafiaprobleme lediglich von der Provinz in die Hauptstadt verlagert. Es ist bezeichnend, dass Berlusconi bei der nächsten Parlamentswahl nicht mehr kandidieren sill, sondern Monti die Daumen drückt. Er weiß sein Erbe in "guten" Händen. "Man muss alles ändern, damit alles beim Alten bleibt", ist ein altes italienisches Sprichwort.

    • Moika
    • 10. Oktober 2012 12:54 Uhr

    Zitat: "Ein geldgeiles Kartell windet einem anderen geldgeilen Kartell durch obskure, legalitär verbrämte "Massnahmen" die Gewinnmöglichkeiten der örtlichen kapitalistischen Strukturen aus der Hand."

    Ich würde Ihren Spruch ja gerne kommentieren, Geht leider nicht, der ist - um bei Ihren Worten zu bleiben, so obskur, oder um in unseren Sprachgebrauch zu wechseln, so dumm, daß läßt sich einfach nicht kommentieren.

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    .
    "... oder um in unseren Sprachgebrauch zu wechseln, {...}, daß läßt sich einfach nicht kommentieren ..."

    Sprachgebrauch, Sprachgebrauch, ick hör dir trapsen!

  2. .
    "... oder um in unseren Sprachgebrauch zu wechseln, {...}, daß läßt sich einfach nicht kommentieren ..."

    Sprachgebrauch, Sprachgebrauch, ick hör dir trapsen!

    Antwort auf "Geht nicht..."
    • Sirisee
    • 11. Oktober 2012 0:31 Uhr

    ... sehr aufgemacht. Der gemeine Leser stellt sich wer weiss was vor. Reggio Calabria ist eine der 5 Provinzen - von Kalabrien, also vielleicht vergleichbar mit einem bayerischen Bezirk (Mittelfranken).

    In D. wäre die Schlagzeile z. B. "in der Bezirkshauptstadt Ansbach wurde heute der Gemeinderat usw.".

    Wenn man schon beim nörgeln ist: Was soll eigentlich immer der penetrante Hinweis auf Berlusconi. Als ob die anderen Parteien besser wären ...

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    • Tiroler
    • 11. Oktober 2012 8:35 Uhr

    Reggio Calabria hat 190.000 Einwohner, Ansbach hat 40.000. Trotzdem würde auch die Auflösung des Gemeinderates bon Ansbach wegen krimineller Verstrickungen Schlaguzeilen auslösen.

    • Tiroler
    • 11. Oktober 2012 8:35 Uhr

    Reggio Calabria hat 190.000 Einwohner, Ansbach hat 40.000. Trotzdem würde auch die Auflösung des Gemeinderates bon Ansbach wegen krimineller Verstrickungen Schlaguzeilen auslösen.

    Antwort auf ""Provinzhauptstadt""
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    • Sirisee
    • 11. Oktober 2012 22:11 Uhr

    ... denn der Einwand, dass man etwas als "Provinzhauptstadt" hervorhebt, um eine Nachricht zu produzieren ist doch damit garnicht wiederlegt. Dafür ist die Einwohnerzahl egal...

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP
  • Schlagworte Italien | Mafia | Silvio Berlusconi | Innenminister | Ndrangheta | Regierung
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