Seit dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts über die Kirchensteuer bekommt das Thema Kirchensteuer wieder verstärkt Aufmerksamkeit. Dabei ist die Steuer nur das sichtbarste Phänomen der fragwürdigen Verbindung von Glauben und Staat. Ich bin Christ, habe Theologie studiert, das Vikariat absolviert und wäre beinahe Pfarrer geworden. Derzeit arbeite ich als Gemeindepädagoge in einer evangelischen Gemeinde.

Das Geld zur Finanzierung ihrer Aufgaben sollten die Kirchen selbst eintreiben. In der evangelisch-lutherischen Landeskirche Sachsens existiert mit dem sogenannten Kirchgeld ein Modell, das übernommen werden könnte. Die Kirchen würden an Glaubwürdigkeit gewinnen, denn bisher wird man durch die Taufe – immerhin ein heilsvermittelndes Sakrament in den beiden großen christlichen Kirchen – ein Mitglied der Gemeinde und damit kirchensteuerpflichtig. Böse Zungen könnten es ein "Sakrament gegen Bezahlung" nennen. Zumindest den Protestanten könnte die Steuer an Luthers Kampf gegen den Ablasshandel erinnern. Auf die Ausgleichszahlungen sollte alleine deshalb verzichtet werden. Das Geld könnte stattdessen den dauerklammen Kommunen zugute kommen. Die Kirche würde so an moralischer Integrität gewinnen.

Neben der Kirchensteuer sollten wir auch jede Art von bekennendem Religionsunterricht an den Schulen abschaffen. Religiöse Bildung ist existenzielle Bildung, etwas, das vom Gemeindeleben nicht abgekoppelt und schon gar nicht benotet werden kann. Ich habe selbst Religionsunterricht geben müssen und beurteile ihn eher als Hindernis. Für die Weltanschauungs- und Wertevermittlung in den Schulen könnte eine paritätisch besetzte Ethikkommission dem Staat zuarbeiten. In Brandenburg beispielsweise gibt es das Fach "LER" (Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde), das als Modell dienen und allgemein den Ethik- bzw. Religionsunterricht ablösen könnte.

Die Kirchen würden davon profitieren, wenn die Verantwortung für religiöse Bildung in die Hand der Ortsgemeinden zurückgegeben würde. In der DDR gab es keinen Religionsunterricht. Die Kirche organisierte stattdessen die "Christenlehre" – ein religiöses Bildungsangebot, das an die Gemeinde gebunden, qualitativ hochwertig und erfolgreich war. Die Glaubensgemeinschaften in den neuen Bundesländern haben durch die Zwangseinführung des Religionsunterrichts weit mehr gelitten und eingebüßt als durch die Repressalien des DDR-Regimes.

Neben den beiden Volkskirchen gibt es etliche Freikirchen, etwa die evangelisch-methodistische Kirche, die Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten, die Kirche des Nazareners, ganz zu schweigen von den unüberschaubar vielen freien Gemeinden, die keinem Kirchenverband angehören. Sie alle kommen ohne staatlich eingezogene Kirchensteuer, ohne schulischen Religionsunterricht und ohne historisch begründete Ausgleichszahlungen aus. Wenn die das schaffen, warum dann nicht wir? Die Modelle liegen vor, umsetzen müssen wir sie von innen!

*Dieser Artikel wurde unter einem Pseudonym verfasst. Der Name des Autors ist der Redaktion bekannt. **Wir haben das Pseudonym nachträglich geändert, da es bei dem vorherigen zu Verwechlungen mit real existierenden Personen kam.