Der Journalist und Autor Gianluigi Nuzzi bei einer Buchpräsentation in Berlin © Sean Gallup/Getty Images

Der Buchautor Gianluigi Nuzzi hat nach dem Urteil gegen den ehemaligen päpstlichen Kammerdiener Paolo Gabriele einen Gnadenappell an Benedikt XVI. veröffentlicht. "Ich bitte den Heiligen Vater um Gnade für seinen Ex-Mitarbeiter, der wegen Unterschlagung von Dokumenten verurteilt worden ist, von denen er Fotokopien dem Journalisten zukommen ließ, der hier schreibt", heißt es in dem Appell Nuzzis, der in mehreren europäischen Tageszeitungen veröffentlicht wurde; unter anderem in Le Monde .

Paolo Gabriele war am Samstag wegen Diebstahls von geheimen Dokumenten zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte gestanden, Papiere aus den privaten Räumen des Papstes kopiert und weitergegeben zu haben. Viele der Dokumente waren in Nuzzis Buch "Sua Santità" erschienen (deutsche Übersetzung:  Seine Heiligkeit. Die geheimen Briefe aus dem Schreibtisch von Papst Bendedikt XVI. ).

Gabriele habe verborgene Wahrheiten über den Vatikan an die Öffentlichkeit gebracht, die nur dem Ansehen der Kirche geschadet hätten, schreibt Nuzzi. Paolo Gabriele habe jedoch kein einziges militärisches oder diplomatisches Geheimnis verraten – anders als die Informanten im Fall Wikileaks . Wenn der Papst Gabriele nun begnadige, beweise die Kirche damit, dass sie keine undurchsichtige und konservative Einrichtung sei, sondern vielmehr fähig zum Verzeihen.

In den von Gabriele weitergegebenen Papieren ging es unter anderem um undurchsichtige Geschäfte der Vatikanbank, Intrigen, Missstände in der Verwaltung des Vatikan, die Gesundheit des Papstes und ein angebliches Mordkomplott.

Mit einer Begnadigung Gabrieles durch den Papst ist zu rechnen. Vatikan-Sprecher Federico Lombardi sagte am Samstag, dies sei eine "sehr konkrete und sehr wahrscheinliche Möglichkeit". Ins Gefängnis musste der 46-jährige Familienvater nach dem Gerichtsurteil nicht. Der Vatikan hat einem Hausarrest zugestimmt.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung gab Gerüchte weiter, wonach es einen Deal gegeben haben könnte, wonach Gabriele als Gegenleistung für die relativ milde Strafe auch in Zukunft keine Auskünfte mehr über die Affäre geben wird.