Wirbelsturm Sandy: "New York ist morgen wieder im Geschäft"
Zwei Tage nach Sandy ist die Zahl der Toten in den USA auf mindestens 43 gestiegen – allein 18 in New York. Bürgermeister Bloomberg versucht Optimismus zu verbreiten.
© Stan Honda/AFP/GettyImages

Bürgermeister Michael Bloomberg im Stadtteil Queens in New York
Die Zahl der Toten durch den Wirbelsturm Sandy in den USA und Kanada ist auf mindestens 43 gestiegen. Mehr als acht Millionen Haushalte in insgesamt 18 Bundesstaaten sind noch immer ohne Strom. Vielerorts ist das Telefonnetz gestört. Insgesamt drei Atomreaktoren mussten im Nordosten des Landes abgeschaltet werden; für einen weiteren, bereits abgeschalteten älteren Reaktor war Alarm ausgelöst worden. Sturm und Wassermassen beschädigten Gebäude und Verkehrswege.
Der verheerende Sturm sei von "historischer Intensität", sagte New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg am Dienstag. Die Bilder erinnerten ihn an das Ende des Zweiten Weltkriegs, fügte er hinzu. Allein in New York seien 18 Menschen ums Leben gekommen, sagte Bloomberg.
Der Bürgermeister kündigte an, das Leben in der Stadt werde ab dem heutigen Mittwoch wieder halbwegs normal verlaufen. "New York ist morgen wieder im Geschäft", sagte Bloomberg. Allerdings schränkte er ein: "Das gilt zumindest da, wo Strom ist."
Die New Yorker Feuerwehr bekämpfte 23 Brandherde. In Breezy Point in Queens zerstörte ein riesiges Feuer etwa 80 Häuser. In der Stadt sind laut Bloomberg etwa 750.000 Menschen von der Elektrizität abgeschnitten. In den 76 Notunterkünften der Stadt harren laut Bloomberg noch 6.400 Menschen aus. "Wir tun alles, um Ihr Los zu erleichtern."
Die Schulen bleiben noch geschlossen. Betroffen hiervon sind mehr als eine Million Kinder. Auch die Vereinten Nationen hatten ihren dritten unplanmäßigen Ruhetag, zudem viele Behörden.
Aber es gibt auch erste Anzeichen einer Normalisierung: So fuhren auf einigen Linien in New York wieder Busse, wenn auch weitaus spärlicher als sonst. Die Börse soll am heutigen Mittwoch nach zwei unplanmäßigen Ruhetagen wieder öffnen.
Der Flughafen JFK soll seinen Betrieb wieder aufnehmen. Auch am Newark International Airport in New Jersey sollen um 7 Uhr (Ortszeit) wieder Maschinen starten, wie die beiden Flughafenbehörden in der Nacht mitteilten. Insgesamt waren laut der Website Flightaware.com am Dienstag 15.773 Flüge von und zur Ostküste der USA annulliert worden. Der New-York-Marathon soll am Sonntag planmäßig stattfinden.
- Orkane und Wirbelstürme
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Als Orkan bezeichnet man einen schweren Sturm ab Stärke 12 auf der Beaufort-Skala.
Hurrikans, Taifune und Zyklone sind tropische Wirbelstürme, deren herausragendes Merkmal ist, dass sie ihre Energie aus dem tropisch warmen Meer beziehen. Bei Wassertemperaturen der oberen 50 Meter von mehr als 26,5 Grad Celsius verdunstet langsam viel Feuchtigkeit, die beim Aufstieg in der Atmosphäre wieder kondensiert und ihre Wärmeenergie schnell an die Luftmassen abgibt – und den Sturm antreibt.
- Hurrikan und Taifun
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Im Atlantik, Nord- und Südpazifik werden tropische Wirbelstürme als Hurrikane bezeichnet, im asiatischen Raum heißen sie Taifune.
Hurrikans und Taifune sind großräumige Gebilde, deren imposante Wolkenwirbel vielfach einen Durchmesser von 200 Kilometern erreichen und von der Erddrehung in Rotation versetzt werden.
Verliert ein Hurrikan oder Taifun den Kontakt zum Meer – "geht also an Land" – verliert er seinen Energienachschub und schwächt sich ab.
Ein tropischer Sturm wird definitionsgemäß erst dann zum Hurrikan oder Taifun, wenn er Windstärke 12 oder mehr (118 km/h) erreicht.
- Zyklon
Zyklon ist die Bezeichnung für tropische Wirbelstürme im Golf von Bengalen und im indischen Ozean. Derartige Stürme können mehrere Meter hohe Wellen aufwirbeln, die schließlich im Bereich von Bangladesch, Myanmar oder Indien auf Land treffen. Damit führen die Zyklone zu großen Verwüstungen, weil sie meist in besonders flachen Regionen aufs Land treffen. Das kann zu Überschwemmungen bis im Landesinneren führen, da die flachen Übergänge vom Flussdelta ins Meer kaum Schutz für die Menschen und die Gebäude bieten.
- Tornados
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Tornados sind dagegen viel kleiner und zeichnen sich durch ihre Spiralform aus. Sie entstehen über dem Festland – vor allem in den USA – wenn unter einer Gewitterwolke Warmluft aufsteigt und sich der Wind dann zu einem Strudel formt. Unterhalb der Wolke wird das als Schlauch sichtbar.
Tornados können Geschwindigkeiten von bis zu 500 Kilometer pro Stunde erreichen. Der Sog des Tornados fegt alles in die Luft, was der Windspirale in die Quere kommt.
Sandy zog in abgeschwächter Form weiter ins Landesinnere und brachte starken Schneefall unter anderem über West Virginia, Pennsylvania, Tennessee und Ohio.
Der Sturm hatte am Montagabend mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 145 Kilometern in der Stunde die Küste erreicht. Mit seiner Ausdehnung über Hunderte Kilometer von South Carolina bis nach Kanada ist er einer der größten Wirbelstürme, die jemals in den USA tobten.
Bereits auf seinem Zug durch die Karibik waren durch den Hurrikan 69 Menschen gestorben.
Die Aufräumarbeiten werden noch Tage dauern. Experten schätzen den wirtschaftlichen Gesamtschaden auf bis zu 50 Milliarden Dollar (38,7 Milliarden Euro). Sollten sich die Prognosen bewahrheiten, wäre Sandy der dritt-kostenträchtigste Hurrikan in der Geschichte des Landes.
- Tropenstürme: Historische Rekordstürme
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Zwar ist Sandy ein Ausnahme-Zyklon in der Sturmgeschichte, doch in den vergangenen 150 Jahren gab es schon andere Rekorde. Seit 1851 gibt es Daten zu jeder jährlichen Hurrikansaison.
1886 war die bislang heftigste: Sieben Hurrikane trafen auf Land, die jüngste schwere Saison war 1985 mit sechs tropischen Wirbelstürmen.
Der am längsten andauernde Hurrikan war San Ciriaco 1899. Er entwickelte sich am 3. August und wütete einen Monat lang mit verschiedenen Stärken in Puerto Rico, an der amerikanischen Ostküste, dann auf den Bermuda-Inseln und schließlich auf den Azoren.
Historisch ist auch der 22. August 1893. An nur einem Tag wirbelten gleich vier Hurrikane über Land. Schließlich töteten Ausläufer der Stürme bis zu 2.000 Menschen an der US-Ostküste. Nur am 25. September 1998 wurden ebenfalls vier Hurrikane an einem Tag beobachtet.
Die jährlich wiederkehrenden Stürme werden nicht unbedingt stetig stärker. Betrachtet man die historischen Daten gibt es eher zyklisch ruhige Jahrzehnte und wieder Jahre mit mehr Stürmen.
- Hurrikane der vergangenen Jahre
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August 2011: Hurrikan Irene fegt über die US-Ostküste. Mehrere Bundesstaaten erklären vorsorglich den Notstand. Der Sturm, der in North Carolina mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 140 Stundenkilometern auf Land trifft, bleibt weniger verheerend als erwartet. Dennoch gibt es Schäden. Millionen sind zeitweilig ohne Strom. Mindestens 45 Menschen sterben.
September 2010: Hurrikan Earl trifft mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 230 Stundenkilometern auf die nordamerikanische Ostküste. In mehreren US-Staaten wird der Notstand ausgerufen, für North Carolina sogar Katastrophenalarm. Der Sturm schwächt sich aber ab und richtet keine größeren Schäden an. In Kanada kommt ein Mensch ums Leben.
September 2008: Mit Winden über 170 Stundenkilometern und Überschwemmungen stürmt der Hurrikan Ike über der texanischen Golfküste. Mindestens 92 Menschen sterben. 4,5 Millionen Menschen im Großraum Houston sind ohne Strom.
September 2005: Hurrikan Rita verursacht am Golf von Mexiko in den Bundesstaaten Texas und Louisiana schwere Überschwemmungen. Der Sturm erreicht bis zu 200 Stundenkilometer. Zwischenzeitlich müssen mehr als eine Million Menschen die Region verlassen. Mindestens 119 Menschen sterben.August 2005: Katrina zieht über die US-Bundesstaaten Louisiana, Mississippi, Florida, Georgia und Alabama und tötet mehr als 1.800 Menschen. New Orleans wird weitgehend zerstört. Etwa 1,3 Millionen Menschen entlang der US-Golfküste verlieren ihr Hab und Gut.








seit drei Tagen auf allen Meiden das Topthema. Gibt es wirklich nichts Interessanteres zu berichten, als mieses Wetter in den USA?
wollte ich gerade dasselbe schreiben...
Bei der Nachrichtendichte könnte man meinen, der Sturm habe den gesamten amerikanischen Kontinent erfasst.
wollte ich gerade dasselbe schreiben...
Bei der Nachrichtendichte könnte man meinen, der Sturm habe den gesamten amerikanischen Kontinent erfasst.
kurze frage an die redaktion:
was ist jetzt genau das besonders herausragende dieses tragischen unwetters?
31 tote bei wirbelstuermen im maerz 2012 (usa):
http://www.zeit.de/wissen...
"Hitzewelle, Gewitterstürme, Stromausfälle, Waldbrände: Durch extremes Wetter sind im Osten der USA mindestens 13 Menschen gestorben, Millionen Menschen haben keinen Strom.
http://www.spiegel.de/pan... wurde der Notstand ausgerufen."
etc.
abgesehen davon, das ich solche extreme fuer etwas "normales" halte, bin ich mir sicher das es in vermeintlich "unbedeuterenden" erdteilen dieses jahr auch viele tote durch naturkatastrophen gegeben hat.
mein beileid gilt natuerlich allen angehoerigen und verwandten auch dieser toten.
in unser dauernd nach wachstum strebenden gesellschaft erfahren die toten anders gepolter gesellschaften scheinbar nicht das mediale blogg-live-ticker-mitgefuehl was wir fuer "unseres gleichen" in den usa uebrig haben.
ich glaube an einen erfolgreichen wiederaufbau der gebiete.
die usa kann immerhin geld fuer den aufbau erfinden was in solchen von der natur beanspruchten laendern wie bangladesh deutlich schwieriger ist.
es waere wuenschenswert wenn die artikel zu sandy (scheinbar ein maennername, was mir neu war - was gelernt) an masse abnehmen und an qualitaet zunehmen.
gruesse GoN
Zunaechst moechte ich dem was NoG schrieb zustimmen,es ist viele derartige auf der Welt geschehen,was ein weit geriners Echo fand.
Selbstverstaendlich haben die Menschen in den betroffenen Gebieten unser Mitgefuehl und hoffen fuer sie das die leider unvermeidbaren Wirbelstuerme sie das naechste mal nicht so hart trifft.
Aber die Welt drehte sich weiter,auch ohne New yorker Geschaeftstaetigkeit.
Vieleicht sollten die Macher an der Wallstreet oeftes verhindert sein(natuerlich nicht auf diese weise)dem Rest der Welt koennte es vieleich gut tun
http://www.youtube.com/wa...
bei weitem hatte dieser Sturm in Europa nicht die Ausmaße wie nun in New York. Woran liegt das? Die USA leben wie vor 120 Jahren, nichts wird investiert, Paphäuser wie in Queens brennen nun mal leicht ab. Eine marode U_Bahn. God bless Amerika, da kann man nur lachen. Und es gibt Politiker hier in Deutschland, die uns auf das amerikanische Niveau hinunterfahren wollen. Dagegen sollten sich alle wehren.
wollte ich gerade dasselbe schreiben...
Bei der Nachrichtendichte könnte man meinen, der Sturm habe den gesamten amerikanischen Kontinent erfasst.
Na dann ist der Spuk ja vorbei. Die Börse öffnet wieder und die Geschäfte laufen prächtig. Jaja, ein paar Tote gab es auch, aber mein Gott, in Haiti gab es schon über 51 Tote vor einigen Tagen (hat es wer registriert?) und wem interessiert es schon. Sicher, Haiti ist ein Land das auch ohne Sandy im Elend versunken ist, man kann sich vorstellen wie es den betroffenen dort jetzt geht. Aber was außerhalb der USA geschieht ist unwichtig. Wäre Sandy über Afrika hinweggezogen stände dies auf Seite 6 dritte Randnotiz rechts oder so.
Also mal ehrlich, ist es nicht an der Zeit sich von diesem leidigen Amerikatrismus zu lösen? Wird nicht übersehen das die USA täglich an Bedeutung verlieren? Die USA der Nabel der Welt, das göttliche Wunderland? Kappt endlich die Standleitungen der US Medienindustrie und macht lieber eigenständigen Journalismus! Den in den USA interessiert man sich nur für die USA. Ich habe grade in der SZ gelesen :
„Der letzten großen Studie des "Pew Project for Excellence in Journalism" zufolge widmen die großen US-TV-Sender internationalen Ereignissen, die keinen direkten Bezug zu den USA haben, etwa drei Prozent ihrer Nachrichtenzeit.“
Alles klar, oder? Wer meint das man aus US Medien informiert wird irrt gewaltig, jede Menge Desinformation ist das Ergebnis. Es ist wirklich überfällig sich hier in Deutschland abzunabeln, damit wir den Anschluss an die Wirklichkeit nicht verlieren.
Sehr bedauerlich sind natürlich die Schäden an Leib und Leben ... aber was die materiellen Kosten angeht: was für die einen die Kosten, sind für die anderen (Reparatur-)Aufträge und Einnahmen, die gute Nachricht ist also: die Konjunktur wird wahrscheinlich wunderbar angekurbelt. [Sarkasmus aus]
Aber was mich schon wundert: ist die gesamte Diskussion um den Klimawandel dermassen am amerikanischen Staat vorbeigegangen, dass es - wie schon in New Orleans - offenbar kaum Vorkehrungen gegen diese unzweifelhaft vorhersehbaren Naturgewalten gibt? Ist noch niemand auf die Idee gekommen, in Manhattan ausreichende Dämme zu bauen? Sorry, mein Mitleid für das Volllaufen der U-Bahn hält sich sehr in Grenzen. Die USA sind halt keine Nachhaltigkeits-Gesellschaft, aber mit den Konsequenzen müssen die USA nun auch irgendwie mal ohne Krokodilstränen leben.
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