JordanienEin Spielplatz für traumatisierte Bürgerkriegskinder

Rund 200.000 syrische Flüchtlinge leben in Jordanien. Mehr als die Hälfte von ihnen sind Kinder – die zu Hause fast alle Schreckliches erlebt haben. von Felix Gaedtke

Im Flüchtlingslager von Saatari nahe der nord-jordanischen Stadt Mafraq

Im Flüchtlingslager von Saatari nahe der nord-jordanischen Stadt Mafraq  |  © Ali Jarekji/Reuters

Ismail wirkt etwas verwirrt in seiner neuen Umgebung. Der Sechsjährige aus einem Vorort von Damaskus musste vor einer Woche aus seiner Heimat fliehen. Jetzt lebt er im Norden von Jordanien im Flüchtlingslager von Saatari in der Nähe der Stadt Mafraq. "Ich bin hier wegen der Raketen und der Bomben. Mein Haus ist kaputt. Ich habe gar nicht geglaubt, dass es unser Haus ist – ich konnte es nicht mehr wiedererkennen. In Syrien habe ich so viele Raketen gesehen. Sie sind hoch in den Himmel geflogen und dann explodiert", erzählt Ismail in dem staubigen, heißen Zelt, in dem er zwischen seinen Geschwistern sitzt.

Der junge syrische Flüchtling erinnert sich auch, wie ihr Haus beschossen wurde: "Viele Kugeln sind durch das Fenster gekommen. Ich habe sie aufgehoben. Sie waren das Einzige, was ich mitgenommen habe von zu Hause." Als sie über die Grenze kamen, sagte seine Mutter Hafa ihm, dass er die Patronenhülsen wegwerfen muss. Ismail vermisst sein Zuhause. Jeden Tag betet er zu Gott, wieder dort zu sein.

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Er ist einer von mehr als 30.000 Syrern in Saatari, über die Hälfte aller Flüchtlinge in Jordanien sind Kinder. Das Lager von Saatari liegt in der Wüste, unweit der syrischen Grenze. Es sind 40 Grad, die heiße Luft ist voll feinem Staub, der alles in dem Lager unter sich bedeckt. Es gibt keine Vegetation – weder Bäume noch Büsche – und keinen Schatten, nur Zelte und ein paar Container internationaler Hilfsorganisationen. Die Mehrzahl der bis zu 200.000 Syrer in Jordanien lebt außerhalb solcher Camps. Viele sind bei Familie und Freunden untergekommen oder mieten Zimmer und Wohnungen mit dem Geld, das ihnen geblieben ist.

Traumata bekämpfen

Weil die Familien oft wirtschaftliche Not leiden, nimmt die Sorge vor der Ausbeutung von Kindern zu. Gerüchte um Zwangsehen und sexuellen Misshandlungen von Flüchtlingsmädchen kommen auf, die UNICEF bestätigt zudem einen Anstieg der Kinderarbeit. Manche der Kinder, die außerhalb der Lager leben, haben bereits die Schule verlassen und angefangen in Cafés zu arbeiten. Häufig ist dies die einzige Überlebensmöglichkeit für die Familien, da in vielen Fällen nur die Frauen mit den Kindern nach Jordanien gekommen sind. Frauen, die arbeiten, werden aus kulturellen Gründen oft gesellschaftlich geächtet.

Die Familie der vierjährigen Rama hat eine kleine Wohnung in Amman gemietet. Sie ist sauber und aufgeräumt. Ramas Vater hatte Geld gespart, bevor ein Panzer sein Geschäft in Damaskus zerstörte, in dem er Heizungen verkaufte. Rama und ihre sechs Jahre alte Schwester sind einheitlich angezogen, weiße Schuhe mit Blumen darauf, rosa Hosen und ein weißes Kleid. In Syrien hatte Rama einen imaginären Freund: Tamim. Sie erzählte ihm alles. Seit Rama in Jordanien ist, hat sie nicht mehr mit ihm gesprochen. Sie sagt: "Jetzt ist Tamim tot."

Leserkommentare
  1. Sehr geehrte Redaktion, an dieser Stelle wäre die Nennung der Spenden-Kontodaten der UNICEF erfreulich!

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    wenn man zwischendurch ein Spendenkonto einblendet damit man auch mal eine Adresse hat.

    Das man hier therapeutisch hilft ist finde ich schon ein Anliegen aber vor Ort ist die Hilfe doch am angemessensten da die Sprache und alles eben darauf abgestimmt ist man kann denke ich nicht erwarten das wir hier die Flüchtlinge aufnehmen und Integration betreiben wo es den Ländern vor Ort wesentlich leichter fällt. Mit finanzieler Hilfe wäre den Menschen sicher besser geholfen aber die sieht zurzeit auch schlecht aus.
    Wenn es bei einer vorübergehenden Aufnahme bleibt würde es sich in den Eu Ländern auch anbieten. Vielleicht tut sich ja noch etwas.

  2. wenn es uns im freien und demokratischen westen wirklich um die menschenrechte geht, wo bleiben dann unsere angebote, diesen kindern zu helfen: aufnahme und therapeutische betreuung in deutschland (oder den anderen nato-staaten), um ihnen die chance zu geben auf ein menschenwürdiges leben nach diesen traumata

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    .... gibt es bestimmt ganz ganz viele arabisch sprechende Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten. Oder sind das nur schöne aber doch realitätsfremde Floskeln? Übrigens aus dem Artikel kommt klar vor, das überwiegend die Mittelschicht geflohen ist, und sie hat eher die friedliebenden ausländischen Rebellen zu fürchten als den Diktator Assad.

  3. Kinder sind an Kriegen völlig unschuldig und doch so besonders stark gefährdet.

    Das Drama setzt sich im Leben fort, sie werden ihr Leben lang unter schlimmen Erlebnissen und der Angst leiden, die sie im Krieg erfahren mussten.

    Es gibt auch Länder, in denen Kinder als Soldaten eingesetzt werden.
    Damit noch nicht alles.
    Ist der Krieg dann mal zu ende ist die Gefahr noch nicht vorbei. Ihre Gesundheit und ihr Leben sind durch liegen gebliebene Munition und besonders die überall vergrabenen Landminen bedroht. Überall lauert die Gefahr, bei der Nahrungssuche, beim Wasserholen, beim Spielen und auf dem Schulweg.

    Ich frage mich oft wie ein Soldat seinem Kind erklärt was er getan hat.

    • hakufu
    • 15. Oktober 2012 20:33 Uhr

    Jordanien, oder der kleine König, hätte ihn verdient.

    Wie viele Palästinenser, Iraker, Syrier hat dieser Staat aufgenommen, obwohl man wirtschaftlich nicht auf Rosen gebettet ist.

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    Bekommen die, die die Unruhen unterstützen und schüren, nicht die die helfen.

  4. Sind die Familien vor Assad geflohen oder vor den unkontrollierten Angriffen der Rebellen, deren Waffennachschub ja unendlich zu sein scheint.

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    Auf die frage wer sie vertrieben hat haben sie vielleicht eine Standartantwort parat aber im Grunde gibt es in einen Konflikt zwei Seiten und dazu zählt auch die Syrische Regierung beide Seiten führen Krieg und tragen für die vertreibung Verantwortung man sollte das nicht auf eine Partei abwälzen.
    Wenn es in Syrien so abgelaufen wäre wie in Ägypten oder Tunesien gäbe es jetzt keine Flüchtlinge so könnte man auch Argumentieren das Ergebnis bleibt das gleiche schade ist nur das der Konflikt auf kosten der Bevölkerung ausgetragen wird und auch Kinder das Nachsehen haben.

  5. wenn man zwischendurch ein Spendenkonto einblendet damit man auch mal eine Adresse hat.

    Das man hier therapeutisch hilft ist finde ich schon ein Anliegen aber vor Ort ist die Hilfe doch am angemessensten da die Sprache und alles eben darauf abgestimmt ist man kann denke ich nicht erwarten das wir hier die Flüchtlinge aufnehmen und Integration betreiben wo es den Ländern vor Ort wesentlich leichter fällt. Mit finanzieler Hilfe wäre den Menschen sicher besser geholfen aber die sieht zurzeit auch schlecht aus.
    Wenn es bei einer vorübergehenden Aufnahme bleibt würde es sich in den Eu Ländern auch anbieten. Vielleicht tut sich ja noch etwas.

    Antwort auf "Spendenkonto"
  6. Bekommen die, die die Unruhen unterstützen und schüren, nicht die die helfen.

    Antwort auf "Friedensnobelpreis"
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    • Catalpa
    • 16. Oktober 2012 7:12 Uhr

    scheint mir jedoch wichtig, um die Verhältnisse in Syrien einzuschätzen:
    http://www.heise.de/tp/ar...

  7. 8. Ritta

    Auf die frage wer sie vertrieben hat haben sie vielleicht eine Standartantwort parat aber im Grunde gibt es in einen Konflikt zwei Seiten und dazu zählt auch die Syrische Regierung beide Seiten führen Krieg und tragen für die vertreibung Verantwortung man sollte das nicht auf eine Partei abwälzen.
    Wenn es in Syrien so abgelaufen wäre wie in Ägypten oder Tunesien gäbe es jetzt keine Flüchtlinge so könnte man auch Argumentieren das Ergebnis bleibt das gleiche schade ist nur das der Konflikt auf kosten der Bevölkerung ausgetragen wird und auch Kinder das Nachsehen haben.

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    Was ist dort besser geworden????

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Unicef | Jordanien | Ausbeutung | Familie | Flüchtlingslager | Geschwister
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