Paolo Gabriele (Zweiter von rechts) während der Urteilsverkündung ©REUTERS/Osservatore Romano

Für 18 Monate muss Paolo Gabriele ins Gefängnis. Der ehemalige Kammerdiener des Papstes ist von einem vatikanischen Gericht verurteilt worden, weil er vertrauliche Dokumente der Presse zugespielt hatte. Doch auch nach dem einwöchigen Prozess ist die VatiLeaks-Affäre noch lange nicht aufgeklärt.

Eine Frage stellt sich nach der Urteilsverkündung: Gab es geheime Absprachen während des Gerichtsverfahrens? Auffällig ist, dass nur sehr kurze Zeit nach den Plädoyers von Staatsanwalt und Verteidigung das Urteil verkündet wurde. Möglicherweise stand also das Strafmaß schon vor dem Prozessende fest. Das Urteil lobte Gabrieles Anwältin sogleich als ausgewogen.

Manche Ungereimtheit während des Verfahrens sprechen für die These, dass die Verteidigung einen Handel mit dem Gericht gemacht hat. So war beispielsweise Monsigniore Carlo Maria Polvani zunächst als Zeuge benannt worden, später wurde sein Name aus dem Prozess gestrichen. Vielleicht hätte er Entlastendes sagen können.

Ein Artikel der Welt war zunächst Teil der Prozessunterlagen, die Anwältin des Kammerdieners, Christiana Arru, zog ihn aber zurück. Damit war der Staatsanwalt sofort einverstanden gewesen. Seine Begründung: Es sei nur Werbung für die deutsche Ausgabe des VatiLeaks-Buches Sua Eminenza (Seine Heiligkeit) des Enthüllungsjournalisten Gianluigi Nuzzi.

Dabei hätte der Zeitungsartikel den Angeklagten Gabriele entlasten können, denn darin wird aufgelistet, dass möglicherweise drei weitere Menschen an der Veröffentlichung der vertraulichen Vatikan-Dokumente mitgewirkt hätten. Warum also zieht die Anwältin diesen Artikel zurück? Der Repubblica -Autor Marco Ansaldo vermutete in der aktuellen ZEIT, dass der Prozess ein abgekartetes Spiel war: Wenn Gabriele alle Schuld auf sich nehme und andere Personen heraushalte, könne er mit einer milden Strafe rechnen.

Gab es Verbündete?

Das verdeutlicht die zweite große Frage, die auch nach dem Prozess noch unbeantwortet ist: War Gabriele tatsächlich ein Einzeltäter oder gab es mehr Beteiligte? Als er noch nicht als Informant enttarnt war, hatte Gabriele in einem Fernsehinterview – anonym und vermummt – gesagt, er habe 20 Komplizen.

Im Verfahren nun machte der ehemalige Kammerdiener eine ganz andere Aussage : Er habe allein gehandelt, keine Komplizen hätten ihm geholfen. Stattdessen sprach er nebulös von "vielen Kontakten", die er habe und "viel Vertrauen", das er genieße. Wer seine Vertrauten sein könnten, darüber wurde viel in italienischen Medien spekuliert.